finb namentlid) die Auslassungen verschiedener angesehener Petersburger Blätter bemerkenSwerth. So meint das ossiciöse „Journal de St. Päters- dourg" am Schlüsse seiner Betrachtungen hierüber, das; Frankreich in Gambetta wo bl einen seiner berühmtesten Söhne verloren habe, das; aber dieser Verlust keine Gesabr für die Interessen der Nation involvire. Die liberalen Blätter, „Golos" und „* 2 * 4 s * * B.)a'iie Zeit", geben ihrer tiefen Trauer um den Verlust des ihnen so sympathischen Politikers Ausdruck und die „Nene Zeit" schreibt hierbei, daß der Tod Gambetta's in der russischen Gesellschaft aufrichtiges und tiefes Mitgefühl rät Frankreichs herbem Verluste hervorgerufen habe. Der „St. Petersburger Herold" glaubt, daß nunmehr die Legitimisten an Kraft gewinnen und die Revanche-Idee mehr beleben würden; das Blatt plaidirt daher für ein festes Drei-Kaiser-Bündniß.
Der Gesandte der Sandwichs-Inseln wurde während des Neujahrs-Empfanges beim Präsidenten Arthur von einer Ohnmacht befallen und verschied kurze Zeit hierauf.
Deutschland.
ließen. Von hier wird der „zröln. Ltg." geschrieben: Die öffentlichen Blätter melden von einer Petition, welche die Direclo.en von 6U iHcalgpainafien bei dem königlich preußischen Unterrichtsministerium eingercicht hoben, um die unbeschränkte Anstellung«. sähigkert der pro facalute geprüften Realschul-Abiturienten zu erlangen- Die Angelegenheit, die Damit berührt ist. geht nicht Preußen allein, tondern auch die Nachbarländer an, in welchem noch lemem Vorgänge Realschulen 1. Ordnung ungerichtet und, gleichfalls nach seinem Vorgänge, die Abiturienten dieser Schuten zur Lehramtsprüfung in Mathematik, Naturwissenschaften und neueien Sprachen zugelassen sind. Zu diesen Ländern gehört auch Hessen-Darmstadt, nur daß hier zwischen den Kandidaten der genannten Fächer ein sehr bedeutsamer Unterschieb gemacht wird. Diejenigen Realschul- Abiturienten nämlich, welche neuere Sprachen alS Haup.sach studirt Haden, müsten sich, bevor sie zur Lehramtsprüfung zugclasfen werden, einer nachträglich.n Rcifepküfung im Lateinischen im Gneckiichcn ui.d in der Geschichte unterziehen, von welcher nicht entbunden werden kann. Die Frage, ob diese Nachpüfuna fortd^stchen soll oder nicht, bat schon zu Anfang vor. Monat« die hiesige akademische PrüsurgScommission zu einem amtlichen Schritte veranlaßt, d- sfen Zeitgeuiäßhett durch jene Petition der Herren Realschul-Dinktoren in sehr erwünschter Wc>se bestätigt wird Der Gedanke, von dem dabei auSgegangen ward, «st dieser: Die Beantwortung der Frage nach Ausdehnung oder Beschränkung der B-recht gung der Realschulen 1. Ordnung und ihrer Abiturienten sollte nicht länger durch die Rücksicht auf daS Sonderinteresse dieser letztem in dem Maße beeinflußt werden, wie daS bisher geschehen «st Es sollte vielmehr, und zwar entscheidend, die Rücksicht auf daS wissenschaftliche Studium der Mathematik, der Natur-- wisienschaften und ganz besonders der neueien Sprachen in'S Gewicht fallen und desi bald jedem ferneren Schritte In dieser Sache vorangehcn eine vollständige und aulhen- r sche Prüfung der Erglbnisie. welche die se.t zwötr Iahien bestehende Zulassung der Realschul-Adilurienten für den akodew'schen Unt rrichr m d^n genannt n Fächern gehabt hat Nach zwölf Jahren vielseitiger Erfahrung — die Zahl de« auf Universitäten studierendln Rraischul-Abiturlcnten rsr ja bifannind) eine sehr große geworden würde etz sich nicht mehr um Annahmen von mehr oder mtnbn theorrt schein Charakter, sondern um Thatsachen bandeln, deren Beweiskraft für oder wider poii 9hcniani> würde angefochten werden können. Wie aber ließe sich eine Erhebung dieser Thatsachen am sichersten und raschesten erreichen? Wir meinen der einfachste Weg wäre eine Exarnl- iicUOienfonftrcnj aus den wissenschaftlichen PrüfungScommissionen derjenigen deutschen Staaten, in welchen Die Reasickul-'Abiturienten die genannten Berechtigungen genießen. Die akademischen Examinatoren der Mathematik, der Naturwissenschaften und der neueren Sprachen sind fast immer auch d:c Lehrer der Candidal.n gewesen, die sie zu prüfen haben, und zwar in der Regel während einer Reihe von Semestern, folglich müfien sie, zumal da in dm genannten dre« Fächern der Seminar- und Laboratoriums, unterricht überall vollständig auSg.bildet ist, von der Porbildnng und Dm Leistungen ibrer Schüler eine Kenntniß babm, wie sie außer ihnen kein Mensch besitzen kann. Und mit Anführung dieser einfachen Thatsache ist die Umntdrh licht, l «hrcS Z ugnisseS für die hier vorliegende Frage, wie uns scheinen w ll, genügend da-gthan Die Herren Petenten, die ja fämmtlid) erfahrene Pädagogen finb, w^id n selber auf Vemehmung dieses Zeugnisses den größten Werth leg-n müssen; fällt es zu ihren Gunsten aus, so baden sie mehr gewonnen, alS mit jahrelanger Agitation 'Hierseils erreicht werden kann; fällt es ab«r zu ihren Ungunsten auS so werden sie selbst nicht wollen, daß hrrm Gesuche auf Kosten der Wissenschaft gewillfahrt werde. Schlierlich sei uns eine c'.nsache Frage gestattet. Heber die Zulassung bei Realschul-Abltunent n zum Studium der Medicin sind im ganzen deutschen Reiche außer den med>cm scken Fakultäten auch die Aerzte befragt worden und ihre Antwort ist btfanni W^d man über die beste Dorbildungtzweise der künftigm Lehrer an unseren Höheren Schule.« endgültig entscheiden wollen, ohne die akademischen Lehrer bkfer Lchrcr gefragt z.« haben?
Darmstadt, 3. Januar. Gegenüber der unsäglichen Wasser-Calamität, welche über unsere Rhein-Niederung hereingebrochen, darf ein schleunigster Zu- sammentntt der Stände erwartet werden, um selbst mit Zuhülsenahme eines Staatsanlehens durch finanzielle Beisteuer das vorhandene schreckliche Elend, soweit eS in menschlichen Kräften steht, zu lindern. Bis dahin mag die Regierung auf eigene Verantwortlichkeit die Staatsgelder für fragliche Zwecke in ausgiebigster Weise in Anspruch nehmen, da sie der nachträglichen Genehmigung solcher Ausgaben absolut sicher sein darf.
Frankreich.
Pari-, 3. Januar. Gambetta's Hintritt wird von allen maßgebenden Preßorganen des In- und Auslandes als ein Ereigniß ersten Ranges behandelt. Mit Recht; denn der Einfluß, welchen der Verstorbene bei seinen Lebzeiten auf buii Entwickelungsgang der Dinge in Frankreich, und damit indirect auf alle internationalen Angelegenheiten, in denen französischer Einfluß thätig ist, übte, war ungleich größer, als man sich gegenwärtig vorstellt. Das Verschwinden Gambetta's wird zur Revision gar mancher politischen ZukunjtSrechnung Anlaß geben, welche mit dem Verstorbenen als einem Hauptfaktor operirte. Charakteristisch ist das Gebühren der national-russischen Blätter, welche eine Sprache fuhren, als sei mit Gambetta der Messias des französischen Volkes aus diesem Leben geschieden. Wer sich der überschwenglichen Todtenklage erinnert, welche in der Gambettistischen Tages-Literatur um den General Skolxleff angestimmt L-uroe, wird nicht zweifeln, daß der Schmerz der „Nowoje Wremja" und Cou- iarten ein ungeheuchelter ist. An der Schwelle des neuen Jahres liegt so manches schöne Luftschloß politischen, wie kriegerischen Ehrgeizes in hoffnungslosen Trümmern zerfallen.'
Rußland.
Petersburg, 3. Januar. Dem „Ruff. Kurier" zufolge herrscht in Nicolajewsk, Gouvernement Astrachan, Diphteritis und Typhus. Der Kreis ;ahlt 30,000 Eingesessene, besitzt aber kein Krankenhaus und nur wenige Aerzte and vorhanden. So kann den Epidemien weder vorgebeugt, noch gesteuert n er Den und ganze Familien sterben aus. In Mariopol soll die Seuche ebenfalls grafsiren. -Die Landbevölkerung ist dem völligen Ruine nahe und Hülse i id)t zur Stelle.
Telegraphische Depeschm.
Wotff'S telegr. Correspondcnz-'Bureau.
Berlin, 4 Januar. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Morgen findet unter dem Vorsitze des Oberprifiidenten der Nheinprovinz eine amtliche Conferenz unter Theilnahme der Commiffarien der Reffortminister statt, um die Vorbereitungen für die Landtagsvorlage betreffs der Staatshülfe für die Ueberschwemmten dem Abschluffe entgegenzuführen.
Karl-ruhc, 4. Januar. Der Grobherzog und die Fran Großherzogin haben für die durch das Hochwasser beschädigten Bewohner deö Landes einen Betrag von 10,000 JL gespendet, der Erbgroßherzog hat zu demselben Zwecke 2000 angewiesen.
Paris, 4. Januar. Eine zahlreiche Menschenmenge bewegt sich am Eingänge zum Palais Bourbon, um die Leiche Ganibetta's zu besichtigen, welche gestern hierher transportirt wurde.
— Gegenüber den Artikeln der deutschen Journale sagt „Siede", diese Blätter täuschten sich, wenn sie glaubten, daß die gerechten Revindicationen Frankreichs mit Gambetta in'S Grab gestiegen seien. Damit solle nicht gesagt sein, daß Frankreich die Revanche ausschließlich zum Ziel seiner Politik machen wolle. Die Patrioten könnten sterben, aber das Vaterland sterbe nicht. Frankreich sei heute dasselbe, was es gestern mar.
Jiom, 4. Januar. Heute Morgen 0 Uhr 45 Min. feuerte der aus Reggio (Emilia) gebürtige 20jähnge Buchdrucker Eugen Rigatieri 4 Revolver- schusse gegen das venetianijche Palais ab, worin der österreich-ungarische Botschafter beim Vatikan wohnt. Niemand wurde verletzt. Das Individuum wurde verhaftet und der Revolver jaifirt.
Petersburg, 4. Januar. Das „Journal de St. Pötersbourg" be- fpricht nochmals den Tod Gambetta's und tritt der Behauptung entgegen, daß der Tod Gambetta's Frankreich in der Situation eines steuerlosen Schiffes zu- rücklasse oder daß gar, wie die „Times" meinte, das europäische Gleichgewicht durch den Tod eine Störung erleiden könne. Die Politik der Regierung sei nicht auf so schwache Grundlagen basirt, daß der Tod eines Mannes ihr einen so schweren Schlag versetzen könne. Die Menschen gehen, aber die Nationen unt» ihre großen Interessen bleiben und diese werden heute, wie gestern in Frankreich, wi überall in erster Reihe die Aufrechterhaltung des Friedens und gegenseitiges Vertrauen für die Lösung der auftauchenden Fragen verlangen. Man sieht absolut nicht ein, daß Gambetta's Tod an diesem Zustand etwas andern könnte.
— Laut einer Verfügung des Ministers des Innern ist dem „Golos" der Einzelverkauf untersagt worden. — Wie die deutsche „St. Petersb. Ztg." erfährt, wird Fürst Wjasemski von dem Posten des Chefs der Oberpregver- waltung zurücktreten und durch Feoktistow, den Redacteur des vom Unterrichts- Ministerium herausgegebeneu Journals ersetzt werden.
Darmstadt, tm Dccember 1882.
An
Gioßh.rzogl chcS Ministerium beß Innern unb ber Justiz Gutachtlicher Bericht
ber Commission zu, Prüfung b.r Frage ber U bcrbürbnng ber Schüler höherer Lehranstalten mit häuslichen Arbeiten unb Lernstoff.
^Fortsetzung.)
2. Lateinische Sprache.
Die Commission spricht sich bahin aus:
Daß die Ex:emporal — deutsche Dictate mit sofortiger lateinischer Niederschrift — in de chränktem Maße unb nur a'.S PiÜ'ungsm ttel für die Aneignung der Foimcntvhre und syntaklischm Regeln zur Anwendung zu bring.ii feen und . lemats einen ciufcheid.-nden Fakior für d:e Bestimmung bei Reise kineS Schülers bilden dürfen.
Hebers.tzungrn deutscher Dictat-- sind vorzugsweise wählend ber Unterrichtsstunden zu fertigen und sollen sich ber zklassenlectüre anfchl'.cßen.
3 Französische Sprache.
Mit Rücksicht auf die geringe Stundenzahl, welche im Lehrplan für die Gymnasien de>n französischen Uinerricht zugewiefen ist, sow<e auf die Erfahrung, daß derselbe häufig einsestig grammatisch betrieben wird, spricht die Commission ihre Ausich. dahin aus:
Daß im französisch n Sprachunterncht die Grammatik auf das Maß zu bksch,anken sei. welches criorbei lid) ift, um französische Schriftsteller zu ver- stehen und daß der Hauptzweck der Erlernung dieser modernen Sprache dann zu suchen sei, die ^äb^feit zum fchnstlichen und mündlichen Gebrauch derselben möglichst zu eimeib.n.
4. Mathematik
Bezüglich des mathematischen Unterrichts ist vielfach Klage erhoben, daß er in seinen Zielen zu weit g.h' und du-ch unrichtige Vertheilung auf die einzelnen Klassen eine Uedeibürdung leicht herbenuhrr. Die Commifsion e»kennt die« an und beschließt dcßhalb, die Großh R.gierung zu ersuchen:
Eine durchgehende Revision des mathematischen Lehrplans vorzunehmen, bezw. vornehmen zu lassen in der Richtung:
Daß der Stoff auf den einzelnen Stufen des Unterrichts richtiger vertheilt und der für d e Prima vorgesehene L«histoss reducirt wird.
5 Deutsche Sprache.
Bei der Berathung deS Leb'planes wurde von verschiedenen Seiten heroorgeboben. datz noch vi'lfach n Hessen, rote m anderen deutschen Staaten gemachten Wahr- nebmungen die Ausbildung der Gymnasial- und Nealsch.il-Abäurienten tm Deutschen thrilweise eine mangelhafte gewesen ist. Die Commission nimmt davon Anlaß, an die Großh. Regierung das Ersuchen zu richten:
Diesem Uebelstande durch geeignete Mittel, insbesondere auch, wenn notb- roenbifl unb thnnlich, durch V rmehrung ber b-utschen Unterrichtsstunden, ohne Vermehrung der Gesamnststundenzabl, abzuhelfen, sowie anzuordnen, daß fortan solchen Abiturienten, welche feine genüimbe Befähigung tm Deutschen nachweisen, ctn Zeugniß der Steife nicht erthcilt werde.
6- Extemporali''n tm Allgemeinen.
Schließlich spricht sich die Commission bezüglich der foienannten Extemporalien insoweit dies bezüglich einzelner Lehrgegenstände nicht bereits geschehen ist, tm Allgemeinen dahin aus:
Daß solche Aufgaben als Uebungsmsttel ber Schüler, sowie als HülfS- mittel der Lcbrer, um das Verfianbntß des Lehrstosss seitens der Schüler frstzustellen, zuzulassen sri.'N, daß denselben aber bezüglich ber Beurthetlung der Reiie ber Schüler ein entscheidender Einfluß zum Nachtheil des Schülers nicht beifldfflt werben barf. Sie geht babci von der Ansicht aus, daß durch zu häufige Fertigung der Extemporalien und durch die zu große Bedeutung, welche ihnen beigelegt m rb, erfahrungsgemäß v elfach eine lleberlaftung der Schüler veranlaßt wird.
B. Lehrplan für die Realschulen 1. Ordnung.
Für die N' alschulen 1. Ordnung war seither ein befrimmter, sür alle LehranstiiUen gültiger Lehrvlan nickt oorgeschrieben und richtete man sich, unter Wahrung der Eigen- thümlichkeit jeder Anstalt, im Allremetnen nach dem seitherigen preußischen Lehrplan Die Commission erachtet die Ausstellung e'neS Lehrplans auch für diese Anstalten alS räthlich und richtet an Großb Regierung das Ersuchen:
In ähnlicher Weisc, wie bicö bei den Gymnasien und Realschulen ziveiter Ordnung ber Fall ist, einen Lehrplan anfstellen zu lassen und diesem die
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