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Stuttgart. 25. September. Die Generalversammlung des deutschen Buch- druckerveretns, die vom 23. bis heute in Stuttgart tagte, begann am Samstag Vormittag mit einer Plenarsitzung des Vorstandes, und am Abend waren bte auswärtigen Herren die Gä,1e der Stuttgarter Buchdruckereibefitzer. Bei dieser Gelegenheit hieß E. Werlitz lStuttgart) die Gäste willkommen und Dr. Brockhaus (Leipzig) erwiderte. Aus der großen Reihe von Trinksprüchen, welche noch ausgebcacht wurden, fci>tan^t^T^1"^ nnn (?rnner iStuttaartl erwähnt welcher bte Buchdrucker Namens des Buchhandel-) begrüßte. Die Generalversammlung, bei welcher 17 Vorstandsmitglieder^und^legirte der 12 Kreise Deutschlands vertreten waren, präsidtrte Dr. Brockhaus. Der Geschäfts' bericht über das abgelaufene Jahr, aus welchem hervorgeht, daß der deu sche Buch- hrnrfernerein 279 Mitglieder zählt und daß der Vorstand die Ausarbeitung eines Reglements und von Statuten einer Unfallversicherungskaffe für ^hülfen ins Auge gefaßt hat, gab mehrfache Veranlassung zu Erörterungen. Man sprach sich u. A. gegen das Submissionswesen, das die Preise im Buchdruckergewerbe auf d as äußerste herabdrückt, aus; die energischsten Angriffe waren jedoch gegen das Gebühren der Reichsdruckerei gerichtet, welche mit ihrem immer sich vergrößernden Betriebe den Buchdruckern eine empfindliche Concurrenz macht, die sich in neuerer Zeit auch auf Süddeutschland ausdehnt. Dem Vorstand wird ans Herz gelegt, d'ese Angelegenheit im Auge zu behalten, resp. durch eine Petition an den Reichstag oder Reichskanzler Schritte in derselben zu thun. Was die weiteren Verhandlungen anbelangt, so wurde folgender Antrag des Kreises Sachsen angenommen: „Der Vorstand des deutschen Buchdruckervereins mird mit Abfassung einer histortsch-statlstischen Darstellung des Kassen- und Unterstützungswesens im deutschen Buchdruckergewerbe. beauftrag - Weiter beschloß man, auf Antrag der Kreise Bayern und Sachsen, „daß der Vorstand den Kreisen bis zu 25pCt. der Einnahmen der Cylmdersteuer überweisen kann. Schließlich wurde noch auf Antrag des Kreises Bayern den Kreisen und Localoeremen empfohlen, den 1880 eingeführten Normaldruckpreistarif einer Prüfung zu unterziehen. Als Ort der nächsten Generalversammlung wurde Leipzig vorgeschlagen. Nach den Verhandlungen fand ein gemeinsames Mittagsessen statt und Abends waren de Herren Buchdrucker die Gäste unseres Liederkrarizes. Heute war noch eine Plenarsitzung des Vorstandes und die dabei nicht bethetligten Herren machten Ausflüge in die Umgebung.
Berlin 22. September. Durch einen Hund ist vor einigen Tagen der Referendar L- in der Alexandrinenstraße aus großer Gefahr errettet worden. Der lunge Mann kam gegen 11 Uhr Abends nach Hause, zündete sich eine Cigarre an und arbeitete eine Stunde lang. Dann legte er sich zu Bett und schlief ein. In der Nacht gegen 3 abr erwachte er plötzlich und fühlte im Halbschlummer von fernem Gesicht etwas Feuchtes herabrieseln. Gleich darauf erhielt er einen schweren Schlag auf den Kopf, erwachte unter Athmungsbeschwerden vollends und sprang aus. Sein Neufundländer Hund stand hoch aufgerichtet am Bette und schlug mit seiner Tatze abermals auf den Herr ein. Das ganze Zimmer war voll Rauch und der Papierkorb mit semem In- halte stand in Flammen. Der brennende Clgarrenrest war jedenfalls in den Korb gefallen und hatte die Papiere nach und nach entzündet. Es gelang bald jede Gefahr zu beseitigen. L- wird aber noch längere Zen an den Schrecken denken, da fein Gesicht deutlich Spuren von der Tatze seines Hundes trägt.
— Der Genfer „Democrate" bringt folgende merkwürdige Nachricht: „Eine englische Gesellschaft hat das Anerbieten gemacht, den Genfer See -u leeren durch den Bau eines Tunnels, der das Wasser aus dem See unter dem Rhonebett hindurch einige Stunden vom Ausgang entfernt in bte Rhone leiten würde, da wo hr Be etwa 80 Meter tiefer liegt, als die Ufer des Sees. Nicht nur verlangt bte Gesellschaft keine Zuschüsse, sondern sie will noch fünf Millionen Franken bezahlen für das Land,
welches durch dieses Unternehmen trocken gelegt würde. Die Rhone würde zu einem kleinen Flüßchen unb prächtige Getreibe- und Traubenernten würben ben jetzigen Fisch-
Sydneyer Zeitungen berichten über einen furchtbaren Orkan, der am 29. Marz den Ort Vavau heimgesucht hat. Dreizehn Kirchen und 1500 Wohnhäuser der Eingeborenen wurden niedergeweht. An Der Küste ging eine große deutsche Barke zu Grunde; auch scheiterten zwei Schoner der Eingeborenen und etwa 23 Segelboote, d-r Stolz Vavau's. Mehr als der vierte Theil der Cocoßnußbäume wurde zerstört und etwa ein Drittel der Orangenbäume, wodurch Vavau ein großer Verlust erwächst.
- Eine drollige Geschichte passirte laut der „Jserl. Ztg." vor Kurzem in einem Iserlohn benachbarten Städtchen. Ein Fremder ist beschäftigt, in einer dort befindlichen Sammlung von Alterthümern eine lateinische Inschrift zu copiren, resp. zu übersetzen. Ein hinzutretender Herr sieht ihm bei der Arbeit über die Schulter und sagt: »Recht brav; nur die und die Stelle würde ich anders aufgefaßt haben. Ich bin nämlich der Rector ***." „Sehr angenehm", entgegnete der Andere, „ich bin der frühere Minister Falk".
LandwirthschastlicheS.
— Ein hohes Ziel der heutigen Landwirthschaft ist es, die reine Brache mehr urb mehr überflüssiger zu machen. Daß bieses Ziel vor allem burch einen wohlüberlegten Fruchtwechsel, burch gute Düngungen unb gute Bearbeitung ber Felder erreichbar ist, Darüber sind bte rationellen Landwtrthe einig. Vor Allem aber ist es nothwendig, dem Betriebe Kulturen einzufügen, bte die gewöhnliche Betriebszeit nicht alteriren, den Boden nicht angreifen, seinen Bau nicht hemmen und doch einen sicheren und lohnenden Ertrag gewähren. Zu solchen Kulturen gehört namentlich die Winterwicke, wie sie auf dem Stickhofe bei Zürich eingeführt ist. Nach Mittheilungen des Herrn von Langsdorf wird dieselbe im Monat September auf die Korn- oder Weizenstoppeln gefäet und mit denselben untergebracht, jedoch wird etwa Vt Korn mit eins gesäer, weil bte Wicke im Frühjahre eine Stütze haben muß, bte sie vor Lagerung und Fäulniß schützt. Im beginnenden Frühjahre wachsen bekanntlich Korn und Wicken sehr rasch und können schon Ausgangs April oder doch Anfangs Mai zum Grünfüttern geschnitten werden. Auf dem Stickhofe berechnete sich der Futterertrag, auf Heuwerth berechnet, durchschnittlich zu 28 bis 30 Ctr. Durch die Cultur der Winterwicke wird also das Feld gar nicht sonderlich lange in Anspruch genommen, denn bis Mitte Mat ist das Feld davon frei und kann für andere Hackfruchtculturen ganz gut vorbereitet werden, namentlich aber für Reps, der darnach recht gut gedeiht. Ueberdtes bietet die mit Roggen untermischte Wtnterwtcke, wenn sie mit Futterstroh vermengt wird, einen vortrefflichen Uebergang aus der Winterfütterung in die Sommerfütterung, wie sie denn auch die Landwirthe der Nothwendtgkett überhebt, all zu frühzeitig die Kleefelder zum Zwecke der Grünfütterung heimzuführen.
Handel und Verkehr.
Frankfurt, 27. Sept. Aus dem heutigen Markt kostete der Gentner Heu ^3.00—4.00, Strohs 1.70—2.00, Eier das Hundert «X 6.00, Stück 6—7 ^, Butter 1. Qualität JL 1.30, 2. Qualität .X 1.20, Kartoffeln per Centner «X 2.7o—3.50, ausgek. Erbsen das Pfund 00 H, Bohnen per Pfund 8—10 H, Wirsing 6 Blumenkohl 25—45 H das Stück, 1 Hahn-X 0, 1 Suppenhuhn «X 1.40—1.50, 1 Poularde 0—0.00, 1 Ente -X 1.50—1.60, 1 Taube 50 H, 1 Welschen 00—00, 1 Gans tAk 4 50__’6 50
* Limburg, 27. Septbr. Rother Weizen -X 17.50, Weißer Weizen .X —, Korn <X 12.15, Gerste -X 8.80, Hafer -X 6.10, Erbsen JL —, Kartoffeln <X —. Saatweizen <X 18.30. _____________ ____________
Frritsg brn 10. November,
Nachmittags 2 Uhr,
soll auf hiesigem Ortsgericht das Grundstück ber August Nauheimer Wittwe, Flur XXVil/lO6/io, 691 Mtr. Wiese in der Stephansmark, an der Seltersbrücke meiftbietenb versteigert werden.
Gießen, den 27. September 1882. Großh. Ortsgericht.
0302 __________Müller.
Montag den 2. Moder d. I.,
Nachmittags 2 Uhr, wird die Versteigerung in der Wohnung des Premierlieutenant Mühlenfeld, Nordanlage (im Hause des Hrn. Wilh. Seu- ling, oberer Stock), fortgesetzt.
Gießen, den 28. September 1882. 6316 Müller, Ortsgerichtsmann.
Mobilien-Versteigerung.
Dienstag den 3. Oktober, Nachmittags 2 Uhr, und die folgenden Tage werden in der Wohnung des verstorbenen Herrn Haupt- zollamtscontroleur Korwan sehr gut erhaltene Möbel, Bettwerk, Weißzeug, Teppiche, Spiegel, Silber, Glas, Porzellan, sowie verschiedenes Haus- und Kuchen- aeräthe meistbietend versteigert werden.
Gießen, den 28. September 1882.
Großherzogliches Ortsgericht. 6322 Lüdettng.
Sam Rag den 30. d. Mts., Nachmittags 3 Uhr, wird auf dem Rathhaus zu Allendors a Lda.
1 Locomobile mit Sägewerk öffentlich meistbietend gegen Baarzahlung üe@kfenSen 27. September 1882.
Bühner, 5299 Gerichtsvollzieher.
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