Einzelbild herunterladen

Angeklagten berufen haben, verglich. Es wurde namentlich constatirt, daß die Wiltwe Solyrnoffi anfänglich das Verschwinden ihrer Tochter Esther auf Vor­mittags zwischen 9 und 10 Uhr angegeben hat, während dieselben noch nach -der Mittagsstunde gesehen worden ist.

Bei Erörterung des Leichensunds° in Dada ergeben die Akten nicht, ob diejenigen, welche Esther Solymossi zuletzt sahen, gefragt wurden, welche Kleider dieselbe trug, ob dieselben identisch mit denen seien, mit welchen die Leiche be­neidet war. Schließlich fand eine mehrstündige Verlesung der Aussagen der Angeklagten ix der Schlußverhandlung statt.

Paris, 18. December. Em Telegramm beß Gouverneurs von Cochinchina be­tätigt den gewaltsamen Tod des Königs von Anam. Der Adlatus dcs ßtodcoav Missa:S, Champeavx, habe die Regierung nicht anerkannt, Habs auch die ossiciellen Beziehungen zu derselben abgebrochen; er unterhalte jedoch mit dem neuen Ministerium noch geschäftlichen Verkehr. Dec E-.v lcomm.ssar Harmand sei nicht nach Hue gegangen.

Ein auS Saigon unterm 17. ds. in Paris eingegavgcries Telegramm be­richtet, das PanzerschiffBayard", am 13. von Hue abgegangen, habe gleichfalls die Nachricht von dem Tode des Königs von Anam bestär-gt; es seien jedoch in Hue keinerlei Unruhen auSgcörochen und die französische Gesandtschaft laufe keine Gefahr. Die Garnisonen von Thuanan und Hue seien wieder frisch oerprooiantirt. Courdet habe feinen Marsch auf Sontay am 11. ds. angetreten.

Die Deputirtenkammer bewilligte die Credite für Tongking mit 312 gegen 180 Stimmen.

Im Senate wurde heute die Vorlage betreffs der neuen Credite für Tong- king eingebracht und wurde alsbald der Commffsion, welche die früheren Credite be- rieth, zugcstellt. Die Commission trat sofort ;n Berathuung und wird Bericht er­statten. Jaureguiberry bezeichnete das Aufgeben Tongkings als unmöglich. Frankreich würde dadurch vor Europa herabgewürdtgr werden. Die augenblicklichen Verlegen­heiten seien durch Langsamkeit verursacht. Man müsse der Negierung die Möglichkeit ^währen, offen zu sagen und zu zeigen, datz Frankreich refpeetnt sein wolle. Die Commission war einstimmig für die Bewilligung der Credite. Die Berathung ist auf nächsten Donnerstag festgesetzt.

General Millot reist morgen nach Tongking ab.

Einer Depesche des JournalsParis" aus Hongkong vom 17. December zufolge begegnete Courbet auf dem Marsche nach Sontay nur schwachem Widerstande. Der Feind ziehe sich vor ihm in die Gebirge zurück. Sontay werde wahrscheinlich ohne Gefecht besetzt werden.

DemTempS" zufolge haben sich 8000 Offidere für die Expedition nach Tongking beim Kriegsminister gemeldet. Auch von Unterofficieren ünd Soldaten gingen zahlreiche Meldungen zur Einstellung in das Expeditionskorps ein.

London, 18. Decbr. Wie verschiedene Abendblätter melden, sollen die Stadtbehörden zwei Briese erhalten haben, in welchen die Sprengung der Lon- Doner Brücke und des Newgate-Gefängniffes angedroht wird. Die Brücke und das Gesängniß werden in Folge dessen streng bewacht.

Wie diePall Mall Gazette" meldet, sind in Folge der Nachricht, daß mehrere Mitglieder der Partei der sog.Unüberwindlichen" von New-Pock nach England abgereist seien, außerordentliche Vorsichtsmaßregeln für die Sicher­heit des Premier Gladstone in Hawarden getroffen worden. Mehrere Polizei- Agenten sind in Hawarden stationirt.

Rom, 18. Dec'wber. Der deutsche Kronprinz machte heute Vormittag einen Spaziergang aus dem Korso und der Piazza bi Venezia, von der Bevölkerung überall ehrfurchtsvoll begrüßt. Wenige Minuten vor 11 Uhr verließ der Kronprinz, welcher die Feldmarschalluniform mit dem Bande des Schwarzen AdleryrdenS trug, mit seinem Gefolge in drei Hoffquipagen den Quirinal und begab sich ohne vorherige Anmeldung nach dem Pantheon, wo er einige Zeit an ban Grabmale Victor Emanml's verwerlte. Kurz zuvor war dort ein prachtvoller Lorbeerkranz niedergelegt worden.

Ausführlichere Meldung. Kurz nach 1 Uhr begab sich der deutsche Kron­prinz nach dem Vatikan, um dem Papste einen Besuch abzustatteu. Im ersten Wagen, einem Coup', saß der Kronprinz mit dem preußischen Gesandten von Schlözer, in 2 geschlossenen Landauern folgte das Gefolge des Kronprinzen. Alle 3 Wagen waren mit je 2 Pferden bespannt, die Kutscher und die Bedienung trugen schwarze Livree mit der preußischen Kokarde. Der Kronprinz und sein Gefolge waren in Uniform. Etwa 10 Minuten nach 1 Uhr trafen die Wagen auf dem St. Petersplatze ein und fuhren durch die Einfahrt, welche nach den Museen führt, in den Vatikan. Der Kronprinz verließ mit seinem Gefolge die Wagen in dem Hofe des heiligen Damasus vor der zu den Gemächern des Papstes führenden Ehrentreppe. An den Eingängen zum Vati- lau befand sich eine große Menschenmenge, welche den Kronprinzen ehrerbietigst begrüßte. An der Ehrentreppe standen päpstliche Gensdarmen in großer Uniform, die Treppe entlang waren päpstliche Palast- und Nobelgarden, ebenfalls in Gala, aufgestellt. Am Fuße der Treppe wurde der Kronprinz von Monsignore Cataldi, dem Ceremonien- meifter, empfangen, im Schweizersaal fand eine Begrüßung durch Monsignore Teodoli, den Majordomus des Papstes, sowie durch den Kammerherrn Monsignore Macchi "ftatt.,, Geleitet von den genannten Würdenträgern begab sich der Kronprinz nach den Gemächern des Papstes. Der heilige Vater kam dem Prinzen bis in das Vorzimmer entgegen und lud denselben zum Eintritt in sein Gemach ein. Nach einer Unterredung, die über eine halbe Stunde währte, stellte der Kronprinz dem Papste sein Gefolge vor, welches außer dem preußischen Gesandten v. Schlözer und dem Gesandschastssekretär, aus 6 Personen bestand. Am Schluß des Besuchs bat der Kronprinz den Papst um die Erlanbniß, die Bibliothek und die Museen des Vatikans, sowie die Peterskirche lnrz besichtigen zu dürfen. Nachdem der Kronprinz auch dem Kardinal Jacodini einen besuch gemacht hatte, verließ er um 3 /2 Uhr den Vatikan und begab sich direct nach dem Quirinal.

Rom, 18. Decemder. Als noch der Unterredung des dmrschen Kronprinzen mit bem P,pste die Vorstellung des klSnprinzUchen Gefolges stattfand, untrrhielt sich der Papst mit einzelnen Personen btffdbtn freundlichst und bemerkte u. A., daß er Leute vor dreißig Jahren zum Kardinal ernennt worden sei und damals schon den Kronprinzen auf dessen erster Reise nach Rom kennen gelernt habe. Als der Kron- vrinz sich später zu Jacobini begab, kam ihm der Kardinal bis zur Thür entgegen und geleitete denselben in seine Gemächer, wo der Kronprinz und der Kardinal sich fünfzehn Minuten unterredeten, während welcher Schlözer das kronprinzliche Gefolge bem Unter; staatssecrerär Mosennt vorstellte. Bet dem Besuche der Museen traf der Kroiivrini Wiederum mit Jacobrni zusammen.

Der König von Italien verlieh den Großcorbon des Mrrur tius Lazarus- ordens an den Grafen Blumenthal, den Großcordon der italienischen Krone an den Hofmarschall von Normann und den General von Loö. Nach den bisherigen Dis, Positionen reist der Kronprinz Donnerötag nach Bozrn und setzt von dort seine Reise nach Berlin fort.

In der Kammer stimmten bei der heute wiederholten Abstimmung über die bei Berathung deS Unterrichtsbudgets zu dem KapitelBibliothek" gestellte Cabinets- frage 158 Abgeordnete für die Regierung. 82 enthielten sich der Abstimmung, 6 stimmten Segen die Regierung.

Konstantinopel, 18. December. Aus Adalia wird vom 14. Decbr. gemeldet: In Folge heftigen Sturmes haben 6 große Schiffe und 15 Küsten­fahrer Schiffbruch gelitten. Sämrntliche Bemannungen sind zu Grunde gegan­gen. Der hiesige Schaden ist sehr bedeutend.

Lokales

G. Gießen, 19. December. (Sterblichkeit in Gießens Die Zahl der Todesfälle während der Woche vom 9. bis 15. Dkcember war eine gleich große wie in der un­mittelbar vorhergehenden Woche, nämlich 11, welche sich auf 7 Erwachsene und 4 Kinder verthetlten. Von den Kindern befand sich eins noch im ersten Lebensjahre, es starb an Diarrhöe. Von 3 anderen Kindern zwischen dem 2. und 10. Lebensjahre erlag je eins Krampfen, der Diphtherie, einer Nierenentzündung. Von erwachsenen Personen fiarb eine durch Luftansammlung in der Brusthöhle, eine an Herzkrankheit, eine an Nierenentzündung. Drei Männer verunglückten, davon 2 durch Sturz in Keller, einer

erlitt tödlliche Verletzungen in ein?m Bergwerke. Ein Mann legte sich in ftlbK- mördntsLer Absicht auf dte Schienen einer Eisenbahn und ließ sich überfahren.

Gießen, 19. December. In der am 6. Decembcr stattgehabten GeneralrVer fammlung des Vereins für Krankenpflege wurden über die Thätigkctt d.^ Barmherzigen Schwestern einige statistische Zahlen znr Kennt» der Serfamailur.& gebracht.

In Thät'gkeit waren

vom 1. Dccember 1882 bis 1. April 1883 120 Tage 2 Schwestern,

1. April 1883 dis 8. Juni 1883 65 3

8. Juni 1883 bis 30. November 1883 172 4

360 Tage, in der Zeit von

120 Tagen wurden geleistet 180 Tag-, 78 Nachtwachen. Total 258

68 , , 192 137 , 329

1/2 , 370 207 , . 577

742 422 1164

während des ersten Jahres wurden im Ganzen 74 Personen verpflegt und zwar nach Confessionen getrennt

40 Evangelische mit 419 Tag- und 274 Nachtwachen,

5 Israeliten 1U958

29 Katholikm 214 90 v

74 742 ' 422

Der sodann erstattete Cassabericht weist an Einnahmen auf:

1. ordentliche Einnahmen .... ^4 2047.50

2. außerordentliche Einnahmen . . . , 487.

3. Zinserträgniß vorübergehend, angelegter

Beträge....... 18 60 X 2 553.10

wogegen an Ausgaben erwachsen sind:

1. Anschaffung an Mobiliar rc. . . . JL 486.76

2. Miethe 503.47

3. Unterhalt der Schwestern w 1382.61

4. Gehalt des Dieners und diverse kleine

Ausgaben 106 31 JL 2 47915

verbleibt Ueberschuß . . . JL 73.9^

Der seitherige Vorsitzende, Herr Professor Dr. Gareis, legte, weil durch seine amtlichen Geschäfte als Kanzler in Anspruch genommen, bar Vorsitz nieder und wurde alsdann zum Ehrenpräsidenten ernannt. Den Vorsitz für das lauf-noe Jahr führt Herr Rechtsanwalt Curt mann.

Gießen, 19. December. Gestern Abend passiiten in Begleitung dreier Gendarmen zwei Individuen, welche wegen Verdachts des bekannten Rauvmords in Stuttgart. ba£- etne in Hamburg und bas andere m Bremen, er gr. ff en worden sind, die hiesige Station, um nach Stuttgart gebracht zu werden.

GermisrHtskH.

Kairo, 29. November. Eine Sehenswücdigkc-t erstcn Ranges bildet hier die in der Nähe von Kairo gelegene Straußcnzucht d's Herrn Werter. Man wird den Ausflug um so wewger bereucn, wenn man das Glück hat, von bem liebenswürdigen Herrn selbst herumgefühtt zu werdm. Herr Wetter hat vor ungefähr vier Jahren mit 24 Straußen angefangen und es bereits auf 210 gebracht; auch ist er nun über das Versuchsstadkum hinaus und kann auf einen großen finanziellen Erfolg Hinweisen. Jeder erwachsene Strauß bringt für ungefähr Frs. 700 jährlich Federn oder rcntirL sich auf FrS. 300 jährlich netto; die Henne legt ca. 48 Eier, wovon etwa der vierte Theil schlecht ist; von den bleibenden drei Dutzend überlaßt man die Hälfte den Alten zum abwechselnden Ausbrüten, die andere Hälfte muß künstlich behandelt werden, in durch Wasser von oben erwärmten, mit Wolle bedeckten Sandkästen. In dieser' K:.-nst steht Herr Wetter wohl einj'g da und obwohl eine algierische Gesellschaft ihm den besten Gehilfenausflespannt" hat, kann sic noch kein annäherndes Resultat auf? weisen- Die Hauptschsterigkell besteht tu der Bcibchaltung gleicher Wärme und in dem Ausklopftn der Eter zur richtigm Zeit und am rechten Fleck. Die Anlage ist nach .Art unserer Zellengefängmsse strahlenförmig angelegt natürlich in kolossalem Maßftabe und oben offen. D?e verschiedenen Jahrgänge werden truppweise in je einer Zelle, gehalten und nur brütende Paare werden abgesondert, geberben sich dann sehr wild und sind gefährlich. Eine unangenehme Arbe-t ist das Ausreißen Der Federn, wober oft drei Araber des Vogels kaum Herr werden. Herr Wetter züchtet nicht nur den große» Jagdstrauß, sondern auch bin weniger geschätzten Nemenstrciuß, beide liefern aber bessere Federn als der Kapstrauß. Das Fleisch fft dem Rtndfleffch ähnlich und jedes volle Er wiegt ca. 2 Kilo. In dem Magen eines einigen Vogels wurde jüngst so viel Sand gefunden, um einen kleinen Kohleneimer zu füllen.

Der Katserl-che Consul in (Santon hat eine Sammlung von Mustern fremder Importe für den Chinesischen Markt und sprciell denjenigen von (Santon und Hongkong an den Henn Reichskanzler gesandt, und di- Sammlung, welche den beteiligten industriellen Kreisen zugänglich gemacht werden wird, mtt einer Anweisung versehen, die im Decemberhrft desDeutschen Handels-Archivs^ veröffentlicht wird. Der Bericht, legt dar, daß erfahrungsmäßig enes der wesenilichsim Hindernisse der Hebung und Ausdehnung unseres E»porthandels nach China in dem Umstande liegt, daß den An­forderungen des Chintsischrn Marktes heim'schersrits, sei aus ungenügender Kenntniß, sei es, was noch häufiger der FM, wril man der strikren Befolgung der von den Jmporthäuscrn dieserhalb gegebenen Instructionen nicht den nöth'grn Werth beilegt, nur ungenügend Rechnung getragen w rd. Mit Bezugnahme auf die gesandten Jmport- muster werden deshalb Anweisungen für den Einfuhrhandel mit China gegeben, die für den gesammtcn Deutschen Handelsstand von größter Bedeutung sind. Den all- gemeinen Bemerkungen über Schutzmarken, Aufmachung, Vcrpackung (mit Abbildungen^ Verschiffung, Creditverhälmisje, Münzfuß und Curse, Maße und Gewichte rc. folgen eingehende Mittheilungen über jede einzelne Waarengattung und über die Mittel, ihre Adsatzsäh'gkett zu erhöhen. Zuletzt wird behufs Erleichterung der Anknüpfung von Gtschaftsbczichungen eine ganze Reihe Deutscher Jmpottfirmeu von China und deren Vertrttungen namhaft gemacht. Wie durch diesen ConsulatSbericht weiden die Deutschen HandklStnt^rrssrv auch durch die Herausgabe eines Werkes gefördert werden, das soeben als Ergänzungsdand zum Hanbels-Ai ch«v erscheint:Die Zolltarife de^ In- und Auslandes". In gedrängter Kürze und aus amtlichen Quellen sind die. gegenwärtig gtlt gcn Zollsätze von 73 Ländern üdersichtl.ch zusammengestellt und ist damit ein Handbuch geschaffcn, wie cs seit Jahren sowohl von Seiten dcs Handels­standes als auch von Behörden und Corporationen gewünscpt wurde.

(653 Selbstmordes Im abgelaufenen Quartale sind in den größeren deutschen Städten mit mehr als 15,000 Einwohner im Ganzen 653 Selbstmorde vor­gekommen. Es treffen auf Berlin 84, Hamburg, einschließlich Vororte, 52, Bres­lau 30, Dresden 18, Königsberg 17, Leipz'g 15, München und Danz'g je 13, Frank­furt a. M. 12 u. f. w.

(Zur Weltlage.) In einer Berliner Possen-Novität wurde vor Kurzem ein Couplet mit dem RefrainAder sonst tst die Stimmung im Ganzen famos" gesungen. Eine Strophe dieses Coupllts stellt tn recht gelungcnrr Weise die gegenwärtige politische Weltlage dar:

In Deutschland die Heere kriegen neue Gewehre, In Oesterreich kriegen neue Gewehre die Heere, In England das Heer kriegt ein neues Gewehr. Zu Rußland ein neues Gewehr kriegt das Heer;

Dagegen macht Frankreich neue Gewehre jetzt blöd Aber sonst tst die Stimmung im Ganzen famos.

Ein internationaler Congreß von Gewohnheitstrinkern, Quartalssäufern und gemeinen Trunkenbolden soll im nächsten Sommer tn London abgehalten werden. Drei Tage hintereinander soll ein scharf-s Wetttrinken in starken Getränken stattsinden und mit einer solennen Maffenschlägerei die Feier beschlossen werden. Bei dieser, hofft man, werden Diejenigen, welche das Wetttrinken überstanden haben, den Rest bekommen.

Eingesandt.

Der von den hiesigen Geistlichen herausgegcbine Gießener Kirchen- Kalender für 1884, 3. Jahrgang, wird in den nächsten Tagen erscheinen und tn *tn Familien angeboten werden. Sein Erscheinen hat sich durch unabwendbare Hinder^