Mr. 120. Zweites Blatt. Donnerstag den 25. Mai L882.
Gießener Anzeiger
Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
: Schulstraße B. 18.
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der Generalversammlung des landwirthschastlichen Bezirksvereins Gießen vom 3. Mai 1882.
Der Director des Vereins, Provinzial-Director Dr. Boekmann, theilt die Hauptposten der vom Vereins-Ausschuß zuvor geprüften Rechnung für 1881 unter dem Bemerken mit, daß die Rechnung 8 Tage lang aus dem Kreisamtsbureau zur Einsicht offen liege.
Hierauf wurde der nachstehende Voranschlag für 1882 berathen und festgestellt:
Voranschlag für 1882.
I. Einnahme.
1. Kassevorrath
2. Beitrag der Aachen - Münchener Feuerver- versicherungsaesellschaft aus der Gewinnhälftc
3. Beitrag des landwirthschastlichen Provinzialvereins für 1882
4. Beitrag desselben zur Hebung der Viehzucht
II. Ausgabe.
5. Bureaukosten
6. Subventionen zum Besuch eines Obstbaum- wärtercursus 7. Beitrag zur landw. Versuchs- u. Auskunftsstation
8. Subvention zum Besuch des Hufbeschlagcursus an der Veterinäranstalt . . . .
9. Subventionen zumBesuch der Ackerbauschule zu Alsfeld oder Friedberg . .
10. Subvention an den Oberhess. Bienenzüchterverein
11. Für Kulturen . . .
12. Für Vorträge von Wanderlehrern
13. Portokosten
14. Für die Landes-Ausstellung in 1882 .
15. Zur Unterstützung eines Rindviehzuchtvereins
16. Betriebskapital
a) Zur Auszahlung bereits bewilligter Stipendien für Besucher eines Obstbaumwärter- cursus b) Baar ' .
M. 1188.55
72.70
353.53
200.—
1814.78
M 20.—
„ 200.-
„ 85.20
„ 200.-
„ 200.-
20.— 200-
60.-
5.— 300.— 200.—
„ 290.—
„ 3458
M. 1814.78
Zu 11, Kulturen, wünscht Freiherr Adalbert von Rabenau Vorsehung einer größeren Summe, damit nicht nur die Kosten von Vorarbeiten und der bei den gesetzlichen Abstimmungen der Beteiligten abgelehnten Pläne, sondern zur Hebung dec Bodenmeliorakion überhaupt die Kosten aller Projecte vom landwirthschastlichen Vereine getragen und Prämien für gut ausgeführtc Kulturen und Pläne verliehen werden
könnten.
DerDircctor des Vereins hebt zunächst hervor, daß der Kreis Gießen auf diesem Gebiete keineswegs zurückgeblieben sei. Von 5 in Anregung genommenen Konsolidationen seien 3 im Gange, ebenso 3 umfangreichere Wiesenverbesserungen und eine größere Bachregulirung. An Drainagen seien in diesem Frühjahr allein 4 ausgedehnte Projecte durch Abstimmung zur Annahme gelangt. Die hier vorgesehene Summe werde sich voraussichtlich durch Rückerstattung eines Theils der gemachten Vorlagen erhöhen. In diesem Jahre müsse der Verein seine Hauptkrast der Landesausstellung zuwenden Im nächsten Jahre könne unter dieser Rubrik wieder mehr vorgesehen werden.
Den Umstand, daß die in dem letzten Voranschläge vorgesehene Summe für eine Probe-Anlage von Korbweiden nicht verwendet worden ist, erläutert der Secretär dahin, daß man für eine ursprünglich in Aussicht genommene fiscalische Bodenfläche Pacht verlangt habe und daß ein anderes bei Klein-Linden im sogen. Heßler gelegenes Grundstück von dem Landescultur-Jnspector nicht habe eingesehen werden können, weil der Eigenthümer zur fraglichen Zeit schwer krank gewesen sei Eine wiederholte Vorsehung für 1882 sei mit Rücksicht auf die Landes-Ausstellung unterblieben , , ...
Baurath Dr. Diefsenbach von Grunberg hebt hervor, daß in seinem Bezirke viel Gelände, welches sich zur Korbweiden Anlage eigne, vorhanden fei. Man möge die Grundbesitzer auffordern, sich zu melden und doch etwas zur Unterstützung dieser Kultur vorsehen.
Zu 12, für Wanderlehrer bemerkt Generalsecretär Dr. Weidenhammer daß di- Regierung beabsichtige, die Ackerbaulehrcr mehr zum Dienst- der Provinz heranzuziehen.
Zu 14, für die Landesausstellung erwähnt derDirector, daß nach Ansicht des Vereinsausschusses die Landesausstellung freudig zu begrüßen und zu beschicken sei, Letzteres namentlich durch Ausstellung von preiswürdigem Vieh. Es seien daher die Commissionen für Besichtigung des Fasselmehs angewiesen worden, sich besonders schönes Vieh zu notircn. Das Nähere sei vom Ausichuste spater zu beschließen. Er ersuche den Herrn Generalsecretär um Mitthetlung, was von anderen Vereinen beschlossen worden sei. ,
Generalsecretär Dr WeidenHammer: Tue ursprünglich vom Central-Aus- schusse der Ausstellung beabsichtigte Verwmigung von Wegvergütungen habe sich bei der Lage des Landes als unthanlich erwiesen. Man habe daher bedauert, die Bezirksvereine nicht zur Vorsehung von Mitteln hierzu aufgefordert zu haben. Es seien aber doch von vielen Vereinen mitunter bedeutende Summen verwilligt worden um die Transportkosten zu übernehmen. Die bessiiche Ludwigsbahn habe bereits zugestchert daß für den Rücktransport der ausgestellten Gegenstände nichts verlangt werde Das Gleiche sei auch von den anderen Eisenbahnverwaltungen zu hoffen. Wer Prämien erhalte, werde wohl eine Transportkostenvergütung nicht verlangen. Man könne zum Transport gemeinschaftliche Eisenbahnwagen benutzen. Es werd- sich emvfeblen auch für allgemeine Kosten etwas zu reserviren. Für den Kreis Gießen dürften im Ganzen 200 M. genügen. ’
Die meisten Vereine hätten übrigens auch noch etwas zum Prämiirunasfond verwilligt. Gine Anforderung solle übrigens desfalls an die Oberhessischen Vereine nicht gebildet werden. Iw
Rach einer sich hieran anschließenden Discussion, an welcher sich ouber dem Vorgenannten noch Baurath Dc. Di-sf-nbach, Gutsbesitzer Sch lenke Dr Gros' A. v. Rabenau und d-r Dtrector bctheiligen und in weicher namentlich betont wird, daß auch die Vogelsberger Rindviehrasse für welche 3500^ SBrämkn auSaefeM f£ien bei der Landesausstellung vertreten sein müsse, wttd ein oo^DÄ von A. v. Rabenau unterstützter Antrag einstimmig angenommen, 200 .ttsür Trans
portkosten-Vergütungen vorzusehen und 100 zu dem Prämiirungsfond zu ver- willigen.
Zu 15, Unterstützung eines Rindvtehzuchtvereins wird die Beschlußfassung mit Bezug auf das in Aussicht stehende besondere Referat (siehe unten) vorerst ausgesetzt.
Nach Erledigung des Voranschlags wird als Kommissär zur leichteren einheitlichen Durchführung der Vorarbeiten der allgemeinen hessischen landwirthschastlichen Landesausstellung zu Darmstadt Stadtverordneter Th. Wortmann dahier und als sein Stellvertreter O-conom Georgi von hier gewählt.
Es erfolgte hierauf eine Reihe geschäftlicher Mitth-tlungen. Ein zur Einsicht zugesandt-s Schristchen über die Währschast beim Viehhandel von Amtsrichter Zimmermann in Lorsch soll auf Antrag des Freiherrn v. Rabenau auf Ver-inskosten angeschafft und jeder Gemeinde ein Exemplar zugesandt werden.
Zum angekündigten Vortrage über die verschiedenen Methoden der Milchaufrahmung und ihr- Anwendbarkeit erhielt das Wort Generalsecretär Dr. W-iden Hammer:
Es habe in bet letzten Zeit eine Resotm des Molkereiwescns stattgefunden und seien verschiedene neue Methoden in der Milchaufrahmung entdeckt worden.
Die in Süddeutschland üblichste Methode sei die Auftahmung in Töpfen von 10—20 Zentimeter Höhe, welch- ohne besondere Auswahl des Lokales aufgestellt würden, .worin man die Milch dick werden lasse und sie bann abrahme unb buttere.
Bei bieser Methode sei jedoch ein vollständiger Gewinn d-r Butter nicht möglich. Durch das Sauerwerden der Milch gerinne nämlich der Käsestoff, welcher einen Theil der in der Milch frei schwimmenden Butterkügelchen umschließe und solche am Aufsteigen verhindere. Aber auch die oufgestiegenen Butterkügelchen, an der Oberfläche als Rohm erscheinend, seien nicht rein, sondern mit Käsestoff vermengt. Daher rühre auch das Vorurtheil, daß man aus der Sauermilch mehr Rahm erziele. Der mit der Butter vermischte Käs-stoff zersetze sich jedoch und mache die Butter ranzig. Man s-t daher bei diesem Verfahren nicht im Stande, eine haltbare, feinschmeckende und leicht schmierbare, exportfähige Butter herzustellen, daher der Preis dieser Butter ein niedriger.
Anders und besser sei man in Holstein verfahren, wo man die Milch in kleineren flachen Gefäßen von Buchenholz, Steingut oder Glas, etwa 6—10 Gentimeter hoch, mit einem Inhalt von 4—5 Liter in ein Lokal mit guter Ventilation und gleichmäßiger Temperatur aufgestcllt und die Milch, ehe sie sauer geworden, in 36—48 Stunden abgerahmt habe. In diesen flachen Gefäßen sammelten sich die Butterkügelchen eher an der Oberfläche. Aber auch bei dieser Methode werde die Milch doch zuweilen sauer, besonders im Sommer. Trotzdem fei die Holsteiner Butter lange die berühmteste gewesen und habe die besten Preise gehabt.
Man hatte in Holstein außerdem auch noch das sogen. Destinon'sche Verfahren, welches darin besteht, daß die Milch in großen emaillirten Gefäßen von Gußeisen von 50—60 Liter Inhalt abgekühlt und der Rahm durch Streichbretter, welche auf Rollen laufen, abgestrichen wurde. Die Ausbeute soll aber bei diesem Verfahren nicht so groß sein, wie bei dem vorgenannten.
Endlich war auch noch das sogen. Gußander'sche Verfahren in Anwendung, welches auch heute noch für kleine Wirthschasten eine große Bedeutung hat. Die Milch werde hierbei in flachen Gefäßen von verzinntem Eisenblech von etwa 6 Liter Inhalt aufgestellt unb oben abgekühlt. Der Rohm wirb nicht oben abgenommen, sonbern bie Milch durch eine am Gesäße befindliche Vorrichtung abgelassen, während der Rahm drinnen bleibt.
Alle letzterwähnten Verfahrungsweisen setzen voraus, daß man die Milch von oben abzukühlen suche, namentlich durch möglichst große Oberfläche und wobei die Milch süß bleiben soll.
Wenn aber die Abkühlung von oben erfolge, werde die oberste Rahmschichte dichter und damit schwerer. Sie sinke unter unb eine leichtere Schichte steige nach oben. Diese Bewegung verhinbere aber ein regelmäßiges Aufsteigen her Butterkügelchen unb mache es unmöglich, ben Rahm in kürzester Zett zu sammeln.
Man habe baher, zuerst m Schweben unb Dänemark, solche Verfahren angewendet, welche auf der Abkühlung der Milch von unten beruhten. Durch diese Methoden sei die Holsteiner Butter vom Weltmarkt- (Hamburg) verdrängt und der Buttermarkt in Kopenhagen der bedeutendste geworden.
Es komme in dieser Hinsicht zunächst das sogen. Swarz'sche ober Kaltwafser- unb Eis-Verfahren in Betracht. Man stelle bie Milch in etwa 50 Gentimeter hohen Gefäßen von verzinntem Eisenblech mit 40—50 Liter Inhalt in kaltes Wasser ober Eis und kühle sie so rasch wie möglich von unten her ab, so daß die leichten Butterkügelchen schnell in der dichten Masse aufsteigen und eine andere Bewegung in der Milch nicht stattfindet. Die Abkühlung auf 3—4« R. soll möglichst rasch erfolgen und In 24—36 Stunden die Aufrahmung beendet fein. Die Milch wird bei diesem Verfahren auch unabhängig von etwaigen Nachlässigkeiten des Personals, von welchem keine große Aufmerksamkeit verlangt wird. Man konnte hiernach das Molkereiwesen industriell betreiben. Man müsse nur fließendes Wasser von mindestens 7—8° R. Wärme oder Eis haben. Dieses Verfahren bleibe immer noch da zu empfehlen, wo diese Bedingungen vorhanden sind. Die Methode sei auch in der Schweiz und Vorarlberg nachgeahmt worden, bei uns in Maar, Guntersblum rc. Wo aber die angegebenen Bedingungen nicht genügend vorhanden sind, kann man auch andere Verfahren, besonders das Reimer'sch- mit Vortheil anwenden. Dic Milch wird dabei in eigens construtrten Wannen in Wasser eingestellt, wie dieses Redner durch Vorzeigen einer Abbildung näher erläutert. In dieser Weise werde in einer Meierei in Bensbach verfahren. Man brauche dabei weniger Wasser.
Wo man gar kein Wasser habe, sei das sogen. Regenwolder Verfahren angezeigt. Es finde dabei keine Abrahmung statt. Die Milch werbe als solche gebuttert. Herr Fischer in Zwiefalten wenbe bieses System an.
Das Vorzüglichste leiste aber bie Zentrifuge. Der mit Milch gefüllte Apparat werde sehr schnell umgedreht, wodurch die schwersten Theile der Milch nach außen gedrückt werden. Steht die Maschine still, so sammelt sich der Rahm oben oder man hat auch Vorrichtungen, den Rahm abzulassen. Es seien jetzt verschiedene Arten von Zentrifugen erfunden worden. Alle setzen aber eine bewegende Kraft, Dampf- ober Wasserkraft, voraus. Der Göpel ist nicht gleichmäß g genug. So besteht in Alzey -ine Zentrifuge mit Wasserkraft, in Mainz bei Dettweiler eine solche mit eigener Dampfmaschine, welche 1350 X kostet.
Die vollkommenste Zentrifuge ist wohl bie Leselbt'sche, von benen jetzt in allen größeren Molkerei-Anlagen, z. B. in Berlin mehrere aufgestellt sind. Die Feska'sche habe einige Uebelflänbe, ber Apparat müsse z. B. ausgeleert werben, wenn er voll Rahm sei. Für nicht zu große Betriebe sei bie Laval'sche die beste. Diese kostet nur ca. 600 M. und arbeitet gut. Eine solche Maschine befinde sich in Friedelhausen.


