$ir 276. Samstag den 25. November .1882.
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzcigeblatt für den Kreis Gießen.
Bnreaur Schulstraße 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Amtlicher Hßeil.
Betreffend: Viehzählung im Deutschen Reich. Gießen, am 23. November 1882.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.
Im Jahre 1883 soll nach dem Stande vom 10. Januar in allen Staaten des Deutschen Reiches eine Ermittelung des Viehstandes nach gleichmäßigen
Grundsätze stEfindem ^^grenzten Bezirken (Zählbezirken) durch Umfrage von Haus zu Haus mittelst Aufzeichnung in Hauslisten zu geschehen und
es ist für jede Gemeinde, mit Einschluß der ihr administrativ zugemiesenen Wohnplätze, von den Kreisämtern eme Zahlungscommission emzusetzen, welche letztere alsdann ^e^Zahlb^rrke ^ufttzen^und die^^^^^mmissionen die Bürgermeister, oder wo die Bürgermeister-Stelle grade nicht bescht^ist,die^delgeo^netm^ und laden Sie ein, uns schleunigst vier weitere Commissionsmitglieder vorzuschlagen, welche entweder alle aus den Gememdevorstandsmitgliedern, oder thell- weife aus solchen und thellweise aus anderen dazu geeigneten Einwohnern zu entnehmen sind. . .
Von den von Großherzoglichem Ministerium erlassenen Bestimmungen für die Ausführung der Viehzählung, fowre von der Instruction für dre. Zahlen lassen wir Ihnen je 2 Exemplare alsbald kurzer Hand zugehen. Die weiter erforderlichen Formulare zu Haus- und Controllisten, sowie zu Verzeichnißen der an die Zahler abgegebenen Controllisten werden Ihnen später zugeschickt.
Dr. Boekmann. —
Deutschland.
Darmstadt, 22. Novbr. Die den Ständen unterbreitete Vorlage, betr. die Faustpfandverträge der Vorschuß- und Creditvereine, ist als Ausfluß der Sympathie zu betrachten, welche unsere Regierung im Einverständniß mit den Ständen den Genossenschaften entgegenbringt und auch in der Steuersrage bereits bethätigt ist. Die Vorlage geht offenbar von dem richtigen Gedanken aus, die Creditgewährung zu erleichtern, zumal hier die etwaige Besorgniß einer Uebervortheilung des Schuldners durch die Genoffenschaft ausgeschlossen ift, mährend andererseits die Beleihung von Werthpapieren die sog. Lombardgeschäfte bei den hier in Betracht kommenden Genossenschaften eine ziemlich bedeutende Rolle spielen und daher kein Grund vorliegt, ihnen bezüglich einer nöthig werdenden Veräußerung des Faustpfands nicht die gleichen Rechte einzuräumen, welche das Handelsgesetzbuch den Kaufleuten bei Geschäften unter sich grebt, indem es ihnen bekanntlich die Vereinbarung dahin gestattet, daß der Gläubiger ohne gerichtliches Verfahren sich aus dem ih:n gegebenen Pfände befriedigen könne; ist diese Vereinbarung schriftlich getroffen, so darf der Gläubiger bei Verzug des Schuldners das Pfand öffentlich verkaufen lassen, er darf sogar, wenn die verpsändeten Gegenstände einen Börsenpreis und Marktpreis haben, den Verkauf auch Nicht öffentlich durch einen Handelsmakler oder in Ermangelung eines solchen durch einen zur Versteigerung befugten Beamten zum laufenden Preise bewirken, und ist nur, bei Meidung von Schadenersatz, verpflichtet, den Schuldner von der Vollziehung des Verkaufs, so weit thunlich, sofort zu benachrichtigen. Die öffentlichen Pfandanstalten, Credit-Jnstitute oder Banken können, wie bekannt, sogar noch weitergehende besondere Rechte Kraft Gesetzes, Verordnung oder Statuten besitzen und besitzen sie auch thellweise. (Reue Hess. Volksbl.).
Mainz, 22. Rovbr. Wie man sich aus früheren Veröffentlichungen erinnern wird, hat das von dem Verein „Concordia" ernannte Preisgericht den für die beste populäre Schrift über die Frage: „Wie nährt man sich gut und billig" ausgesetzten Preis von 1000 JL. einstimmig der Arbeit des Herrn Dr. C. A. Meinert (Verfasser von „Armee- und Volksnährung", „Fliegende Volksküche" u. f. to.) zuerkannt, und ist die genannte Schrift zu dem Preise von nur 50 durch jede Buchhandlung zu beziehen; außerdem werden bei directem Bezug von dem Verein größere Parchien entsprechend billiger abgegeben, y- Gewiß wird Jeder, der das Schristchen gelesen hat, dem Urtheile des Preisgerichts voll und ganz beipflichten. Es bietet nicht nur, was sein Titel verheißt, sondern noch weit Mehreres; wir verweisen in dieser Hinsicht insbesondere auf die Einleitung, sodann auf die Abschnitte über Stoffwechsel und Stoffernährung, über die Nahrungsstoffe und ihre Einteilung, über Die Verdauung, über das Eiweiß als Nährstoff u. s. w., ferner auf die „Goldenen Regeln für die Ernährung", das „Schlußwort an die deutschen Hausfrauen", sowie auf den Anhang. Die ungemeine Bedeutung, welche die Frage einer rationellen Ernährung für das gejammte Leben des Volkes, seine körperliche und geistige Gesundheit, seine Arbeits- und Wehrkraft hat, wird ja wohl im Allgemeinen von Jedermann anerkannt: aber eine deutliche und lebendige Einsicht haben nur die Wenigsten. Das Meinert'sche Schristchen wird sie dieje Einsicht gewinnen lassen und mit ihr zugleich, wie wir hoffen, den Eifer, im Sinne derselben zu wirken. Ein Jeder, nicht blos der kleine Mann, auch der Gebildete kann aus dem Büchlein lernen, das in der That eine Fülle „goldener Wahrheiten" und in markiger, wie zugleich gefälliger, im edelsten Sinne populärer Sprache darbietet; namentlich wird jede Hausfrau und Mutter, selbst wenn |ie den „oberen Zehntausend" angehört, vielfältigen Gewinn daraus schöpfen, den meisten freilich die Frau Des Arbeiters und kleinen Mittelstandes, auf den speciell die Speiselabelle und Kochrecepte (für Familien mit 800, 1100 und 1500 JL Einkommen) berechnet sind. Welchen Werth haben für diese Klasse nur allein die Nachweise, daß sie für dasselbe, ja oft sogar weniger Geld eine um so viel nahrhaftere und zugleich wohlschmeckendere Speise erhalten können, als diejenige, an die sie sich, im vermeintlichen Interesse der Billigkeit, bisher gewöhnt haben. — Doch genug, das Schristchen muß ein Volksbuch, d. h. ein
Telegraphische Depeschen
Wolffs telegr. Eorrespondeirz-Vrrreart.
Merlin 23 Novbr. Das Abgeordnetenhauses setzte die Etatsberathung fort. Minister "Maybach bezeichnet das Ergebniß der Eisenbahnverwaltung als
Buch im Besitze des Volkes werden, und dazu kann und sollte Jeder, der für unser Volk, insbesondere seine arbeitenden Klassen, ein Herz hat, das ©einige beitragen. , , v
Berlin, 22. Novbr. Nach dem Sanitätsbencht über die deutsche Marine für das Jahr 1881/82, zusammengestellt vom Generalarzt der Marine, Dr Wenzel, belief sich die Kopfstärke der Marine im Ganzen auf 10,240 Mann, von denen sich durchschnittlich im Jahre 5393 an Bord und 4853 am Lande befanden. Jeder Mann erkrankte etwa 1,4 M durchschnittlich im Jahre. Die gesammte Sterblichkeit in der Marine belief sich auf 68 Todesfälle, von denen 40 an Bord und 28 amLande vorkamen. Durch Selbstmord endigten überhaupt 3 Mann In allen drei Fällen wurde der Selbstmord durch Erschießen ausgeführt Durch Unglückssälle gingen überhaupt 24 Mann zu Grunde. Die Zahl der Verunglückten hatte sich gegen das Vorjahr mehr als verdoppelt. Das Artillerieschiff „Mars" allein war von der enormen Zahl von 10 Fallen betroffen; dieselben ereigneten sich durch Explosion einer Granate. Durch Herabstürzen endigten ferner 8, durch Ertrinken 3 in Folge Umschlagens eines Bootes. Erstochen wurde ein Mann bei einer Schlägerei mit Civilisten.
Italien.
Rom, 22. November. Der König hat heute die Kammern mit folgender Thronrede eroffmn unb Stolz begrüße ich in Ihnen die durch die freie Mitwirkung aller Klassen der Nation vermehrten Vertreter des Vaterlandes. Die auf Wunsch meines glorreichen Vaters vorbereitete, durch das treue Festhalten an meinem Versprechen vollsührte, bewunderungswürdige Umgestaltung gibt uns die (rostlich: Gewißheit daß das italienische Volk reif für die Freiheit ist. Es ist unsere Pflicht, die friedlichen Eroberungen zu einem guten Ende zu führen, die uns wahre Große verschaffen und uns in der Achtung der civilisirten Welt befestigen werden. Angestchts des offenkundigen Willens des Landes werden sich die politischen Meinungsverschiedenheiten mäßigen und Sie werden alle Sorgfalt darauf verwenden können, bie administrativen Institutionen des Staates zu vervollkommnen und die Thätigkeit derselben zu vereinfachen und zu erleichtern. Die letzten Legislaturperioden werden in der parlamentarischen Geschichte denkwürdig bleiben, weil sie eine stabile finanzielle Unterlage geschaffen haben die lästigen Steuern beseitigten, der Unordnung in der Geldcrrculatron abhalsen, die Entwickelung einer ganzen Reihe von Verkehrsmitteln regelten, das Gedeihen der ökonomischen Kräfte des Landes durch ein neues Handelsgesetz bedeutsam folderten und die Organisation der Militärmacht erheblich besserten. Ich kann mrt lebhafter Befriedigung bezeugen, daß die Armee und Marine sich der Sorgfalt des Parlaments und der Liebe und Bewunderung, welche ganz Italien mit mir denselben zollt, würdig erweisen." Der König empfiehlt sodann verschiedene Gesetzentwürfe bezüglich innenr Verhältnisse und verspricht, die öffentliche Ruhe mit Festigkeit zu vertheidigen, die nationalen Institutionen intakt aufrecht zu erhalten und durch die Verwaltung und die Justiz die Freiheit Aller und fides Einzelnen zu schützen. „Unsere Beziehungen zu den auswärtigen Regierungen sich freundschaftliche und herzliche, von allen ^^^en wir Zeugnisse der Sympathie und deS Wohlwollens denen wir entsprechen, indem wir die Verträge auf das Sorgfältigste beobachten und indem wir in dem Rothe der Machte eine stets lautere und loyale Politik an den Tag legen, die auf die Aufrechterhaltung des Friedens und der Versöhnung der nationalen Interessen mit den allgemeinen In» lerffsen Em opas ger^chtet ft Die bevorstehende Vermählung des Herzogs von Genua mii hpr einer der erlauchtesten Dynastien Deutschlands ift ein neues Pfand
Mbm BJttera. «eme ist das Geschick Italiens in Ihren der Freundichast i»Wn BetDen v @Iet$en den Titel „Vater des Vater-
wndes"' zmrkanntern"könnte »a^itali^ische Volk zur Unabhängigk-it sühren und dem- ranoes zuerlllnntcu, und die Mögltchke t zu seiner Größe geben.
£ 5" ' W außerhalb behindert mehr die vollste Freiheit
Ihrer HaMu^-m Sie können unbesorgtön Blickes und in Ruh- di- großen socialen Probleme unftr-r Zeit prüfe^und^lösem^^^ mjt [aulem Beifall ausgenommen. Di- vnh ^nutittcn waren zahlreich erschienen, die Tribünen überfüllt. Auch r» mi^^Drinzen von Neapel wohnte der Eröffnungsfeier bet und wurde b ^br^em ^Erscheinen mit anfallendem Beifall begrüßt Der König war begleitet bet ihrem Erstynnen Vuacn und Thomas und wurde beim Eintritt und büm V-ölAn dös Saales mit dreisachem enthusiastischem Hoch d-grüßt.


