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Samstag den 24. Juni
1882
ießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Bureau r Schulstraße B. 18.
Erscheint täglich mit Ausnahme des «sutag-.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlshn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Darmstadt, den 16. Juni 1882.
Großherzogliche Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige. Der Vorsitzende:
Gros.
zur selbstverständlichen Voraussetzung hat; dann aber auch die Rücksichtnahme aus das eigenste Interesse, das nur noch unter dem Vorantritt der Großmächte auf Realisirung hoffen darf, nachdem der Versuch, durch Derwisch Pascha's Entsendung nach Egypten der Conserenz gewissermaßen das Prävenire zu spielen, gründlich fehlgeschlagen ist.
England sieht sich, seitdem es unter die schirmenden Flügel der Conferenz geflüchtet ist, so sicher, daß seine Staatsmänner den lange entbehrten Brustton der Ueberzeugung bezüglich Egyptens urplötzlich wiedergefunden haben. Glad- stone's und Dilke's Auftreten im Unterhause könnte beinahe imponiren, wenn nicht die Erinnerung an manches Vorhergegangene dazwischen träte. Das ministerielle Blatt „Dally News" will sogar behaupten, Admiral Seymour, der Commandeur des britischen Geschwaders vor Alexandrien, habe Befehl erhalten, im Bedarfsfälle eine Landung vorzunehmen. „Die Botschaft hör ich wohl, allein mir der Glaube." Wozu denn überhaupt die Conferenz, wenn man m London Macht und Willen besäße, sich selbst zu helfen.
Rumänien ist mit seinem Donauproject endlich hervorgetreten. Dasselbe kommt au fond auf nichts anderes hinaus, als auf den Ausschluß des oster- reichischen Einflusses auf die Gestaltung der Verhältnisse des unteren Donau- lauses. Sapienti sat! t .
Die amtliche „Wiener Zeitung" spendet dem zuruckgetretenen Grasen Jgnatieff recht niedliche Complimente, und dre „Rordd. Allg. Ztg. druckt fre schleunigst nach. Natürlich! Es geht doch nichts über die allgememe Klughetts- regel: dem geschlagenen Feinde goldene Brücken zu bauen.
Der Ernennung des russischen Gesandten in Dresden, Herrn v. Nelidow, zum außerordentlichen Gesandten in Konstantinopel, um an der dortigen Conserenz Theil zu nehmen, wird wohl in Bälde die Ernennung als Nachfolger Nowikow's zum russischen Botschafter in Konstantinopel folgen. Herr v. Nelidow war schon seit längerer Zeit für diesen Posten ausersehen und haben wir
Betreffend: Die Anlage von Feldwegen und Entwässerungsgräben 2C. in der Gemarkung Gießen.
Bekanntmachung.
Nachstehend verzeichnete Arbeiten werden vom 1. bis 15. Juli l. I. auf dem Bureau der Grobherzoglichen Bürgermeisterei Gießen zur Einsicht der Behelligten offen gelegt: 0 7
11 Die Karte mit dem eingezeichneten neuen Wege- und Gräben-Netze unter Andeutung der Richtung der neuen Gewanne und neuen Grundstücke; 2) das Protokoll der Commission, welches sich auf den Entwurf des Wege- und Gräben-Retzes, sowie auf die sonst noch auszuführenden Arbeiten bezieht;
3) die Nachweisung der reinen Thellungsmasse und die Anspruchsberechnung;
4) die zum Zwecke der Abschätzung der in Betracht kommenden Grundstücke aufgestellten Gütergeschosse;
5) das Begutachtungsprotokoll der Stadtverordnetenversammlung von Gießen über die vorbemerkten Arbeiten.
Reclamationen gegen diese Arbeiten können während der oben angegebenen Frist, müssen aber spätestens im Termine
, . Montag den 17. Juli, Vormittags von 10—12 Uhr, auf dem Bureau der Großh Bürgermeisterei Gießen
ve: Mewung späterer Nichtberückstchtigung und der Annahme des Einverständnisses vorgebracht werden, indem eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand Iweaen Verjäumniß der angegebenen Frist gesetzlich nicht zulässig ist.
Gießen, den 22. Juni 1882. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
______________ Dr. Boekmann.
Betreffend: Die Prüfung der Bewerber um die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Militärdienst im Herbst 1882.
Bekanntmachung.
, -c jungen Leute, welche beabsichtigen, sich der im Herbst 1882 stattfindenden rubr. Prüfung zu unterziehen, werden hierdurch aufgefordert, ihre
deßfallstgen Gesuche um Zulassung bei Meldung des Ausschlusses von dieser Prüfung
, . . , r spätestens bis zum 1. August 1882
bei der unterzeichneten Prüfungs-Commission einzureichen.
Hinsichtlich der Anbringung der Gesuche wird im Speciellen das Folgende bemerkt:
1) Das Gesuch sst bei der unterzeichneten Prüfungs-Commission nur dann anzubringen, wenn der sich Meldende im Großherzogthum Hessen seinen dauernden Aufenthaltsort hat. * '
2) Die Zulassung zur Prüfung kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr erfolgen.
3) Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein. Auch ^scheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adresse angegeben wird.
4) Dem Gesuche find folgende Papiere beizufügen: •
a. Geburtszeugniß;
b. Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über Bereitwilligkeit und Fähigkeit den Freiwilligen während einer einjährigen actwen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten und zu verpflegen;
e. ein Unbescholtenheitszeugniß, welches von der Polizei-Obrigkeit oder der vorgesetzten Dienstbehörde auszustellen ist;
d. emen selbstgeschriebenen Lebenslauf.
Zu pos. d wird noch besonders darauf hingewiesen, daß in dem Einwilligungs-Attest die Erklärung des Vaters oder Vormundes, daß er in der Lage fei, den freiwilligen während des einjährigen Dienstes unterhalten zu können, nicht fehlen darf und daß die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt sein muß.
5) In dem .Gesuche ist außerdein anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen (von Französisch, Englisch, Lateinisch oder Griechisch) der sich Meldende geprüft lern will.
6) Ist bereits früher ein Gesuch um Zulassung zur Prüfung eingereicht worden, so bleibt dem erneuten Gesuche nur ein Unbescholtenheitszeugniß
Heber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden gestellt werden, gibt die Prüfungs-Ordnung (Anlage 2 zur Ersatz-Ord. — I Thell der Wehr- Ord. vom 28. «September 1875 - Neg.-Bl. Nr. 55 von 1875) Aufschluß.
nicht gerechnet^iverden ^r**'un9s^erm*n5, i01™6 des Locals, in welchem die Prüfung stattfindet, erfolgt ev. weitere Bekanntmachung; auf fpeeielle Ladung kann
Jeutschlaud.
... Darmstadt, 22. 3unt Seine Königliche Hoheit der Grobherzog haben Aller- gnadlgst geruht: am 3. Juni die Ober-Rechnungs-Probaioren II. Klaffe öei der zweilen Abtheilung der Justiftealur der Oder-R-chimngskammer Wlhelm Kreuder, Georg Fei-k, Heinrich Graubert und Ludwig Schmitt zu Ober-Rechnungs-Probatorrn I. Klaffe de! der genannten JustistcaturAbthetlung zu ernennen.
f4 - 3u Ehren der Anwesenheit Seiner Majestät des Königs von Sachsen fand gestern Abend großer Zapfenstreich statt. Heute Vormittag begaben Sich Seme Majestät mit des Großherzogs Königlicher Hoheit auf den Artillerie-Schießplatz bei Griesheim und wohnten den Ucbungen der beiden Feld-Artillerie-Regimenter Nr 11 und Nr 27 bet. Von dort aus fuhren die Allerhöchsten Herrschaften nach der Ärtillerte-Caserne in Beffungen und dem Neuen Palais. Heute Nachmittag findet >n Kramchsteln Familientafel statt. Die Allerhöchsten Herrschaften begeben sich Abends nach Mönch- druch zur Pürschjagd und kehren im Laufe des morgenden Vormittags hierher zurück. ?iiÄrn^eeiner Majestät des Königs nach Dresden erfolgt morgen Nachmittag o Uhr 30 Minuten.
.. —^Auf Einladung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs wird der com- mandirende General des XI. Armeecoips, General der Cavallerie Freiherr o Schlotheim, hier emtressen und morgen Vormittag von Seiner Majestät dem König von Sachsen empfangen werden, dessen Generalstads-Chef er im Kriege 1870/71 gewesen ist.
Berlin, 21. Juni. Die „Verl. Polit. Nachr." schreiben: Von dem hervorragendsten Ereignisse auf dem Gebiete der internationalen Tagespolitik, dem Zufainmentritt der Botschaster-Conferenz zur Regulirung der egyptischen Frage trennen uns nur noch wenige Stunden. Bis zu dem gegenwärtigen Moment ist die Pforte nicht von der Partie, und daß sie sich noch in letzter Stunde zu anderen Entschlüssen bekehren sollte, stößt in hiesigen unterrichteten Kreisen auf erhebliche Zweifel. Das Fernbleiben der Pforte von dem Berathungs- Mmmer der Conferenz ist jedoch keineswegs als gleichbedeutend mit einer feind- jeligen Haltung zu betrachten. Dagegen spricht vor allen Dingen die Berufung der Conferenz in die Hauptstadt des türkischen Reiches, welche das Wohlwollen der Konstantinopeler Staatsmänner für die Action der europäischen Diplomatie


