1882.
Donnerstag den 28. September
srr. 226
Amts- und Anzeigtblatt für den Kreis Gießen.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Bureau: Schulstraße 7.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerloh! Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Bekanntmachung.
Auf dem gestrigen Viehmarkt ist ein herrenloses Kalb eingefangen worden. Derjenige, welcher Ansprüche an dieies Kalb zu machen hat, nun hieran ausaeiordert diese alsbald bei der unterzeichneten Behörde anzumelden.
aufgeforvert, meje aiwaw, @ Großherzogliches Polrzemmt Greßen.
Fre s e n t u s.
Die Großherzogliche Distrikts-Einnehmerei Grünberg ßttofihenoaÜcben Büraermeistereien bcö DistriGinnehmerei-BezirEA.
» «WMiÄäSfi KrÄS« »TÄttT-W hat und daß nach Ablauf dieser Frist gegen die säumigen Schuldner das Beitreibungsverfahren emgelertet wir .
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2691
Grünberg, am 27. September 1882.
ru großer Geschwindigkeit eine für bie normale Geleislage verderblich schlingernde Bewegung annahm, wodurch allmälig das Geleise in seiner Lage verschoben und in seinen Verbindungen gelockert wurde, bis schließlich die mit dem Wachsen der Geschwindigkeit des Zuges zusammenhängende Verstärkung der Schläge und Stöße der Räder, nicht blos derjenigen der Maschine, sondern auch der lammt« lichen nachfolgenden Wagen des Zuges auch die Innenseite der Schwneu das Schienengestränge in seinen einzelnen Theilen auseinander druckte. Die Loco- motive, welche alsdann bei einer neuen Seitenbewegung eine Führung durch Das Geleise nicht mehr fand, bewegte sich führungslos außerhalb desselben Tort, bis der Widerstand, welcher durch die Beschaffenheit des llntergrundes, besteueren Wiesenqrundes, hervorgerufen wurde, ein weiteres Fortbewegen unmöglich nlachte. Die Stellung der Maschine und des Tenders im Wiesengrund neben der Bahn, ohne vaß an beiden, außer kleinen unwesentlichen Verbiegungen einzelner unwesentlicher Theile, eine Beschädigung conftatirt werden konnte, sowie d,e vor ber Entaleisungsstätte festgestellten Verbiegungen des Geleises und Krümmungen der Schienen geben dieser Annahme gegenüber der zuerst ausgesprocheneireine größere Berechtigung. Auch ist nicht ausgeschlossen, daß die m beiden Annahmen vorgeführten Ursachen zusammenwirkend die Entgleisung herbeigeführt Haden können Daß die vorerwähnten Verbiegungen und Krümmungen der Schienen bezw des Geleises vor Eintreffen des Zuges auf der Unfallstrecke vorhanden gewesen sind dürfte um deswillen ausgeschlossen sein, weil kurz vor Abgang des Ertrazuges der fahrplanmäßige Zug Nr. 287 diese Strecke passirt hatte, ohne zu entgleisen. Wären derartige Deformationen im Geleise vorhanden ge- wesen so hätte, wenn auch eine Entgleisung des letztgedachten Zuges nicht ein« trat doch das Zugpersonal so bedeutende Abweichungen in der Geleislage spüren müssen Außerdem will der Wärter auf der Wärterstation Nr. 5 alsbald nach Passiren jenes Zuges seine Strecke, welche auch die Unfallstelle einbegreift, begangen und dieselbe in gutem Zustande gefunden haben. Ob nicht doch andere, bis dahin unbekannte Ursachen den Unfall herbeigeführt haben können, ob vorstehende Annahmen zutreffend sind, ob die verantwortlichen Beamten überall mit Umsicht und ihren Instructionen entsprechend gehandelt haben, ob der Loco- motivsührer den ertheilten Anordnungen und Vorschriften gemäß, insbesondere nicht zu rasch gefahren, auch die Signale an das Bremserpersonal rechtzeitig gegeben hat und letzteres durchweg seine Pflicht gethan und instructionsmäßig gehandelt hat, wird allein durch die eingeleitete gerichtliche Untersuchung uch fefl- stellen lassen. , ,, . . „
— Die Wetterführung der Westerwaldbabn, durch welche eine der am meinen oernachliisägten Gegenden Deutschlands der Segnungen des Verkehrs thettbasttg geworden, erscheint nach neueren Mittheilungen der Essener Ztg gesichert Der Elsen, bahnminister hatte den Anschluß dieser Strecke an d,e Lim- Deutz-Gießen von der Bedingung unenigeltlicher Hergade des Terra,ns "bhäng g gemacht -'n Bedangen, welchem die Gemeinden und Grundbesitzer der in Betracht kommenden Kreils wie i-tzt verlautet, entsvrechen dürsten. So ganz ohne N-uf°rd-rung nfür «fenb«4njmede »ttb also Ser nächfiiäbriae Etat keineswegs bleiben, zumal auch eine Jtetpe anverer öecunoar- bahnen thE^n Aussicht genomme^ ist. theili einer Erweiterung unterzogen werd n soll Dav neue Verstaatlichungen von Prwatbahnen demnEt ulcht M war en ständen, wird zwar mit großer Bestimmtheit von mehrif-e j^tzt noch nickt darf wohl darauf aufmerksam gemacht werden daß die,^erhattnme ms Niwr
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Steuer- and Zollv-rwattung Stahl, der deretts^stern s-in Amt angetteten hat.
Arankreich.
c» oa K.nh-mber Bei dem großen Meeting der Bonapattisten im Saale . ^^^,^?an^acaues Rousseau kam es gestern Abend zu blutigen Keilereien der Redoute Ru. Jean qu gfl’J0Tal« unb be§ „Combat". Man schlug sich mit KL1 $en unb Todtschlägern, bedrohte einander mit Revolvern und Dolchen,
Stocken, Stühlen u Ab^ck ba§ abdrehen ließ, entfernten fick die
Raufbolde In d^r Straße begannen die Schlägereien von Neuem. Pietri, ein naher
Deutschland.
Darmstadt, 26. Septbr. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allerglm^ss?g ben Rechner und Hausverwalter des Landes-Hospitals, Negierungsrath Christian Schäfer, auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen Dienste, in den Ruhestand zu versetzen.
Berlin, 25. Septbr. Der General-Feldmarschall Graf Moltke, welcher die Manöver in Schlesien persönlich geleitet und dann den Kaiser nach Dresden begleitet hat, zog sich dort am zweiten Manövertag durch Erkältung eine ziemlich bedeutende schmerzhafte Gesichtsgeschwulst zu, welche ihn veranlaßte, nicht, wie beabsichtigt war, nach Kreisau zurückzukehren, sondern sich nach Berlin zu begeben. Der General mußte einige Tage das Bett hüten, ist jedoch schon wieder so weit hergestellt, daß er sich gestern von dem Kaiser auf Schloß Babelsberg verabschieden konnte, um die Reise nach Kreisau anzutreten Gras Moltke wird bis Ende nächsten Monats auf seinem Landsitze verweilen und während seiner Abwesenheit vom General-Quartiermeister Gras Waloersee vertreten werden. r .. „
— Ein Privat-Telegramm der „Bert. Polit. Nachr." meldet aus Wien, daß die österreichische Negierung für die durch die Ueberschwemmungen Beschädigten staatliche Hülfeleistungen in ausgedehntestem Maße eintreten lassen wird. Sie wird den Beschädigten sofort Darlehen mit weit gestellten Amortisations- Terminen gewähren und zu diesem Zwecke mit Ausnahme einer Art von Noth- standsanleihe vorgehen, für welche die Genehmigung des Reichsrathes nachträglich eingeholt werden wird.
— Der „Staats-Anz." enthält den ausführlichen Bericht des Commissars Geh. Rath Streckert an das Reichseisenbahnamt über den Unglückssall bei Hugsteten Wir entnehmen demselben zur Ergänzung unseres Telegramms im gestrigen Blatte noch Folgendes:
Bevor die gerichtliche Untersuchung über den Unfall nicht vollständig abgeschlossen ist, können über die Ursache der Entgleisung auf Grund der örtlichen Erhebungen und Untersuchungen nur Vermuthungen ausgesprochen werden. Dec Zustand der Unfallstätte, insbesondere der Umstand, daß die Locomotive und der Tender bei angezogener Bremse einen Weg von ca. 40 Meter außerhalb des Schienengeleises im sumpfigen Wiesengrunde und in diesem bis über die Achsen sich einwühlend, zurücklegen und die ersten 10—12 Wagen hinter der Maschine, von dieser sich abreibend, ohne jede Führung durch ein Schienengeleise, circa 60 Meter über die Stelle, an welcher vermuthlich die Maschine den Bahnkörper verlassen hatte, hinauslausen konnten, ehe sie durch Hindernisse zum Stillstand, bezw. Umsturz gebracht wurden, sodann die außerordentlich starke und ausgedehnte Zertrümmerung der Wagen gestattete, in Übereinstimmung mit der bereits im vorläufigen Bericht des Unterzeichneten ausgesprochenen Ansicht, die Annahme, daß der Zug im Augenblicke der Entgleisung sich mit einer sehr großen Geschwindigkeit bewegt hat und daß entweder der Locomoüvführer dieselbe zu regeln oder zu vermindern unterlassen, oder daß Seitens des Bremserpersonals den etwa von ihm gegebenen Signalen gar nicht oder nicht rechtzeitig Folge gegeben ist. Die wirkliche Größe der vor und während der Entgleisung des Zuges stattgehabten Geschwindigkeit wird um deswillen schwer festzustellen sein, weil die bezüglichen Wahrnehmungen der Passagiere des Zuges immerhin nur subjectw sind und ein Apparat — Geschwindigkeitsmesser — durch welchen die auf jedem Thelle der Bahnstrecke vom Zuge angenommene Geschwindigkeit bleibend regr- strirt wird, in demselben nicht vorhanden war. Dagegen dürste die gerichtliche Untersuchung ergeben, ob der Locomoüvführer durch rechtzeitig gegebene Signale das Bremserpersonal avertirt und dieses daraufhin den sonstigen speciellen Vorschriften entsprechend pflichtschuldigst gehandelt hat. Heber die Vollziehung der Entgleisung lassen sich auf Grund der vorbeschriebenen Wahrnehmungen Annahmen dahin machen, daß entweder der der Maschine solgende Zugthell bei großer Geschwindigkeit durch sein bedeutendes Gewicht — dasselbe betrug 325,000 Kgr. (6500 Ctr.) — die Locomotive aus dem Geleise gedrückt hat, sofern letztere, sei es in Folge plötzlichen Bremsens der Locomotive bezw. des. Tenders, sei es aus anderen mcht bekannten Gründen, augenblicklich eine langsamere Bewegung annahm, oder aber daß die Maschine des Zuges in der geneigten Strecke der


