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die allerentschiedenste Verwahrung ein. Vor nahezu 6 Jahren habe sich die Kammer durch Bewilligung der damals geforderten Mittel für den Fortbestand der technischen Hochschule entschieden, so daß Regierung und Land, die Stadt Darmstadt und die Lehrerschaft des Polytechnikums erwarten mußten, daß nun dessen Bestand definitiv gesichert sei. Was sei nun geschehen, daß leider heute schon wieder über den Fortbestand der Anstalt müsse discutirt werden? Die Anstatt habe ihre Aufgabe im vollsten Maße erfüllt und keineswegs sei die finanzielle Lage des Staates eine so kritische, daß man notgedrungen auf die technische Hochschule verzichten müsse, dies lehre ein Blick in's Budget. Was sei geschehen? Die Zahl der Schüler habe sich vermindert, gerade wie an andern technischen Hochschulen in Folge der lange andauernden wirtschaftlichen Krisis. Dies werde sich ändern und schon in diesem Wintersemester- könne eine Zu­nahme der Frequenz der technischen Hochschule constatirt werden. Wollte man einer solchen vorübergehenden Erscheinung eine solche Bedeutung beimessen, so hätte schon über manche Hochschule, auch s. Z. über Gießen, das Todesurtheil gesp.ochen werben müssen. Redner verbreitet sich des Weiteren über die Bedeutung der technischen Hoch­schulen als Centralstellen der technischen Kunst und T'ffenschaft Die Frage des dringenden Bedürfnisses könne m diesem Falle unter keinen Umständen aufgeworfen werden. Schließlich theilt der Redner den Hauptinhalt einer von dem P'ofessoren- Collegium der technischen Hochschule an die Regierung gesandten Erklärung mit und glaubt, daß die Stände Anstand nehmen sollten, von ihrem Bewilligungsrecht in einer Weise Gebrauch zu machen, welche das Zustandekommen des Budgets aus's Höchste gefährden müsse.

Abg. Wasserburg hält es für eine Pflicht des Staates, die technische Hoch­schule aufrecht zu erhalten, glaubt aber, daß an den Ausgaben für dieselbe hier und da gespart werden könne und behält sich einen desfallsigen Antrag vor. Abg. Teck­lenburg bezeichnet als Glanzperioden im Staatsleben diejenigen, wo Kunst und Wissenschaft blühen, wo jeder Einzelne des Volkes mit Freuden bereit ist, seinen Pfennig für die Eihaltung und Pflege dieser edelsten Güter beizutragen. Em freiwilliger Rück­schritt gegenüber dem durch Krieg und sonstige politische Ereignisse veranlaßten ge­zwungenen Rückschritt sei es, wenn man selbst Hand an die Bildungsanstalten lege. Ein Haupterforderniß für die Entwickelung der Hochschule sei, daß nicht fortwährend an ihrem Bestände Gerüttelt werde. Wer eine Pflanze cultiviren wolle,-fe sie nicht alle 8 Tage ausreißen, um zu sehen, ob die Wurzel noch gut oder ob noch genug Boden vorhanden sei. Er ist entschieden für die Regierungsanforderung. Abg. Osann geht auf eine detailirte Widerlegung der in dem Berichte der Majorität des Ausschusses für die Aufhebung der technischen Hochschule vorgebrachte Gründe ein, namentlich auf die Finanzlage des Landes, und weist dabei auf die in der Einleitung zum Budget­bericht, vom ganzen Ausschuß wiederholt abgegebene Eiklärung hin, daß die Finanz­lage des Landes eine durchaus günstige sei. Die ländlichen Abgeordneten macht er darauf aufmerksam, wie gerade für die Zwecke der Hebung der Landwirthschast in dem gegenwärtigen Budget in der ausgiebigsten Weise gesorgt sei. Abg. Schröder wendet sich gegen die Ausführungen des Abg Osann, namentlich was die Finanzlage des Landes betrifft, indem er darauf hinweist, daß der im Budget figurirende Ueberschuß aus dem Verkaufe des werthoollen Vermögensobjectes der Main Weser-Bahn datirt Auf die Dauer dürfe es ferner nicht die Auffassung des Hauses sein, die Einahmen aus Reichs­mitteln fort und fort zu laufenden Ausgaben zu verwenden, vielmehr müssen dieselben zur Mmderung der birecten Steuer benutzt werben. Rebner beantragt schließlich in Verdinbung mtt den Abg. M ö l l i n g e r und Stephan, die Kammer wolle für die technische Hochschule 71940 Mk. für das nächste Halbjahr unter der Voraussetzung be­willigen, daß sich die Stadt Darmstadt vertragsmäßig verpflichtet, vom 1. Oktober 1882 an die Hälfte des jewe lig nothwendigen Zuschußes zu den Kosten zu bezahlen, im anderen Falle eventuell, mit Schluß des Sommerhalbjahres 1882 die Anstalt zu schließen, das vorhandene Lehrerpersonal zu pensionireu oder anderweitig zu verwenden. Abg. Frhr. v. Nordeck zur Rabenau will jetzt n-.cht über die Sache selbst sprechen, er schildert vielmehr nur die schlimme Lage der kleinen landwirthschaftlichen Bevölkerung. Die Aufstellung einer Siatiftik der dort vorhandenen Verschuldungen, wie sie anderwärts beantragt sei, werde viel Interessantes und Betcübendes zu Tage fördern. Wolle unser Land ferneren den Ansprüchen gerecht werden, die man an einen Kulturstaat stelle^ so müsse schleunig mit dem Bau von Secundärbahnen vorgegangcn werden. Abg. Wasserburg beantragt den Strich folgender Positionen des Etats: T'tel 1, pos g. Allgemeine bildende Facher" zusammen 10,600 X, Titel 4, Nr. 25Literatur, Ge­schichte, Deutsche Sprache" 430 X, Nr. 26Fremde Sprachen" 260 X, zusammen also 11.290 X Die Abgg. R a ckä und Schröder beantragen für das zur Be­ratung stehende Kapitel eine zweite Lesung, welchem Antrag die Kammer ftattgibt Die Berathung wird abgebrochen. Fortsetzung morgen.

Berlin, 21. Februar. Aus Pefth wird denB. P. N." geschrieben: Bekannt­lich stellte der radikale Abgeordnete Emerich Szalay tm ungarischen Parlamente den Antrag, in Budapest die sremdsprachlichen Firmentafeln mit 100 fl. jährlich zu besteuern. Dieser Antrag wurde vorn Hause mit erdrückender Majorität abgelehnt, Regierungspartei wie gemäß gte Opposition stimmten dagegen nur die äußerste Linke unterstützte Szalay's kindischen Antrag Aber auch diese Partei war in dieser Frage uneinig, indem der Clubpräsibent der äußersten Linken, Ludw'g Mocsary, gegen den Antrag sprach Köstlich war das Streiflicht, bas er auf die Unterzeichner bes Antrags warf.Zumeist" meinte erwerden solche Unterschriften aus Freundschaft gegeben, denn es geht uns mit diesen Unterschriften so, daß, wenn wir einen Freund mit einem Subscriptionsbogen uns nähern sehen, wir m unserer Freude darüber, daß er keinen Gulden verlangt, gern unsere Unterschrift geben" Der Finanzminister erklärte im Namen der Regierung:Es mag im Orient einzelne Länder geben, welche der­gleichen Verfügungen eingeführt haben allein ich will in kultureller Hinsicht nicht nach Osten, sondern nach Westen schaucn und der westlichen Civilisatlon folgen. Der ganze Antrag des Herrn Abgeordn ten ist n nnen wir die Sache beim rechten Namen nur darauf gerichtet, die deutsche Sprache auszuschließen. Allein ich halte die Entwickelung der ungarischen Sprache nicht für eine solche Treibhauspflanze, die man mit einer solchen chinesischen Mauer umgeben müßte; und aus diesem in finanzieller Hinsicht sehr unwesentlichen Motiv will ich keine Gelegenheit bieten, daß diese Sache wieder zu einer großen Frage ansgebauscht werde und dadurch Jenen, die uns nicht wohlgeneigt sind, eine neuere Waffe gegen Ungarn in die Hand gegeben werde."

Diese Verhandlung zeigt wohl zur Genüge, daß die große Majorität der ungarischen Nation nichts mit dem Getriebe einiger Chauvinisten die ja überall zu finden find gemein hat.

Berlin, 21. Februar. Unter den Vorlagen, welche dem preußischen Volkswirthschaftsrath zugehen sollen, werden auch der Entwurf des Arbeiter­unfall-Versicherungsgesetzes und das Tabaksmonopol genannt. Wie wir ver­sichern können, sind Beschlüsse über die Vorlage dieser beiden wichtigen Gesetz­entwürfe Seitens des preußischen Staatsministeriums noch nicht gefaßt. Sollten dieselben vor den Volkswirthschaftsrath gelangen, so dürfte das Unfallgesetz nur in seinen Grundzügen, das Tahaksmonopol aber in vollständigem Entwürfe zur Berathung und Begutachtung gestellt werden.

L'Jntransigeant" bringt die Nachricht, daß neuerdings in Petersburg der Sohn eines Generals und der Sohn eines Obersten wegen Organisirung eines Complotts gegen den Kaiser Alexander III. festgenommen worden sind.

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Rußland.

Petersburg, 21. Februar. DasJournal de St. Pötersbourg" reproducirt das heutige Kommunique desRegier.-Anz." über die Rede des General Skobeleff ohne weiteren Cornrnentar. Die deutscheSt. Peteröb Zeitung" wünscht, daß regierungsseitig eine Widerlegung der Aeußerungen des Generals erfolge, will nicht glauben, daß er eine solche Rede gehalten habe, meint, dieselbe sei das Produkt eines exaltirten Journalisten, da es undenkbar sei, daß ein activer Generaladjutant solche Reden geführt haben könne. Der Herold" druckt die Rede Skobeleff's im Wortlaut ab und glaubt, diese Rede bedürfe keines Commentars, denn sie stelle die ganze geistige Verranntheit des Generals in ihrer ganzen ärmlichen Blöße in traurigster Weise dar. Die Neue Zeit" bedauert, wenn Skobeleff wegen seiner Rede für Rußland als General verloren gehen sollte.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'S telegr. Correspondenz-Bnrean.

Berlin, 22. Februar. Zur Erklärung des Ministers Puttkamer bezüg­lich der von derProv.-Corresp." künftig zu beobachtenden Haltung schreibt die letztere : Das Versprechen des Ministers wirft unbedingt auch in der Hitze des Wahlkampfes gehalten werden. Die Korrespondenz wird in aller Schärfe in der Abwehr der Angriffe und bei einer Fortsetzung des Kampfes gegen die Fortschrittspartei die Formen wahren, die sie zumal in ihrer Stellung dem Gegner schuldet. Möchten auch die Widersacher der Regierung den Wunsch des Ministers zu erfüllen helfen.

In einem andern Artikel, worin die erste Lesung der Kirchenvorlage be­sprochen wird, sagt dieProv.-Korresp.", die Beschlüsse der ersten Lesung sind auch nach den abgegebenen Erklärungen nicht von entscheidender Bedeutung. Hoffentlich giebt die zweite Lesung ein Ergebniß, welches dem von der Regie­rung und den maßgebenden Parteien ersehnten Ziele eines Friedens mit her katholischen Kirche wirklich förderlich ist.

Osnabrück, 22. Februar. Das päpstliche Breve, betr. die Ernennung des General-Vicars Dr. Höting zum Bischof von Osnabrück, ist heute hier eingetroffen.

Paris, 22. Februar. Die hiesige- russische Botschaft ist angewiesen worden, dem General Skobeleff die kaiserliche Ordre zuzustellen, unverzüglich nach Petersburg zurückzukehren. Wie es heißt, befindet sich General Skobeleff zur Zeit in London.

Petersburg, 22. Februar. DasJournal de St. Pötersbourg" schreibt: Die Rede des General Skobeleff ist der Gegenstand zahlreicher Kom­mentare gewesen. Die auswärtige Preffe vergißt dabei die vom Kaiser bei seiner Thronbesteigung laut proklamirten Grundsätze. Dieselben kündigten eine Politik an, die den Traditionen, den historischeu Freundschaften treu bleiben, sowie eine im Wesentlichen friedliche und der öconomischen, bürgerlichen, socialen Entwickelung des Landes gewidmet sein würde. Eine solche Erklärung, die direct vom Souverän und bei einer so feierlichen Gelegenheit ausgegangen ist, gestattet keinen Zweifel. Man darf also gewiß sein, daß die russische Politik eine dem in so klarer Weise ausgedrückten höchsten Willen absolut entsprechende bleibt und bleiben wird.

Der Kaiser hat General Skobeleff die Aufforderung zugehen lassen, hierher zurückzukehren. Der General wird alsbald hier erwartet und wird Aus­lassung über sein Auftreten in Paris zu geben haben.

Petersburg, 22. Februar. Die Rückberufung des General Skobeleff durch kaiserliche Ordre wird^authentisch bestätigt.

Lokales.

Gießen, 23 Februar. Gestern Nachmittag würbe aus dem Hofe einer W rth- schaft an ber Grünbergerstraße, einem Schlosser ein noch neuer Sackrock gestohlen. Der Dieb ist in ber Person ein s er ft kürzlich wegen einer Reibe von Diebstählen auS dem Gcfängniß entlassenen, ermittlt und verhaftet worben. Bei einer bei demselben abgehaltenen Nachforschung fanb man auch ben kürzlich von einem Wagen gestohlenen Mantel vor.

Im Laufe des gestrigen Tages würbe aus einer offenstehenden Wohnung in ber Mühlgasse eine werthvolle Taschenuhr von ber Wanb gestohlen.

Heute Morgen erhielt vor Großherzogi. Schöffengericht bahier, ein Laternen­zerstörer 6 Tage Gefängniß.

Handel und Verkehr.

Frankfurt, 22. Februar. Auf bem heutigen Markte kostete ber Kentner Heu je nach Qualität X 3.004 85, Stroh X 3.503 70, Eier bas Hunbert X 6 007, Ochsenfleisch bas Pfunb 6570 Kuh- unb Rindfleisch 4555 H, Kalbfleisch 40 bis 55 Hammefleisch 4053 H, Schweinefleisch 7080 H, 1 Hahn X 1000, 1 Huhn X 1.502.00, 1 Poularbe X 2302.50, 1 Gans X 5.009.00, 1 Taube 5060 H, Reh per Pfunb 75 1 Hase X 2.002.50, Butter 1. Qual, im Detail

X 1 00, 2. Qualität X 090, Hanbkäs 4550 $ bas Pfund,, Kartoffeln das Malter X 4.506.00, Kopfsalat 1518 H, gelbe Rüben das Gebunb 712, Romainsalat 1020 H, Rettig bas Stück 68 Sellerie ber Kopf 1020 Blumenkohl 30 biß 70 H Wirsing 815 H, Weißkraut 1025 H das Stück, Rothkraut 2030 Kohl­kraut 10 Kohlrabi 68 Enbivien 2535, Zwiebel 510 H bas Pfunb.

Limburg, 22. Februar. (Fruchtmarkt.) Rother Weizen X 2100, Weißer Weizen X 20 80, Korn X 15.55, Gerste X 11,05, Hafer X 8,60, Erbsen X 00.00 Kartoffeln X 00,00.

Frankfurt a. M., 23. Februar, Nachmittags 2 Uhr Min. (Telegraphischer Coursbericht. Mitgetheilt burm bas Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen.) Crebitactten 256%, Staatsbahnactien 2533A, Galizier 245Vt, Oesterr. Silberrente 63Va, 4% Ungar. Golbrente 72Ve, 4% 1880er Russen 69, 2. Orient-Anleihe 567/d, 5% Rumänische Rente 863/ik/ Lombarben. Tendenz matt.

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r Anzeiger.

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