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Türkei.

Konstantinopel, 25. Sept. Die gestrige Besprechung der Botschafter über die griechische Grenzfrage wurde alsbald aufgegeben aus die Nachricht, daß Said Pascha und der griechische Botschafter Conduriotis sich über ein Arran­gement geeinigt hätten, demzufolge die Türkei alle vier streitigen Punkte an Griechenland abtrete und die Regelung der Grenzen in der Umgebung von Gonitza einem späteren directen Einvernehmen mit der griechischen Regierung vorbehalten werde. _ ,r _

Gutem Vernehmen nach hat der Sultan den Groß-Chenf von Mekka, Abdul VruLailib, welcher der Unterhaltung heimlicher Verbindung mit Arabi be- züchtigt wird, seines Amtes entsetzt und an feiner Stelle den Scheikh Abdullah zum Groß-Cherif ernannt. Mutailib soll verhaftet sein.

Amerika.

New-Aork, 25. Septbr. Aus Mexiko wird gemeldet, daß die Regie­rung die Einrichtung einer permanenten Ausstellung mexikanischer Producte in Berlin und anderen Hauptstädten des europäischen Continents angeordnet habe.

Philadelphia, 26. September. Die Zucker-Raffinerie von Harrison u. Haoe- meyer, Die größte in Amerika, ist durch Feuer zerstört worden Der Schaden betragt eine Million Dollars. uir- Ztg )

Telegraphische Depesche«.

Wolffs telegr. Eorrespondenr-Bureair.

Berlin, 26. September. Beim Kaiser findet heute ein größeres Diner statt, wozu du hier anwesenden Minister, die Staatssecretäre Burchard und Stephan, die Unterstaatssecretäre Busch und Heinecke und andere Notabtlitäten theilnahmen.

Die Magistrats - Commission, wel^e über eine Neueinthetlung der Stadt- verordnetenwahlbezirke verhandeln soll, ist bereits am Samstag unter dem Vorsitze des Oberbürgermeisters zusammengetreten und hat sich dahin geeinigt, daß die neuen Wahl­bezirke möglichst abgerundet werden und annähernd die gleiche Wahlerzahl haben sollen, daß aber die hiftortschen Stadttheile und die Stadtbezirkseintheilung möglichst zu wahren sind- Eine Subkommission wurde schließlich beauftragt, auf Grund der früheren Entwürfe ein neues Project über die Bezirkseintheilung aufzuftellen.

Baden- Baden, 26. Septbr. Ihre Maj. die Kaiserin ist heute früh 41/» Uhr wohlbehalten hier eingetroffen.

Koburg, 26. Septbr. Der Herzog von Edinburgh ist nach Tyrol, die Herzogin von Edinburgh nach Italien abgereist.

'Halle, 26. Septbr. Das Wasser der Saale ist in stetem Steigen begriffen; der Wasserstand hat bereits die Höhe desjenigen des vorigen Früh­jahres erreicht. Das ganze Saale-Thal steht unter Waffer; der Dampferverkehr ist eingestellt.

Wien, 26. Septbr. Der Kaiser hat für Die durch die Überschwem­mungen in Tyrol und Kärnthen Heimgesuchten 100,000 Fl. aus seiner Privat- \ Schatulle gespendet. .

Graz, 26. Septbr. Weder hier noch an einem anderen Orte Sterer- marks ist ein Cholerafall vorgekommen.

Prag, 26. Septbr. Dem Landtage, welcher heute eröffnet wurde, ist eine Vorlage betreffs Aenderung der Landesorduung zugegangen. Danach erhält der Rector der böhmischen Universität eine Virilstimme und zählt somit der Landtag nunmehr 242 Mitglieder.

London, 26. September. DieTimes" bringt einen Artikel, in dem die Frage behandelt wird was England zu thun habe, wenn Deutschland England zur gemcin- sckaftlick'N Lösung der egyptischen Frage einlade und diese Lösung mehr oder minder ohne Frankreich geschehen solle. Das Blatt kommt zu dem Schlüße, daß Englands lang bestehende Freundschaft mit Frankreich nicht durch eine solche Lösung präjudic'rt werden dürfe. Nichts würde dem englWen Volke mehr mißfallen als eMe solche Dislocmung der englischen, europäischen Beziehungen. Nichts würde die Macht und das Ansehen der gegenwärtigen Negierung Englands mehr schwachen, als der Arg­wohn, daß sie Egyptens wegen die französisch-englische Allianz preisgegeben und sich den Gegnern Frankreichs genähert habe. Egypten sei nicht das Alpha und Omega der europäischen Politik Englands. Kein Vorlhetl, den England in Egypten auf Kosten Frankreichs erlangen könnte, würde es für den Verlust entschädigen, den es durch eine ernstc oder permanente Entfremdung Frankreichs erleiden würde

I» bett beftunterrtebteten Kreisen ist positiv bekannt, daß der englt chen Re- girrunq von Deutschland keinerlei Präpositionen bezüglich irgend welcher Losung und Behandliu g der egypt. Frage zugegangen ist. Es darf demnach der vorstehendeTimes - Artikel als völlig gegenstandslos betrachtet werden.

- Ein Extrablatt derDaily News" meldet aus Kairo von gestern Abend 10 Uhr: Der Khedive fährt soeben, nur von einer kleinen Abtheilung seiner Leibwache geleitet, in offenem Wagen durch die festlich beleuchteten Straßen der Stadt und wird von der eingeborenen Bevölkerung, die ihn in dichten Massen auf seiner Umfahrt be­gleitet, auf das Ehrerbietigste begrüßt.

Petersburg, 26. Septbr. DasJournal de St. Pätersbourg be­stätigt, daß die türkisch-griechische Grenzfrage durch ein Arrangement zwischen der Pforte und der griechischen Negierung geregelt ist und daß daher _ weitere Besprechungen der Vertreter der Großmächte zu Konstantinopel über diese Frage nicht mehr nöthig sind.

Alexandrien, 26 September. Der PanzerMinotaur" geht morgen nach Abukir, um Marme-Jnfanterie auszunehmen und geht dann weiter nach Malta, wohin andere Sckiffe der Manche-Canal-Flotte folgen. Mehrere Fälle von Augenerkrankungen unter den Truppen sind vorgekommen.

England.

London, 25 Septbr. DasReuter'sche Bureau" meldet aus Kon­stantinopel von qestern: Der Sultan hat telegraphisch die unverzügliche Rückgabe der «amen Grenze, sowie dieselbe durch die griechisch-türkische Grenzregullrungs- Commission sestaestellt ist, an Griechenland angeordnet. Die Türket verzichtet aus iede Reklamation. Nur Mukthar Pascha soll erklärt haben, daß der Grenz- punkt Gonitza für Griechenland eine ebenso schlechte Grenzbestimimmg, tote für die Türkei sei und daß darüber zwischen beiden Regierungen spater noch ver­handelt iverden müsse, ohne daß iudeß dazu für Griechenland eine Verpflichtung bestehen solle. Die Botschafter iverden in Folge dieses freundschaftlichen Arran- gements nunmehr ihre Beratungen, die ohnehin zu keinem Ergebniß führten, aUfl)ebÜon»on, 26. S-pt. Der Empfang des Kh-div-in Kairo «°nb unter größerer B-- theiligung statt als sein Regierungsantritt. Er weigerte sich, die Paschas und Beys zu empfangen, welche sich dem Aufstande angeschlosser

zu wollen, wenn sie sich wieder der Einmischung m die Politik schuldig machten. Alle britischen militärischen Oberbefehlshaber waren zugegen mit Ausnahme von Wolseley, der sich unwohl befindet.

V e r m i s ch t e s.

Darmstadt, 23. September. Am letzten Manövertag der Hess. Division kam in der Nähe von Udenheim der gewiß komisch-interessante Fall vor, daß ein Soldat unseres Leibgarde-Regiments in Folge der seitherigen Regengüsse buchstäblich im Schlamm stecken blieb und nur durch vereinte Anstrengungen seiner Kameraden aus dieser unfreiwilligen Lage befreit werden konnte. Aber, siehe da, als man den so Gebannten endlich mit größter Mühe und womöglich mit noch viel größerer Heiterkeit wieder flott gemacht hatte, war demselben im strengsten Sinne des Wortesnur auf die Socken geholfen", denn seine Stiefel waren im Moraste zurückgeblieben, was zur Folge hatte, daß wegen letzterer die eifrigsten Nachgrabungen mit allen möglichen Instrumenten vorgenommen werden mußten, um dem Kameraden den Heimweg auf Schusters Rappen zu ermöglichen, was auch nach einigen Anstrengungen mit Erfolg bewerr- ftell.gt wurde^^üd^he^m, 23. September. Das lOjährtge Pflegekind des Hand­arbeiters Kiefer von hier hat heute Mittag auf seltsame und traurige Weise sein junges Leben beenden müssen. Das stets fleißige Mädchen war nach der schule zu .Hause mit Stricken beschäftigt und dabei fiel ihm der Garnknäuel zur Erde; als es sich nun zur Erde neigte, um denselben aufzuheben, stieß sich das Kind die Stricknadel neben der Augenhöhe bis durch das Gehirn in den Kopf. Das unglückliche Mädchen gab unter großen Schmerzen nach einigen Stunden den Geist auf.

Bonn, 25. September. Wie derReichsanz." meldet, ist tn dem Arten des Rentners Friedrich König Hierselbst an einem Weinstocke die Reblaus entdeckt worben. Die erforderlichen Schutzmaßregeln sind unverzüglich angeordnet

Lippstadt, 22. September. In der Nacht vom Donnerstag zum Freitag, kurz nack 1 Uhr, hat in iLippstadt in dem Etablissement der Westfälischen Union, Abtheilung Lippstadt, eine heftige Dampfkessel-Explosion stattgefunden, die den Verlust mehrerer Menschenleben im Gefolge hatte. Vier Personen sind gctodtet, zwölf schwer verletzt. Sämmtliche Aerzte der Stadt wurden zur Hülfeleistung reqmrirt. Der an Gebäuden und Maschinen angerichtete Schaden ist bedeutend. . - .

sDas regnerische Wetter dieses Sommersj Der Leipziger Professor Reclam aibt über Dieses Capitel in einem Briefe an einen mecklenburgischen Gutsbesitzer einige Belehrung-Was die Ursachen des heurigen schlechten Sommerwetters vermuthlich gewesen fhb (schreibt er), werden Sie in e n bis anderthalb Jahren aus meteoro­logischen Mi theilungen erfahren und sehr gelehrt bewiesen erhalten. Es liegt tn der Natur der Verhältnisse, daß man erst nach Ablauf einer längeren Zeit Einblicke in die Ursache und deren Tragweite gewinnen kann Daß die Kometen und die Sonnen­flecken sowie der zu erwartende Durchgang der Vmus völlig schuldlos an unseren Wetterzuständen sind, kann ich Ihnen bestimmt versichern. Es handelt sich vielmehr um den Kampf der Winde, d. h. um die (obere) Aequatorialströmung aus L>.-W-, welche gewöhnlich im Sommer herrscht und uns warmes Wetter bringt. Dieselbe laßt aber ihre im Meere aufgesogene Feuchtigkeit fallen, wenn sie in kalte Luft kommt. Dieses Jahr aber waren die hochnordischen Meere im Winter stark gefroren und noch iefct schwimmen mächtige Eisberge mit der Meeresströmung von Nord nach Süd. Die hintere") Polarwindströmung der Luft durchkältet sich an diesen Eismassen, bringt uns so viel Kälte, daß wir im August den Ofen Heizen müssen und läßt aus der feuchten Luft die Aequatorialströmung den Regen fallen. So ist wenigstens die Kalte und der häufige Regen dieses Sommers aus den nächsten Ursachen erklärt.

v Frankfurt a. M.. 2l. September. (Verband mittelrheinischer Blldungs-Vereme.j Der Ausschuß des Verbandes hat in seiner gestrigen Sitzung den Vorstand gewählt. Derselbe besteht aus den Herren: Franz Wirth (Frankfurt), 1. Vors., Dr. Kabelt (Schwanheim), 2. Vors., Rektor Chun (Frankfurt), Schriftführer, Dir. Thor wart Frankfurt), Rechnungsführer und Rektor, Li ermann (Frankfurt), Bibliothekar.

den Ausschuß wurden cooptirt: Die Herren Dr. Diesterweg (Wiesbaden), Bros. Gareis (Gießen), Dr. Heumann (Darmstadt), F. Kalle (Wiesbaden), Dr. Schaab (Höchst), Dr. Schenk (Wiesbaden) und Dr. Werdenbusch ^'^b^orträge: Zur Veranstaltung von Vorträgen, soweit solche durch den Verband vermittelt werden, ist uns die Kenntniß der in den letzten Jahren gehaltenen und der Namen der Vortragenden absolut nöthig. Wir bitten deßhalb die verehr!. Vereins- Vorstände, uns ein Verzeichniß derselben baldigst zukommen zu lassen und beizufüg n, welche Stoffe die Mitglieder nunmehr wünschen oder welche Sie als paffend empfehlen. Von auswärts haben die Herren Physiker Rühl in Apolda und Th- H Lange in Dresden wieder Vorträge angeboten. Je mehr der Verband zun^tmt, desto ^wieriger wird es, Vortrage unentgeltlich zu bekommen- Es empfiehlt sich daher die Zulassung auch von Nichtmitgliedern gegen Eintrittsgeld. Der Vorstand wird nach wie vo bemüht fein, Vorträge gratis oder nur gegen Ersatz der Reisekosten zu vermitteln.

Das Skioptikon steht vom 1. Oktober an wieder zur Verfügung, des gleich en bi Bildersammlung des Verbandes denjenigen Vereinen, welche bereits Skioptikons besitze. . (Sin Verzeichnis der Bilder wird demnächst zur Versendung kommen. Wünsche bezüg­lich neu anzuschaffender Bilder bitten wir uns bald mitzuthetlen. Nilcber-

Die Wander-Bibliotheken stehen ebenfalls wieder zur Verfügung. Das Bücher- Verzeichniß wird den Vereinen von dem Herrn Bibliothekar direct zu geschickt werden- Die Wander-Bibliotheken sind in erster Linie für alle diejenigen Vereine bestimmt, welche noch keine Bibliothek besitzen; sie sollen dort zur Errichtung einer folgen Den Abstoß geben und im Falle gleich als Stock dazu dienen. Dies beschrankt sich nicht ans unsere Mitglieder allein, sondern es können die Bibliotheken auch an Nach - Gemeinden abgegeben werden, welche noch keine Bibliotheken besitzen- Hier soll sie denn auch dazu bienen, das.Jnteresse für unsere Bestrebungen in solchen Gememo n ju wecken^ ^rs-Museum ist bis jetzt nur von einem Verein benutzt worden; wir empfehlen dasselbe wiederholt der Beachtung unserer Mitglieder als ein tresfncyeo Mittel der Belehrung und Anregung. Es besteht aus physlkalffchen und anderen Apparaten, Präparaten, Modellen, Abbildungen u. s. w- tn 9 Abheilungen (Astro-

Verwandter dls Polizeipräfekten unter dem Kaiserreich und Freund des BlattesCom­rat" batte das Meeting euiberufen, in welchem unter Anderm die Frage der Bildung cüies Central - Comtte's und von 6omite8 für di- Departements berathen werben sollte Pieiri kam blutend aus Dem Saale heraus. Niemand war tm Stande, sich Gehör zu verschaffen. W*

Kairo, 26. September. Morgen findet hier der erste Ministcrrath behuss Niedersetzung eines Kriegsgerichts statt. .

Kairo, 26. Septbr. Heute Vormtttag sand bei dem Khedwe großer Empfang statt, welcher 4 Stunden dauerte. Eine große Anzahl Eingeborener war zu demselben erschienen. Der Khedive verweigerte vielen Pascha's und Bev'sdie an der Rebellion betheiligt gewesen, den Empfang. Den Ulemas gegenüber äußerte sich der Khedive, sie seien Männer der Wissenschaft und nicht der Politik, der Erste, der sich in politische Fragen mischen sollte, würde streng bestraft werden. Später empfing der Khedive die englischen Generäle und das diplomatische Corps. Die Beduinen haben den Süßwasser-Kanal oberhalb Nefiche abgegraben.

Lokale-.

Gießen, 27. September. (Sterblichkeit in Gteßen.j Die Sterblichkeit war während der Woche vom 17. bis 23. September eine sehr geringe. Es starben nämlich nur 2 Männer, einer an Schlagfluß, einer an Herzentzündung. . $

- Der Königlich Sächsische Zauberkünstler Herr Bo en in g, dem em äußerst günstiger Ruf vorhergeht, wird am Sonntag im Saale des CafL Letb sich auch dem hiesigen Publikum vorführen. Herr Böning gilt als der gewandteste Prestidigitateur der Neuzeit; vor Bellachini hat er vor Allem eine größere Leichtigkeit und Eleganz des Vortrages voraus. Bel den von ihm vorgeführten neuen amerikanischen Gespenster­erscheinungen kommen Spiegel rc. nicht zur Anwendung. Wir empfehlen hiermit die Vorstellungen des Herrn Böning der Aufmerksamkeit unseres Publikums auf das Angelegentlichste.

Gießen, 27. September. Schwurgerichtsverhandlung am Dienstag den 26. September l. I. gegen Christian Möller von Lauterbach wegen Brandstiftung bezw. Betrug.

Derselbe ist beschuldigt: ,

daß er am 5.-6. Juni l I. in betrügerischer Absicht gegen Feuersgefahr versicherte Sachen in Brand gesetzt habe. fv£

Möller wurde auf Grund des § 306 St -G.-B- nach Beiahung bet Schuldfrage in eine Zuchthausstrafe von 3 Jahren, Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 3 Jahren und tn die Kosten verurtheilt. np

Ein MaurerlchrliNg fiel gestern Nachmittag von einem Gerüst und verletzte sich derart, daß er in die Klinik aufgenommen wurde.