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Die in den Zeitungen enthaltenen Nachrichten über eine bevorstehende Ver­mehrung der Artillerie sied unrichtig. In maßgeb nden Kreisen ist eine derartige Vor­lage für den Reichstag nicht in Frage g<kommen.

Bremen, 13. November. Die Rettungsstation Lohme der deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger telegraphrirt: Am 13 November von der deutschen GaliotMaria", Kapitän Hinrichs, gestrandet bei Lohme, mit Holz von Königsberg nach Wilhelmshaven bestimmt, 3 Personen gerettet durch den Raketen-Apparat. Starke Prise aus NNO.

Metz, 13. November. Der Kriegsminister trifft hier nächsten Freitag zur Besichtigung der Festungswerke ein.

Nom, 13. November. Die Journale melden, daß anstatt Actons der Geschwader-Commandant Delsanto Marineminister werden würde.

Paris, 13. November. Die Berathung der Tongking - Kreditvorlage wird die Kammer am Donnerstag Nachmittag beschäftigen. DemNational" zufolge sicherte die Regierung von Marokko wegen der dem französischen Ge­schäftsträger widerfahrenen Beschimpfung der französischen Negierung vollständige Satisfaction zu. Der Zwischenfall wird daher ohne Folgen bleiben.

Birmingham, 13. November. Ein Londoner Zollbeamter nahm hier drei Kisten in Beschlag, welche in Schafhäute eingehüllte Sprengmaschinen enthielten.

Sofia, 13. November. Das von hier verbreitete Gerücht, Fürst Alexan­der habe eine Note an die Mächte gerichtet, worin er sich über die Verletzung des Berliner Vertrages Seitens Rußlands beklage, ist vollständig unbegründet. Bezüglich der Mission des Obersten Kaulbars wird bestätigt, daß dieselbe einen versöhnlichen Charakter habe und daß die Angelegenheit wegen der russischen Officiere in der bulgarischen Armee in nächster Zeit eine befriedigende Erledi­gung finden werde.

London, 13. November. Einer Depesche derTimes" aus Durban von gestern zufolge sind daselbst Nachrichten aus Tamatave eingelaufen, wonach sich die Streitkräfte der Hovas 7 Meilen von Tamatave befinden sollen, zu dem Zwecke, den Vorniasch der Franzosen aufzuhalten. Die letzteren sollen beab­sichtigen, ihren nächsten Angriff auf Mayakandrianomban, welches auf dem Wege nach der Hauptstadt liegt, zu richten.

Loyales,

G. Gießen, 14. November. (Sterblichkeit in Gießenfi Die Zahl der Todes­fälle während der Woche vom 4. bis 10. November betrug im Ganzen 7. Hiervon ereigneten sich 4 bei erwachsenen Personen, 3 bei Kindern. Bei den Erwachsenen war Todesursache: Lungenentzündung zweimal, Lungenschlag, Herzentzündung je einmal. Ein Kind im ersten Lebensjahre starb an Tuberculose des G-hirns, von 2 Kindern im 3. Lebensjahre das eine an Scharlach, das andere an Gehirnentzündung.

Gießen, 14. November. [X&eaterJ. lieber die erste Aufführung der Posse Der tolle Wenzel" auf dem Ceniral-Theater in Berlin entnehmen wir der Berl. Ztg": Wir constatiren gleich von vornherein, daß die 4aktige Gesangsposse, welche der Hsusdichter des Central-Theaters, Herr Gustav Görtz, mit allerliebsten Liedern und Quodlibkts, und der hochbegabte Componist und Caprllmetster G. Steffens mit sehr ansprechender Musik ausgestattet hat, einen durchschlagenden Erfolg erzielte. Das Theater war ausverkauft, denn nicht allein die Getreuen des Theaters waren vollzählig erschienen, sondern auch illustrc Gäste, wie der Generalintendant der König­lichen Schauspiele, Herr v. Hülsen und namhafte Schriftsteller und Bühnenleiter fanden sich ein, um an dem lustigen Humor des Stückes und der virtuosen Darstellung der Central-Künstler sich zu ergötzen. Lorbeerkränze, Blumen-Bouquets u. s. w. wurden den Damen Fräulein Josephine Pagay und Lucia Verdier und Herrn Director Ernst in verschwenderischster Fülle gereicht; und der Applaus, der das Haus am Schluffe eines jeden Aktes durchbrauste, bewies aufs Neue, dah die Direction auch für diese Saison einen Haupttreffer gemacht hat.Der tolle Wenzel" des Herrn W. Mannstädt wird voraussichtlich noch 200mal das Berliner Publikum in die ivliste Laune versetzen denn unter 200 Aufführungen thut's eben Adolf Ernst nickt. Ein Witz hetzt den anderen, ein Couplet ist prickelnder unv pikanter als das andere und ein frischer und fröhlicher Zug des ausgelassensten Humors übt auf Diejenigen seine Wirkung aus, welche vielleicht der Ansicht sein sollten, datz imtollen Wenzel" der Gott Komus hier und da eigentlich des Guten zu viel gethan habe. Die begeisterte Aufnahme des Publikums hat die Mannstädt'scke Posse wohl verdient, umsomehr, als der Autor cs vermieden hat, der Logik Gewalt anzuthun und einen augenblicklichen Ersolg auf Kosten der Wahrheit zu erzielen. _________________________________________________

Vermischtes.

Allendorf a. b. Lumda, 12. November. Auch von hier aus ist das Erfreuliche zu berichten, datz die auf Anregung unseres Herrn Bürgermeisters Bieber ins Leben gerufene Pfennig-Sparkasse seit Anfang dieses Jahres bis jetzt aus 237 Einlegern besteht und betragen die Einlagen bis 10. November 1883 2119,30 X

Darmstadt, 12. November. Den Besuchern der in Bingen am 14. November stattfindenden Hauptversammlung des historischen Vereins für das Großherzogthum Hessen hat die Direction der hessischen LudwigSbahn in anerkennenswerther Weise gegen Vorzeigung der Mitgliedkarte freie Rückfahrt für ein einfaches Billet gewährt.

Mainz, 10. November. Eine traurige Messer-Affaire hat sich gestern Nach­mittag im neuen KSstrich zugetragen. Mehrere Küfer, darunter ein löjähriger Lehrling, luden vor einem Hause Wein ab, als ein Fuhrmann vorüberging und dem Lehrling bezüglich der Anlegung der Schläuche einen Rath ertheilte, der Bube gab darauf hin d m Fuhrmann eine unhöfliche Antwort, worauf der letztere dem Jungen eine Ohrfeige anbot- In diesem Augenblick zog der Küferlehrling ein Messer aus der Tasche und stach dem Fuhrmann durch die Seite bis auf die Lunge. Der schwer Verletzte kam ins Hospital, der Junge wurde verhaftet-

Mainz, 12. November. Gestern Vormittag fand hier im Gewerbevereinshaus eine aus dem ganzen Lande zahlreich besuchte Delegirten-Versammluna hessischer In­dustrieller statt, um bezüglich der aus Anlatz des Jubiläums des hessischen Landes- gcwerbevereins hier im Jahre 1886 abzuhaltenden Landesgewe.be-Ausstellung die

vorbereitenden Schritt- zu thun und zunächst ein provisorisches Comitä zu bilden sn.» ersten Präsidenten der Ausstellung bestimmte die Versammlung den PlovinUainfi-. Küchler und als zweiten Präsidenten den Oberbürgermeister Dr. Dumont Um 5°' nähme des Proteclorats soll der Grobherzog angegangen werden. Die SBcauffidihnnJ der Ausstellung ist dem hiesigen Localgewerbeoerein übertragen worden. M Ö stellungslocal ist in erster Lmte die Stadthalle ins Auge gefaßt, doch roirbnnr^a sichtlich der Platz unterhalb der Halle bis zu dem Raimundigarten dazu noch erfmd»«^ sein. Als Erostnungstermin wurde der erste Mai 1886 und als Schlußtermin 1. eventuell der 15. October bestimmt. Zunächst wird jetzt eine Commission über w! bauliche Anlage Projecte und sodann etr.e zweite Commission das Budget auffhn. und gleichzeitig die Einladung zur Beschickung der Ausstellung ergehen lassen U n

Mainz, 13. November. Gegen 2 Uhr heute Nachmittag wurden von b-n, Quintins-Thürmer innerhalb 5 Sekunden zwei leichte, von Westen nach Osten neh,n>7 Erdstöße verspürt. 11 n 0eenbt

Ein schwerer Unglücksfall trug sich in Berlin bei der Lutherfeier al-i» nachdem der Festzug der Kinder in die Marienkirche ein getreten war, unmittelbar nn? dieser Kirche, in dem vom Neuen Markt nach dem Kirchportal sühreuden engen Gäß-b-n zu. Die mit dem Zuge der Kinder gekommenen erwachsenen Personen mußten voiiret- licher Anordnung zufolge den Zeitpunkt ihres Eintritts vor dem Kirchportale abwarten Unter diesen Personen befanden sich auch die beiden befreund.ien Frauen Nöhrina unk' Büttner- Plötzlich nun brach die Eistgenannte, eine feit einem Jahre verheiratdet? Frau von 25 Jahren, blutüberströmt zusammen und fiel ihrer Freundin in bte Arme Die Letztere wurde vor Schreck alsbalo ohnmächtig. Die Ursache dieser Katfftroobe war eine plötzlich von der Thurmhöbe herabfallende drei Pfund schwere eiserne Kramme welche der Frau Nöhrung auf den Kopf gefallen war und den Hut und die Schädel! decke durchgeschlagen halt-. In einem in thunlichster Bälde herbeigeschaffien Kranken­wagen wurde die Verunglückte nach der Charits gebracht, woselbst sie jedoch bald verstarb, lieber bte Entstehung des Unfalls tauchte tm Publikum sofort die Verinmbuna aus. daß einer der beim Glockenläuten oben beschäftigten Männer die Veranlassung >um Herabfallen des tobbringenben Eisenstücks gegeben- Vier Schutzleute begaben sich bata ungesäumt in den Glockeathurm und sistirten die drei dort beim Läuten befdjäitiaten Männer zur Wache- Einer von diesen, der Kirchendiener Johl, bekundete, baß die Kramme, welche das Unglück ungerichtet, vor dem Fenster des Thurmraumes angebracht gero-fett sei, in welchem die Beiglocke sich d.finde. Er habe dieses genst:r vor Begmn des Läutens öffnen wollen und hierbei fei die Kramme, welche schon feit einiger «eit gelockert gewesen wäre, hinabgefallen. Er gab ferner an, daß er von jener Lockerung dem Kirchenvorstande schon vor etwa drei Wochen Anzeige gemacht und habet bemerkt habe, daß eine sofortige Reparatur nothwendig fei, dieselbe wäre aber noch nicht bewirkt worden.

Dresden, 11. November. Die hiesige Lutherfeier ist vor einem schweren Un­glücke bewahrt worden, welcher das blutige Eretgniß bei der Luthrrsetcr in Berlin sonst leicht hätte grausig übertr.ffen können. Es war gestern, als gegen %5 Uhr eine finstere Wetterwolke auszog, die ihre Nähe durch heftiges Wndcsbrausen anfünbigte" Die Windstöße ergriffen auch den Thurm der neugebauten Johanniskirche und rissen von zweien der kleineren goth schen Tbürme, welche den Haupiihuim in dessen Mstse flanftren, die Kreuz-sblum-n herab. Mit Donnergepolter stürzten bte mehrere Ceickner schweren Steinmaffen auf das Pflaster vor dem Kirchplotze an der Pillnitzerstraße nieder. Glücklicherweise wurde Niemand von den zahlreichen Passanten getroffen einige Stunden später und das Unglück wäre unabsehbar gewesen. Der betreffende Theil des Platzes wurde sofort abgefperrt und tft es noch jetzt.

sVacanzenliste im Bezirke des 11. Aimeekoips-j Altena (Westphalen) Magistrat, Stadtsecretär, 1500 X Gehalt; Antritt der Stelle Anfang Jaguar 1884. Bebra, Postamt, ständiger H-lssbote, 1.20 X Tagegeld. Frankfurt. Postamt 4, 2 Postschaffner, je 800 X Ghalt und 240 X Wohnungsgelbzuschuß. Daselbst' 2 Pock.tträgcr, je 750 X Gehalt und 240 X Wohnungsgeldzuschuß. Höchst, Post­amt, Postschaffner, 800 X Geholt und 72 X Wohnungsgelbzusckuß. Lüden- sch'idt, Magistrat, Polizeidiener, 900 X Gehalt; 4 Nachtwächter 400 X Geholt Marburg, Postamt, ßanbbriffträger, 540 X Geholt und 108 X Wohnungsgelbzuschuß. Montabaur, Postamt. Landbriefträger, 540 X Gehalt und 72 X Wohnungsgelb- zuschuß. Wetzlar, Bürgermeisteramt. Nachtwächter und Flurhüter, 750 X Gehalt. Weilmünster, Postamt, Landbriefträger, 540 X Gehalt und 60 X Wohnungszelb- zufchuß. Wiesbaden, Postamt, Postschaffner, 800 X Gehalt unb 180 Wohnungs- gelbzuschutz. Bezirk des Kgl- Eisendahn-Betriebsamts zu Wiesbaden. 7 Tele- graphen-Afpiranten, anfänglich je 76 X pro Monat, nach 6 Monaten 87% X monatlich, als etatsmäßig angestellter Telegraphist bis zu 1350 X jährlich. Daselbst, vier Stations-Aspiranten für den Stat ons- und Expckit'onsbienst, aniängltch je 75 pro Monat, nach 6 Monaten 90 X, nach einem Jahr 105 X und nach 2 Jahren 112% X monatlich, später als etatsmäßiger Stations-Assistent bis zu 1800 X, als Stations- Vorsteher zweiter Classe bis zu 2100 X, als Stations - Vorsteher erster Classe bis 2300 X, als Güterexvedient bis zu 2550 X, als Güterexpeditions - Vorsteher 3200 X jährlich.

Handel und Verkehr.

^Zurücknahme bereits gelöster Billette.j Nach den bestehenden Bestimmungen für die Beförderung von Personen rc auf den Preußischen Staats-Eisenbahnen haben die Billet Expeditionen ein bereits gelöstes, aber noch nicht coupirtes Blllet, welches von dem Reisenden nicht benutzt werden kann, weil sich vor der Benutzung ein Jrrihum bei der Herausgabe herausstellt, gegen Lösung eines anderen Billets zurückzunehmen und als verstempelt zu behandeln. Neuerlich hat der Minister der öffentlichen Arbeiten angeordnet, daß in gleicher Weise zu verfahren sei, wenn in Folge eines bei der BiUei- fotberung vorgekommenen Versehens der Umtausch eines bereits gelösten, aber nach nicht coupirten Billets gegen ein anderes Billet spätestens bis zum Schalterschluffe gewünscht wird, z. B. an Stelle eines gelösten einfachen Billets die Verabfolgung eines Retourbillets u- dgl Es soll hierbei (abgesehen von der Preisdifferenz) der Unterschieb nicht in Betracht kommen, ob das neue Billet für eine andere Wagenklaffe ober für eine andere Station verlangt wird.

Mr«E«rt a. Vt 14. Novbr., Nachmittags 2 Uhr Min. (Telegraphischer Coursbericht. Mitgetheilt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen.) Creditactten 231, Staatsbahnactien 261V«, Galizier 236V«, Lombarden 114V«, Nord- westbahnactien 154%, Gotthardbahnactien 92%, Darmstadter - Bankactien 148V«, Disconto Commandit 179%, Oesterr. Silberrente 66'%», 4% Ungar. Goldrente 72'%g, 4% 1880er Russen 70'%, 5% 1877r Russen -, 2. Orient-Anleihe 54%, 4% Spanier 56'%, 5% Rumänische Rente, 4% Unific. Egypter 67V«, 5% Türken

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