Ausgabe 
1.12.1883
 
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1883

Samstag den 1. December

Mr. 280

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montags.

Dttreaur Schulstraße 7.

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Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Telegraphische Depeschen.

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Berlin, 29. November. Der Staatsminister Bötticher ist Nachmittags nach Friedrichsruhe abgereist. .

London. 29. Nov. Gestern Abend wurde hier em Franzoie verhaftet, welcher mit dem wegen Besitzes von Erplostonsstoffen verhafteten Wolff in Beziehung stand.

London, 29. November. Bei der heutigen Verhandlung gegen Wolff und den Franzosen Bondurand vor dem Polizeigericht in Bowstreet erklärte der Staatsprokurator die beiden Verhafteten nicht beschuldigt, als Mandatare einer politischen Gesellschaft die Herbeiführung einer Explosion gegen die deutsche Bot- schäft beabsichtigt zu haben, sondern vielmehr des Complottes zu dem Zwecke, die Polizei von einer angeblich beabsichtigten Explosion in Kenntniß zu setzen, um für die diesbezüglichen Mittheilungen dann eine Belohnung in Anspruch zu nehmen.

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Politische Ueberficht.

Gießen, 30. November.

Der Kaiser empfing am Dienstag das Präsidium der Abgeordneten- Hauses und drückte hierbei seine volle Befriedigung über die auswärtige Lage und namentlich über die glückliche Regelung des deutsch - russischen Verhält­nisses aus.

Das preußische Abgeordnetenhaus hat am Dienstag nach zwei­tägiger Debattejdie erste Lesung des Etats zu Ende geführt. Wie üblich, so wurden auch diesmal allerhand Dinge in die Debatte hineingezogen, welche gerade nicht in eine Budgetdebatte gehören. So schweiften die Redner des Cenlrums, die Herren Windthorst, v. Schorlcmer-Alst und Mooren immer wieder auf das längst ab- gearaste Gebiet des Culturkampfes ab und der letzgenannte Abgeordnete ver­langte geradezu die unbedingte Aufhebung der Culturkampfes im Sinne des Centrums. Im Uebrigen halten die klerikalen Redner an dem Budgetentwurf des Finanzministers Scholz vielerlei auszusetzen und auch Rickert von Seiten dec Secessionisten und der fortschrittliche Abg. BUchtemann griffen den Budget­entwurf lebhaft an, wobei Herr Rickert zugleich die gesammte Wirlhschaftspolitik des Reichskanzlers abfällig kritisirte, während Herr Büchtemann sich mehr gegen das Eisenbahn.Systeni der preußischen Negierung wendete. In etwas gemäßig- tcrer Form opponirte Abg. v. Benda (nat.-liber.) gegen das Finanz-Expofö de» Herrn Scholz und erklärte, er und seine Freunde könnten nicht für preußische Bedürfnisseeinen Wechsel auf das Reich ziehen." Unbedingte Zustimmung fanden die Ausführungen des Finanzministers von Seiten des conseruativsn Führers v. Minnigerode, welcher sich namentlich befriedigt über die günstige Finanzlage Preußens aussprach. Ihm secundirte am Dienstag sein Fractions- College Prof. Wagner, welcher u. A. auch die Kapital-Rentensteuer energisch vertheidigte und bemerkte, es könne sich hierbei nur um eine stärkere Heran- Ziehung des beweglichen Vermögens handeln, welches gegenüber dem Grundbesitz «in Vortheil sei. Die Bauern litten nicht durch landwirthschastliche Schutzzölle, sondern durch jüdische Auswucherung. Weiter sagte Wagner, bezugnehmend auf «ine Bemerkung Schorlemer'S, es seiverdammte Pflicht und Schuldigkeit" der Katholiken, das Vaterland im Nothfalls zu vertheidigen und forderte schließlich das HauS auf zur Bildung zweier Parteien, einer rechten, welche Bismarck folge, und einer secessionistifch-fortschrittlichen. Nach einigen Schlußbemerkungen des Finanzministers wurden wie gewöhnlich verschiedene Theile des Etats der Budqetcommission überwiesen; am Mittwoch begann das Haus die erste Be- rathung der Vorlage, betr. die Verstaatlichung weiterer Privatbahnen.

Die Spannung zwischen Magyaren und Kroaten wird dem­nächst äußerlich wieder ausgeglichen sein. Der osficiösePesti Naplo" meldet auf das Bestimmteste, daß die Ernennung des FeldzeugmeisterL Philippovics -um Bonus von Kroatien in diesen Tagen erfolgen und daß dann gleichzeitig auch der Ausnahmezustand in Kroatien solle aufgehoben werden. Die Er- nemlung Philippovics zum BanuS (Statthalter) von Kroatien bedeutet einen offenbaren Rückzug der ungarischen Regierung in der kroatischen Frage, denn Philippovics hat die Uebernahme dieses Postens von gewißen Zugeständnissen der Pesther Regierung abhängig gemacht. Ob nun hiermit aber alle Differenzen zwischen Ungarn und Kroatien für die Zukunft beseitigt sind, ist noch sehr zweifelhaft. der Conflict mit China jetzt mehr wie je

auf der politischen Tagesordnung. Die kriegerischen Anwandlungen und unter» sch edlichen Drohungen, in denen sich die chinesische Regierung Frankreich gegen­über gefällt, lassen^ eine Lösung der Tongkingsrage durch das Schwert nicht unwahrscheinlich erscheinen, zumal die französische Regierung fest entschlossen ist, es aus'-s Aeußerste ankommen zu lassen. Um allen Eventualitäten zu begegnen, sollen demnächst abermals Verstärkungen nach Tongkmg in der Hohe von 5400 Mann abqehen. Ferner hat der Conseilpräfident Ferry >m Laufe der Bllathung über das Budget, welche am Montag von der Deputirteukammer bcadnucn worden ist, eine weitere Erhöhung der Creditvorlage für Tongkmg beantragt ^Daß die ursprünglich für diesen Zweck geforderten 9 Mill Frcs. von der Kammer bewilligt werden, unterliegt feinem Zweifel und glaubt man, daß dieselbe auch einem Nachtragskredit zustimmen werde. .,n der fungsten <JtLen an der Pariser Börse beunruhigende Gerüchte über die Lage der Franzosen in Tongküig verbreitet worden. Tie osficiöseAgence Havas" erklärt nun in der formellsten Weise, daß die Regierung kerne Depesche aus Tongking erhallen habe und daß alle coursirenden Nachrichten als falsch be­trautet werden müßten- t ..

Di- italienische Deputirtenkammer hat am Montag ihre Ver­handlungen mit der Berathung des Gesetzentwurfs über den höheren Unterricht wieder aufgenommen. Die vereinigten Oppositions-Fraktionen, derer, Coa ttwn am Sonntag durch ein großes Banket in Neapel besiegelt wurde, an welchem sich die hervorragendsten Deputirten der Linken beteiligten, wollen bereits bet

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dieser Position ihre Angriffe gegen das Cabinei de Pretis eröffnen. Kennev der italienischen parlamentarischen Verhältniffe behaupten, daß die Opposition hierbei ein glänzendes Fiasko machen würde.

Die gesammte Presse Madrids und des übrigen Spaniens, so­weit sie nicht im Dienste des Radikalismus steht, äußert sich fortgesetzt sehr sympathisch über den deutschen Kronprinzen. Mit besonderer Genuglhuung heben die Blätter hervor, daß der Kronprinz, wie aus seinen Aeußerungen her- vorgehe, ein lebhaftes Interesse für Spanien und das spanische Volk bekunde- Das Madrider JournalUnion" sagt, die Persönlichkeit des deutschen Kron­prinzen mache einen tiefen Eindruck auf die Bevölkerung. Er erscheine als die Verkörperung hohen militärischen Ruhmes und der Größe des erlauchten Hohen- zollernhauses, berufen, dereinst eine große Rolle in der Politik Europas zu spielen. Man darf wohl annehmen, daß diese Aeußerungen den Gesinnungen des überwiegenden Theiles der spanischen Bevölkerung durchaus entsprechen.

Am 26. November 1783 verließen die englischen Truppen auf immer New-Dork und wurde die hundertjährige Wiederkehr diefes für die Union denk- würdigen Tages am Montag in New-Dork durch einen großartigen Umzug zu Lande und Parade der Schiffe gefeiert. Am Abend sand aus gleichem Anlaß die Enthüllung Der Washington-Statue statt.

Mohammed Achmet, der Mahdi oderfalsche Prophet", i,i heute der unbestrittene Herrscher des Sudans. Nur die eigenlliche Hauptstadt des Sudans, die wichtige Handelsstadt Khartum, ist noch in den Händen der egyptischen Truppen, aber schon die nächsten Tage können uns die Nachricht bringen, daß die fanalisitten und siegberauschten Schaaren des Mahdi in Khartum einge- zoaen sind. In Kairo herrscht begreiflicherweise große Bestürzung, zumal auf die' eingeborenen egyptischen Truppen kein Verlaß mehr ist. Es wird dem Khedive nichts übrig bleiben, als die Hülfe der Engländer, wie s. Z. gegen Arabl Pascha, so jetzt gegen denfalschen Propheten" in Anspruch zu nehmen. Dessen Ansehen unter der ganzen muselmännischen Bevölkerung Egyptens ist aber durch seinen Sieg über Hicks Pascha gewaltig gestiegen, sodaß die Eng­länder kein leichtes Spiel mit ihm haben dürften.

Darmstadt, 29. November. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:

Am 17. Novbr. dem Steuercommissär des Steuercommiflariats Offenbach Steuerrath Johannes Heinrich Balzer das Ritterkreuz 1. Klaffe des Verdienst- Ordens Philipps des Großmüthigen, dem Gefangenwärter am Haftlocale zu Reinheim Johannes Heinrich Kleinschmidt das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift:Für 50jährige treue Dienste",

am 19. Novbr. dem Second-Lieutenant im 3. Infanterie-Regiment (Leib- Negiment) Nr. 117 Hermann Schimpfs II. und dem Second-Lieutenant im 4. Infanterie-Regiment (Prinz Karl) Nr. 118 Wilhelm Weinert das Ehren­zeichen für Verdienste während der Waffersnoth 1882/83 und

am 22. Novbr. dem kaiserl. und königl. öftere. Hauptmann a. D. Fried­rich Heyer v. Rosenfeld das Ritterkreuz 2. Klaffe des Ludewigs-Ordens zu verleihen.

Se Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:

Am 17. Novbr. Den außerordentlichen Professor Dr. Johs. Schmidt zu Halle zum ordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der Landes- Universität, insbesondere für das Lehrfachs der klassischen Philologie, zu ernennen und in der gedachten Eigenschaft zu berufen. rr

Darmstadt, 29. Novbr. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: r. .

Am 18. Novbr. dem Protokollisten und Regrstratur-Gehulfen ber dem Oberconsistorium Emil Gerhardt den Charakter alsBuchhalter",

am 28. Novbr. dem Maler August Becker zu Düsseldorf den Charakter alsProfessor" zu verleihen.

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Lehrer-Conferen;

des Conferenzbezirks Gießen: Mittwoch den 5. December, Vormittags 10 Uhr, in Gießen;

des Conferenzbezirks Lich-Hungen: Donnerstag den 6. December, Vormittags 10 Uhr, in -ich.

Gießen, den 29. November 1883. Büchner, Kreisschulinspector.