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1888

Donnerstag den 20. December

Mr. 296

Amts- und Anzeigeblati für den Kreis Gießen

Erscheint ILzttch mH Ausnahme deü MsntsgS.

Bareaur Schulstraße 7.

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Prei- viert«!Ehrlich 2 Marl 20 Pf. mit Bringerkhn- Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mari 50 Pf.

Telegraphische Depeschen.

Wolffs telegr. Lorrespondenr-Bvrea«.

Berlin, 18. December. Der Magistrat beschloß, die Einführung und Verpflichtung der neuen Stadtverordneten am 2. Januar vorzunehmen, woran sich die Constituirung der Stadtverordneten-Versammlung unter dem Alters­präsidenten alsbald anschließen wird. , ,

Se. Maj. der Kaiser conferrrteL.heute Mittag mit dem siuheren Chef der Admiralität v. Stosch. t ~

__ Der Kardinal Hohenlohe wurde gestern von der Fran Kronprinzessin und heute Nachmittag von den Dtajestäten empsangen.

Pesth, 18 December. (Tisza - Eszlarer Proceß m der AppellatronS- Instanz ' In der heutigen Verhandlung gab der Referent eine Zusammen­stellung der Beweise und Jndicien, welche der Untersuchungsrichter als Belastungs­momente gesammelt hat und beleuchtete sodann die Aussagen der einzelnen Angeklagten» indem er sie mit den Depojitionen der Zeugen, auf welche sich diL

Die Finanzen der französischen Republik sind, obgleich keines­wegs auch nur annähernd so zerrüttet, als von den Feinden des bestehenden Regimes verkündet wirb, doch andererseits auch keineswegs so blühend, um dem Staate kostspielige Ausgaben, für welche kein absolut gebieterisches Bedürsnitz nachweisbar erscheint, sans g6ne zu gestatten. Daß für Tongkmg gleichwohl weitere 20 Millionen verlangt werden, mit dem stillschweigenden Vorbehalt, noch mehr zu fordern, falls die Umstände es erheischen sollten, beweist zur Genüge, wessen man sich von dem Fortgänge der Ferry'schen Politik in Ostasten ver­sieht. Für einen bloßen militärischen Spaziergang an den Gestaden des Rothen Flusses ist das Ausgaben-Conto des Tongkingnesijchen Geschäfts denn doch ein Bischen zu hoch, und die 6000 Mann Verstärkungen, die demnächst nach Ost- asien' in See gehen, werden, am Orte ihrer Bestimmung angelangt, wo hl auch mehr zu thun finden, als sich mit ihren bereits daselbst anwesenden Kameraden in die Wahrnehmung des laufenden Garvisonsdienstes zu theilen. An der that- fächlichen Jnsurrectionirung Anams ist kaum noch zu zweifeln, und wenn, was wenigstens eine sehr naheliegende Vermuthung ist, chinesische Jntnguen dabei im Spiele sind, so verschlägt es für die faktische Seite der franco - chinesischen Beziehungen blutwenig, ob der äußerlich friedliche Charakter des beiderseitigen Verhältnisses gewahrt bleibt oder nicht. Frankreich könnte trotzdem in den Fall gerathen, vonSchwarz-Flaggen" und anamitischen Insurgenten zwischen zwei Feuer genommen zu werden und wenn auch die französischen Waffen den Erfolg für sich haben sollten, so wird er doch nicht ohne Opfer zu erkaufen sein, welche empfindliche Lücken in den Präsenzstand des Expeditions-Corps reißen müssen. Wie aber diese Lücken ausgefüllt werden sollen, ohne die Functionirung des französischen Mobümachungs-Tableaus ernstlich zu gefährden, ist em Problem, dessen Lösung erst noch gefunden werden soll. Schon durch die Entsendung der obenerwähnten 6000 Mann Verstärkungen dürfte der Stand der französischen FriedenS-Cadreö auf die Minimalgrenze seiner effectiven Leistungssährgkert herab­gedrückt sein, und wird die öffentliche Meinung der Republik gut thun, sich schon jetzt mit dem Gedanken vertraut zu machen, daß behufs definitiver Ein­mischung TongkingS in das ostasiatische Kolonialreich zu neuen und kostspreugeu Organisationen geschritten werden muß. ,

Die spanischen Cortes sind am Samstag mit einer Thronrede er­öffnet worden. Dieselbe gedenkt zunächst der Reisen, die König Alfonso in diesem Sommer nach Oesterreich und Deutschland unternommen habe und welche die Beziehungen Spaniens zu den genannten Staaten so herzlich gestaltet hatten. Natürlich thut die Thronrede auch des Besuches des deutschen Kronprinzen tn- Spanien Erwähnung. Die Zwischenfälle während der Anwesenheit des Königs Alfonso in Paris übergeht sie mit feinem Tacte. Dagegen betont sie die guten Beziehungen Spaniens zu Frankreich und weist sodann auf die nut Portugal, Italien, Dänemark und Holland angeknüpften Handelsbeziehungen hm. In Bezug auf die inneren spanischen Angelegenheiten druckt Re Thronrede die Hoff­nung auf demnächstige Herstellung im Gleichgewicht des Budgets aus und kün­digt einen Gesetzentwurf über die Anwendung des allgemeinen Stimmrechtes an,, worauf der Schluß der Cortes folgen folle, dem sich die Neuwahlen anschließen würden. ----- --------------

Politische Uebersicht.

Gießen, 19. December.

In Gegenwart der Kaiserin hat am vorgestrigen Tage im Ver- eüissaale des Ministeriums des königlichen Hauser zu Berlin das Central-Comitü des deutschen Rothen Kreuzes feine Arbeitsfitzungen eröffnet. An die Mittheilung über die Lage der Verhandlungen, betr. die Berufung einer internationalen Vereins-Conferenz des Rothen Kreuzes schloß sich der Bericht über die einge­gangenen Acußcrungen der Landesvereine zu dem vom Central-Comitä ausge­stellten Revisionsentwurf der Genfer Convention, bezüglich dessen nach den Allerhöchsten Jnteütionen keinerlei Initiative vom Central-Comitö ergriffen, son­dern die Aufnahme derselben von Seiten der Staatsregierungen abgewartet werden soll. Der Vermogensstand des deutschen Central-Comitös beläuft sich auf nahezu 400,000 M.

Auf dis Sitzung des deutschen Central-Comitäs folgte vie Generalversammlung des preußischen Vereins zur Pflege im Felde verwundeter Krieger, dessen Vermögensbestand am Ende des lausenden Jahres sich auf rund 356 000 M. beziffert. Aus den im Anschluß an die Generalversammlung ge­pflogenen Verhandlungen des preußischen Central-Comiiös ist hervorzuheben die Gnticheidung der Frage über die Bildung von Sanitäts-Kolonnen aus den Krie> gervereinen, welche in einem den anwesenden Vertretern der letzteren sehr ange- riehmein Sinne getroffen wurde.

Die Errichtung eines deutschen Officier-Consumvereins beschäftigt die Aufmerksamkeit weiter Kreise, wie die verschiedentlich eingeleiteten Schritte von Handelskammern, sowie die Interpellationen in den Landtagen Sachsens Bayerns und Württembergs beweisen. Auch in der Armee selbst bat man, wie officiöserseits geschrieben wird, aus naheliegenden Gründen ein Interesse daran, über den weiteren Fortgang und über die Ausführbarkeit des qeplanten Unternehmens unterrichtet zu fein. Wie aus einer Bekanntmachung in herAllg. Jllustr. Militür-Ztg." erhellt, ist indessen von einem sofortigen gßirfen des Officiervereins vorderhand keine Rede. Zuerst war Der Herbst tiefes Jahres, dann der 1. Januar 1884 als Termin festgesetzt, aber es durfte immerhin noch einige Zeit vergehen, ehe die Sache wirklich lebensfähig wird, lieber das Bedenkliche und Schwierige eines so großartig geplanten Unterneh­mens wie sich der deutsche Osficierverein nach dem zuerst veröffentlichten Pro- specte'darstellte, veröffentlichte bereits dieKöln. Ztg." unlängst einen Uufiatz -und kurz darauf brachten auch dieNeuen Milit. Blätter" eine längere Abhand­en über den gleichen Gegenstand. Auch wurde das Facit dahmgezogen, daß der^Sache bedeutend engere Grenzen gesteckt und vor Allem solidere Grundlagen für ihre Lebensfähigkeit geschaffen werden mußten. Inzwischen hatte das Ab- Wäaen des Dafür" undDagegen" in Sachen des Officiervereins auch in den Äreifen der Armee selbst das Urthell bedeutend geklärt und dazugesuhrt, die Ange­la nbeit Nicht mehr vom einseitigen theoretischen Standpunkte aus zu betrachten, -sondern die praktischen Erwägungen in erste Reihe zu stellen. Diese Erwägungen müssen nothwendiger Weise dazu führen, den ursprünglichen Plan zu modificiren und die berechtigten Interessen aller hierbei beteiligten Faktoren gebührend zu berücksichtigen. . r _ ,,

D-r österreichisch- Reichsrath ist am frühesten von allen gegen- wärtia versammelten europäischen Parlamenten in die Weihnachtsferien gegan- nen 8benn er hat sich schon in voriger Woche bis nach Neu,ahr vertagt. Während der kurzen Zeit seines bisherigen Zusammenseins hat man allerdings nichts von den nationalen Reibungen gehört, zu denen es immer Österreich.-

fdien Abaeordnetenhause zu kommen pflegt, aber nach seinem Zusammentri t wird es hieran nicht mangeln. Gleich in der ersten Sitzung nach den ^et^ uackts erien werden der Antrag Herbst, betr. die Sprachenverordnung, und ber Strtran Wurmbrandt bezüglich der Staatssprache zur Verhaiidlung gelangen und beibe ZeSanbe sind ganz darnach angethan wieder bie Natwna- rühren Im llebriqen sind bie deutschliberalen Abgeordneten mit ber kleinen Genugthuung in die Ferien gegangen, wieder einen Angriff der C echen 2 Feudalen abgewiesen zu haben, denn bei den Erganzungs-Wah n aus dem Großgrundbesitz wurden in Brünn die beiden liberalen Candidalen gewählt.

Betreffend: Ausschlag für die Dekanatskosten zu Gießen. Lang-Göns, den 1 Dezember 1883.

Das Großherzogliche evangelische Dekanat Gießen

an die Pfarrämter des Dekanats.

Diejenigen unter Ihnen, welche in rubricirtem Betreffe noch nicht berichtet haben, werden hieran erinnert, baldigst nach Erkundigung ber den betr. Gemeinderechnern zu berichten, wie hoch das Steuerkapital der evangelischen Gemeindeglieder sich beläuft.

---------Betreffend: Feier des Lutherjubiläums: ~~ , Lang-Göns den 17. Dezember 1883.

Das Großhcrzogltche cvangrlischc Dekanat Gießen

an die Pfarrämter des Dekanats. . .

Diejenigen unter Ihnen, welche über die Lutherfeier in Ihren Gemeinden noch nicht berichtet haben, wollen dies baldigst nachholen, insbesondere auch angeben, wenn in Ihren Gemeinden in Folge der Feier kirchliche Gesangvereine entstanden sind.