— [@in unterbrochenes Hochzeltsfest.) Einen äußerst glücklichen Fang machte am Sonntag Mittag dre Berliner Criminolpolizet tn dem benachbarten Rixdorf. Gegen Mittag trafen daselbst der Criminalcommissarms Herr v. Mcerscheibt-Hüllessem und mehrere (Kriminalbeamte ein und begaben sich in Begleitung der Gendarmen Brandt, L-bke und Borch nach einem Hause der Kirchhofstraße, in dem der erst am 1. Oktober nach Rixdorf gezogene Handelsmann P. wohnte und mit dessen Tochter Hulda sich ein berüchtigter Taschendieb M. verheirathen wollte. Während die Gendarmen die Ausgänge des Hauses bewachten, begaben sich die Cttminalbeamten in die eine Treppe hoch gelegene Wohnung des P. und trafen die aus lauter berüchtigten Gaunern, Einbrechern und Taschendieben zusammengewürfelten Hochzeitsgäste gerade beim Mahle an. Einige Verbrecher machten Fluchtversuche, wurden aber von den Wache haltenden Beamten ergriffen und sofort gefesselt, welchem Schicksale auch die übrigen Personen anheimfielen. Bet der nun folgenden Haussuchung fand man mcht nur eine Menge g stohlener Gold- und Silbersachen, sondern außerdem noch 1800 JL in Gold und Silber. Die ganze Diebsgesellschaft, bestehend aus sechs Männern und vier Frauen, würbe gefesselt nach dem Amtsbureau geführt und einem sechsstündigen Verhör unterworfen. Unter den Verhafteten befand sich ein erst kü zlich aus einem Gffängniß in Pommern entsprungener Einbrecher und ein Oesterreicher. Nachdem das Verhör zu Ende geführt worden war, wurden die Verhafteten mittelst dreier Droschken nach dem Molkenmarkt transportirt.
— Ern Thierbändiger erließ in Dingelfingen folgende Bekanntmachung: „Hundert Thaler Demjenigen, der in iben Löwenkafig geht" und theitte am folgenden Tage in der Zeitung mit, daß sich der Bauer Plüschke gemeldet, um das Wagniß zu bestehen. Ganz Dingelfingen erschien zur festgesetzten Zeit in der Menagerie. Der Thterbändiger zählt die 100 Thaler in blanken Stücken auf, während Plüschke dabei steht und wohlgefällig zusieht. „Die ganze Summe erhalten Sie, sobald Sie aus dem Löwenkäfig zurückgekehrt fein werden " Der Bauer sieht sich den Käfig mit den wild umher- rennenben Löwen an, schüttelt den Kopf und spricht: „Jo, nef wer1 ich schon gehe, aber erst müsse die Biester 'raus." Sprichts und verläßt den Circus.
— [Zu eng geschnürt.) Ueber einen Unfall, bei dem nur durch die rasch angewandte ärztliche Hülfe ein in Folge der unsinnigen Mode des allzu starken Zusammen- schnüren bedrohtes Menschenleben gerettet wurde, wirb ber W A. Z. aus ärztlichen Kreisen berichtet: „Im Laufe des Mittwoch Vormittag war in ber Schwarzspanierstraße
im neunten Bezirk zu Wien ein elegant gekleibetes, hübsches, achtzehn Jahre altes Fräulein, Eleonore M-, die Tochter eines reichen Fleischhauers unb Hausbesitzers, plötzlich auf bem Trottoir zusammengesunken, ohne auch nur einen Laut auszustoßen. Es würben von Einigen ber Anwesenden an Ott unb Stelle Wiederbelebungsversuche angestellt, bie jeboch erfolglos blieben, so baß die anscheinenb Leblose in bie allgemeine Poliklinik gebracht werben mußte. Hier fiel ben Aerzten sofort der besonders schlanke Wuchs des Mädchens auf, weshalb unverzüglich dess n Kleiber geöffnet wurden, wobei ein ledernes, fein gearbeitetes, mit Stahlfchienen besetztes Mieder zum Vorschein kam, welches den ganzen Brustkasten (Thorax) unb die in bemfelben angebrachten Respirations- organe berart in ihrer Expansionsfähigkeit beeinträchtigte, daß auch die Bewegungen des Zwerchfelles auf ein Minimum rebuclrt werden mußten, wodurch sich bei der Patientin als natürliche Consequenz des durch bie zusammengepreßte Lunge nur m sehr unvollkommenem Grabe geübten Gaswechsels eine allzu große Menge von Kohlensäure im Organismus ansammelte, während das eingeathmete ©auerftoffquantum unter ben obwaltenden Verhältnissen auch nur ein sehr geringes fein konnte. Die eingetretene vollständige Bewußtlosigkeit des Mädchens erklärt sich hieraus als Vorbote des durch Oxygenarmuth der Gewebe eintretenden Todes. Nachdem die poliklinischen Aerzte mit Mühe das eng anschließende Mieder geöffnet hatten, machte die Patientin schon nach Verlauf weniger Sekunden einen tiefen Athrmzug, worauf sich auch bald die blauviolette Färbung von ben Lippen unb ben Wangen verlor unb bas Bewußtsein unb das Sprachvermögen wieder vollständig zurückkhrten, so daß Fräulein M- schon nach Verlauf einer halben Stunde in einem Wagen zu ihren Eltern gebracht werden konnte. Charakteristisch für den Umstand, wie eng das Mieder angesessen, ist, daß bei der Untersuchung eine tiefe, durch das Einschneiden des M-ebers zu Stande gekommene Furche in dem rechten Leberlappen biagnofttcirt werben konnte.
SchisfSvericht. Mitgetheilt von dem Agenten des Norddeutschen Lloyd tn Bremen, C W. Dietz Nachfolger, Gießen.
Bremen, 27. November. [Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Donau, Capt. R- Ringk, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 12. November von Bremen und am 14. November von Southampton abgegangen war, ist am 25. November 3 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Newyork angekommen.
Allgemeiner Anzeiger.
Bekanntmachung.
Zur Bezahlung der Zinsen, welche von ben bei der hiesigen Spar- und Leihkasse angelegten Kapitalien am Ende dieses Jahres fällig werden, sind nachstehende Termine festgesetzt, und zwar:
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)en 2. Dezember 1882
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Mittwoch
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den 2. Januar
1883
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Samstag
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Die Interessenten werden daher auf:
gefordert, die Zahlungen an diesen Tagen in Empfang zu nehmen unb hierzu durch Vorzeigung der Schuldscheine sich zu legitimiren.
Zugleich wird bemerkt, daß die auf den Donnerstag fallenden Zahltage für die Interessenten der Sadt Gießen, dagegen die übrigen Zahltage für die Auswärtigen bestimmt sind-
Die Herren Bürgermeister werden ersucht, dieses in ihren Gemeinden auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen-
Gießen, den 24. November 1882.
Der Rechner der Spar- und Leihkasse.
Kehr.
Donnerstag, 30. Non. I. I., Vormittags 9 Uhr und Nachmittags 1 Uhr werden auf der Heuchelheimer Mühle größere Parthien Brenn- und Nutzholz, Steinkohlen, gebrochene Aepfel, Kartoffeln, Dickwurz und Kohlrabi, Stroh, Weizen, Hafer, Mehl 2c. gegen Baarzahlung versteigert.
Gießen, 25. November 1882.
I. Hoffmann, 7814 Concursverwalter.
Freitag, 1. December l. I., Vormittags 9 Uhr und Nachmittags 1 Uhr werben auf der Heuchelheimer Mühle Möbel aller Art, insbesondere Comptoir- und Mühlenrequisiten, Säcke re. gegen Baarzahlung versteigert.
Gießen, den 25. November 1882.
F. Hoffmann, 7815 Concursverwalter.
Donnerstag den 30.Nov. I. I.,
Nachmittags 1 Uhr,
werden in dem Hause Caplansgasse 10 Sopha, Schränke, Commode und anderes Mobiliar, desgleichen eine Parthie Schuhleisten unb sonstige Schuhmacher - Utensilien, sowie eine Parthie Brennholz, geschnittene eichene Bohlen u. bgl.
meistbietend versteigert. 7866
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