Smnftnq den 6. Januar
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Amts- und Anzkiqcblatt für den Kreis Gießen.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Bureau : Schulstrave 7.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mart 50 Pf.
Amtlicher Hlj ei l.
Betreffend: Statistik der Bewegung der Bevölkerung pro 1882. Gießen, den 5. Januar 1883.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.
Wir sehen der alsbaldigen Einsendung der Register über die in 1882 vorgekonnuenen Zu- und Wegzüge entgegen. Dr. Boekmann.
Bekanntmachung.
Nachdem Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz durch Verfügung vom 25. Mat l. I. genehmigt, daß der zur Bestreitung der Kanzleikosten Gr. Handelskaminer für das Rechnungsjahr 1882/83 noch fehlende Betrag von 1148, aus die Wahlberechtigten zur Handelskammer ausgefchlagen werde, auch das betreffende Hebregister durch Verfügung vom 28. d. M. für erecutorisch erklärt hat, legen mir dies Register 8 Tage, vom 6. bis zum 13. k. M., auf dem Bureau des Unterzeichneten zur Einsicht der Interessenten offen. Einwendungen und Beschwerden gegen dieses Hebregister müssen während dieser Frist bei uns vorgebracht werden, andernfalls solche keine Berücksichtigung finden.
Gießen, den 31. December 1882. Grobherzogliche Handelskammer.
__________________________________________Ed. Silbereisen._______________________________________________________
Betreffend: Die Prüfimg der Bewerber um die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Militärdienst im Frühjahr Iö83.
Bekanntmachung.
Diejenigen jungen Leute, welche beabsichtigen, sich der im Frühjahr 1 883 stattfindenden rubr. Prüsumg zu unterziehen, werden hierdurch aufgefordert, ihre deßfallsigen Gesuche um Zulassung bei Meldung des Ausschlusses von dieser Prüfimg
spätestens bis zum 1. Februar 1883
bei der unterzeichneten Commission einzureichen.
Hinsichtlich der Anbringung der Gefilchc wird hn Speciellen das Folgende bemerkt:
c. ein UnbescholtenheitSzeugniß, welches von der Polizei- Obrigkeit oder der vorgesetzten Dienstbehörde auszustellen ist;
d. einen selbstgeschriebenen Lebenslauf.
Zu pos. b wird noch besonders darauf hingewiesen, daß in dem Einwilligungs-Attest die Erklärung des Vaters oder Voimiundes, daß er in der Lage sei, den Freiwilligen wahrend des eiR-
1. Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs-EomMission nur dann anzubringen, wenn der sich Meldende im Groß- herzogthum Hessen seinen bauernben Aufenthaltsort hat.
2. Die Zulassung zur Prüfung kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahre erfolgen.
3. Das Gesuch muß von deut Betreffenden selbst geschrieben sein. Auch erscheint cs zweckdienlich, wenn stets die nähere Adresse angegeben wird.
4. Dem Gesuch sind folgende Papiere beizufügen:
a. Geburtszeugniß;
b. Einwilligungs-Attest des V aterS oder Vormundes mit der Erklärung über Bereitwilligkeit und F ä h i g k c i t den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten und zu verpflegen;
lieber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden gestellt werden, gibt die Orb. v. 28. Septbr. 1875 — Reg.-Bl. Nr. 55 von 1875) Aufschluß.
Bezüglich des Prüfungs- Term ins, sowie des Locals, auf specielle Ladung kann nicht gerechnet werden.
Darmstadt, den 15. December 1882.
jährigen Dienstes unterhalten zu können, ntcht fehlen darf und daß die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt sein muß.
5. In dem Gesuche ist außerdem anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen (Französisch, Englisch, Lateinisch oder Griechisch) der sich Meldende geprüft sein will.
6. Ist bereits früher ein Gesuch um Zulassung zur Prüfung eingereicht worden, so bleibt dem erneuten Gesuche nur ein Unbesch ol t enh eit sz eugniß beizulegen.
Prüfungs-Ordnung (Anl. 2 zur Ersatz-Ord. — I. Theil der Wehr-
erfolgt ev. weitere Bekanntmachung-
Grotzherzogliche Prüfuugs-Eommijsion für einjährig Freiwillige.
Der Vorsitzende: Gros.
in welchem die Prüfung stattsiudet,
Politische Ueberficdt.
Glesien, 5. Januar.
In unseren innern deutschen Angelegenheiten herrscht bis dato noch immer verhältuißntäßige Ebbe und wohl erst der in nächster Woche erfolgende Wiederzusammeutritt des Reichstages und des preußischen Abgeordnetenhauses wird unser politisches Leben in raschere Strömung bringen. Dagegen beschäftigt die WasserSgesahr am Rhein und Main rc. dte allgemeine Aufmerksamkett in erhöhtem Grade und wenn auch aus verschiedenen Theilen Deutschlands ein Anschwellen der Flüsse in Folge der regnerischen Witterung der jüngsten Tage gemeldet wird, so hat die Ueberschwentmung doch nirgends solche Dimensionen angenommen wie in den Rhein- und Main-Gegenden. Au vielen Punkten haben der Rhein und seine Nebenflüsse einen höher» Stand erreicht, als im November vorigen Jahres und namentlich ist die Umgegend von Worms und auch von Mainz schwer heimgesuchl; bereits sind zahlreiche Menschenleben dem wüthendcn Elemente zum Opfer gefallen und außerdem ist in vielen Ortschaften die Noth aus'- Höchste gestiegen. Bei so betrübenden Nachrichten erscheint ein erneuter Appell an die allgemeine Mildthätigkeit dringend geboten und wir wollen daher hoffen, daß die Sammlungen für die Ueberschwemmten einen recht erfreulichen Fortgang nehmen.
In Wien bildet der Selbstmord deü bei der französischen Republik accreditirten Botschafters Oesterreich • Ungarns, Grasen Wimpfsen, noch immer oas Tagesgespräch der diplomatischen Kreise. Es waren über die Motive der unseligen Thal verschiedene Gerüchte verbreitet wordcn, doch ist es nach den neuesten authentischen Berichten, welche hierüber in Wien eingetroffen sind, un- zweiselhast, daß (^ras Wimpssen in einem Ansalle von Geistesgestörtheit Hand an sich selbst gelegt hat. Auch die wenigen Zeilen, welche er in ansgefundenen Briesen hinterlassen hat, geben den vollgiltigen Beweis, daß eine Den Verewigten seit mehreren Tagen beherrschende hochgradige nervöse Aufregung nnb
nervöse Gereiztheit sich unter dein Drucke einer fixen Idee zur vollständigen inomentanen Geistesgestörtheit gesteigert hat. Graf Wimpffen hinterläßt eine trauernde Wittwe, eine geborene Prinzessin Lynar, sowie zwei Töchter im Alter von 12 und 14 Jahren.
Die Journale „Voltaire" und „R^publ. sranc'aise" veröffentlichen anläßlich des Todes Gambetta'S zahlreiche aus der Provinz und dem Auslande eingegangene Beileidsschreiben bezw. Beileidsdepeschen. Die Zahl der Personen, welche amNeujahrStageVilled'Avrey besuchten, wird aus über 3UUUgeschätzt.
Der Eintritt des bisherigen Unterftaatssecretürs im englischen Auswärtigen Amte, Sir Charles Dilke, als Präsident des Handelsamtes in das Eabinet Gladstone, hat den von ihm innegehabten Posten zur Erledigung gebracht. Da das UuterstaatSsecretariat im euglischen Auswärtigen Amte eine ziemlich einflußreiche Stellung bedeutet, so ist mau auf den Nachfolger Dllke's gespauut; wie es nun heißt, ist hierzu Lord Edmond Fitzmaurice in sichere Aussicht genommen, über dessen bisherige Stellung und politische Vergangenheit jedoch noch nichts Näheres bekannt ist. Der Herzog v. Counaught bat sein an das KriegSministerium gerichtetes Gesuch um Verleihung eines Brigade ConnnandoS bei der indischen Armee wieder znrückgenommen, und zwar aus Andringen der Königin.
Die italienische Regierung hat die Deinissiou des Generalsecretärs im Auswärtigen Amte, Baron Blanc, angenominen. lieber die Motive seiner Demission ist noch nichts ^täherea bekannt. Der „Rast'egna" zufolge hat em jüngst unter dem Vorsitze des Eonseilpräsidenten de Pretis abgehaltener Minister- rath beschlossen, die in den AttentatS-Versnch Oberdank'S verwickelten Triestiner Flüchtlinge, Levi) und Parenzani, welche in Venedig verhaftet worden waren, nicht an Oesterreich ansznliesern. Dieselben sollen vielmehr vor die italienischen Gerichte gestellt werden und da wird die Strafe wohl nicht zu hart anssallen.
Unter den a u S w ä r t i g c n P r eßsti m m e n über den Tod Gambetta 's
vurn Vüucn 21.


