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feine Wehrkraft erhöhe. Das officiöse Blatt zieht zugleich eine Parallele zwi­schen der Bedeutung einer italienisch-französischen und einer italienisch-deutsch­österreichischen Allianz zu Gunsten letzterer.

Mannheim, 26. April. Die Petitionen gegen das Tabakmonopol mehren sich, je näher die Stunde der Entscheidung tritt. Vor einigen Tagen hat der in zahlreichen Orten Nord- und Süddeutschlands vertretene Gewerk- verem der Cigarren- und Tabakarbeiter in dem Vertrauen, daß der Reichstag stets geneigt sein wird, die Interessen nichtblos der Großindustrie, sondern zum Mindesten ebenso die des Kleinbetriebes und Tausender in beiden beschäf­tigten Arbeiter im Auge zn behalten, zu schützen und womöglich zu fördern", die Bitte an den Reichstag gerichtet, 1) darauf bedacht zu sein, daß nicht das allseitig verderbliche und deutschem Sinne durchaus widerwärtige Tabakmonopol im deutschen Reiche eingeführt werde; 2) abzuwenden, daß nicht, offenbar behufs Vorbereitung der geplanten Einführung desselben, durch stete Beunruhigung und schwere Bedrückung des gesummten Tabakgeschäfts Tausende von Existenzen in diesem Geschäftszweige, groß und klein geschädigt und schließlich geradezu unterdrückt werden. In der eingehenden Begründung der Petition heißt es u. A.:Dem Privat-Capital, dem großen und dem kleinen, würde durch das Monopol ein bedeutendes Gebiet, auf welchem es bisher bei Thätigkeit und Fleiß dem Inhaber eine entsprechende Rente oder ein ausreichendes Stück Brod abwarf, entzogen werden. Durch den Uebergang eines so bedeutenden Geschäfts­betriebes, welcher in den Händen Vieler, den vielen Tausenden von darin be­schäftigten Arbeitern den Vortheil der Concurrenz der die Arbeitskräfte gebrau­chenden Unternehmer gewährte, in die eine Hand der fiskalischen Staatsverwaltung würden alle diese Arbeiter der Aussicht auf Selbstständigmachung beraubt und ohne Schutz gegen wirthschaftliche Ausbeutung und staatsbürgerlichen Druck in die unbedingte Abhängigkeit von der Regierung geliefert werden.

Arankreich.

Paris, 24. April. Unter den vielen parlamentarischen und extraparla­mentarischen Commissionen, welche der französische Unterrichtsminister Paul Bert in dem kurzen Zeitraum seines Ministeriums eingesetzt hatte, befand sich auch ein großer Ausschuß für die militärische Erziehung der Jugend. In seiner exaltirten Weise hatte Herr Paul Bert ein ganzes Programm entworfen, wie der Jugend durch Gewehre und Bücher, durch Bilder und Gesänge, Schieß- und Waffenübungen, Turnerei und Ausflüge, Revuen und Feste ein ganz unbän­diger Patriotismus einzuimpfen wäre. Herr Jules Ferry, nüchterner als sein Vorgänger, wollte diese Commission nicht gerade auflösen, aber doch ihr Pro­gramm im Wesentlichen. auf einen eifriger gepflegten Turnunterricht beschränken. Eines der racheschnaubendsten Mitglieder dieses Ausschusses mar nun der bekannte militärische Poet Paul Deroulöde. Voll Begeisterung war er auf die Ideen des Herrn Paul Bert eingegangen und hatte im Verein mit dem Schlachten­maler Detaille ein ganzes Project ausgearbeitet, wie die Gymnasien in ebenso viele Kasernen umzuwandeln wären und dem Zögling von früh bis spät kein anderer Gedanke, als der eines Revanchekrieges eingetrichtert werden sollte. Herr Jules Ferry hatte den schlechten Geschmack, diese Vorschläge lächelnd als idealistisch und unausführbar zurückzuweisen. Sofort gaben die beiden Eisen­fresser ihre Entlassung und Herr Paul Deroulöde griff nach seiner schärfiten Feder, um dem Unterrichtsminister in einer Broschüre in höchst alberner und ungezogener Weise den Text zu lesen.

England.

London, 25. April. Die Leiche des verstorbenen Naturforschers Charles Darwin wird in der Westminster-Abtei beigesetzt, und zwar zunächst dem Grabe Sir Isaac Newtons. Die Begräbnißfeierlichkeit findet morgen um die Mittagsstunde statt. Ein neuer agrarischer Mord wird aus der Graf­schaft Longford gemeldet, wo am Sonntag Abend auf der Landstraße unweit Granaro ein Pächter Namens Thomas Brady erschossen wurde. Vier der That verdächtige Personen sind verhaftet worden.

London, 26. April. Der Staatssecretär des Innern, Harcourt, hat die aus Amerika bereits eingetroffenen Schriftstücke über den Geisteszustand des Dr. Lamson geprüft und beschlossen, keine Aenderung des Urtheilsspruches vor­zunehmen. Die Hinrichtung Lamson's findet am Freitag statt.

Windsor, 26. April. Die Königin hat dem Könige der Niederlande den Hosenbandorden verliehen.

Telegraphische Depeschen.

Wotff's telegr. Correspondenz-Bureau.

Wiesbaden, 27. April. Heute Vormittag 11 Uhr fand auf dem Kursaal-Platze eine Parade der hiesigen und der Biebricher Garnison vor Sr. Rias, dem Kaiser statt, welcher Ihre Maj. die Kaiserin und der Statthalter Feldmarschall v. Manteuffel beiwohnten. Nach der Parade besuchten Ihre Majestäten die Kaiser-Wilhelms-Heilanstalt. Der Oberpräsident von Hesfen- Nassau, Graf zu Eulenburg, ist hier eingetroffen.

Berlin, 27. April. Die Prov.-Corr. schreibt: Die große Mehrheit, mit welcher der Bundesraty sich für Eindringung der Monopolvorlage im Reichstage erklärte, darf als ein neuer Beweis gelten, daß das Monopol, seitdem Fürst Bismarck dasselbe im allgemeinen Interesse des Reichs ins Auge faßte, von einer wachsenden Zahl von Re­gierungen in seinen großen Vorzügen erkannt ist. Hoffentlich werden sich diese auch bei der weiteren Berathung eine immer allgemeinere Anerkennung im deutschen Volke erwerben.

Einer gegentheiligen Meldung der Vossischen Zeitung über den Hamburgischen Senatssecretär Dr. Eckardt gegenüber erklärt die Nordd. Allg. Ztg., der russische Bot­schafter habe niemals eine amtliche oder veitrauliche Andeutung über die deutsche Presse gemacht. Er würde dazu auch nicht in der Lage gewesen sein, ohne Gegenbemerkungen Uber die russische Presse zu piovociren. Die Diplomatie Preußens wie des Reichs kenne noch heute elwaige Vorgänge in Hamburg bezüglich Eckardt's nur aus den öffenl- ltchen Blättern, sie habe keinerlei amtliche Kenntniß derselben. Selbst vertrauliche Versuche, den Sachverhalt soweit festzustellen, daß dem deutschen Botschafter in Peters­burg eine Mittheilung gemacht werden könnte, blieben erfolglos.

Der Reichstag wurde im Rerchstagsgedäude durch den Staatsminister v. Bötticher e:öffnet Das Haus hörte die Eröffnungsrede stehend an. Präsident Levetzow brachte ein dreimaliges enthusiastisch aufgenommenes Hoch auf den Kaiser aus. Der Namc-.saufruf ergab die Anwesenheit von 199 Mitgliedern, damit eben die Beschlußfähigke t des Hauses. Eingegangen sind die Monopolvorlage, Gewerbenovelle und die Verordnung über den Petroleumhandel.

Das Abgeordnetenhaus erledigte eine Reihe von Petitionen und überwies die Petition bit lölnischen Justizsubalterndeamten und die Petition der hannoverschen und rheinischen Gertchtsdtener wegen Thcuerungszulagen der Regierung zur Erwägung.

München, 27. April. Die Fraktion der Rechten hat den Professor Sickenberger, Schriftführer und Vertreter Münchens in der Kammer, aus ihrer

Mitte ausgeschlossen, weil derselbe in der letzten Sitzung gegen die Fraklin gestimmt hat.

Ulm, 27. April. Die Dombaumeister haben die Erklärung abgegeben, daß dem Ausbau des Münsterthurms keine Hindernisse entgegenftänöen.

Wien, 27. April. DerPolit. Corresp." zufolge conftatirt bd Proclamation des Feldmarschall - Lieutenants Dahlen, daß die Jnsiu- rection niedergeworfen und der Zeitpunkt der Rückkehr der Bevölkerung zu fried­licher Arbeit gekommen sei und daß die letztere hierbei kräftigst von der Regie­rung unterstützt werden folle. Zugleich werden die Abwesenden aufgeforbert zurückzukehren, der Regierung sei bekannt, daß die Abwesenden meist aus Furch; Zwang oder Bethöruug ihre Pflichten vergessen hätten, die Regierung roetin Milde gegen dieselben walten lassen.

Bei der heutigen Verhandlung im Ringtheater-Processe deponirten dii vernommenen Zeugen, meistentheils Theaterarbeiter, über ihre Thätigkeit unb ihr Verhalten am Brandabende. Aus ihren Depositionen ist kein wesentliche; Moment hervorzuhebem

Paris, 27. April, Abends Die Regierung hat eine Commission ernannt, welo sich mit der Prüfung der Ausführbarkeit eines Binnenmeeres in den Schotts dci Südtunis und Algier beschäftigen soll. Zu den Mitgliedern dieser Commission gehöre^ v. Lesseps, General Chanzy, Dupuy de Lome, Dumas, Becquerel und einige anötri Mitglieder des Instituts. Zur Unterstützung des Spanier in Saida hat die fran­zösische Regierung eine Summe von 90000 Frcs. zugesichert, die spanische Regierunj hat ihrerseits eine Entschädigung der französischen Staatsangehörigen zugesagt, welch; bei dem kantonalistischen und karlistischen Aufstande, sowie bei dem Aufstande auf Cch zu Schaden gekommen sind. Nach hier eingegangenen Nachrichten hat der Sulim von Marokko eine Convention unterzeichnet, welche die französischen Truppen ermächtigt, Aufständische, welche Einfälle in das Gebiet von Algier unternahmen, nach den bi- nachbarten Gebieten zu verfolgen. Gleichzeitig hat der Sultan zur Entschädigum der Opfer des letzten Einfalles in Algier eine Abschlagszahlung von 100 000 FrS. gele stet.

London, 27. April. Die Trauung des Prinzen Leopold, Herzogs von Albany, und der Prinzessin Helene von Waldeck ist heute Mittag um 1 Uhr vollzogen worden.

Unterhaus. Auf eine Anfrage des Deputaten Worms erwiderte bei Unterstaatssecretür Dilke, nach einem Berichte des englischen ViceconfulS in Odessa fei bei den Vorgängen in Balta ein Jude getöbtet, viele andere seien schwer verletzt worden, auch sei ein Fall von Schändung einer Frau conftatii; Kinder seien nicht errnordert worden; der durch Zerstörung von Privateigch thum angerichtete Schaden werde auf circa 1 Million Rubel geschätzt. M russischen Behörden feien angelegentlichst bemüht, die Schuldigen zu verhaften. Von Deutschland fei in der russischen Judenfrage eine Collectivnote der europäi­schen Mächte nicht angeregt worden.

Riga, 27. April. Vor dem hiesigen Kriegsgericht findet mit Ausschluß der Oeffentlichkeit der Proceß gegen den lettischen Officier Aisup statt, weichet der Aufreizung der Letten zur Sprengung des Ritterhaufes in Riga an= geklagt ist.

Schiffsbericht. Mitgetheilt von dem Agenten des Norddeutschen Lloyd ii Bremen, C W. Dietz Nachfolger Gießen.

Bremen, 26. April. Der Postdampfer Rhein, Capt. H. A F. Neynaber, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 15. April von Newyork abgegangen war, ist gestern 2 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Southampton angekommen und fat nach Landung der für doit bestimmten Passagiere, Post und Ladung 3/z W Nachmittags die Reise nach hier fortgesetzt. Derselbe überbringt 186 Passagiere unb volle Ladung.

Handel und Verkehr.

Limburg, 26. April. (Fruchtmarkt.) Nother Weizen JL 2110, Weiß-, Weizen JL 2100, Korn J4 15.00, Gerste JL 11,35, Saatgerste 12, Hafer JL 8,61 Erbsen <Ä 00,00, Kartoffeln <X 00,00.

731) Ueber die Höhe der Kosten, welche die Einrückung einer Anzeige in ei» oder mehre Zeitungen verursacht, wird man sich niemals enttäuscht sehen, wenn na von der Annoncen - Expedition von H .< ASElVSTEIRf VOGLER f1 Frankfurt a. M. (Karlsruhe, Stuttgart oder München) zuvor Auskunft einfordert, ll- auch hinsichts der für den jeweiligen Zweck geeigneten Blätter auf Grund reicbei Erfahrungen und gründlicher Beobachtungen zuverlässigen Rath ertheilt

Kirchliche Anzeigen -er Stadt Gieße»

Evangelische Gemeinde.

Gottesdienst:

Samstag den 29. April:

Nachmittags 2 Uhr: Beichte, Pfarrer Schlosser.

Sonntag den 30. April (Jubilate):

Vormittags 91/? Uhr: Pfarrer Schlosser.

Confirmation der Mädchen und Feier des heiligen Abendmahls.

In diesem Gottesd enst sind im Schiff der Kirche die beiden dem Altar zunäch gelegenen Quadrate von Bankrethen für die Angehörigen der Confirmandinnen beftimat was die Gemeinde berücksichtigen wolle.

Nachmittags 2'/r Uhr: Pfarrer Dingeldey.

Nach beiden Gottesdiensten wird eine Collecte zum Besten der Armen unf<r« Gemeinde erhoben.

Die Psarrgeschäfte in der Woche vom 30. April bis 6. Mai besorgt Pfarrer Dingeldey (Wohnung: Ludwigsplatz 169,5).

Katholische Gemeinde-

3. Sonntag nach Ostern (Jubilate).

Von Vr6 Uhr an Beichte.

Um 7 Uhr Frühmesse und Ausiheilung der heiligen Communion-

Um VrlO Uhr Hochamt und Predigt: Herr Dr. Wald aus Mainz.

Nachmittags 2 Uhr Andacht.

Mittwoch und Freitag Nachmittags 6 Uhr Maigebet.

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Gottesdienst in der Stjnagage.

Freitag Abend 7 Uhr, Samstag Morgen 8 Uhr, Samstag Nachmittag 4 Uhr. Sabbath-Ausgang 8 Uhr 10 Minuten, Wochentagen-Abend 8 Uhr.

Berichtigung.

In derPolitischen Uebersicht" der gestrigen Nummer ist durch ein Verseht ein kurzer unsinniger Satz hineinvracticirt worden. Wir bitten in. der 5. Zeile m oben zu stretchenDen Ausschlag gaben Bayern und Hessen. S« i redend konnten beide Staaten zufolge ihrer Abstimmung keinen Ausichlag für größere Majorität geben- Wir bitten diesen Lapsus entschuldigen zu wollen-

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