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Freitag den 29. September
1882..
Nr. 227.
Amts- und Anzeigcblatt für den Kreis Gießeir.
Bureau: Schulstraße 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Amtlicher H h e i t.
Iandesbaugewertrschule Darmstadt.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
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Die LandeSbaugewerkschule zu Darmstadt beginnt ihren siebenten Jahres - Cursus am 13. November l. I., welcher 4 Monate, also bis zum 15. März 1883 andauert.
Dieselbe soll, zwischen Handwerkerschule und technischen Hochschule die Mitte haltend, insbesondere Bauhandwerkern, sowie Maschinen- und Mühlenbauern, Gelegenheit bieten, sich die für einen selbstständigen Gewerbebetrieb erforderlichen theoretischen Kenntnisse und die nothwendigen Fertigkeiten im Zeichnen und Entwerfen von Plänen für die praktische Ausführung zu erwerben. Auch sott die Baugewerkschule zur Ausbildung von Werkmeistern, Parlieren, Bauaufsehern rc. dienen.
Der Unterricht wird an den Werktagen während der ganzen Tageszeit von folgenden Herren ertheilt: Architekt Professor Hermann Müller, Architekt K u h l in a n n, Ingenieur G. Wagner, Techniker L. W. Möser, Handelslehrer Peters, Bildhauer Fölix und Oberlehrer Funk.
Die Schule umfaßt 2 Klassen mit folgenden Unterrichtsgegenständen: Freihand- und geometrisches Zeichnen, darstellende Geometrie (einschließlich Echattenconstructionen und Perspective), Bauconstructionslehre _ (einschließlich Stabilitäts- und Festigkeitsberechnungen), Elemente der Maschinen-Constructionen, Fachzeichnen, Entwerfen von Bauanlagen, kunstgewerbliches Zeichnen, technisches Rechnen, Algebra, Geometrie, Feldmeßkunst (einschließlich Trigonometrie und Planzeichnen), gewerbliche Buchführung, Theile der Bauführung, insbesondere Materialienkunde und Anfertigen von Kostenvoranschlägen, Grundlehren der Physik und Mechanik, Modelliren in Thon, Holz rc.
Die Unterrichtslokale befinden sich Neckarstraße Nr. 3, unfern von den Büreaulokalitäten, der Bibliothek und der technischen Mustersammlung des Großherzoglichen Gewerbvereins, sodaß die letzteren von den Schülern besucht und geeignet benutzt werden können.
Bedingungen zur Aufnahme find:
1) Für die untere Abtheilnug, die I. Klaffe: In der Regel werden nur solche Schüler ausgenommen, welche eine mindestens einjährige Beschäftigung in einem technischen Gewerbe Nachweisen können; Ausnahmen hiervon werden nur in besonderen Fällen gestattet. Dagegen wird von den Aufzunehmenden nur der Nachweis der Kenntnisse verlangt, welche den von der Oberklasse einer Volksschule Entlassenen zukommen sotten, damit jedem strebsamen Handwerker die Anstalt zugänglich werde.
2) Für die obere Abtheilnug, die II. Klaffe, muß außerdem der Nachweis ausreichender Kenntniß der niederen Arithmetik, einer angemessenen Fertigkeit im Freihand- und geometrischen Zeichen, sowie in der Lösung einfacher Aufgaben der darstellenden Geometrie, und der Befähigung, sich im Deutschen gehörig schriftlich verständlich machen zu können, geliefert werden.
Das Schulgeld beträgt für die ganze Unterrichtszeit 30 Mark und ist beim Beginn des Cursus voraus zu bezahlen.
Anmeldungen zur Aufnahme wolle man möglichst frühzeitig und längstens bis zum 31. Oktober l. I. schriftlich bei der unterzeichneten Stelle oder auch mündlich auf dem Büreau derselben — Neckarstraße 3, im 3. Stock — bewirken, da die Zulassung der Schüler nur nach Maßgabe der vorhandenen Unterrichts Lokalitäten erfolgen kann.
Darmstadt, den 22. September 1882.
Großherzogliche Centralstelle für die Gewerbe und den Landesgewerboereiu.
Fink. Busch.
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Politische Ueberficht.
Giefien, 28. September.
Unsere innere Lage charakterisirt sich im Allgemeinen noch immer durch den Mange! an wichtigeren Ereignissen; die Sonunerstille ist allmälig in eine Herbststille übergegangen und letztere dürste erst durch die preußischen Landtagswahlen ihr Ende erreichen. Ueber den Termin für dieselben fehlt aber noch jeder Anhaltepunkt, doch ist keinenfalls daran zu denken, daß die Urwahlen vor Mitte October vor sich gehen werden. Trotz oder vielleicht auch gerade wegen dieser Ungewißheit nimmt die Agitation aller Parteien einen regen Fortgang, doch läßt sich natürlich schon jetzt ein sicheres Urtheil über die Chancen der einzelnen Parteien nicht fällen; zu bemerken ist indessen, daß die Fortschrittspartei am siegessichersten ihr Haupt erhebt und die eifrige Agitation der Fortschrittler spricht für die Hoffnung der Führer der preußischen Fortschrittspartei, die schweren Niederlagen, welche diese Partei in der letzten Landtagswahl-Campagne erlitt, jetzt wieder wettmachen zu können.
Dem Fürsten Bismarck ist anläßlich dessen 20jährigen Minister- Jubiläums die wärmste Anerkennung für sein Wirken von Seiten der. deutschen Blätter, ohne Unterschied der politischen Richtung, zu Theil geworden. Selbst die fortschrittlichen und secessionistischen Preßorgane haben mit ihrer Anerkennung nicht zurückgehalten, wenn sie auch bei ihrem oppositionellen Standpunkte die neuen Wege, welche Fürst Bismarck in seiner innern Politik wandelt, entschieden verurtheilen. Sogar ein Theil der ausländischen Presse hat den 23. September nicht vorüberstreichen lassen, ohne an die Bedeutung desselben für die deutsche Nation zu erinnern. Verschiedene Wiener Blätter brachten warm- empfundeue Artikel und von den englischen Blättern warf der Londoner „Standard" einen Rückblick auf die 20jährige Ministerlhätigkeit des Fürsten Bismarck, dessen Mäßigung in der Handhabung seiner Macht das genannte
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In Oesterreich werden die politischen Tagesfragen augenblicklich durch die Hiobsposten aus den überschwemmten österreichischen Alpenthälern und einigen Strichen der slavonischen und ungarischen Tief-Ebenen zurückgedrängt. Alle gemeldeten, durch die Hochfluthen hervorgerufenen Unglücksfälle werden aber durch die Katastrophe auf der Eisenbahnbrücke über die Drau bei Essegg (Slavonien) weit überwogen. Da die Katastrophe hauptsächlich in Folge des mangelhaften eUß «i.plj Zustandes der Brücke erfolgte, so herrscht in den zunächst betheiligten Kreisen M O des östereichsschen Publikums große Aufregung und ist bereits die strengste Un- winaell n.ie $ tersuchung des beklagenswerthen Ereignisses eingeleitet worden.
tc ® Die englische Regierung ist noch immer nicht mit bestimmten Vor-
der RW jchlägen hinsichtlich Dessen, was nun mit Egypten geschehen soll, vor die Oeffent- iun lichkeit getreten. Währenddessen werden die verschiedensten Gerüchte über geheime
WL, Verhandlungen Englands mit dieser oder jener Macht und über Verträge Eng- lands sowohl mit dem Khedive wie mit der Pforte colportirt, aber Niemand franc,9J' Aecl vermag zu sagen, zu welchem „Stück" die Fäden am diplomatischen Webstuhle gewoben werden. Bemerkenswerth erscheint, daß sich in der französischen Presse ein immer wachsendes Mißtrauen gegen die eigentlichen Absichten Englands regt, WhT. t*1!/ unb ist hierbei charakteristisch, daß die Gambettistische „Republique fran^aise", ( Mlche doch noch ganz kürzlich chr volles Vertrauen in die Pläne der englischen
Negierung erklärte, jetzt plötzlich Mißtrauen gegen den „treuen Alliirten" jenseits des Kanals zeigt. Das genannte Blatt sagt nänllich, daß Frankreich auf die Finanz-Controle nicht verzichten könne; die englischen Blätter erwidern aber hierauf, daß England jetzt dieses Recht für sich allein in Anspruch nehmen werde, was die Begeisterung der Gambettisten für die englischen Erfolge in Egypten bedeutend abkühlen dürfte.
Die russische Kaiserreise nach Moskau hat nicht, wie allgemein erwartet wurde, mit der Krönung des Kaiserpaares geendet. Dasselbe ist vielmehr am Sonntag wohlbehalten in Peterhof wieder eingetroffen, so rasch und unerwartet, wie seine Ankunft in der alten Krönungsstadt der russischen Herrscher erfolgte. Kaiser Alexander soll durch den herzlichen Empfang, den ihm die Moskauer bereiteten, äußerst angenehm berührt worden und mit ermuthig- tem Geiste nach Peterhof zurückgekehrt sein. Zu gleicher Zeit mit dem kaiserlichen Paare hat auch der Fürst von Montenegro Moskau verlassen und die Heimreise nach den „Schwarzen Bergen" angetreten. Fürst Nikita ist nächst dem Kaiserpaare von den Moskauern am meisten gefeiert worden und der Herr der Czernagorzen weiß auch die ihm von der, gerade in Moskau stark vertretenen, altrussischen Partei entgegengebrachten Sympathien zu würdigen, denn dem dortigen Stadthauptinann, welcher ihn als Vorkämpfer der Slaven begrüßte, erwiderte Fürst Nikita, daß die Montenegriner zu den „höchsten Opfern" für Rußland bereit seien. Es ist nur nicht recht ersichtlich, welche hohen Opfer das armselige Montenegro zu bringen im Stande ist.
In der zweiten holländischen Kammer wurde am Montaa vom Ministerpräsidenten van Lynden das Budget eingebracht. Nach demselben beträgt das Deficit für 1883 26 Millionen Gulden, während sich die Deficits aus den vorhergehenden Rechnungs-Jahren auf 27^2 Millionen belaufen; die Ausgaben für 1883 beziffern sich auf 137 Millionen. Zur Deckung der Deficits i|t bereits eine Anleihe vorgeschlagen, auch sollen die ordentlichen Einnahmen vermehrt werden.
Die griechisch-türkische Grenzfrage ist durch dwNachgrebigkett der Pforte über Nacht aus der Welt geschafft worden. Auf directe Anordnung des Sultans hat die Pforte die streitigen Grenzpunkte an Griechenland abgetreten, und zwar ohne jede Reklamation; nur bezüglich Gonitzas, das für d:e Türker wie für Griechenland eine schlechte Grenzbestimmung ist, sollen spater noch Verhandlungen zwischen den beiden Negierungen stattfinden. In Folge meser Versöhnlichkeit der Türkei werden auch die Botschafter die geplante Conferenz jur Regelung der türkisch-griechischen Grenzangelegenhert ausgeben, so daß aljo der Welt eine neue Auflage der verunglückten ersten Conferenz erspart bleckt. — Der Sultan hat, wie aus Konstantinopel gemeldet wird mit dem Lroß-scheris von Mekka, Abdul Mutailib, kurzen Proceß gemacht, ihn verhasten lassen und den Scheikh Abdullah zum Groß-Scherif ernannt. Abdul Mutailib ivar dringend verdächtig, mit Arabi Pascha gegen den Sultan conlpinrt zu haben, namentlich, wie behauptet wird, um Arabien der Herrschaft des Sultans gänzlich zu entreißen. ... ... . „ ., .
Am vergangenen Montag ist der Vrcekomg von Egypten wieder in
seine Hauptstadt Kairo eingezogen, welche er, kaum mehr als Flüchtling, vor wenigen Monaten verlassen hatte. Wie schon in Alexandrien, so wird auch in


