Bestimmungen deS neuen Lehrplans der preußischen Realgymnasien zu Grunde zu legen unter Beachtung-der in den vorausgegangenen Verhandlungen über bie Gymnasien ausgesprochenen allgemeinen Grundsätze.
IV. Gibt die dermalen Übliche Art und Weise der Censirung der Leistungen der Schüler an den höheren Lehranstalten zu begründeten Klagen Anlaß?
1) Im Anschluß an die in der Verordnung vom 17. März 1869, die Maturitätsprüfung an den Gymnasien betreffend, vorgeschrtedenen Zrugntßprädikate sind seither in den Klassenzeugnissen solche Leistungen der Schüler, welche nicht unter den an die betreffende Klasse zu stellenden Anforderungen sind, in d-r Regel mit einem der Prädikate „sehr gut", „gut" oder „genügend" bezeichnet wo: den Hierbei wurden die Leistungen einer nicht unbeträchtlichen Zahl von Schülern, denen man zwar das Prädikat „gut" nicht zuerkennen konnte, deren Leistungen s doch sich dieser Stufe mehr oder weniger annähertcn, mit dem Prädikate „genügend" bezeichnet, welches von Schülern und Eltern vielfach als Ausdruck einer nur knapp beu Anforderungen entsprechenden Leistung aufgefaßt wurde. Diese Auffassung hat nicht selten eine übermäßige Anstrengung der Schüler zur Folge gehabt. Daher sp'icht sich die Commission da- Hin aus:
Daß für die Leittungen, die nicht als ungenügend zu crackten sind, statt der bisherigen drei Stolen „sehr gut", „gut" nnb „genügend" künftig vier Roten anzuwcnden sein dürften:
1) sehr gut,
2) gut,
3) im Ganzen gut,
4) genügend, indem sie der Ansicht ist, daß die Leistungen, die als b<n Anforderungen der Klasse vollständig entsprechend zu erachten sind, mit einem besseren Prädikate als dem seither üblichen „genügend" zu bezeichnen sein werden.
2) Bei der Aufstellung der Censuien werden zuweilen Prodea beiten zu Grunde fl'Iegt, welche am Ende des Semesters von den Schülern in den Klasse geschrieben werden. Wenn solche Probcnrbeiten sich über einen größeren Tbeil dcs Klassenpensums oder das ganze Semestralpensum verbreiten, so veranlassen sie gewissenhafte Schüler zu umfassenden Repetitionen, welche ihre Zeil und Kraft übermäßig in Anspruch nehmen und um so nachtheiligere Uebe' laftungen bewirken, als zahlreiche derartige P. obearbeiten aus verschiedenen Unt-rrichtsfächern am Semesterschluß in kurz n Zwischenräumen ouf- Linanver zu folgen pflegen. Deswegen spricht sich bie Commission dahm aus:
Daß solche Probearbciten, welche umfangreichere Repetitionen zur Voraussetzung haben, zu untersagen seien.
(Sckluß folgt.)
Hochwasser.
Mainz, 4. Januar, 12 Uhr 30 Min. Mittags. Wasserst and 5,90 M. langsam sollend. Die Nacht ist gut vorübergcgangcn. Alle Hoffnungen sind abhängig Boa dcr Pumpstation. Der Rest der Pioniere und Flößer ist von Costel nach Astheim und Trebur abgegangen. Die gestrige Mannschaft ist theüwrise zurück. Mannheim 10 Uhr 30 Min. 8,32 M. Rhem 18 Clm., Neckar 8,19 M, 25 Ctm. fallend.
Mainz, 4 Januar, 6 Uhr Abends. Wasserstand 5,90 Mtr Das Mass r steht. Das Bahnhofsterrain der Ludwigsbahn ist vom Fischthor aus eingedämmt und st bt größtentheils unter Wasser. DaS Verrammeln des Reuthors hat sich alS nickt nolhwendig erwiesen, da voraussichtlich kein weiteres Steigen zu erwarten ift; dagegen raurbe der Vorsicht halber daS nahe daran liegende Bocksthor eingedämmt. Don Ingelheim trifft die Nachricht ein, daß beute Stacht der Damm gebrochen, der Ort jedoch durch den Eisenbahndamm geschützt sei.
Bingen. 4 Januar 8 Uhr 45 Minuten Abends. Der Rhein hat den höchsten Stand im November um sechs Zentimeter überschritten und wächst langsam. HclleS kaltes Wetter.
Bischofsheim, 4. Januar. Am 2 d. M gegen Abend wurde auf dis jetzt noch nicht aufgeklärte Weise der Rheindamm unweit GrieSheim defekt, nachdem schon 'n voriger Woche der Maindamm gebrochen war, und nack kurzer Zeit stürzte sich turch die größere Oeffnung das rauschende Nh.inwaffer unserem Orte zu. Um Mitternacht standen fast alle Straßen, die außerhalb des O tsdammcS gelegen waren, unter Wasser und nur mit großer Mühe gelang es den Leutcn, sich und ihr D'eh zu rett<n. D.e ganze Mainsp'he gleicht einer Sec Gestern Abend drohte der OrtSdamm zu brechen. Die Sturmglocke ertönte und Jeder suchte sich zu retten. Vieh wurde auf bem alten Friedhöfe und in der Kirche unterg bracht. Durch groß.' Anstrengung der Einwohner unter sofortiger Hülfeleistung des mick ren Bahnmeisters Schad mit feiner Mannschaft wurde daS schon durchdringende Wasser zurückgedrängt und gegen 2 llbr mar die lecke Stelle wieder fest. Es entstand e ne Aufregung in unk rem Orte, welche nrcht mit Worten wiederzugeben ist. Heute Morgen flehen viele Häuser über 1 Meter boa) im Wasser und schon eine große Anzahl Bewohner mußten ihre Wohnungen raumen. Der verursachte Schaden ist bis jetzt unberechenbar. Verlust an Menschen- l'ben ist nicht zu beklagen.
.. 3,nuar- Die hierher verbrachten Uebeischwemmten, c rca
, —» 00 Personen aus den Riedgemelnden Bodstadi, Bürstadt, Hofheim, besinden sich in äußerst bedürftiger Lage Unterstützung ist sehr nöthig.
- o- ^2 ^aden, 3. Januar. In Leopoldshafen sind in Folg' des Dammbruchs det Temschneuroth mehrere Häuser eingestürzt und viele sieden unter Wasser. — In Weinheim ist die Weschn tz anaeschwollen. - Aus Schwetzingen, 1 Januar I-eflen folgende Nachrichten vor: Kaum galt die vom Neckar her brobenbe Gefahr für beseitigt, alS neues Stetgen de« Rheines gemeldet wurde. Der Verkehr auf der Schwetzingen-Speierer ßinti wurde in Folge beffen bereits am 29. eingestellt. Bei Altlußheim hat der Rhein in einer Ausdehnung von etwa 50 Meter den Damm durch- brochen. Bei Brühl ist das ganze W'esengelände und der untere Theil des Dorfes hinter Wasser, auf der Kollertnsel konnten die Bewohner nur ihr nacktes Leden retten, Vieh und Habe mußten sie dem entfesselten Elemente preisgeb n. Am Rohrhofer Damm und bei Neckarau wird ununterbrochen gearbeitet, einen Durchbruch zu Den hüten. Und waarend Flüsse und Bäche dem Rheine gewaltige Wassermasfen zuführen, regnet eS fortwährend, so daß an ein Ende der herrschenden Bedrängniß noch n'cht zu denken ist. 0
. . Mannheim, 4 Januar. Das HülsScomite in Ludwigshafen erläßt einen Aus- w-.0 u na^u ^^00 Obdachlos'', meistens aus dem Arbeiterstande, welche in Ä"^'SEhafen und in HemShof untergebracht sind, gesorgt werden muß, daß H-.l'e ^uc- ®cr ^e(far Wdr ,n Heilbronn Mittags steigend. Hier ist heute
3 Januar. Die Weschnitz hat unterhalb der Weinheimer Ge- Wasser^ bclbe ®8n,mc durchbrochen und unsere Gegend steht größtentheils unter Wuf1 ^21' 1?*c?arTluor' bat sich hier estt Comite gebildet, welches einen
sMAhrnhim rrfxl? Uederschwemmten von Oppau, Edtgheim, Mörsch, Roxheim und
"Ä «• wird in demselben die Notb der mehrere tausend Seelen b<e^er Ortschaften, die zumeist sich nach Frankenthal geflüchtet bat, geschildert und dringend um Hülfe gebeten.
... ouenheim, 3. Januar. Dav Wasser der Web ist seit gestern noch weiter gestiegen und hat einen selten hohen Stand erreickt. ES übcrfluthet d'e Wiffen zwischen s./Ik Un/iinKTni Unb reicht biS an die Häuser an der Rödel heim er Land- "^ße- Aber auch jenseits derselben nach dem Biegwald und den Dammwiesen ist eine große Flüche vorn'Waffer überschwemmt. Die Straße von hier nach Hansen ist per ffflagen nur mit Gefahr zu befahren, da da« Wasser zu hoch fkbt und stellenweise dao
Lokales.
Gießen, 5. Januar. Ein wegen verschiedener Schwindeleien verhafteter Einwohner von Daubringen brannte heute Morgen auf der Polizeiwache durch kam jedoch nicht weit, denn bereits auf dem Neuenweg lief er einem Schutzmann in die Arme Daß dre liebe Jugend und a-.ch größere K.nder einen ansehnlichen Nachtrab bildete' braucht kaum bemerkt zu werden. — Ferner kamen gestern zwei Diebstähle zur Anzeige und wurden die Thater ermittelt. 0 ”
rr pl a* b. Jmmar.^chmittagS 2 Ubr — Mn. (Telegraphilchrr
Coursbencht. Mitgetheilt durch daS Äankgeschäst Albert Kaufmann in Gießen. 1 Credstactien 249Ve, L>taatSl>abnactien 284, Galizier 252V-», Lombarden 11612 Nord- westbahnacticn —, Darmstädter-Bankactien —, Oberschlesiscke E -B -Act ' 247l Oesterr^Silberrente 65V°, 4% Ungar. Goldrente 73^, 4% 1880er Ruffen 6^ m °?8m,r J?uffcn 8,y^ 2- Onent-Anleihe 55» 4, Spanier 62Vr, 50/0 Rumanischk Wmte 4-n Unisic. Egypter 713 4/8, DiSconto Comrn. 187s * * 4, Gotthardbabnactiet 11478. Tendenz: —.
vom Wasser aufgewühlt ist. Dieselbe ist deshalb seit heute früh polizeilich gesperrt. Jetzt geht sammtlichcr Verkehr von hier nach Hausen über Rödelheim.
Paris, 4 Januar. Nach hier eingegangenen Nachrichten aus Macon sind die ^aone unb der Doubs ausgetreten. Mehrere Dörfer der Umgegend stehen unter 2Baffcr, in 2°ngcpterre am Doubs sind 32 Häuser eingestürzt, in Chalons und Mucon sind zahlreiche Straßen überschwemmt, die Magazine sind geschlossen, der angerichttte Schaden ist sehr beträchtlich. Seit heute früh fällt das Wasser wieder.
Kirchliche Anzeigen der Stadt Gieften.
E v a tt g e l i s ch e G e in e i u d e.
Gottesdienst:
Sonntag den 7. Januar (1. nach Epiphanias. Landesinissiousfest.
Vormittags 9 Vs Uhr: Pfarrer Dingel den. Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Schlosser.
Rack beiden Gottesdiensten Kollekte für die Heidenmission.
4 ojii n e r Nag, den 11.1a n u a r, Abends 8 Uhr, im Gu mnaf i um : Mission^ nunder Die Mission unter den Kolbs in Ostindien, Pfarrer Dingeldey.
Am Sonntag, den i4. Januar, ivird im Abendgottesdienst, 5 Ubr, das inilige Abendmahl gefeiert werden. Die Beichte sindet in Verbindung mit dem Abendmahl unmittelbar vor demselben statt.
m. $ le P f a r i g c f ckäft e in der Woche vom 7. bis 13. Januar besorgt Pfarrer Dingeldey. u
Knti<olischc (5tmtinöt.
1; Sonntag nach Epiphanias, i n r j v ?n: $ Hl)r: Frühmefse und AnStbcilung der h. Communion.
7210 Uhr: Hochamt. 2 Uhr. Andacht.
(6ottcsöiciifl in ötr Si)imgogc.
F-ntag Wciid 4 Ubr, Samstag Morgen 8» Ubr, Samstag Mittag 3 Uhr
Samstag Abend 5 Uhr._______________________________
Für die Wafserbeschädiaten im Großherzogthum gingen weiter bei uns ein Sylvesterabend bet Boller u. Rold 3 JL. W. E 3 Dr. Kiew tz 10 A. e- i 9t R. 3 öpielabeii ' bet G W 3 R- St. 2 CH Roll IV 0,50 .* l „Runder Tisch" im Caf6 Leib 30 (2. Gabe), v Senner 5.M, F- Sennei
5 JL, H. 9toll II 5 .M Rund r Tisch bet Schnell 3 von der „Lämmermeibe'
4 JL 44 I Kehraus 3 JL, Lehrer Andel 4 I. B- Singer 5 Oder-R idbinet
Dr Levi 5 Louis König 5 j(.. Frau Hensel 10 .W., L'indg Raib Ouvrier (2 Gade^
10 JL, Fr. Textor (2. Gabe) 20.^., Prof. Dr. Buchner (2. Gabe) 10.* - Jnsgcfammi 152,94 JL, mit ben gestern qu ttirt n Betrügen nunmebr 2564,56 .M — Den Empfang
mit herzlichem Danke bescheinigend bittet um w itere Gaben
Die Expedition des „Gießener Anzeiger".
Darmstadt, 4. Januar. Gestern Abend ging eine Abteilung vom Leibgarde- regiment auf Wagen nach Leeheim ab, um der dortigen in Roth befindlichen Bevölkerung Beistand zu leisten. S c führten Material und Werkzeug zum Floßbau und Brod mit fid). — Am Nachmittag kamen mehrere Waggons mit aus Biebesheim a-fflüchtetem Vieh hier _nn und wurde in den für den Viehmarkt bestimmten Stallungen untergebracht. Heute früh wird ein Transport Lebensmittel von hier nach Asthcim abgchen - D'^cOon d„ MainMeckarbahn wurden gestern auf dringendes Erfucheii
von dort 1000 Pechkranze nach Neckarau abgefendet.
usIN g cn- Es wird eben hier lebhaft agittrt für den Ban einer S-cundärbahn von Homburg über Usingen nach Wetzlar.
. Marb ürg, 3 Januar. Leute, bie heute mit Fuhrwerk von Goßfelden kommend, den Weißen Stein passirten, kamen an eine verschüttete Stelle des Landwegs, die sie überschreiten wollten, als in demselben Augenblick eine neue Rutschung der oberen flfbtm?f,enmCrf°,l0tc, ^efcb Tr und Passagiere halb begrub; nur mit Mühe und
Hilfe der Gemeinde Wehrda konnte die Ausgrabung und dann die Fortsetzung der Reise ftaltftnben.
Zecke Hardenberg. Während fast alle diejmigen industriellen Werke, aus denen ein Unglücksfall Menfchenleben zerstörte, die öffentliche Woblthätigkeit zu Gunsten der Hinterbliebenen duldet-n, ji gut hießen, lehnt die Direction der Gelfenk^rchener Bergwerk^': und Actiengesellschaft d e angebotenen milden Gaben ob. Ru dem Zwecke bat sie folgende Kundgebung erlassen: „Angesichts der vielen aus den v-rfchiedensten Kreisen uns zug gangencn Anertmtungen milder Beiträge für bie Hinterbliebenen der bei her trour gen Katastrophe auf „Fürst Hardenberg" Verunglückten fühlen wir uns veranlaßt, unf-rn innigsten Dank für diesen Beweis aügemeimr Tbeilnabme namens ber Schwei betroffenen und in e-genem Namen auszusprechen und gleichz.'itig die Erklärung abzugeben, dax die Gesellsckaft es für ihre Ehrenpflicht erachtet, die Fürsorge für die Hinterbliebenen in vollem Umfange zu übernehmen." (Bravo!)
Tchiffsbericht. Mitgetheilt von dem Agemen"bes^Norbdeutfcken Llovd"tn Bremen, C- W. Dietz Nachfolger, Gießen.
ok ?r7n/cn,'i h ^anucr. iPer transatlantischen Telegraph.) Ter Poftdampfer Oder Capt. C. Undütsch, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 18. Decbr. o0.n ^rem,cn om 20. Dccember von Southampton abgegangen war, ist am 30. jL ecembir 4 Uhr 9?ackmittags wohlbehalten in 9?ewyork angekommen.
<n KK^yimC!?/ Januar. Der Postdampfer Rhein, Capt- H. Winter, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 23. December von Newyork abgegangen war, iit heute 8 Uhr Morgens wohlbehalten in Southampton angekommen unb bat nack Landung der für dort bestimmten Passagiere, Post und Ladung 10 Uhr Morgen« bie Reife nach hier forigefetzl. Derselbe überbringt 79 SBaffaaiere unb volle Ladung ö
-Bremen, 3. I inuar. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer ii ^apL (Ä* $* ^vncr- vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 14 Decemder von Bremen abgegangen war, ist heute wohlbehalten in Baltimore angekommen.
f t ffemeitrer
n z e i ff e r.
Pdtrntkldpptafcl
(schönste und praktischste Tafel) zu haben in der Schulbuchhandlung von
's Ernst Häher.
Turnverein.
Nvn heute, g-rcitofl bnt fS. er., ist dieTuritkalle wieder geöffnet.
157 Dor Turn wart.
Altes Zinn und Zlei kaust 3um höchsten Preise
Johannes Jufalf.
Zinngicßer,
21 Reuen Bäucn 21.


