Ausgabe 
26.4.1882
 
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rikalen, wenigstens auf dem Lande, in diesen Commissionen vielfach die Mehr­heit zu erlangen.

In Irland haben die Dinge eine feltfame Wendung genommen, indem die englische Regierung jetzt entschlossen scheint, den irischen Pächtern durch die Entlassung der verhafteten irischen Agitatoren aus dem Gefängniß ein weitgehendes Zugestündniß zu machen. Trotzdem nehmen die Agrarverbrechen auf dergrünen Insel" noch immer zu; am Mttwoch Abend fand man auf der nach Krokbarra führenden Landstraße die Leiche -des Gerichtsvollziehers von Lord Leconfield mit zerschmettertem Schädel auf. Am 19. April starb der berühmte Naturforscher Charles Darwin (geb. 12. Febr. 1809), ob auf seinem Landsitze in der Grafschaft Kent oder zu London, meldet der Telegraph nicht. Der Attentäter Mac Lean ist von den Geschworenen als unzurechnungsfähig erklärt und in Folge dessen in ein Irrenhaus gebracht worden.

Der russische Czar hat durch den vom russischenRegier.-Anz." ge­machten Erlaß, welcher allen Militärpersonen verbietet, öffentlich politische Arden zu halten, in officiellster Form erklärt, politische Brandstiftungen ä la Skobeleff nicht länger dulden zu wollen. Namentlich in Deutschland kann man von diesem energischen Entschlüsse des russischen Herrschers nur mit Befriedigung Act nehmen, durch welchen der Panslavismus und mit ihm die russische Kriegs­partei einen neuen Stoß erhalten hat.

Der nun schon sieben Jahre währende Berfassungs-Conflict in Dänemark wird auch in dieser Session der Landesvertretung nicht zur Bei­legung gelangen. Zwischen Landsthing und Folkething dauern die Meinungs­verschiedenheiten bezüglich der Budgetfrage in alter Stärke fort; das Landsthing hat die vom Folkething gestrichenen Budgetposten wieder hergestellt und da das Folkething an seinen Beschlüssen festhält, so wird Dänemark noch lange nicht aus diesem Zustande völliger Zerfahrenheit herauskommen.

Der Stand der Dinge in Egypten beschäftigt die Aufmerksamkeit der Cabinete in hohem Grade. Die Schwierigkeiten sind durch die Verbannung von dreizehn jener tscherkessischen Officiere, welche die Verschwörung gegen den Kriegsminister Arabi Bey angezettelt hatten, nicht im Mindesten gehoben worden. Die Gährung im Lande dauert fort und da der jetzige Vicekönig Tewsik Pafcha augenscheinlich nicht der Mann ist, diesen Schwierigkeiten zu begegnen, so er­scheint unter diesen Verhältnissen eine europäische Intervention in Egypten nicht unmöglich.

Deutschland.

Berlin, 23. April. Die heutige im Universum stattgehabte Versamm­lung von Tabakfabrikanten, Händlern und Arbeitern nahm die bekannte Leipziger Petition gegen das Monopol und jede Steuererhöhung an. Wegen entstandenen Tumults löste die Polizei die Verfammlung, nachdem sie 372 Stunden gedauert hatte, auf. Gestern Abend entstand im Schauspielhause bei der Vorstellung derGrille" ein blinder Feuerlärm. Im Theater entstand in Folge dessen große Panik und Alles versuchte, die Sitze zu verlassen. Erst beim Erscheinen der Feuerwehr auf der Bühne beruhigte sich das Publikum. Ein Feuermann rief laut, es sei nichts, es sei Alles in Ordnung. Der Director Deetz bat das Publikum, ruhig Platz zu nehmen. Die Vorstellung wurde alsdann zu Ende geführt. (Frkstr. Zig.)

Berlin, 24. April. DieBerl. Polit. Nachr." meIden:Der Bunüesralh hat in seiner heutigen Sitzung, welche ca. 4 Stunden dauerte, die V° g e tetrenend die Einführung des Reichstabakmonopols, mit 36 gegen 22 Stimmen "^enomm n. Einzelne von den vorberathenden Ausschüssen beantragten Abfrungen »anben b e Zustimmung der Mehrheit, im Wesentlichen wurde iedoch die Regierungsvorlage wieder hergestellt. gleichfalls stattgehabte Plenarberathung der Novelle zur

Gewerbeordnung hÄn wir, daß°diK nebst den Anträgen Bayerns angenommen wurde, nur d^^trag, ^"ffend tue ^'beitsbuber heutigen Abstimmung über dos

Das Maioritats-Verhaltnttz, w,e ^'^^chnungen, die wir am 1. April ans- oeS?habend-22' Unteren Bundesregierungen, welche gegen die Monopol- gesteUt haben, $ auch Bayern und Hessen, welche zusammen

Vorlage gestimmt hab , st g repräsenttren, außerdem Sachsen mit 4 Stimmen, ßl mmen' Bremen und Hamburg mit je 1 Stimme. Die 36 Stimmen ^das^Mono^ol wurden abgegeben von Preußen (17), Württemberg (4), Mecklcn- bur?,@*SnPunb Braunschweig (je 2), Meiningen, Altenburg, Coburg-Gotha, bäly Ru^Madt-Sondershausen, Waldeck, Neuß j. L-, Schaumburg-Lippe und Lippe (je Tabakmonopolgesetzentwurf, wie derselbe aus den Berathungen des

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Nr. 96. Mittwoch den 26. April 1882.

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

t Schulstraße B. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag-.

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Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Iyeil.

Betreffend: Aufsicht über das Fasselvieh. Gießen, am 25. April 1882.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großherzogliehen Bürgermeistereien der nachbenannten Orte.

Die Besichtigung der Geineinde-Zuchtstiere und Zuchteber durch die von dem landwirthschaftlichen Bezirks-Verein gewählte Commission wird an folgenden Tagen stattfinden:

1) Donnerstag den 4. Mai in Nonnenroth, Röthges, Villingen, Langd, Rabertshausen, Rodheim und Steinheim.

2) Freitag den 3. Mai in Hungen, Inheiden, Utphe, Trais-Horloff, Bellersheim und Obbornhofen.

3) Samstag den 6. Mai in Bettenhausen, Muschenheirn, Birklar und Langsdorf.

Sie wollen die Bullen- und Eberhalter anweisen, zur fraglichen Zeit zu Hause zu bleiben und die Thiere der Commission bei deren Eintreffen vor­zuführen, auch sich selbst bereit halten, um etwa verlangt werdende Auskunft zu ertheilen.

___________ Dr. Boekmann.

Politische Ueberficht.

Gießen, 25. April.

Der Kaiser erfreut sich in Wiesbaden des bestem Wohlbefindens und unternimmt täglich kleinere oder größere Ausfahrten. Am Freitag empfingen er und die Kaiserin, welche am genannten Tage früh 8 Uhr ebenfalls in Wiesbaden eingetroffen ist, den Besuch des auf der Rückreise nach Petersburg begriffenen Großfürsten Wladimir von Rußland. Letzterer traf am Sonnabend in Berlin ein und setzte nach mehrstündigem Aufenthalte Abends 11 Uhr die Reife nach Petersburg fort.

Angesichts der in dieser Woche erfolgenden Reichstags-Eröffnung mindert sich erklärlicher Weise das Interesse an den Verhandlungen der zur Zeit noch thätigen Landtage verschiedener Bundesstaaten, zumal diese Verhand­lungen Gegenstände von allgemeinerem Interesse nicht berühren. Was das preußische Abgeordnetenhaus anbelangt, so sind von dessen Verhandlungeu in der vergangenen Woche nur die Debatten am Donnerstag und Freitag über die Vorlage, betr. die Erweiterung, Vervollständigung und bessere Ausrüstung des Staats-Eisenbahn-Netzes hervorzuheben. Das Haus genehniigte schließlich den Bau einer Anzahl von Linien untergeordneter Bedeutung und ebenso die zur Anlage zweiter Geleise und zum Umbau und zur Erweiterung von Bahnhofs- Anlagen geforderten Summen durchweg nach den Commissions-Anträgen. Von weiterem Interesse war lediglich die Discussion über die Umgestaltung der Kölner Bahnhöse. Die Budgetcommission hatte beantragt, die von der Regie- mng zu diesem Zwecke verlangte «Summe von 22 V2 Mill. einstweilen zu verweigern, damit die Regierung vorerst zu entern befriedigenden Abkommen mit der Stadt Köln gelange, bezüglich des von dieser zu leistenden Kostenbei­trages. Obwohl die Abgeordneten für Köln, Dr. Röckerath, Dr. Reichensperger (Köln) und Bachem, sowie Abg. Berger für die Bewilligung der verlangten Summe eintraten, beschloß das Haus doch gemäß dem Anträge der Budget- commission. Ob die Vorlage betreffs der Kreis- unö Provinzial-Ordnung für Hannover in dieser Sesfion mit zur Erledigung gelangt, ist noch zweifelhaft.

Die bayerische Reichsrathskammer erledigte am Freitag die Be- rathung des Cultusetats zumeist nach den Beschlüssen der Abgeordnetenkammer, doch wurde der von letzterer gestrichene Dispositionsfonds einstimmig wieder her- gestellt, dagegen der Antrag auf Erthetlung des confefsionellen Geschichtsunter­richtes mit allen gegen 10 Stimmen abgelehnt. Der Antrag auf Umwandlung des Stmultan-Schullehrer-Semmars zu Bamberg in eine confessionell-katholische Anstalt wurde ebenfalls abgelehnt.

Noch ist der Aufstand in der Crivoscie nicht beendigt nach Meldungen des Feldmarfchall-Lteutenants Baron Jovanovic fanden am 18. und 19. ds. in der Gegend von Pistet und Dugivoci heftige Feuergesechte mit den Insurgenten statt und schon stehen die Oesterreicher einer neuen Empörung gegenüber. Auf der Halbinsel Lustina in Dalmatien ist in Folge der dort an- geordneten Recrutirung ein Aufstand ausgebrochen, welcher in Ragusa sehr ernst genommen wird. Die aus der Crivoscie zurückgezogenen Truppentheile lösten Befehl erhalten haben, thetls nach der Crivoscie zurückzukehren, theils nach dem neu infurgirten Gebiete abzugehen. Die Refervisten des dalmatinischen Regiments Weber, welche hätten entlassen werden sollen, verbleiben wegen der veränderten Sachlage unter der Fahne. Diese Wendung der Dinge ist nicht ohne Bedenken und nöthigt der österreichischen Regierung neue Opfer an Geld und Menschenleben auf, wenn es ihr nicht gelingt, den Aufstand in der Lustina raig und energisch zu unterdrücken. Vielleicht werden sich auch die Herzegowiner und Crivoscianer nun wieder stärker rühren und so läßt sich das ' definitive (Snbe der aufständischen Bewegung noch gar nicht absehen.

Die meisten französischen Generalräthe haben in voriger Woche ihre Sitzungen wieder geschlossen, ohne daß es zu bedeutsamen politischen Zwischenfällen gekommen wäre, von den verschiedenen Protesten gegen das neue Schulgesetz abgesehen. Ohne Zweifel wird dasselbe aber noch manchen Sturm erregen und wahrscheinlich m der Deputirtenkammer zu heftigen Angriffen der Confervativen auf das Cabmet Freycinet führen. Es ist jedoch nicht zu ver- iennen, daß die Bewegung gegen das neue Unterrichtsgesetz sich noch in gewissen Schranken hält, wenn auch einzelne Bischöse in ihrer Agitation gegen "dasselbe etwas weit gegangen find. Die Klerikalen setzen ihre Hoffnung auf die Wahlen zu den neuen Gemeinde-Schulcommisfionen, denen das Gesetz großen Einfluß Md die Aufsicht Über die öffentlichen Volksschulen gestattet und hoffen die Kle-