inß gehabt haben, so erbaten die Consuln Englands und Frankreichs von ihren Regierungen neue Instructionen, die heute Abend erwartet werden.
Amerika.
Washington, 23. Mai. In hiesigen unterrichteten Kreisen wird die Erwartung gehegt, daß hinsichtlich der ungünstigen Entscheidung des obersten Gerichtshofes in der Angelegenheit des zum Tode verurtheilten Präsidentenmörders Guiteau der Vertheidiger desselben die Ernennung einer Conimission zur Untersuchung des Geisteszustandes seines Clienten beantragen werde. Der oberste Gerichtshof des Districts Columbia hat feine Entscheidung in der von Guiteau gegen das über denselben gefällte Todesurtheil eingelegten Berufung abgegeben. Darnach war der Gerichtshof, vor welchen Guiteau gestellt wurde, zu dessen Aburtheilung befugt und wurde kein Jrrthum während der Proceß- verhandlungen begangen. Zu gleicher Zeit bestätigt der oberste Gerichthof das über Guiteau gefällte Todesurtheil.
Telegraphische Depeschen.
Wolff's telegr. Corrcspondenz-Burcau.
Berlin, 25. Mai. Der Fürst von Bulgarien ist heute Morgen aus Petersburg angekommen, stieg im Schlosse ab und fuhr, nachdem er den Kaiser begrüßt hatte, mit demselben nach Potsdam zur Truppenbesichtigung. Nachmittags fand ein Diner zu Ehren des Fürsten von Bulgarien statt.
— Der „Reichs-Anz." veröffentlicht das Gesetz, betr. den Erwerb der Anhalter Bahn für den Staat.
München, 25. Mai. Wie das amtliche Blatt der Erzdiöcese München mitthellt, hat in Folge fpeciellen Auftrags des Erzbischofs das Ordinariat des Erzbisthums München mit Bezug aus die beabsichtigte „sakrilegische" Pontifikal- handlung des altkatholischen Bischofs Reinkens in München bei dem Cultusmini- ster Verwahrung eingelegt.
London, 24. Mai. Die „Times" erfährt, der ernste Charakter, welchen die egoistische Krisis angenommen habe, beschäftige die Aufmerksamkeit Englands und Frankreichs im höchsten Grade. Es dürfe unverzüglich eine wichtige" Entscheidung erwartet werden.
Petersburg, 25. Mai. Das „Journal de St. Pötersbourg" findet die Behauptung der „Republique fran?aise" ^höchst seltsam, daß die egyptische Frage außerhalb der Competenz des europäischen Concerts stehe und daß feit dem Berliner Congresse die Controle bezüglich Egpptens officiell Frankreich und Englanv Vorbehalten worden sei, was Frankreich zur ausdrücklichen Bedingung für seine Theilnahme am Congresse gemacht habe. Eine derartige Behauptung des Organs eines ehemaligen Ministers des Auswärtigen, fügt das „Journal de St. Petersbourg" hinzu, könne nur überraschen.
Petersburg, 25. Mm. Wie hiesigen Blättern aus Kiew gemeldet roirb, hat der dortige Generalgouverneur Drentelen in Folge böswilliger Aussprengung von Gerüchten über bevorstehende neue Excesse gegen, die jüdische Bevölkerung an die Be wohner Baltas die Erklärung gerichtet, daß alle Urheber solcher Excesse und alle Aufwiegler zu denselben durch das Kriegsgericht bestraft werden würden und daß, falls die Polizeimaßregeln zur Unterdrückung von Excessen nicht ausreichend sein sollten, diese mit Waffengewalt niedergeschlagen werden würden. Der Polrzeimeist'r von Balta sordert die jüdische Bevölkerung aus, ruhig zu sein und garantrrt die (»fertige Niederschlagung jedes Excesses.
— Loris Melikoff hat sich gestern nach Peterhof begeben. Der ehemalige Kriegsminister Miljutin soll nach Petersburg zurückkehren. — Großfürst Konstantin ist gestern in Aalta eingetroffen.
Lokale».
Gietzeu, 26. Mai. Heute Morgen wurde in einer Sandgrube am Schiffen- berger Weg ein Fuhrknecht sammt Pferd und Wagen verschüttet. Glücklicherweise stand der Mann in einiger Entfernung von der heruntergebrochenen Masse, so daß er, sowie ein Pferd den Kopf frei behielt. Er konnte somit noch um Hilfe rufen, die ihm alsbald auch gewählt werden konnte. Beschädigungen, mit Ausnahme kleiner Quetschungen, hat der Mann nicht davongetragen.
— Heute Mittag wurde aus dem Seltersweg ein Kind überfahren und anscheinend schwer verletzt.
— Ein Bauersmann von Groß-Linden, welcher einen hiesigen Arzt besuchen wollte, wurde aus der Straße so krank, daß er in die Klinik gefahren werden mußte.
Vermischte».
Gießen, 26. Mai. Ueber das in unserem Blatte bereits erwähnte Feuer bringt der „Gründ. Anz." nachstehende Notz aus Licht Die Verehrer der guten alten Zeit und Andenken unserer Gemeinde sind leider am 24. d. Mts. wieder um ein werihvolles Denkmal ärmer geworden, indem an jenem Tage Abends kurz nach 10 Uhr der aus dem Mittelalter stammende, zwischen der Ringmauer und dem Wall der ehemaligen Festung Lich aufgeführte sogen „Brennofen" (©ebüube zum Brennen der Topfwaarenj an der Grünberger Straße, welcher von manchem Fremden, der vorbei passirte und zwar besonders, wenn er einen, dem Auswurf eines Vulkan's ähnlichen Qualm ausstietz, mit Erstaunen bewundert wurde, nun wirklich aus- und abgebrannt ist.
Wahrhaft erschütternd war es, als das Symbol in kurzer Zeit von den Flammen verzehrt wurde und es ist gewiß mancher unter den Löschenden resp. vielen Zuschauern gewesen, dem die Thränen in den Augen gestanden Haden mögen.
Man bedauert das tragische Ende des Gebäudes, denn es hätte, wenn ihm dies Unglück nicht zugestoßen wäre, am Ende noch ein Wallfahrtsort der Natur- oder sonstigen Forscher werden können.
Ob dasselbe nun aus der Asche, gleich dem Phönix, mit neuer Pracht und Herrlichkeit wieder erst-hen wird, muß der Zukunst anheimgestellt bleiben.
Darmstadt, 25. Mai. sMain-Neckar-Bahn.j Die Direction macht bezüglich der directen Verbindungen zwischen Frankfurt a. M. und Italien via Goithard-Bahn bekannt, daß mit dem am 1. Juni d. I. beginnenden Sommer-Fahrplan folgende Züge eintreten und zwar: Schnellzug Nr. 5: Von Frankfurt a. M Abfahrt 11 Uhr 40 M. Vorm.; Schnellzug Nr. 9: Abfahrt 9 Uhr 35 M. Abends: von Darmstadt 12 Uhr 15 M. Nachm., 10 Uhr 15 M. Abends. Der erstere Zug macht zwischen Darmstadt und Heidelberg keinen Halt; an letzter Station ist Nachmittags !Uhr20M. bis 1 Uhr 35 M. Rast für das Mittagessen Der Schnellzug Nr. 5 ist um 8 Uhr 6 M. Vorm. in Mailand, der Zug Nr. 9 um 7 Uhr 41 M Abends. Aus Italien treffen die Schnellzüge Nr. 4 und Nr. 10 um 5 Uhr 3 M. Nachm. und 4 Uhr 59 M. Vorm. in Darmstadt ein. Die directen Billete nach und von Italien haben 10 Tage Gültigkeit. AusBillete nach Italien sind 25 Kg. Freigepäck bis Chiasso (Ende der Gotthmdbahn) gestattet; auf den Italienischen Bahnen selbst wird kein Freigepäck gewährt. Zwischen Frankfurt und Basel sind stets dtrecte Wagen vorhanden, ebenso Schlafwagen m den Nachtzügen zwischen den beiden genannten Hauptstationcn. Hierbei wird noch bemerkt, daß in Heidelberg die etwa verspätet eintreffenden directen Züge nach und von Italien unbedingt abgewartet werden. Für Reisen nach Württemberg kann der Italienische Schnellzug Nr. 5 nicht benutzt werden. Der Verkehr nach und von Württemberg wird vielmehr durch die neu eingelegten beschleunigten Personenzüge Nr. 31 (ab Frankfurt 10 Uhr 45 M. Vorm., in Heidelberg 12 Uhr 45 M. Mittags) und Nr. 40 (ab Heidelberg 3 Uhr 35 M. Nachm , in Frankfurt 5 Uhr 33 M. Nachm.) vermittelt.
Darmstadt, 25. Mai. sLandwirthschafiliche Landesausstellung.) Von den entferntesten Kreisen Deutschlands laufen bereits böchst sympathische Kundgebungen über das wohldurchdachte und zielbewußte Ausstellungsprogramm ein. Alle sprechen sich in hohem Grade anerkennend aus und steht demnach zu erwarten, daß der Ausstellung, auf guter Grundlage erbaut, der Erfolg nicht ausbleiben wird.
Mainz, 24. Mai. sAtten'atj Nach einer heute Molgen Heer bei dem bischöflichen Ordinariat eingelausenen Depesche ist gestern auf den katholischen Pfarrer Jtzei in Bürstadt bei Worms ein Attentat ausgcsährt worden, indem ein Mann aus Bürstadt den Pfarrer auf dem Wege überfiel und demselben eine Anzahl Stiche in den Rücken und den Unterleib beibrachte Der Pfarrer, der nach diesem Ueberfall in seine Wohnung gebracht wurde, ist, nach einer nachträglich hier eingelaufenen Mittheckung, an der erhaltenen Verletzung gestorben. In Bürstadt herrscht in Folge dieses Vorfalles große Aufregung, um so mehr, als der Pfarrer sehr beliebt in der Gemeinde gewesen ist und derselbe erst in der verflossenen Woche sein 25jähriges Priesterjubiläum gefeiert hat.
Mannheim, 23. Mai. Auch die hiesige Filiale der Kaiserlichen Tabak- Manufaktur zu Straßburg ist nicht mehr. Ohne Sang und Klang ist über Nacht der kaiserliche Adler vom Schaus-nster verschwunden und der seitherige Inhaber wird nunmehr versuchen, ob er durch Verabsolgung von anderen Fabrikaten die stillen Räume seines Ladens wieder frequent zu machen im Stande ist. Wie cs mit der Abwickelung des Vertragsgeschäfts zwischen der Manufaktur und dem hiesigen Vertreter gehen wird, w ff en mir bis jetzt noch nicht.
Offenburg, 22. Mai. Das Tagesgespräch beschäftigte sich heute dahier mit einem Ereigniß, das den alten Ben Akiba wohl Lügen strafen dürste. Die Legende weiß zu erzählen, daß im Lande Canaan Milch und Honig floß; wenn ich dagegen sage, daß heute durch die lange Straße Offenburgs Wein floß, so beruht das auf Wahrheit, wenn immer das Wort „Wein" nicht im strengen Sinne des Herrn Hos- rath Netzler aus Karlsruhe auszufassen ist. Ueber 400 Hektoliter Kunstwein des hiesigen Weindä dlers M. Kahn, welche laut gerichtlichen Urtheils für gesundheitsschädlich erkannt wurden, wanderten aus dem finstren Verließ durch ein Pumpwerk gehoben, an das Tageslicht. In der Straßenrinne ergoß sich ein kleiner Bach des geistigen Getränkes, um sich mit dry Wosse'n des Gewerbekanals zu verbinden. Schon vor Sonnenaufgang hatte das Schauspiel begonnen und erst gegen Abend war der tttzte Tropfen ausgewandert. Als in der Frühe der Ruf „Wein, Wein" durch die Straßen ertönte, konnte man sehen, wie Kinder und arme Leute mit den verschiedenartigsten Schöpf- und Transport-Apparaten herbeietlten, um den „Wein" aus der Rinne aufzufang-n und im Eilschritt nach Hause zu tragen. Ein Milchhändler aus der Umgebung füllte seine sämmtliche Kannen mit dem edlen Naß. Da wurde die gestrenge Hermandad requirht und den angestrengtesten Bemühungen dreier Gensdarmen und eines Schutzmannes gelang es, die Menge von dem Weinstrom sernzuhalten.
— An der Spitze der Nr. 10 vom 15. d. Mts. bringt die von dem General- fecretSr Dr. Vogel rebigirte „Landwuthschaftliche Zeitschrift für Elsaß-Lothringen" folgenden von der Re>-action unterzeichneten Artikel: „Versichert gegen Hagelfchlag! Es hat den Anschein, daß wir nach schweren Zeiten welche die Londwirthschaft durchlebt hat, einem ergiebigen Jahre enigegengehen. Alle Früchte stehen schön im Felde und das Herz des Landmanns hebt sich wieder in freubiger Hoffnung. Die Erfahrung lehrt nun, daß gerade in jenen warmen, sonnenreichen, fruchtbaren Jahren, in denen die Natur ihr Füllhorn recht segensvvll über die Erde ergießt, schwere Gewitter mit Hagelschäden häufig sind. Welch ein herbes Geschick wäre es, wenn eine schwarze Wolke die langgerährten Hoffnungen, die monatelange saure Arbeit in einer einzigen Viertelstunde wieder vernichtete. Liebe Landleute! Ihr könnt Euch schützen. Setzei nicht Alles auf eine Karte, opfert willig einige Mark, um die Sicherheit zu haben, nicht großen Schaden erleiden zu müssen; gehet in eine Hagelversicherung!" Zum Zwecke allgemeiner Orientirnng folgt bann eine Zusammenstellung der in Deutschland arbeitenden Hagelversicherungs-Gesellschaften.
— (Entsetzliches Kinderspiel.) Aus Rom wird berichtet: Am Morgen des 15. b. M. waren die Artilleristen des 12. Regiments zur Wiisfenübung im Campo di Lombardore versammelt. Eine Kinderschaar schlich sich im Rücken der Schildwacheu in die Ebene, in welcher die Kanonenkugeln, Bomben und Granaten aufgeschichtet lagen. Ein zehnjähriger Knabe, Namens Antonio Lurgo, nahm eine noch gefüllte Granate, bedeckte die Außenseite mit Pulver, das er einer Patrone entnahm, und zündete das Ganze mit einem Schwefelhölzchen an. Die Granate platzte und riß dem Knaben einen Fuß und eine Hand weg, die zehnjährige Clara Botisto ward förmlich in Stücke gerissen, der vierzehnjährige Domenico verlor beide Arme, vier andere Kinder erlitten särnnttlich schwere Verletzungen, ein achtzehnjähriges Mädchen, das herbeigeeilt war, um nach den Kindern zu schauen, verlor das Augenlicht. Diese schreckliche Cata- strophe hat viele Familien in tiefe Trauer gestürzt und das Kriegsministerium leitet gegen das Regiment eine Untersuchung ein, welches die nöthige Vorsicht verabsäumt hatte. Der König und die Königin sind aus's Tiefste betrübt und lassen sich täglich nach dem Befinden der Verunglückten erkundigen.
— Vom 10 bis 13. Mai sanden bte Brückenproben diesseits des Gotihard- tunnels statt. Wie die „Urner Zeitung" berichtet, geschah die Belastung mit fünf zusammengekuppelten Locomoiiven, welche das respectable Gewicht von 2960 Kilocentn ern darstellen. An besonders auf den Brücken angebrachten Theilstäben wurde im Augenblick der Belastung von verschiedenen Posten aus mit technisch n Instrumenten die größte Senkung, beim langsamen und schnellen Fabren auch die scitlicheit Schwankungen beobachtet. Dem Vernehnten nach war das Ergebniß durchweg befriedigend; die Senkung soll bei der stärksten Belastung nicht über den zweitausendsten Theil der Brückenlänge betragen; bei der großen Jnschi Reuß-Brücke mii 76 M. Spannweite ergab sich in der That eine Senkung von etwa 38—40 Mm., bei der mittleren Meyen- Reuß-Brücke mit 65 M. Spannweite betrug die Senkung etwa 28 Mm. Bei der Entlastung zeigte sich in der Regel eine bleibende Senkung von nur 1—3 Mm.
London, 24. Mai. Der Schiffscapitän Osmond Otto Brand, welcher den Fischerknaben Pepper aufs Grausamste zu Tode gemißhandelt hatte und deßwegen vom Schwurgerichtshofe in Leeds zum Tode verurtheilt worden, wurde gestern Morgen im Armley-Gefängnisse zu Leeds durch den Strang hingerichtet. In einem an seine Gattin gerichteten Abschiedsbriefe behauptete er, daß er nicht beabsichtigte, den unglücklichen Knaben zu tobten.
Kirchliche Anzeigen -er Stadt Gieften.
Evangelische G e m e i n d e.
Gottesdienst:
Samstag den 27. Mai.
Nachmittags 2 Uhr: Beichte (Pfarrer Dr. Naumann).
Pfingstsonntag, den 28. Mai.
Vormittags 9Vz Uhr: Gymnasiallehrer Stamm.
Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer Dingeldey. .
Nach beiden Gottesdiensten Kollekte zum Besten armer Theologre-Siudtrenden.
Pfingstmontag, den 29. Mai.
Vormittags 91/, Uhr: Pfarrer Schlosser.
(Feier des heiligen Abendmahls.)
Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer Dingeldey.
Nach beiden Gottesdiensten Kollekte für die Armen unserer Gemeinde.
Sonntag den 4.Juni findet nach dem Vormittags-Gottesdienst Katechismus- leh re mit der confirmirten männlichen Jugend statt.
Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 28. Mai bis 3. Juni besorgt Pfarrer Dr. Naumann.
Katholische Gemeinde.
Pfingst-Sonntag.
Von 6 Uhr an: Beichte. 7 Uhr: Frühmesse und Austheilung der h. Commumon.
V-10 Uhr: Hochamt und Predigt (Pfarrer R a d y). 2 Uhr: Fesiandacht, hierauf Beichte.
Pfingst-Montag.
Von 6Uhr an: Beichte. 7Uhr: Frühmesse und Austheilung der h. Cominuiuon.
ValO Uhr: Hochamt. Die Nachmittagsandacht fällt wegen auswärtiger Funktionen aus.
Mittwoch, Freitag und Samstag Quatemberfasten.
Gottesdienst in der Synagoge.
Freitag Abend 7'/, Uhr, Samstag Morgen 8 Uhr, Samstag Mittag 4 Uhr, Samst ß
Abend 8»


