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22 Donnerstag den 26. Januar

Midiener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Bureart: Schulstraße 8. 18.

Deutschland.

Berlin, 24. Januar. Dem Abgeordnttenhause ist nunmehr der (Gesetzentwurf, betreffend den weiteren Erwerb von Prwat-Elsenbahnen für den Staat zugegangen. Der Gesetzentwurf enthält 11 Paragraphen und fordert den Erwerb der Bergisch- Märkischen Eisenbahn, der Thüringischen Bahn, der Berlin-Gorlcher Bahn, der Cottbus-Großenhamer Bahn, der Märkisch Posener Bahn und der Rhein-Nahe-Bahn.

Aus den sehr eingehend g.haltenen, sowohl die allgemeine Frage des Staats- babnsustems wie die einzelnen in Rede siebenden Bert'äge erschöpfend behandelnden Motiven entnehmen wir zunächst den Hinweis auf die Grunolosigkeit der Befürchtungen, die von mancher Sette in Betreff des ungünstigen Einflusses der Eisenbahnverstaat- lichunaen auf den Staatscredtt gehegt worden sind. ,

Durch den Umtausch der Actien und Prioritätsobligationen der verstaatlichten Baünen ist bis jetzt ein Gesammtbetrag von Staatsichuldverschreibungen in Höhe von mehr al§ 420,000 000 X zur Ausgabe gelangt, ohne daß der Kurs der letzteren irgend welche nennenswerthe Schwankung gezeigt hat. Weder die bisherigen Emissionen noch die Rücksicht aus die bevorstehende noch umsangreichere Emission hat den Staa scredit in irgend nachthetliaer Weise beeinflussen können Ebenso wen g hat die Umwandlung des Actienkapitals in feste Rententit l -rgend welche bedenkliche Verschwbungen in den Verhältnissen des Geldma-ktes zur Folge gehabt. Im Geg>nthe>l chemen die V-i- bältnisse des Geldmarktes seit der Einleitung der gegenwärtigen Staatseisenbahi poeim eine wesentlich solidere Gestaltnng anzunehmen. Die zeitweise Erregung, welche durch die Erwartung bevoistehender weiterer Verstaatlichungen auf dem Eisenbahnmartt herbeigesührt worden Ist und ungeachtet wiedei Holter E>kläiui>gen, daß zur Zeit weiter« Bahnankäufe nicht in Aussicht genommen word.n sind zum The,l noch so>tb-steht, M dagegen lediglich eine begleitende Erscheinung solcher Operationen, welche an sich un­vermeidlich erst mit dem Abschluß der letzteren ihr Ende erreicht.

Der allgemeine Tbeil der Motive schließt mit dem Hinweis, daß di« Regierung getreu der von ihr vertretenen, von dem Lande gebilligten Eisenbahnpolitik es als ihre Pflicht erkennt, der Durchsührung des Staatsbahnsystcms weiteren Fortgang ju geben.

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Soweit sich bis jetzt die Deputirtenkammer mit _ben Reformen fetauibelta s beschäftigt hat, stehen die Chancen für ihn herzlich schlecht, denn die Mit der Vorberathuna der Gambetta'schen Reformprojekte betraute Kammer-Commrssron hat mit großer Mehrheit dieselben verworfen und diese 33 Mitglieder der Com­mission bestanden meistentheils aus Vertrauensmännern der Limen und ehrmalt- qen Anhängern Gambetta's. Fast scheint es auch, als ob alle politischen fal­teten Frankreichs, ja selbst alle maßgebenden Banqmers und hervorragenden Geschäftsleute dieses Landes, hinter Gambetta's Reformplanen nur Schlimmes für die Zukunft Frankreichs oder doch für ihre JnteressenpolMk fürchteten, denn die republikanische Linke, ivie die gemäßigten Republikaner treten gegen Gam- betta auf, die Radikalen haben sich mit den Monarchisten gegen ihn verbündet und die Pariser Banquiers und einflußreichen Kaufleute scheinen auch «türm gegen Gainbetta zu laufen, denn die sonst immer m Rosenfarben strahlende Pariser Börse zeigte am Ende voriger Woche ein Sinken der Course, welches einem allgemeinenKrach" sehr ähnlich sah. ... ,

Und wie verhält sich dieser allgemeinen Opposition gegenüber Gainbetta. Er ist jetzt offenbar in der Lage wie Julius Cäsar, der seine Legionen mit dem Rufe über den Rubikon geführt hatte: Junta est alea . Der Würfel ist gefallen! Gainbetta, der ehrgeizige Streber, kann und will nicht mehr zurück, er verlangt die Annahme seiner Reformprojekte von der Kammer oder will Mit seinen Ministern geschlossen zurücktreten. Der letztere Fall wäre ein so großartiges Fiasko für den sonst so gewandten und klugen Gainbetta, datz man es sich nur durch eine kolossale Verblendung erklären könnte, die des klugen Gambetta's Geist in Folge seiner früheren Erfolge umdüstert hat. Oder sollte Gainbetta in der Kammer dennoch eine treue Mameluckenschaar haben, die nut einigen Stimmen Mehrheit seine Pläne durchbringt? Das wäre eine sehr ver- hängnißvolle Begebenheit im Staate Frankreich und die dritte französische Re­publik wäre wieder einmal in das Stadium gerochen, wo ihr em kühner Imperator den Kopf herunterhaut. Nun, die nächsten Tage müssen es zeigen, wohin die französische Republik steuert.

Zum Begräbnisse des verstorbenen ehemaligen Reichstagsabgeordneten Dr Völk wurde Seitens der nationalliberalen Fraktion der Abg Dr. Rillst als Mitglied des Vorstandes und der Abg. Holzmann Äs Nichtbayer nach Augsburg delegirt. Die Herren haben heute Nachmittag Bersin verlassen^und werden auch in, Auftrage der beiden anderen liberalen Fraktionen, der Fort­schrittspartei und der liberalen Vereinigung Kränze auf dem «arge des Ber-

Große Krisis in Frankreich.

Die durch das rücksichtslose und eigenwillige Vorwartsdrangen Gambetta s schon seit einigen Wochen in bedenkliche Schwankungen gerathene politische Lage in Frankreich zeigt gegenwärtig einen offenen Confsict, begleitet von> «ne schweren politischen und finanziellen Krisis, und der Kern der ganzen Krisisit die Frage des Sturzes Gambetta's. Dieser von ehrgeizigen Planen erfüllte Staatsmann hält trotz des ablehnenden Votums, welches ihm bereits Dor einigen Monaten die Deputirtenkammer in der Angelegenheit der Listenwahlen ertheüte, an der Einführung derselben und der anderweitigen Verfassungs-Reformen fest, und Gambetta scheint dabei zu glauben, daß er für die Franzosen bereits voll­ständig unentbehrlich geworden ist und daß er für seine ReformproM unter allen Umständen eine Kammer-Mehrheit finden wurde aber wenn nicht. alle An'eichen die neuerdings über den Stand der politischen Geschäfte in Paris bemerkt wurden, trügen, so giebt sich Gambetta hinsichtlich seiner selbitherrsicheit Neigungen einer schweren Täuschung hin und wird^wahrscheinlich seinen Ueber- muth und seine dictatorischen Gelüste mit seinem Sturze als Ministerpräsident

An die Großh. Bürgermeistereien Garbeitteich, Hansen, Heuchelheim, Lang-Göns und Steinbach.

Wir erinnern Sie an die alsbaldige Einsendung bei Brandkataster. Großherzogliches Steuer-Commissariat Gießen.

Gießen, den 23. Januar 1882. Süffert.

blichenen niederlegen.

- Aus London wird denBerl. Polit. Nachr." geschrieben: Alle Ge­rüchte, daß England im Vereine mit Frankreich ober nut dem Mandate Frankreichs ausgestattet in Egypten einzuschreiten beabsichage, erweisen sich Angesichts der durch die finanzielle und innere Krisis Frankreichs veränderte dortige Situation augenblicklich als haltlos. Niemand kann Angesichts der französischen Verhältnisse von heute auf morgen etwas Positives über den Be­stand und die Aussichten der englisch-französischen Entente sagen. .

Endlich ist nun die Stärke der verschiedenen Parteien im Reichstage definitiv festgestellt. Es zählen darnach die conservativen Parteien .6, die libe­ralen 168 Mitglieder. Im Speciellen gehören an: den Deutschconservativen 4. > darunter als Hospitanten die Minister v. Goßler und v. Puttkamer), der deut- ichen Reichspartei 27, dem Centrum 107 (darunter die 9 wölfischen Hospitanten v Adelepsen, v. Alten, beide v. Arenswaldt, Graf Bennigsen, Graf Bernstorfs, Dr Brühl, Frhr. v. Scheele, Frhr. v. Wangenheim); den Polen 18; den Nationalliberalen 45; der liberalen Vereinigung 47 (darunter die 4 Hofpitanten Grieninqer Frieß, Dr. Gutfleisch und Warmuth); der Fortschrittspartei 58 (der Abg. Philipps ist der Fraktion beigetreten); der Volkspartei 8, ben Socialbemokraten 12; ferner 15 Elsaß-Lothringer; 10 Wilde, nämlich v. Bockum- Doltts v Bühler Johannsen, Frhr. Langwerth v. «nnmern, v. Levetzow, $&£ D? Schi»,," ir. en.Kt. -. M*. Du. ***#* vierten schleswig-holsteinischen Wahlbezirk ist erledigt.~ Der der Fortschritts­partei angehörige Reichstagsabgeordnete Eysoldt ist am Dyphus schwer erkrankt und mußte in diesen Tagen in ein Krankenhaus übergefuhrt werden.

Eine Opposition gegen das Tabaksmonopol bereitet sich jetzt in Bayern vor Aus München wird derVoss. Ztg." nämlich gemeldet, daß der Abg. Schels in der zweiten Kammer den Antrag eingebracht die Kammer wolle beschließen, an die Krone die Bitte zu richten, daß der Bevollmächtigte Bayerns im Bundesrath beauftragt werde, einer auf Einführung des --Lababmonopo. abzielenden Gesetzesvorlage nicht zuzustimmen.

Berlin, 23. Januar. Der Nihilistenspuk in Rußland scheint aus den Geisteszustand einzelner Individuen einen unheilvollen Einfluß> zu. uben^ der sich vahin äußert, daß sie sich zu hohen Missionen berufen 5^;

hier durch die Aufmerksamkeit der politischen Polizei em Individuum, welches durch Briefe und Depeschen, die es an hohe Personen

geworden war, in dem Augenblicke festgenommen.als cs sich }ii i Sronpwn begeben wollte. Die Behörde stellte fest, daß der Verhaftete em jub ger Camo . Klisson aus fliußland sei, ivelcher an gememgesahrsichem Irrsinn leidet.

Unglückliche wurde nach der Charitö gebracht arosiartige

Ein anderer Russe hält sich hier leit einiger 2°"^^ welcher grotzaNM Erfindungen gemacht haben und das Problem zur Hers e ß scheint sein dens gelöst haben will. _(§r belästigt zwar manche hohe g '' rcnten Geisteszustand minder gefährlicher Natur als der ferne zu sein.

England.

Limerick, 23. 3««,. Au.

Abend gegen 700 Pfund Dynamit gestohlen; der Dieb,tatu hat g p regung verursacht.

Amerika.

. on cxnnuar (Proceß Guiteau). In der heutigen

Washington, 20. Ianua . jeine Bertheidigungsrede zum

Verhandlung gegen Guiteau knüpfte Guiteau ein Gespräch mit

Abschluß. Nach Vertagung der. 6Jer Aufforderung des Gefangenwär-

seinem Vertheidiger an und weig Als der Gefangenwätter

ters, die Anklagebank ZU vettasi n^S ) beä Gerichtssaales zu veranlaffen, Zwang auwandte, um eimm Schlag auf die Brust.

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Berlin, 23 Januar. Die nationalliberale Frattion hielt heute Vor­mittag eine Besprechung ab, welche den Zweck hatte, die nationalliberale Partei im Großen und Ganzen straffer zu organifiren Es wurde, wie wir Horen, beschlossen, in Berlin eine Centralstelle, eine Art geschaftsfuhrenden Ausschuß zu schaffen, von wo aus die Leitung der Partei im Lande erfolgen soll. Mit den Details der Ausführung dieses Beschlusses wurde ver Gesammtvorstand