Gesandtschaft und durch die Wiederbesetzung mehrerer erledigter Bischofs-Lutze. . Man müsse die weiteren Resultate der Verhandlungen abwarten und bedenken, daß sie sich auf Fragen erstreckten, ivelche ebenso schwerwiegend als complrcirt seien. Der Vatikan wünsche nichts sehnlicher, als daß dieselben zu einer Verständigung führten.
Kossand.
Amsterdam, 22. Juli. Wie ein vom „Handelsblad" herausgegebenes Extrablatt aus Maaßlms meldet, ist der Monitor „Adder" südöstlich von Scheve- ningen aus 10 Klafter Tiefe, das Oberste zu Unterst gekehrt, von Tauchern aufgefunden worden.
Wußtand.
Petersburg, 22. Juli. Das „Journal de St. Petersbourg" meint, die Betheiligung der Pforte an der Conferenz dürfe nicht dazu benutzt werden, die Action der europäifchen Mächte lahmzulegen. Es sei nothwendig, den Suezkanal vor den Aufständischen zu schützen. Wenn die Pforte allein rm Stande sei, dies ohne Verzug zu bewirken, so möge ihr die Sorge dafür überlassen werden, wenn nicht, so werde sich die Conferenz damit zu befassen haben. Uebri- aens würden die ottomanischen Delegirten alsbald in die Lage versetzt werden, sich über die Absichten der Pforte betreffs Wiederherstellung des Status quo in Egypten zu erklären. „ L c m r
— Der Botschafter v. Nowikoff ist zum Mrtglrede des Retchsrathes ernannt worden.
Türkei.
Konstantinopel, 22. Juli. Assym Pascha ist zum alleinigen Vertreter der Pforte aus der Conferenz ernannt worden.
Konstantinopel, 22. Juli. Derwisch Pascha ist hier eingetroffen. — Die Conferenz wird, wie verlautet, ihre nächste Sitzung erst Montag abhalten. Wie es heißt, würde der zum alleinigen Vertreter der Pforte bei der Conferenz ernannte Assym Pascha das Präsidium beanspruchen und den Vorschlag machen, die Con- ferenz in Stambul tagen zu laffen.
Aegypten.
Marseille, 23. Juli. Meldungen aus Algier zufolge würden zur Bil- dung des Expeditions-Corps für Egypten hauptsächlich Theile des in Algier stationirten 19. Armee-Corps verwendet werden. Der Effektivbestand der unter General Lambert zu formirenden Brigade würde aus 8 Infanterie-Bataillonen 4 Schwadronen Kavallerie nebst einigen Feldbatterien bestehen'
Triest, 22. Juli. Die griechische Dacht „Amphitrite" ist gestern nach dem Piräus abgedampft.
Telegraphische Depeschen.
Wotff'S telegr. Corresporrderrz-Vrrreair.
Gastein, 23. Juli. Se. Maj. der Kaiser setzt in gewohnter Regelmäßigkeit den Kurgebrauch fort, unternimmt Promenaden und Ausfahrten. Se. Majestät nahm gestern den Thee beim Grafen Lehndorff-Steinort ein, empfing heute die Chefs des Civil- und Mllitär-Cabinets, sowie den Wirkt. Geh. Lega- tionsrath v. Bülow zum Vortrag und besuchte später die Predigt des Hospre- digers Frommet in der evangelischen Kapelle._______________
Lokale-.
Gießen, 24. Juli. Der am Samstag Abend Herrn Professer Dr. Will von Seiten der Studirenden gebrachte Fackelzug war großartig zu nennen. Zwei Musikcorps begleiteten denselben. Vor der Wohnung des in Ruhestand tretenden Herrn Professors, sowie vor dem chemischen Laboratorium beleuchteten große bengalische Flammen den flotten Zug, sowie eine unabsehbare Menschenmenge, welche vor und hinter demselben die Begleitung bildete. An den Zug schloß sich ein Commers in Wenzels Garten an.
Gießen, 24. Juli. Am Samstag Nachmittag wurde hier ein vor 14 Tagen tn Mainz desertlrier Artillerist verhaftet und dem hiesigen Regiment überliefert. Am Morgen desselben Tages ließ sich derselbe einen schweren Diebstahl zum Nachtheil eines armen Bergmanns in Königsberg zu Schulden kommen.
— Ein Baumfrevler wurde tn der Nacht vom Samstag auf Sonntag erwischt, als er auf der Süd-Anlage von einem Bäumchen einen Ast abriß. In derselben Nacht gelang es, einen Laternenstürmer wieder einmal festzustellen.
— Ein Dienstmädchen wurde tn der Freiagnacht tn einem hiesigen Hause unter Umständen, welche auf einen Selbstmordversuch schließen lassen, schwer verbrannt aufgefunden. Es wurde in die Klimk verbracht.
— In voriger Woche wurde einem Manne dahier eine Haarkette nebst Medaillon gestohlen. Die Diebin, 13 Jahre alt, hatte dieselbe an einen Soldaten für 10 Pf. verkauft; die Mutter derselben erhielt das Geld und schwieg, trotzdem sie vom Bestohlenen darauf gefragt wurde.
— Die Proclamation Arabi Paschas an die Statthalter (Mudirs) der egyptischen Provinzen hat folgenden Wortlaut:
Der Khedive begab sich nach Ras-el-Tin und verlangte Soldaten von den Engländern zu seiner Bewachung und diese vertheilte er in allen Quartieren der Stadt. Er nahm auch die Minister mit sich und verhinderte dieselben, sich auf ihre Posten zu begeben und sie in-Uebereinftimmung mit seinen Machtnationen, welche gleichbedeutend mit den Absichten der Engländer sind, zu gebrauchen- Auf sein Anstiften tödteten die Engländer mit Schwert und Geschossen solLe unserer Soldaten, die zur Bewachung der Stadt zurückgelassen worden, beraubten sie ihrer Waffen und erschlugen alle unsere Truppen, auf welche sie stießen. Dieser Khedive, dessen Leben das Land bis zur Stunde geschont hat, hat sich nun dem Feinde in dem Angriffe auf die egyptischen Moslems angeschlossen und beide plündern und tobten alle Diejenigen, die in ihre Hände fallen und die Stadt betreten. Der Khedive verbringt die Nacht mit seinen Frauen auf dem Meere unter den Engländern und bei Tage kehrt er an das Gestade zurück, um die fortgesetzte Niedermetzelung der Moslems in den Straßen von Alexandrien anzubefehlen. Aus diesem Grunde erlasse ich meinen Befehl, um Euch zu kräftigeren Thaten anzufeuern und Euch aufzufordern, Euren religiösen und patriotischen Eifer auszuüben. Wisset demnach, daß das ganze Land nach wie vor unter dem Belagerungszustand bleibt, daß Ihr gemahnt werdet, meine Befehle auszuführen und denselben nicht im Mindesten zuwiderzuhandeln, noch irgend welchen Befehlen Gehorsam zu leisten, dte nicht von mir herrühren. Setzt die Aushebung von Soldaten und alle Rüstungen fort wie Euch dies vorher anbefohlen worden; und alle Solche, die mir nicht gehorchen, werden sicherlich die Strafe erleiden, welche das Militärgesetz vorschretbt-
In einer zweiten Proklamation Arabis heißt es am Schlüsse:
Die Vertheidigung unseres Landes und unseres Glaubens ist nach moslemitischem Gesetz und Glauben obligatorisch. Zwischen uns und den Engländern besteht ein unversöhnlicher Krieg und alle Diejenigen, welche sich als Verräther an ihrem Lande crweisen, unterliegen nicht allein der strengsten Bestrafung in Gemäßheit der Militärgesetze, sondern sie werden auch in einer zukünftigen Welt auf immer verdammt fern.
— Nach der Aussage eines am 20. d. M. zu den Engländern übergegangenen Deserteurs soll Arabi Pascha mit 6000 Mann Infanterie, 3000 Matrosen, einem Regiment Cavallerie, 6 Batterien gezogener Geschütze und einer Batterie Gatling-Kanonen bei Kafr-Dowar verschanzt sein und gegen Alexandrien oorzurücken beabsichtigen.
Bombay, 22. Juli. Zwei Transportdampfer sind mit Truppen nach Egypten abgegangen.
Alexandrien, 22. Juli. Heute früh wurden 250 englische Chasseurs detachirt, um zu recognosciren und in einer Entfernung von 6 englischen Meilen von Alexandrien die Eisenbahn zu zerstören. Das Detachement stieß auf eine Kavallerie-Abtheilung Arabi Pafcha's und wechselte mit derselben einige Gewehrschüsse. Die Egypter flohen und ließen zwei Todte auf dem Platze. Die Chasseurs vollendeten sodann ihre Arbeit und zogen sich zurück. Die englischen Truppen besetzten heute Abukir und werden morgen Ramleh occupiren. Arabi Pascha hat eine Kriegssteuer von einer halben Million Pfd. Sterl. ausgeschrieben. Nach Berichten, die der Khedive erhalten hat, soll Arabi Pascha mit Proviant und Munition gut versehen sein, aber seine Armee verstärke sich nicht und es fänden in derselben viele Desertionen statt.
Alexandrien, 22. Juli. Dem Vernehmen nach hätte Arabi Pascha in Kairo ein neues Ministerium gebildet, dem auch Mahmud Pascha als Mitglied anaehören soll.
Alexandrien, 23. Juli. Ein Decret des Khedive spricht die Absetzung Arabi Pascha's aus und erklärt denselben für einen Rebellen. In einer Proklamation an die Armee verbietet der Khedive derselben, dem Befehle Arabi's zu gehorchen, in einer zweiten Proklamation, welche an das Volk gerichtet ist, befiehlt der Khedive, die durch Arabi auserlegte Kriegssteuer nicht zu zahlen. — Ein Paketboot, welches von Konstantinopel eingetroffen war, wurde durch die Behörde mit Beschlag belegt und der Capitän desselben unter dem Verdachte, Briefe für Arabi mit sich zu führen, verhaftet. — In Kairo herrscht wieder Ruhe, die dortige Polizei ist eifrig bemüht, die Ordnung aufrechtzuhalten. — 'Nachrichten aus Kafr-Dowar zufolge soll die Armee Arabi Pascha's bereits 12,000 Mann stark sein. Es wird ferner berichtet, daß das Wasser des Mah- mudieh-Kanals trotz des von den Engländern aufgeworfenen Dammes in raschem Fallen in der Richtung nach der Meeresküste begriffen sei.
Paris, 23. Juli. Heute Vormittag hat ein Ministerrath stattgefunden, welcher sich mit der Berathung der zum Schutze des Suezkanals zu ergreifenden Maßregeln befaßte. Die Creditvorlage wird voraussichtlich morgen eingebracht werden.
Toulon, 22. Juli. 5000 Mann Infanterie und Marinefoldaten, welche die Avantgarde des Expeditions-Corps für Egypten bilden sollen, werden demnächst hier eingeschifft werden.
vermischte *♦
Darmstadt, 22. Juli. sMilitärdienstnachricht.) Mühlenfeld, Pr.-Lt. vom 2. Großh. Jnf.-Regt. (Großherzog) Nr. 116, der Abschied bewllligt---
Stuttgart, 20. Juli. Die Ferienkammer des hiesigen Landgerichts als Strafkammer hatte heute über einen Fall der schweren Körperverletzung abzuurtheilen, der vielleicht einzig in den gerichtsärztlichen Annalen dasteht und wie er in seinen Consequenzen nicht entsetzlicher gedacht werden kann. Die Frau eines hiesigen Handlungsdieners hatte einem 12jährigen Knaben, Der nach Gassenbubenart ihr kleines bjähriges Pflegekind einer Bagaielle wegen drangsalme und mit Schlägen bedrohte, Vorhalte über dieses unschöne Benehmen gemacht und sich^ es einfallen lassen, als ihr als einzige Antwort eine ganze Serie dec unfläthigsten iL-chimpsworte mit neuen Drohungen gegen ihr Mädchen ins Gesicht geschleudert wurde, den ungezogenen Buben zweimal derb bei den Ohren zu nehmen, wodurch dieser nach wenigen Augenblicken die Sprache verlor und zu Hause angekommen sofort in Convulsionen verfiel, so daß offenbar eine Gehirnblutung eingetreten sein mußte. Das Befinden des gezüchtigten Knaben ist zur Zeit, genau Drei Monate nach der erhaltenen M-ßhandlung, ein geradezu trostloses, indem demselben bis heute das Sprachoermögen nicht nur nicht zurückgekehrt ist, sondern auch beide Beine des Knaben vollständig gelähmt und überdies mehrere äußerst schmerzhafte Stellen am Rückgrate vorhanden sind, so daß derselbe ärztlichem Gutachten zufolge wohl nie wieder gesund werden, sondern m Siechthum verfallen wird, da die Krankheit bis zur Stunde eher zu- als abgenommen hat- Beide Sachverständige, die geladen sind, die Doctoreu Stadtdirectionsarzt Gußmann und Obermedicinalrath von Landen- berger sprechen sich dahin aus, daß dieser rm Verhältniß zu seiner Ursache ganz abnorme Zustand des Knaben unter allen Umständen durch das heftige Zerren der Angeklagten an einem oder beiden Ohren desselben herbeigeführt worden sei, wenngleich eine derartige Consequenz unter hundert, ja tausend Fällen einer solchen, leider zum Usus gewordenen Mißhandlung oder Züchtigung kaum ein einziges Mal eintrete. In Folge dieser Gutachten plaidirt selbst der Staatsanwalt für mildernde Umstände, so daß das Urthetl nur auf 6 Wochen Gefängniß lautet- — Wir wollen bei dieser Gelegenheit doch zur Vorsicht ermahnen, mdem wir auf diesen, in feinen Folgen so gräßlichen Fall Hinweisen, umsomehr, als uns erst kürzlich die Mittheilung gemacht wurde, daß ein hiesiger Lehrer, einer unserer celebrated Zuchtruthecandidaten, einen Schüler derart beim Ohr gepackt hat, daß, wir sagen nur die reine Wahrheit — ein Wundarzt das zum Theil abgerissene Ohr wieder annähen mußte. Gerichtliche Klage wird ohne jeden Zweifel gegen diesen Prügelpädagogen erhoben werden. (Franks. Z.)
Hanau, 21. Juli. Der „H. A." berichtet: Die vergangene Nacht war eine der aufregendsten feit langer Zeit- Wenn auch in derselben Nacht des Vorjahres (vom 20. auf den 21. Juli 1881) ein heftiges Gewitter hier und in der Umgegend sich entlud (damals schlug es in Auheim ein) so kann dies an Heftigkeit doch nicht den Vergleich mit denen vergangener Nacht aushalten. Kurz nach 11 Uhr schon zogen sich über Stadt und Umgegend mehrere Gewitter zusammen, die in kurzen Pausen bis gegen 5 Uhr Morgens andauerten. Daß hierdurch Viele statt des stärkenden Schlafes zu genießen, eine ängstlich durchwachte Nacht verlebten, ist selbstverständlich. Dabei goß der Regen in Strömen, so daß u. A- die Steinheimerstraße beim Schweisgut'schen Hause vollständig unpassirbar und der Keller des Metzger Grünwald'schen Hauses mit Wasser ungefüllt wurde; in der Schützengasse drang sogar in verschiedenen Häusern das Wasser von den höher gelegenen Höfen aus in die Wohnungen. Ein aufmerksamer Beobachter will bemerkt haben, daß es 19mal eingeschlagen hat, glücklicherweise nur kalte Schläge. Bis heute Morgen 10 Uhr wurden uns folgende Mittheilungen: Im Sattlermeister Ziegler'schen Hause in der Kirchgasse fuhr ein Strahl in den Schornstein des Hinterhauses, schlängelte sich in verschiedenen Windungen durch die Wohnräume des 3-Stockwerkes, zerriß in verschiedenen Zimmern die Ofenrohre rc- und nahm seinen Ausweg durch das Schlafzimmer des Herrn Zahnarztes Kling, zu welchem Raume der Strahl die Wand durchgeschlagen. In das Theatergebäude schlug der Butz anscheinend zweimal, verursachte leichte Verletzungen an einem Schornstein, den Ziegeln einer von dem Schornstein entfernt liegenden Dachfläche, dem Corridor der Galerreloge und spaltete in seiner ganzen Länge einen Pfosten des Stockwerks; tn ben unteren Theaterräumen ist nichts zu bemerken und der Schaden Überhaupt nicht von großer Bedeutung. In der „Schwedischen Krone" zerriß der Strahl den Schornstein des Hinterbaues, sowie eine Wand; hier sind die beschädigten Stellen geschwärzt. Wetter finden sich Spuren eines kalten Schlages an dem Backer Kißner schen Hause in der Glockengüsse In der Nähe beS NochtwachepostenS beim „ßolb neu Löwen" in der Vorstadt fuhr der Strahl mehrere Mal in den Stadtgraben, auch wurden dort verschiedene Laternen vom Lustdrucke ausgelöscht In einem Hause zu Rückingen rieqtete ein kalter Schlag Verheerungen in Stube und Küche eines Hauses an. Auch erfahren wir noch, daß es in einem benachbarten Orte gebrannt haben soll; nähere Mittheilungen konnten wir indeß nicht erlangen. Bei der Pulverfabrik fchlug der Blitz in einen Baum und aus einem Felde zwischen Langendiebach und Ravolzhausen in einen Korn- Haufen ein, der letztere ist niedergebrannt. , __
Zürich. Unsere Stobt war am letzten Mittwoch der Schauplatz einer ganz monströsen Katzenmusik, welche dem dortigen Professor der italienischen Sprache am Züricher Polytechnikum, Corrado Corradino, gebracht wurde. Derselbe hat in der in Turin erscheinenden „Gazetta Piemontese" eine Reihe von Artikeln über schweizerische und speciell Züricher Verhältnisse geschrieben. Vor einiger Zeit veröffentlichte die ! „Neue Züricher Zeitung" die Uebersetzung eines seiner Artikel, betitelt „Italien und ! oie Schweiz". Die Polytechniker sprachen von einer Demonstration, warteten aber, da ' eine Erklärung Corradino's in Aussicht stand. Diese erschien und beruhigte die Ge-
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