Zurückhaltung bewahre, erklätt das „Fremdenbl.", dies widerspreche durchaus den thatsächlichen Verhältnissen. Gerade jetzt werde dem italienischen Cabmet mit mehr Cordialität und größerem Vertrauen begegnet, als in den letzten Jahren. In allen die europäischen Interessen berührenden Fragen, die in der letzten Zeit austauchten, habe stets ein vertraulicher Meinungsaustausch mit Italien zum Zwecke eines einverständlichen Vorgehens stattgefunden.
Prag, 23. December. In dem Socialistenproceß wurde heute nach Zwöchentlicher geheimer Verhandlung das Urtheil publicirt. Von den 51 Angeklagten wurden 6 freigesprochen, einer erhielt zweijährigen schweren Kerker, 44 mit strengem Fasten verschärften Arrest von 14 Tagen bis zu 6 Monaten.
Sranüreich.
Paris, 23. December. Gambetta hat eine gute Nacht gehabt, die Befferung in seinem Befinden scheint anzuhalten.
Bordeaux, 23. December. Der Erzbischof Cardinal Donnet ist heute früh gestorben.
Riom, 23. December. In dem Proceß gegen die Ruhestörer von Montceau-les-Mines wurden 14 Angeklagte freigesprochen, 9 Angeklagte zu Ge- fängnißstrafen von 1 bis zu 5 Jahren verurtheilt. Von den Geschworenen wurde ein Begnadigungsgesuch für die Verurthellten beschlossen und unterzeichnet.
England.
London, 23. Decbr. Der „Times" wird aus Paris gemeldet, die englische Regierung beabsichtige an sämmtliche Großmächte eine Note zu richten, in welcher erklärt werden soll, was England für den Schutz aller Interessen, die Herstellung der Ordnung und oie endglltige Reorganisation Egyptens zu thun gedenke.
— Eine der Admiralität aus Suez zugegangene Depesche meldet, daß zwei der Beduinen, welche den Professor Palmer ermordet haben, in der Wüste gefangen genommen worden sind und daß die Ergreifung aller Uebrigen binnen 14 Tagen erwartet wird.
Dublin, 24. December. Gestern Abend wurde die gestrige Nummer des Wochenblatts „United Jreland" wegen eines darin enthaltenen Artikels des Deputirten O'Brien, durch welchen zu Gewaltthätigkeiten und Einschüchterung ausgefordert wird, mit Beschlag belegt. Der Eigenthümer des Blattes veranstaltete eine neue Auflage, welche großen Absatz fand. O'Brien soll gerichtlich belangt werden.
Dublin, 26. December. Ein in Columbia auf Selbstanklage, an dem Morde Lord Cavendish' theilgenommen zu haben, Verhafteter, Namens Westgate, ist wieder freigelassen wordee, da der Staatsanwalt erklärte, derselbe könne an dem Verbrechen nicht theilgenommen haben.
Melgien.
Brüssel, 22. Decbr. Proceß Peltzer. Die Jury bejahte alle an sie gerichteten Schuldfragen. Der Gerichtshof sprach darauf gegen Löon und Armand Peltzer die Todesstrafe aus. Dre Verurthellten unterzeichneten alsbald ein Cassationsgesuch.
— Leon Peltzer erklärte bei Verkündigung des Wahrspruchs der Geschworenen, er habe erhalten, was er verdiene, in Bezug auf seinen Bruder aber begehe die Jury ein Justizverbrechen; Armand Peltzer sagte, der Fluch seines Töchterchens möge die Geschworenen treffen.
Italien.
Rom, 22. December. Der „Moniteur de Rome" erklärt es auf das Entschiedenste für unrichtig, daß der Cardinal Simor mit einer Mission beim Papst beauftragt sei.
— Aus Anlaß der in Triest erfolgten Hinrichtung Oberdank's hat hier eine Demonstration stattgefunden, welche die Polizei zum Einschreiten und zur Verhaftung von 7 Personen veranlaßte. Die Verhafteten werden sofort vor Gericht gestellt werden. Aus Mailand und Turin werben ähnliche unerhebliche Demonstrationen gemeldet. Die Präfekten sind von der Regierung angewiesen worden, mit der größten Strenge vorzugehen.
Rom, 23. Decbr. Das hiesige Zuchtpolizeigericht hat gestern einen der Ruhestörer, welche anläßlich der Hinrichtung Oberdank's Demonstrationen versuchten, zu einem Monat Gefängniß und in die Kosten verurtheilt, die übrigen Angeklagten wurden sreigesprochen. Am Dienstag werden abermals 4 Personen, welche wegen ähnlicher Ruhestörungen gestern Abend verhaftet wurden, vor Gericht gestellt werden.
Aegypten.
Kairo, 25. December. Das Dekret des Khedive, durch welches Arabi, Abdellal, Ali Fehmi, Tulba, Mahmud Fehmi, Mahmud Sami und Jakub Sami degradirt werden, wurde heute Nachmittag im Kasernenhofe von Kasr-el-nll vor den Gefangenen und in Gegenwart weniger Zuschauer verlesen Die zur Deportation Verurthellten werden morgen früh von hier die Reise nach Ceylon antreten.
L o k a L e
Gießen, 27. December. ^Sterblichkeit in Gießens In der verflossenen Woche war dle Sterblichkeit in Gießen eine gleich geringe rote in der unmittelbar vorhergegangenen Woche. Es starben nämlich nur drei Personen und zwar nur erwachsene. Todesursache bei denselben war Typhus, Schlagfluß, Herzkrankheit je einmal. G.
Verwischtes.
Darmstadt, 23. December. Der Vorort des „evangelischen Kirchengesangvereins für Hessen" hat zum Weihnachtsfeste an die „evangeltschen Glaubensgenossen in Stadt und Land" folgenden Aufruf erlassen:
„Die seitherigen Erfahrungen in Sachen der evangelischen Kirchengesangvereine lassen es als dringend roünschensroerth erscheinen, die Einnahmen des hessischen Landes- veretns, welche seither nur in den geringen Beiträgen der Ortsvereine (10, bezw. 5 Pf. jährlich pro acttves Mitglied) und der Chorschulen (50 Pf. jährlich) bestanden, auf einen höheren Gesammtbetrag zu bringen. Eine höhere Einnahme würde es insbesondere ermöglichen, die vorbereitenden Schritte zur Neubildung von Ortsvereinen zu fördern, bei der Veranstaltung von Kirchengesangfesten Beiträge zu den Kosten derselben zu gewähren und auf diesem Wege die seither unvermeidliche Erhebung eines Eintrittsgeldes allmählich entbehrlich zu machen, insbesondere aber die thunlichst billige Anschaffung von Chorsammlungen den Ortsvereinen immer mehr zu erleichtern. Die Möglichkeit einer solchen, dringend wünschenswertben Erhöhung der Einnahmen unseres Landesvereins ist aber, abgesehen von der stetig vorwärts schreitenden Gründung von neuen Ortsveretnen, in der Gewinnung von möglichst zahlreichen Einzelmttgltedern des Landesvereins gegeben. Wir haben hierbei hauptsächlich solche Angehörige der evangelischen Kirche im Auge, die nicht bereits als Mitglieder von Ortsvereinen Beiträge für die' Sache der evangelischen Kirchengesangveretne leisten, da wir unter keinen
Umständen wünschen können, daß durch die Gewinnung von Einzelmttgliedern des Landesvereins die Einnahmeverhältnisse unserer Ortsveretne irgendwie beeinträchtigt werden-
Der Beitrag eines Einzel-Mitgliedes des Landesvereines ist in Abänderung der seitherigen statutarischen Bestimmungen neuerdings auf „mindestens eine Mark jährlich" festgesetzt worden. Ein solches Mitglied erwirbt durch die Leistung des Beitrages das Recht auf den unentgeltlichen Bezug einer Eintrittskarte bet Ktrchengesangfesten des Landesveretns und auf den billigeren Bezugspreis der Musikalien des hessischen Landesvereins der zum südwestdeutsch<n Verbände gehörigen Vereine.
Indem wir uns der Hoffnung hingeben, daß in Stadt und Land zahlreiche Mitglieder unserer evangelischen Kirche gerne bereit sein werden, die Sache der evangelischen Kirchengesangveretne durch Leistung eines jährlichen Geldbeitrages an die Kasse des Landesvereins zu fördern, bitten wir, die Beitrittserklärungen an die Adresse unseres Schriftführers (Herrn Reallehrer Becker, Ntederramstäüter Straße 61) gelangen zu lassen. An alle Diejenigen, welche sich uns als Mitarbeiter an dem von uns unternommenen segensoollen Werke durch die Gründung von Ortsveretnen, Bildung von Chorschulen, Gewinnung von Einzelmttgltedern des Landesvereins rc. anschließen wollen, insbesondere an die evangelischen Herren Geistlichen und Lehrer, richten wir zugleich die weitere ergebenste Bitte um desfallsige baldgefällige schriftliche Mittheilung.
Hallwachs, Gehetmerath, Vorsitzender. Becker, Reallehrer, Schriftführer. Dr. Bender, Gymnasiallehrer, Vereinsdirigent. Ewald, Ministerial- secretär. Keil, Mttprediger. Dr. Sell, Superintendent."
Darmstadt. Nachdem nunmehr die in Folge der Errichtung eines Lehrstuhls für Elektrotechnik erforderlich gewordenen baulichen Veränderungen im Hauptgebäude der technischen Hochschule zum größten Theile vollendet sind, werden mit Begmn des neuen Jahres die Vorlesungen .des für dieses Fach hierherberufenen Docenten, Herrn Professor Dr. Kittler, beginnen können. Derselbe wird in diesem W nter Über wissenschaftliche Grundlagen der Elektrotechnik (1. Theil, Elektrostatik mit Einführung in die Potentialtheorie) in drei stunden wöchentlich vortragen. Außerdem beabsichtigt Professor Kittler jedoch auch eine dem gebildeten Publikum allgemein verständliche Vorlesung „über die Entwicklung und den gegenwärtigen Stand der Elektrotechnik mit besonderer Berücksichtigung der elektrischen Beleuchtung" in 2 Stunden wöchentlich zu halten und zwar Mittwoch und Samstag von 6—7 Uhr Abends in dem eigens für diese Vorlesungen reservirten Hörsaal Nr. 18 im Erdgeschoß der technischen Hochschule (Anfang Mittwoch den 10. Januar 1883). Die Anmeldungen zu diesen Vorlesungen werden auf dem Bureau der Direction entgegengenommen. Denjenigen, welche vermöge ihrer Lebensstellung nicht als Studirende eintreten können, ist nach Immatrikulation als Hospitanten der technischen Hochschule die Theilnahme an den beiden Vorlesungen gestattet. Zu der letzteren Vorlesung werden besondere Eintrittskarten zum Preise von fünf Mark ausgegeben.
— Wie ein Kapitel aus einem Sensations-Roman liest sich die Schilderung eines Abenteuers,, welches die schwedische Bark „Anto-nette", Capilän Nylen, unlängst nach den Berichten schwedischer Blätter bei Neu-Guinea zu bestchen hatte. Das.genannte Schiff, ein schöner Dreimaster, war auf einer Reise von New-Castle mit voller Ladung Steinkohlen nach Manila begriffen, und weil tief beladen, kein besonders schneller Segler, während die Besatzung, Alles in Allem, nur aus 14 Köpfen bestand, da einige Leute in Australien desertirt waren und n'cht wieder halten ersetzt werden können. Baid nach dem Abgänge von New-Castle halte die „Antoinetle" zunächst einen schweren Sturm zu bestehen, durch welchen das Fahrzeug weit aus seinem Kurs vertrieben wurde, so daß der Capilän sich genöthigt sah, zwischen den berüchtigten Salomons- Jnseln und Neu Guinea durchzusteuern, während er sonst eine weit östlichere Route verfolgt haben würde. Als die Salomons-Jnseln erreicht waren, wurde die „Antoinette" von einer Windstille überfallen, welche das Schlimmste befürchten ließ, da die Windstillen in jenen Gewässern nicht nur meistens mehrere Tage anhalten, sondern die Wilden auch gerade solche Gelegenheit sich zu Nutzen machen, um ihre Ueberfälle auszuführen. Nicht länge dauerte es denn auch, als eine aus elwa 400 Köpfen bestehende Bande von schwarzen, nackten und tätowtrten G selten in 12 Kanoes auf das Schiff zugerudert kam. Die Vertheidigungsmittel an Bord bestanden aus einem englischen Rifle und 10 Revolvern, zu denen freilich nur etwa 70 Patronen vorhanden waren, während dagegen an Aexten, Piken und feulenarhgen Haudspaken (zum Drehen der Ankerwinde) kein Mangel war. Da man auf der „Antoinette" wußte, daß es hier nur „siegen oder aufgefressen werden" heißen konnte, machte man sich auf die schärfste Gegenwehr gefaßt, die Schußwaffen wurden geladen und die Mannschaft auf beiden Seiten des Schiffes postirt, um den Angriff der Wilden abzuschlagen, welche unter gräulichem Geschrei heranruderten. Um die S(haaren zu schrecken, feuerte Capilän Nylen auf beträchtliche Entfernung ein Paar Schüsse auf dtefeloen ab, erreichte hiermit aber die entgegengesetzte Wirkung, indem die Angreifer, da die Schüsse nicht getroffen hatten, dadurch nur kühner gemacht wurden, so daß sie um fo rascher heranruderten. Die in größerer Nahe abgefeuerten Schüsse verfehlten nun zwar ihr Ziel nicht, und als die schwarzen Schurken einen ihrer Kameraden nach dem andern getroffen sahen, wurden sie denn doch stutzig und hielten sogar, anscheinend in Verwirrung, einen Augenblick inne. Bald aber war die geringe Munit on verschossen und als die Räuber dessen inne wurden, gingen sie sofort robbet energisch zum Angriff über. Jndeß hatten sie sich die Besteitzung und Eroberung des in der Entfernung viel niedriger erscheinenden Schiffes doch zu leicht gedacht und sich in der Eroberung desselben denn doch geirrt, ßroar durfte keiner von der Mannschaft wagen, sich oberhalb des Schiffsbord blicken zu lassen, um nicht von den Wurfspeeren der Wilden getroffen zu werden, dagegen aber wurde auch jeder Negerkopf, welcher sich oberhalb der Verschanzung blicken liefe, sofort von dem wuchtigen Hiebe eines Matrosen getroffen, so daß kein zweiter Hiev mehr nöth'g war, um den Getroffenen ins Jenseits zu expediren. Der Capilän leitete von dem Halbdeck aus die Vertheidigung, indem er, selbst in geschützter Lage stehend, seine Leute auf die Hersufkletternden aufmerksam machte. Etwa eine Viertelstunde hatte der Kampf so bereits gedauert, als die Schurken, einsehend, daß sie auf diese Weise nichts ausrichten würden, eine andere Taktik ergriffen und einige Kanoes nach dem Bug des Schiffes birigirten, welcher schwerer zu vertheidigen war, ba berfdbe mit einer sog. Back, einem kleinen Deck, überbaut war, so daß sich also die Vertheidiger den Wurfspeeren der auf den Schiffsseiten befindlichen Raubgesellen hätten aussetzen müssen. Jndeß diese Kriegslist sollte keinen Erfolg mehr haben, denn ganz unerwartet füllten sich die Segel der „Antoinette", erst langsam, bann schneller unb schneller setzte sich das Schiff in Bewegung, bie Wellen kräuselten sich balb vor bem Bug und die dort befindlichen Kanoes mußten sich jetzt schleunigst saloiren, um nicht übergefahren zu werden. Ebensowenig vermochten sich die Kanoes auf den Seiten der Bark noch länger zu halten und bald trieb die ganze saubere Gesellschaft hinter der „Antoinette", welche jetzt bei frischem Winde rasch wieder die Wogen durchschnitt. Capitan Nylen, überzeugt, daß er jetzt vollständig Herr der Situation sei, ließ hierauf sein Schiff wenden, segelte mitten in die Flotille der Schwarzen hinein und bohrte noch mehrere der Kanoes in Grund, so daß die Räuber dieses Mal eine Lection erhielten, welche sie wohl so bald nicht wieder vergessen werden, während die ganze Mannschaft der Bark vollkommen unversehrt geblieben war. Ohne jene plötzliche Frischung aber hatte leicht die „Antoinette" das Schicksal so vieler anderer guter Schiffe haben können, die als „verschollen" in den Schiffslisten aufgeführt werden.
— Folgende Duellgeschichte, welche sich kürzlich in einem westpreußischen Städtchen ereignete, theilt die „D. Ztg." mit: Ein als schlagfertig bekannter Beamter sah sich genöthigt, einem mit mehr Lärm als Erfolg auch auf politischem Gebiet aufgetretenen jungen Lieutenant a. D. eine gebührende Abfertigung zu Theil werden zu lassen, worauf dieser erwiderte: „Mit der Feder sind Sie mir zwar überlegen, aber ich habe zu Hause verschiedene Säbel, mit denen ich besser zu schreiben verstehe!" Der Beamte sagte: Solch gefährliches Spielzeug sollte man vor Kindern doch sorgfältig verschließen, daß dieselben damit kein Unglück anrichten könnten." Der erboste Gegner forderte nun den Beamten auf Pistolen. Ruhig sagte dieser: „Ich nehme die Forderung an, jedoch stelle ich eine Bedingung. Sie wissen, ich habe Frau und Kinder, für welche ich sorgen muß. Mein jährliches Einkommen beträgt 4500 Mark. Deponiren Sie daher ein Capital, dessen Zinsen meinem Einkommen entsprechen und welches, sollte ich im Duell fallen, meiner Familie ausgezahlt wird. Es waren also 90,000 Mark erforderlich." „Dazu bin ich außer Stande", sagte kleinlaut der Duellsüchtige, „denn ich besitze kein Vermögen." „Ja", antwortete der Geforderte, „bann kann aus bem Duell leider nichts werden! Wer nichts zu verlieren hat, der kann doch unmöglich verlangen, daß ich mich von ihm soll niederschießen lassen." Sprach's und wandte dem Duellanten den Rücken.


