<T>nrtmunb 19. November. Gegen verschiedene Schüler der Oberklassen „ Gvmnasiums ist eine Untersuchung -ingeleitet worden, welche schon die trau«
’Ä ju läge gesordert hat. Der Sachverhalt ist, laut der „Bonner Zeitung", km, solg-nd-r: Am Sonntag hatte ein Lehrer zusällig im Gymnastalgebaude zu thun Als er in der Nähe des Conserenzzimmers ist, gewahrte er plötzlich zwei Paar Stiesel her 9-bürc stehen er öffnete die Thüre und stehe da — zwei Gymnasiasten sind eben^dal^t beschäftigt, ihre Aufsatzheste, welche in einem Schrank verschlossen gelegen ba t-n M corrigirem ' Es hat sich nun herausgestellt, daß bie Stüter fid) in ba§ Gnmnasium geschlichen unb mit Nachschlüsseln Conserenzzimmer unb Schrank- erbrochen ba^n daß ferner h er seit Jahren das „Thürerbrechen" und „Corrigiren" in der vor- be ichneten Att praktisch geübt worden ist. Diele Schüler, selbst solche, welche bereits mtf her Universität sind, sollen compromittirt sein. p
auf oerjx ' ^ölnlfc^e Zeitung" vom 16. d. M. enthält einen Aufruf aus Meran ui Gunsten der Ueberschwemmten in Tirol und Kärnthen in welchem der V-ifasser tf>err A v Schleinitz, ein Deutscher) dem Erstaunen Ausdruck gibt, daß das nameu- IMe UnalM das über die an sich armen Provinzen hereingebrochen, im Auslande und namentlich im Deutschen Reiche verhältnitzmaßig geringe Thetlnahme stnde. Herr p Schleinitz bezeichnete di- Calamität als eine 'N der G- chichte vielleicht noch nie be- alaubiate das Elend der Bewohner, welche ihre Habe, Ernte, Hauser za theilweise seUst tbren Grund und Boden und vielsach ihre Angehörigen verloren haben, als l-der Be- chreibung spottend. Hungersnotb und Seuche in Sicht; -r bezfffert den Schaden aus 39 Millionen, nennt völlig vernichtete Ortschaften, erzählt, daß zahlreiche Gememben ihr? fsetmatb wegen Verschüttung der ganzen Gemarkung aufgeben wußten, schildert 88 Mvche Etschchal heute noch meilenwet als See. Schleinitz schließt s-inen Aufruf mit den ebenso wahren als warmen Worten:
Was hat es für einen Sinn und für eine Bedeutung all' das viele Rühmen und Reden von Menschenliebe, Mitleid, Barmherzigkeit, wenn diese Tugenden sich nicht dort bethätigen, wo man ihrer so dringend bedarf, wo die Noth so ungeheuer ist, so entsetzlich über alle Maßen! Es würde ein schlechtes Licht auf unsere Zett werfen, und wohl ihre Phrasenhaftigkeit, nicht aber ihren aufrichtig barmherzigen Sinn dar- thun, wenn das arme Tirol in seinem grenzenlosen Elende wirklich verlassen bliebe, O möchte es sich im Gelegentheile erweisen; riesengroß ist dte^ Roth, riesengroß Ne unheilvolle Macht der Elemente, aber größer, gewaltiger, vieloermogender ist der Menschheit Liebesmacht und Liebesfülle."
Wir wollen sehen und hoffen.
Glarus, 17. November. Der Gesammtschaden, den die Einwohner von Elm durch den Bergsturz am 11. September 1881 erlitten haben, ist nunmehr auf 763 987 Fr. abgeschätzt worden, worin 176,869 für verlorene Menschenleben enthalten sind. Nach der zwischen 60 und 80 pCt. abgestuften Ersatzleistung an dem Schaden trifft es eine Summe von Fr. 511,825,60. Hierzu kommen besondere Entschädigungen für die Waisen im Gesammtbetrage von Fr. 47, 300, so daß die an Private zu leistende Gesammtentschädigung sich auf Fr. 559 115,60 stellt. Die Gemeinde hat bis jetzt auf Rechnung ihres Schadens Fr. 190,000 erhalten, 20,000 wurden den Hagelbeschädtgten der Cantone Zürich und Turgau übermittelt, so daß die bis dahm thetls bereits ver- theilte, theils zur Vertheilung bestimmte Gesammtsumme Fr. 780,000 beträgt. Die Verthetlung der emgegangenen Liebesgaben unterliegt nur noch der Genehmigung des Bundesraths.
— lieber einen erschütternden Todesfall während der Gerichtssitzung berichtet man aus Düsseldorf vom 17. ds.: Der erste Staatsanwalt am hiesigen königl. Landgericht, Herr v. Guera^d, der heute am Schwurgericht als Staatsanwalt fungirte, fand im Schwurgerichtssaale seinen Tod. Nachdem er sein Plaidoyer beendet und sich gesetzt hatte, legte er sich in seinen Sessel zurück und verschied fast im selben Augen- bl-ck, ein Schlagfluß hatte seinem Leben ein Ende gemacht. Man trug ihn in das Berathungszimmer des Gerichtshofs, mehrere Aerzte waren bereits zur Stelle, die leider nur seinen Tod feststellen konnten. Herr v. Guerard war nicht allein am königlichen Landgericht eine allgemein geachtete und geehrte Persönlichkeit, sondern in der ganzen Stadt Düsseldorf; man hört überall nur Ein Wort des Bedauerns über seinen unerwarteten Tod.
— Ein seltener Fall von Herzlosigkeit bei einem Arzte wird der „K. Hart. Ztg." aus dem in der Nähe der russischen Grenze gelegenen Orte Sch- von glaubwürdiger Sette und in verbürgtester Form mttgetheilt. Der dortige Arzt wird zu einer in schweren Kindesnöthen darntederliegenden Frau gerufen, erklärte aber, ohne Vorausbezahlung von 12 Mark nicht kommen zu wollen. Da der Gatte der Kranken den Betrag aufzutreiben nicht im Stande war und olles Bitten nichts half, mußte die Bedauernswerthe ohne Hilfe bleiben. Inzwischen ist das Kind bereits vor der Geburt verstorben, der Frau aber ist bis jetzt noch keine Erlösung geworden. Gewiß gehört ein solcher Fall in ärztlichen Kreisen zu den größten Seltenheiten und verdient die schärfste Verurtheilung.
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