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Eine große Anzahl amerikanischer Irländer ist in den letzten Tagen in London und Liverpool eingetroffen und bringt man diesen Umstand mit dem nächstens beginnenden Proceffe gegen O'Donnel, den Mörder des Kronzeugen Carey, in Verbindung. Es ist allerdings nicht unwahrscheinlich, daß die Fenier die voraus­sichtliche Verurtheilung ihres Genoffen dazu benutzen werden, irgend einen Ge­waltact auszusühren. Trotz der größten Anstrengungen ist es aber der Polizei noch nicht gelungen, etwas Näheres über das allem Vermuthen nach geplante Complot zu erfahren und hat sie darum gegen die verdächtigen Personen noch nicht einschreiten können.

Die Annahme, daß dem Besuche des russischen Kaisers in Kopenhagen eine Zusammenkunft zwischen Alexander HL und Kaiser Wilhelm folgen würde, hat sich bis jetzt als unbegründet erwiesen. Ebenso hat sich die Meldung eines Berliner Blattes, daß im Residenzschlosse zu Stettin Vorbereitungen zur Auf­nahme einer demnächst eintreffenden fremden Fürstlichkeit getroffen würden, als unwahr herausgestellt. Es deutet Alles darauf hin, daß sich Kaiser Alexander und seine Gemahlin von Kopenhagen direct nach Peterhof zurückbegeben werden und überhaupt wünscht der Czar in Kopenhagen so unbehelligt wie möglich zu bleiben. Aus diesem Grunde hat auch der König von Dänemark die Bitte des Municipalrathes seiner Hauptstadt, dem königlichen Hofe und seinen fürstlichen Gästen ein Fest geben zu dürfen, mit dem besonderen Hinweis daraus abgelehnt, daß der Kaiser von Rußland in Kopenhagen lediglich der Muse zu leben wünsche.

Die egyptische Regierung hat soeben einen officiellen Bericht über die Opfer an Menschenleben veröffentlicht, welche die Cholera in Egypten seit ihrem Ausbruche bis zum 31. August verursacht hat. Hiernach sind im Ganzen während dieser Zeit 27,318 Personen an der Cholera gestorben, wobei die eng­lische Occupations-Armee mit 140 Mann betheiligt ist. In Unter-Egypten ist die Seuche, mit Ausnahme Alexandriens, gänzlich erloschen, dagegen breitet sie sich in Ober-Egypten aus, wo ihr z. B. vom Donnerstag zum Freitag 320 Per­sonen erlagen. ________________________________________ _______

Telegraphische Depeschen.

Wolff's telegr. Correspondenz-Bur-au.

Würzburg, 4. September. Se. K. K. Hoheit der Kronprinz ist heute Nachmittag 5>/2 Uhr mit dem Aschaffenburger Schnellzuge nach Berlin abgereist, am Bahnhof waren der Herzog Ludwig, die Generalität, der Regie­rungs-Präsident und die Vertreter der Stadt anwesend. Bei der Fahrt nach dem" Bahnhofe wurde Se. K. K. Hoheit von der dichtgedrängten Menschenmenge mit enthusiastischen Zurufen begrüßt.

Berlin, 4. September, Gegenüber demJournal des D6bcstS", welches be­hauptete, Deutschland wolle Frankreich tsoltren, sagt dieNordd. Allg. Ztg.", Deutsch­land habe im Gegenthetl seit dem Kriege nur eine wohlwollende und entgegenkommende Haltung gegen Frankreich bewiesen. Deutschland beanspruche Frankreich gegenüber nur das Festhalten am Franksurter Frieden. Trübungen entständen nur durch die Be­strebungen französischer Stimmen, den Vertrag als Provisorium hinzuftellen. Ob Frankre-ch den gegenwärtigen Rechtsbestand allein oder mit einem halben Dutzend Verbündeten zu verändern unternehme, komme für Deutschland niemals in Betracht. Unter allen Umständen gelte dann nur das Gebot des Festhaltens bis auf den letzten Mann. Die französische Politik sei keineswegs arm an Erfolgen, ihre ErgebniffHHollttn aber dringend davon abmahnen, die Ziele nationaler Entwicklung in einer Achtung zu suchen, in welcher ihnen Recht und Vernunft entgegentreten.

Pesth, 4. September. In der vorgestrigen Nacht haben in Szigetvar antisemitische Unruhen stattgefunden. Mehrere Läden wurden erbrochen und verwüstet. Die Ruhestörer waren zumeist Hanvwerksgesellen, von denen einer durch die einschreiteude Polizei erschossen wurde, während zwei schwer verwundet wurden; einer derselben ist inzwischen gestorben. Gestern Nachmittag traf eine Schwadron Husaren in Szigetvar ein; in Folge dessen fanden weitere Unruhen nicht statt.

Brüssel, 4. September. Nach hier eingegangenen Nachrichten ist in der vergangenen Nacht das Dors Battincourt ber Arlon durch eine Feuersbrunst vollständig zerstört worden. 116 Gebäude sind niedergebrannt.

Amsterdam, 4. September. Eine amtliche Depesche von den ostindi­schen Inseln bestätigt die schon bekannten Nachrichten über die Eruptionen auf Krakatoa und meldet außerdem, daß eine Expedition in die Districte der Land­schaft Lampong aus Sumatra ausgejandt worden sei, von der aber noch keine Nachrichten vorlägen. Die Schifffahrt durch die Sunda-Straße sei nach vorge­nommenen Lothungen für sehr gefährlich befunden und seien Sicherheitsmaßregeln ergriffen worden. Die LeuchtthürmeEste Punt" auf Java undVlakker Hoek" ständen noch aufrecht, das Licht auf denselben sei erloschen.

Paris, 4. September. In dem heute stattgefundenen Ministerrath wurde beschlossen, ansehnliche Verstärkungen nach Tongking zu senden, dieselben sollen dem algerischen Truppenbestande entnommen werden.

London, 4. September. Der Herzog und die Herzogin v. Connaught sind heute früh mit ihren Kindern nach Berlin abgereist.

DieTimes" beschwört in einem Leitartikel Frankreich, einen Krieg mit China zu vermeiden, da ein solcher an jedem Punkte europäische Interessen berühren und sehr delikate Fragen anregen würde, bei deren Lösung England zu Rache gezogen werden müßte. DieTimes" glaubt, China werde sich zu­frieden geben, wenn Frankreich weitere.Schritte in Tongking einstellte.

DemReuter'schen Bureau" wird aus Hongkong gemeldet: 15,000 Mann chinesischer Truppen überschritten bei Mongkai die Grenze von Tongking und marschiren in der R chtung von Haidzuong, dessen französische Besatzung verstärkt wurde. Die längs der französischen Marschroute wirksamen Mtssionäre flüchteten. Die Chinesen wollen sich bei Whampoa concentriren und dort Forts errichten.

Dublin, 4. September. Auf einem Gute, unweit von New-Roß, wurde der Versuch gemacht, 40 Erntearbeiter zu vergiften, weil diefelben sich geweigert hatten, ihren Arbeitgeber bei seinen Erntearbeiten im Stiche zu lassen. Zwei sind bis jetzt gestorben, 36 schwer erkrankt.

Lokales.

Gießen, 5. September. Ein hiesiger 14jähriger Junge, welcher .erst kürzlich wegen eines Gelddiebstahls angezeigt, stahl gestern aus einer Stube ein Portemonnaie mit Inhalt und diverse andere Gegenstände. An demselben Tage raubte er einem andern 13 Jahre alten Jungen in der Bahnhofstraße das Portemonnaie mit Inhalt aus der Tasche.

** Der außerordentliche Professor der Medicin an der Universität Freiburg, Dr. Eugen Bo stroem hat eine Berufung als ordentlicher Professor der pathologischen Anatomie und als Director des pathologischen Cadinets an die hiesige Hochschule erhalten und wird dem Rufe schon für das Wintersemester Folge leisten. Er tritt an die Stelle des Professors Dr. Felix M arch and, der einen Lehrauftrag an der Universität Marburg übernommen hat.

Die Leiche des von uns gestern als vermißt bezeichneten Frauenzimmers ist gestern Mittag am Lahnwehr gelandet worden.

Das Eisenbahnunglück in Ztcglih.

Die Berliner Blätter sind voll von erschütternden Detallschilderungen der ent­setzlichen Katastrophe. Wir lassen der Wiedergabe derselben eine übersichtliche Skizze der Situation vorausgehen, bte wir imBerliner Tageblatt" finden.

Steglitz.

Großes Bahnhofsgebäude.

Votalfleletfe.

Vofaloeleite.

Zwischenperron (durchbrochene Barriere) Zwtschenperron ... ...

,LJ.

5 Geleise von Berlin nach Potsdam sCourierzug)

2 Freier Zwischenraum. J

O

L2. - - -

SCF Geletse von Potsdam nach Berlin sLokalzug)

Einstetge.Seite zum Lokalzug.

etwa

Ein Berichterstatter erzählt: Auf dem Steglitzer Bahnhof waren gestern Abend 3000 Menschen versammelt, die den Zug erwarteten, der sie 9 Uhr 52 Minuten nach Berlin zurückbringen sollte. Der starke Sonntagsverkehr hatte bewirkt, daß der Zug 4 Minuten Verspätung hatte. Da 9 Uhr 58 Minuten ein aus Berlin abgelass ner Courierzug die Station Steglitz zu passiren hatte, wurden die Bahnbarrieren geschlossen gehalten und die Weisung erthetlt, den nach Berlin fahrenden Personenzug erst besteigen zu lassen, nachdem der Courierzug passirt sei. 9 Uhr 35 Minuten, in demselben Augen­blick, als der Courierzug durch Station Fried-nau fuhr, langte der Personenzug in Steglitz an. Obgleich das Bahnpersonal alles Mögliche aufbot, um die andrängende Menge zurückzuhalten, wurde dennoch die d.rn ersten Wagen nach der Locomotive gegen­überliegende Barriere gewaltsam geöffnet und ein dichter Menschenstrom ergoß sich über den Bahnkörper. Der Personenzug hielt auf dem 4. Geleise, das dem Bahnhofs­gebäude am entferntesten liegt. Das 3 Geleis war für den Courierzug bestimmt- Der Personenzug, gegen den die Menge anstürmte, war wie folgt rangirt: Hinter der Maschine befand sich zunächst ein Wagen 3- Klasse, der, wie es heißt, verschlossen gewesen sein soll, dann folgten einige Wagen 2. Klasse und erst hierauf wieder solche der 3. Wagenklasse. Alles drängte zuvörderst dem ersten angeblich geschlossenen Wagen zu, in demselben Augenblick ertönte der Schreckensruf:ein Zug", noch etn einziger furchtbarer Aufschrei bann Todtenstille die Katastrophe war geschehen. Der Courierzug hatte die vordrängende Menge erfaßt und Alles zermalmt, was ihm erreich­bar gewesen- Die nächsten Augenblicke war Alles vom Schrecken vollständig gelahmt, erst allmälig löste sich der furchtbare Bann, der Alle erfaßt, und mit Grauen und Schrecken übersah man die Größe des entsetzlichen Unglücks. Das Bild, das sich Denen barbot, die verschont geblieben, spottet aller Beschreibung. In grauenvollem Durcheinander lagen etwa 7C Unglückliche mehr oder weniger zermalmt und verletzt auf den Schienen und daneben. Die Scen-n, die sich nun adspielten, waren mehr wie herzzerreißend. Aus der Fülle dessen, was sich >n wenigen Secunden hier ereignet^, nur einiges Wenige, die volle Größe des Unglücks, seine ganze Tragweite läßt sich jetzt noch gar nicht übersehen. Zu den Ersten, die den Bahndamm betraten, gehört- eine Gesellschaft von 25 Personen,'Unterofficiere der Feuerwerkerschule mit Ehren Damen vier von ihnen sind ein Opfer der Katastroph.' geworden: der Unterofficier Scharfen- berg vom 10. Regiment, ber Unterofficier Seidel vom sächsischen Artillerie-Regimen'. Rr. 12, die Braut des Letzteren, ein Fräulein T'etz, und die Braut eines der (ge­retteten, ein Fräulein Jäckel. Letztere hatte schon das rettende Trittbrett Personen zuges erreicht, als ber burch den Courierzug erzeugte Wurb sie zurückriß und ihr öa?ia-

s q[ besiegelte.

Der Feuerwerksmaat Scherak und ber Unteroffifier Schmidt vom 26. Artillerie- Regiment sind schwer verletzt. Von einer anderen Familie, Vater, Mutter unb»or Kindern, ist nur ein Ujähriger Knabe gerettet worden. E n er Frau waren beide Sem abgefahren. Nur noch schwach zuckend wird sie in den Wartesaal zweiter Classe ge tragen, wo sie noch in den letzten Todeszuckungen einem Kmde das Leben schenkt. 4 i dem Transport nach Berlin haucht sie ihren Geist aus das Kind, kaum gevor n, war eine mutterlose Waise.

Der Berliner Scharfschütz nvereinFreundschaft" hatte am selben Tage in Steg tz sein Vogelschießen gefeiert. Das Fest war prächtig verlaufen und in ttohltchller^aune wurde der Rückweg angetreten. Vor Allem gefeiert rourbe ber Äonig, ein verr v n , , dessen Brust eine festliche Guirlande schmückte. Niemand ahnte, welch trauriges Geiaz'o dem Glücklichen beschieden. Heinrich und vier seiner Schützenbrüder gehörten zu denen die am ersten den Bahndamm betraten, alle fünf wurden erfaßt und als Letchen dem entsetzlichen Gewirr hervorgezogen. Heinrich furchtbar verstümmelt, wurde « im Tode mit jenem Kranze geschmückt, der kurz vorher noch die Brust, des e» g frohen geziert- Einem jungen)chen in Hellem Kleide und rothem ^uterrocr der Kopf vollständig vom Rumpf getrennt; nicht weit davon lag ein iwetter x P und eine unförmige Masse, der Überrest eines der Unglücklichen- Einer man i Leiche war die ganze Kleidung vom Leibe gerissen, sie mußte wohl 20 ober noa) m P Mal von dem Getriebe der Räder herumgeschleudert sein. Ein Vater hatte sei kleinen Sohn auf dem Arm getragen, während d e Mutter vorausgeeilt war. j demselben Moment brauste der Zug heran, die Frau verschwindet unter denK dem Mann entfällt vor Schreck das Kind, er selbst sinkt halb ohnmächtig zu *jomn Als er wieder erwacht, sieht er dicht neben sich, Gesicht an Gesicht, die 8eia) 1 Frau, das kleine Kind ist verschwunden, schon glaubt er, daß auch der Knave Katastrophe zum Opfer gefallen, als er plötzlich leises Wimmern hort und u anderen Verletzten selbst völlig unverletzt seinen Liebling oorfinbet einem» war die Hand vollständig glatt, wie mit dem Messer abgeschnitten. Der Schweges 9 des Jnspectors ber König!. Blindenanstalt, des Herrn Schwab, etn Reichsdankoea ! Namens Kläß, will mit seiner Gattin den Zug gleichfalls benutzen- Die Fra 1 , ! im letzten Augenblicke noch die Lichter des Zuges, springt schnell zurück, wahren Gatte vor ihren Augen zermalmt wird. Mit großem Entsetzen hatte der'loco führer des Courierzuaes die Katastrophe bemerkt, er gab sofort ^vntredamps 500 Schritt von der Unglücksstelle kam der Zug zum Stehen, man wußte sich beschränken, die Lstchentheile von den Rädern zu entfernen, dann setzte ber 5 9 1

h Von einem früheren Bahnbau-Jnspector, jetzigen böheren Versicherungsdeamter welcher in Steglitz wohnt und der einer der letzten war, welcher bie Ung verlassen hatte, gehen den Blättern über den schrecklichen Unglücksfall folgend L besten zu: Als der um 9 Uhr 50 Min. von Berlin abgegangene Courierzug str Sl 8 - signalisirt wurde, waren särnmtliche Barrieren geschlossen und das dienstthu . personal hatte große Mühe, das nach Tausenden zählende Publikumdavon zurucr^ halten, die geschlossenen Barrieren zu übersteigen, um zu dem auf be: Ufl wen dem Geleise stehenden, von Zehlendorf gekommenen Zuge durch Ueberschr ö Mittelgeleises, das für den Courierzug bestimmt war zu gelangen. Wemge m vor dem Einlaufen des so verhängnißooll werdenden Zuges hatten meyrere Unteroffiziere abseits der Bahnhofslinie die Barriere geöffnet und sich w n gebahnt, der zahlreiche Personen zum Tode führen sollte- Kaum hatte das! P bemerkt, daß einige Personen den Bahnkörper überschritten, als Alles blindlings x

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