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Heidelberger Straße und dem Bahnhof hin erstreckt. Dazwischen hört man die Noth- schüsse der umliegenden Ortschaften. Auch von der oberen Neckargegend wird große Wassersnoth gemeldet, wie Neckargemünd, Schlierbach und Ziegelhausen. Wir wollen hoffen, daß das Unglück so rasch vergeht, wie es gekommen ist. Denn so rasch wie diesmal das Wasser kam, ist es noch nie gekommen Der Rhein ist zur Stunde noch nicht gefährlich, steigt aber fortwährend.

Mannheim, 28. December. Der Rhein ist stark steigend und bis zu den Getreidehallen vor gegangen; die Gärten am Neckar, sowie die Schwetzinger Vorstadt sind durch einen Dauimdruch des Neckars bedroht. Der Neckar ist bis in den Neckar- Hafen und die Jungbusch-Straßen gestiegen, hat somit den Stand vom Jahre 1824 erreicht. Bet Heldelberg war der Stand des Neckars Morgens 7 Mir., Mittags 6,70, fallend; des Rheins bei Kehl 5,18, steigend, bet Waldshut 5,60, steigend, bei Philipps­burg 6,90, steigt. In Mannheim war Nachmittags der Stand des Rheins 8,85, steigt, der des Neckars 10,16, steigt noch etwas.

Der Neckar i|t bei Heidelberg seit Morgens 10 bis Abends 6 Uhr 30 Ctm. gefallen. Hier fällt er noch n cht, doch ist zu erwarten, daß er im Laufe der Nacht fallen werde. Bci ruhigem Welter und nicht ungünstiger Windrichtung ist Hoffnung, daß die Nothdämme halten, sonst dürste die Lage sehr ernst werden. Der Neckar hat den höchsten Wasserstand, der h er vorgekommen, um einen halben Meter überstiegen. Wird der Schlachthausdamm durchbrochen, so ist die Vorstadt Schwetzingen, das Dorf Neckarau und die Neckar-Vorstadt bedroht; man hofft aber, sie einerseits durch Erhöhung der Straße nach Seckenheim, anderseits durch Erhöhung der Chaussee nach Käferthal zu schützen. In der inneren Stadt steht das Wasser zwischen dem Heidelberger Thor und dem Bahnhof fast dis zum Straßendamm. Die ganze Lage wird sehr ernst auf­gefaßt. Das Theater bleibt deßhalb geschlossen. In den hiesigen Blättern erläßt der Stadtdirektor und Oberbürgermeister einen Aufruf an die Bürgerschaft, den bedrohten Stadttheilen zur Hülfe zu eilen.

Der Rhein ist bei Kehl und Maxau stark steigend und hat den 1876er Wasserstand bereits überstiegen. Von Walds Hut wird dagegen heute Abend Fallen des Wassers gemeldet. Hier steigt der Rhein voraussichtlich bis übermorgen.

Karlsruhe, 28. December. Nach den eingegangenen Berichten ist der Bodensee bei Konstanz seit gestern von 3,43 auf 3,67 und der Rhein bei Waldshut auf 5,60 gestiegen. Die Wiese-Hausener Brücke ist zerstört, ebenso der DÜmm bei Schopfheim; die Brücke Lörrach-Wiese ist zusammengestürzt und sollen dabei auch Menschen ver­unglückt sein. Zerstört sind ferner die Brücken bet Utzenfeld, Zell und Wehr. Die Dreisam ist bet Freiburg auf 1,55 gestiegen, an der Freiburger Steinbrücke ist ein Ufereinbruch erfolgt- Von der Elz wurde die Kastellbrücke bei Waldkirch und die kleine Langenbrücke bei Emmendingen zerstört, der Kinzigdamm unter der Offenburger Etsen- bahnbrücke ist gebrochen, die Vorstadt von Offenburg ist überflutet. Bet Kehl ist der Rhein seit gestern von 4,05 auf 5,18 gestiegen, die Murg zeigt bei Rastatt 5,20 und übersteigt die Dämme um 1.59 Ctm-, die Rothenfelser Brücke ist zerstört. Bei Maxau ist der Rhein seit gestern von 5,58 auf 6,79 gestiegen, bei Mannheim zeigt derselbe 9,67 und ist in weiterem Steigen begriffen. Der Neckar zeigt bei Deidesheim 8,32, ist aber im Fallen. Die Neckarelzer Schiffbrücke ist abgetrieben, wurde aber wieder gelandet. Der Wasserstand des Neckar bei Mannheim ist 9,72, bei dem Schlachthaus erfolgte ein Dammbruch, die Straßendämme nach Käserthal und Seckenheim wurden durch das zur Hilfe herbeibeorderte Militär erhöht. Der Main ist bei Wertheim mit 4,90 zum Stillstand gelangt.

Karlsruhe, 27. December. Der Verkehr auf der Wiesenthal-Bahn von Basel nach Zell ist in Folge der Rhein-Ueberschwemmung unterbrochen und der Betrieb auf der Strecke Kehl-Kork heute Abend eingestellt worden. Die Züge von Wien nach Paris gehen in Folge dessen von heute Abend ab über Maxau.

Karlsruhe, 28 December. Bei dem Zusammenbruch der Lörracher Wiesen­brücke sind 20 Menschen in die Fluthen gestürzt, nur wenige davon wurden gerettet. Bei dem heute früh ausgeführten Versuch, einen Zug von Appenweier nach Kork, zu fahren, entgleiste die Locomotive. Ein Reisender wurde dabei getödtet und drei Eisen­bahnbeamten verletzt. Die Bahnstrecke von dem Hauptbahnhof von Mannheim nach Käferthal ist unfahrbar. Auch der Güterbahnhof in Mannheim ist überfluthet und die Verbindungsbahn zwischen dem Personenbahnhof und Güterbahnhof oberhalb der Rhein­brücke ist bedroht.

Mainz, 28. December. Unter den Bewohnern der unteren Stadttheile herrscht eine förmliche Panik. Während bei der letzten Ueberschwemmung der Rhein verhält- nißmäßig langsam gestiegen war, wächst das Wasser eben mit einer solchen Schnelligkeit, daß sich von Minute zu Minute ein anderer Pegelstand wahrnehmen läßt. Von 8 Uhr heute Morgen an bis jetzt, 2 Uhr Nachmittags, ist das Wasser 32 Zentimeter gestiegen, was per Stunde einem Wachsen von über 5 Zentimeter gleichkommt Das Ufer längs der Stadt ist wieder durchweg überschwemmt, Lagerhäuser und Krahnen stehen bereits vollständig unter Wasser. In Folge der schlimmen Erfahrungen bei der ersten Katastrophe sind die Bewohner wie auch die Behörden nach jeder Richtung hin be­deutend vorsichtiger und thatkräfliger geworden. In allen Gegenden sicht man sowohl Schutzvorrichtungen treffen, wie auch Zommunikationsmittel für den Fall einer Ueber- sluthung schaffen Sehr vortheilhaft ist der von der Stadt eingerichtete Nachrichten­dienst, stündlich werden Depeichen über den Wasserstand vom Oberrhein und Main publiciit. Durch Erhöhung des Emgangsschachts der Pumpstation^ hofft man dieselbe bis zu einem Pegelstanv von 6 Meter in Function halten zu können. Der Bahn­verkehr nach der Richtung nach Bingen dürfte bei weiterem Steigen bald gestört fein, indem die städtische Veiwaltung gewillt ist, unter Zuhilfenahme des Kreisamts, selbst gegen den Willen der Bahnverwaliung, den Bahndamm im Gartenfeld zum Schutze dieses Stadttheiles erhöhen und verstärken zu lassen. Der Trajectverkehr der Nassauischen Bahn wird wahrscheinlich schon heute Abend eingestellt werden müssen.

Wien, 28. December. Wegen des außerordentlichen Steigens des Donau- Canals wurden Vorkehrungen zum E nhängen des Sperrschiffs getroffen.

Prag, 28 December. Alle Flüsse Böhmens steigen, in Prag ist noch keine Gefahr. Im Jnundationsgebicte sind alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Im Vor­orte Liegen mußten 30 Delogirungen vorgenommen werden.

Lokale-

Gießen, 29. December. Die auf gestern Abend in Wenzels Saalbau ein- berufene außerordentliche Generalversammlung der Gewebebank war sehr stark besucht. Es waren 394 Mitglieder anwesend. Nachdem der Vorsitzende des Aufsichtsraths Pos. I. und IL der Tages-Ordnung: Unterstützung der Wasserbeschädigtcn im Groß- herzogthum mit 300 J4, sowie Beitrag an die hiesige Kleinkinderschule mit 200 JL dah in als erledigt erklärte, daß er der Versammlung zur Kenntniß brachte, der Auf- sichtsrath habe beschlossen, diese Gelder zu verwilligen und der Versammlung hiervon Mittheilung zu machen, schritt man zur Erledigung von Pos. III. der Tages-Ordnung: Wahl eines Controleurs. Der vom Aufsichtsrath vorgeschlagene Herr Carl Jug Hardt erhielt nicht die nöthige Stimmenzahl (von 394 Stimmen er hielt derselbe 135 Ja, 257 Nein) und mußte nach längerer zum Theil höchst erregter Debatte die eoent. weitere Wahl bis zu einer nächste Woche abzuhaltenden außerordentlichen General­versammlung vertagt werden. Pos. IV. der Tages-Ordnung:Verträge mit dem Vorstande" wurde dahin erledigt, daß die Versammlung dcm Aufsichtsrath Vollmacht ertheiltc, provisorische Verträge mit den neu anzustellenden Vorstandsmitgliedern abzu­schließen.

Vermischtes.

Zum Weihnachtsfeste und zum bevorstehenden Jahreswechsel möchten mir bet unseren Lesern ein gutes Wort für die Briefträger und Postboten einlegen. Jahr aus, Jahr ein, Tag für Tag, unbekümmert um Gunst ober Ungunst der Witterung gehen diese Männer ihrem beschwerlichen Berufe nach und leisten dem Leser durch ihre Regel­mäßigkeit und Pünktlichkeit unschätzbare Dienste. Wir glauben deshalb nur eine Pflicht M erfüllen, wenn wir tn dieser fröhlichen Festzeit darauf Hinweisen, wo eine Gratifikation wohl verdient und wohl angebracht ist.

Wetzlar, 27. December. Vor einigen Tagen wurde im Altenberger Walde, Diftrict Bornkistenkopf, ein Rud l von 8 Stück Wildschweinen aufgespürt. Auf eine bezügliche Meldung nach Braunfels fanden sich am Tage nachher einige Herren von dort ein, um auf die schwarzen Gesellen Jagd zu machen. Die Jäger trafen die Thiere auch noch an und dem fürstlichen Forstbeamten Krauß gelang es sogar, eins der Thiere anzuschießen; seitdem ist aber jede Spur der gefährlichen Gäste verloren gegangen.

Marburg, 23. December. Dieser Tage verstarb auf der Jrrenheilanstalt die etwa neunjährige Tochter eines daselbst Bediensteten unter heftigen Schmerzen an den

Folgen einer Blutvergiftung, welche sich das Kind dadurch zugezogen hatte, daß in eine am Fuß entstandene kleine Wunde von den rothen Strümpfen, welche das Kind trug, giftige Beftandtheile in den Körper eingetreten waren.

Nach den statistischen Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen-und Stahl- industrieller belief sich die Roheisenproduction des deutschen Reichs (einschließlich Luxemburgs) im Monat November 1882 auf 276 761 Tonnen, darunter 175 809 Tonnen Puddelroheisen, 8420 Tonnen Spiegeleisen, 64694 Tonnen Bessemer und 23 238 Tonnen Gießereiroheisen. Die Production im November 1881 betrug 262369 Tonnen. Vom 1. Januar 1882 wurden producut 2514741 Tonnen gegen 2 500 349 Tonnen im Vorjahre.

Ein interessantes Documer.t ist bei Gelegenheit des Spielabends für die Ueberschwemmten an das Tageslicht gekommen- In einem Berliner Restaurant in der Kömgstraße suchte man naml'ch die Sammlungen für die Heimgesuchlen am Rhein noch dadurch zu erhöhen, daß man auch eine kleine Auciion Deianftaltete. Den Gegen­stand der Versteigerung bildete ein 153 Jahre altes Dokument, das namentlich für alle Raucher von hohem Interesse war, denn es versetzte dieselben, im Gegensatz zu den heutigen schönen Tagen, in jene unbequeme Zeit, wo die Erlaubniß zum Rauchen erst höchst umständlich von einer hohen Obrigkeit erbeten werden mußte. Um jene Zeit herrschte in ganz Deutschland ein Gesetz, demzufolge man nur mit einem Berechtigungs­schein versehen sich mit einer Pfeife auf die Straße ober auch nur an bas Fenster seiner Wohnung wagen durfte. Die betreffenbe Urfunbe, bie ein Arzt für 128 Mark erstand, lautet wörtlich:Vorzeiger dieses, Karl Graß zu Bingen, Oberamt Mainz, hat die Erlaubniß uff ein Jahr, Tabak zu rauchen, gegen die Landschrerberei bezahlte Gebühr, als 18 Kreutzer teutscher Kours. Zweibrücken, den 23. des Augustmonats 1729. W- Stein." Gegen jene Zeiten verliert selbst das Tabakmonopol feine Schrecken

Aus den Reichslanden, im December. In einem Städtchen von Unter- Elsaß verbreitete sich jüngst die Kunde, die Hexen trieben wieder ihr Spiel. Besonders einem früheren Zweifler, der oft ihrer gespottet, trachteten sie zu schaden, so v el wie möglich. Im Stalle, tn Küche und Keller, überall spukte es, überall wollte man auch die Beweis, sehen, daß es nicht mehr richtig. Was thun? In dem Nachbarstädtchen lebt trotz Gymnasium und anderen höheren Schulen heute noch einHexenmeister", den ruft man zu Hilfe. Er erscheint; beim Eintritt tn das Haus hat er es schon heraus, daß die bösen Geister gewaltig hier herrschen. Die Milch wird auf den Herd gestellt, trotz eines höllischen Feuers bleibt sie unbeweglich, sie kommt nicht in Wallung. Der große Mann schiebt in den Keller die Kartoffeln sind grün unbausgewachsen; er läßt sich Wein holen der ist trüb und ungenießbar. Zu zweifeln ist nicht mehr, nur gut, daß es noch Hexenmeister gibt, die die bösen Geister unschädlich machen können- Unser Hexenmeister erprobt denn auch hier seine Kunst, sie besteht die Probe. Nach mehrtägigem Kampf mit den Geistern erscheint er wieder, und siehe da. feineKünste" haben geholfen die Milch ist wieder wie andere Milch, die Kartoffeln wie andere Kartoffeln, der Wein fließt krystallhell und köstlich mundet er. Daß die bewährte Kunst reichliche Belohnung gefunden, steht außer Zweifel. Und dieser ganze Hocuspocus hat sich n d)t bei einem armen Bäuerlein zugetragen; ein Meister der Schule, ein Lehrer desLichts" erzählt steif und fest: früher hätte er nicht an Hexen geglaubt, jetzt habe er aber selbst die Erfahrung gemacht, daß sie nicht der Vergangenheit angehören, sondern auch noch in der Gegenwart wirken-

Köln Ein humoristisches Intermezzo aus der Kölner Wassersnoth, welches zugleich den Beweis liefert, daß die Kölner selbst unter den traurigsten Verhältnissen nicht den Humor verlieren, stellt der unten geschilderte Vorfall dar. Am alten Ufer fuhren ein katholischer Caplan und ein Israelit, um gemeinschaftlich Gaben zu ver- theilen, von Haus zu Haus. Plötzlich strauchelte der Israelit und fiel in das 4 Fuß tiefe Wasser. Da er sich an der Schulter schwer verletzt hatte und allein nicht im Stande war, das unsreiwill qe Bad zu verlassen, sprang der Geistliche sofort nach, nahm den kleinen Herrn auf seine Arme und trug ihn aus dem Wasser. Da rief ein­tiefe Stimme aus einem der nahen Fenster:Seht ens do,n neue Kumpromiß! Chresten und Jüdde halt sich leeb!"

Bern, 24. December. Seit einigen Tagen ist der Director der Discontokasse in Interlaken, Namens Burgi, verschwunden. Man spricht von großen Kassenlücken und einem bevorstehenden allgemeinen Krach Da Director Burgi der Schwager des kürzlich hier in her Aare ertrunkenen Oberst Oit ist, tauchen neuerdings die verschieden­artlasten Gerückte wieder auf. Auguste Lehmann, die Mörderin der Pfarrerin von Glattfelden im Kanton Zürich, ist zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurthetlt worden.

Berlin, 27. December. sGattenmorboersuch und Selbstmord.) Ein erschüttern­des Familiendrama spielte sich heute Vormittag gegen 10 Uhr in dem Hause Große Friedrichstraße Nr. 111 ab. Um die angegebene Zeit wurden die Bewohner des ge­nannten Hauses plötzlich durch zwei SckÜsse erschreckt, die in der Wohnung eines dort in der zweiten Etage wohnenden Schriftstellers und R-dacteurs Dr. Maron fielen. Gleichzeitig stürzte das bei Dr M. in Condition stehende Dienstmädchen laut um Hülfe rufend und mit der Mittheilung, daß ihr Dienstherr sich und ferne Frau er- ichießen wolle, auf b'e Treppe. Beim Einbring n in bie Wohnung fanb man bie An­gaben bes Mädchens vollinhaltlich bestätigt. Dr. M- lag, einen noch geladenen Revolver krampfhaft in der Hand haltend, entseelt auf der Erde des Zimmers, während seine Ehefrau laut röchelnd, anscheinend im Todeskampfe auf dem Sopha hingestreckt war. Der sofort hinzugerufene Reviervorstand stellte den obigen Thatbeftanb fest. Ferner wurde ermittelt, daß das Dienstmädchen von Dr. M. unmittelbar vor der That mit einem Brief auf das betreffende Polizeirevier geschickt worden- Zufälliger Weise hielt sich das Mädchen noch so lange auf, bis der erste Schuß, den Dr. M auf seine Frau feuerte, fiel. Als das Mädchen hierauf in das Zimmer trat, drohte ihr Dr. M-, daß er sie, wenn sie ihren Auftrag nicht sofort ausführen würde', ebenfalls tobischießen würbe. Erst nachdem bas Mädchen das Zimmer verlassen feuerte Dr- M- den tobte lieben Schuß gegen sich selbst ab. lieber bie Veranlassung zu ber unseligen That cursiren bie verschiebensten Gerüchte. Das glaubroürbigfte scheint bas zu fein, baß eine anhaltenbe Krankheit Dr. M. zu bem verzweifelten Entschluß getrieben. Ein polizei­lich requirirter Arzt conftatirte bei ber Frau noch Lebenszeichen und ordnete nach An­legung eines Nothverbanbes ihre sofortige Überführung nach bem königlichen Klinikum an. Die Leiche bes Mannes ist nach bem Obbuktionshause geschafft worben.

Zur Erleichterung ber Durchfahrt von Schiffen im Suezkanal hat bie Suez­canal-Gesellschaft in Paris mit Zustimmung ber englischen Mttglieber ber Direction beschlossen, bret neue große Stationen, und zwar in Kantara, Timsah unb am süb- lichen äußersten Enbe bes Bittern Sees (Kilometerstation 133) zu errichten. Eine jede dieser Stationen ober Bassins wirb, berTimes" zufolge, einen Umfang von 40 Qkrn. ober 25 englische Quabratmeilen haben Da ber Canal nur 100 englische Meilen lang ist, so würbe biefe Neuerung bie Durchstechung eines 25 Meilen breiten Meeresarmes von Port-Saib nach Suez tn sich schließen. Eine jebe b'eser Stationen soll groß ge­nug sein, um 50 ober 60 Schiffe zu beherbergen. Außerbern soll in Port-Saib ein neues Dock gebaut unb ber Canal soll künftighin wirkungsvoll erleuchtet werben, wahr­scheinlich burch electrisches Licht, bamit ber Schiffsverkehr nicht, wie jetzt, bes Nachts unterbrochen zu werben braucht. Zur Ausführung ber geplanten Verbesserungen sind Baggermaschinen im Werthe von 5 Millionen Frcs. bestellt worden. In Kaniara wird das Becken wahrscheinlich entweder durch Vertiefung der Balah-Seen im Osten ober des Menzaleh-Sees im Westen hergestellt werden. Bei Jsmailia liefert ber Timsah- See ein fast fertiges Becken. Das brüte Becken roirb burch Vertiefung des südlichen Endes des kleinen Bitteren Sees hergestellt werben. Die erste Station wirb 28 Meilen von Port-Saib, bie zweite 50 Meilen unb bie brüte 83 oder 17 Meilen von Suez ent­fernt sein. Gegenwärtig ist ber Canal nur für einen Schiffsverkehr von 6 Millionen Tonnen auss Jahr beredmet. Die in Aussicht gestellten Verbesserungen werben einen Verkehr von 12 Millionen Tonnen ermöglichen unb Herr v Lesseps glaubt zuversicht­lich baß ber Canal so vergrößert werben kann, um einem Verkehr von 24 Millionen Tonnen Genüge zu leisten Die mit biefen Verbesserungen verknüpften Kosten sind auf 23 Mill. Frcs. veranschlagt.

Gegen Hasenfraß an Bäumen veröffentlicht bieSächs. lanbw. Zig.": Vor Anfang des Winters ober Schneefalles nehme ,ch Speckschwarte, streiche mit ber Fleisch- feite an ben Stämmen einige Male herauf unb herunter unb bies genügt, baß den ganzen Winter hinburch kein Hase bie damit bestrichenen Bäume benagt. Auch ge­brauche ich die sonst ziemlich wertblosen Speckschwarten beim Kohlpflanzen. Hier hange ich solche an l-li/2 Meter hohe Pfähle, welche fest in den Boden gesteckt sind, bamtt ber Wind sie nicht umwirft, unb habe gefunben, baß bie Hasen bas auf solche Ißej umgrenzte Krautstück meiden. Billiger unb bequemer gibt es wohl kein Mtttel. oenn mit einer Speckschwarte kann man 50100 Bäume, je nach deren Starke, beftre cy n unb habet ist es bem Stamme nicht schäblich.