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den Hals der in den Betten schlasenden Opfer gelegt worden sein müßten und a s aereiüt wurde, daß schon bei geringer Kraftanstrengung mit ben Zur Stelle befindlichen ^ria^nalschlingen deutliche Merkmale an den Händen verblieben. Auch auf dem Hofe trug9 C- das gleiche, geradezu cynisch rohe Wesen zur Schau; er betrachtete die Fenster der Wohnung, als wenn ihn die ganze Angelegenheit absolut nichts anginge.. Auf Veranlassung des Landgerichtsrath Hollmann trat C an das Fenster heran und steckte die Lände nach oben, wobei conftatirt wurde, daß er mit Bequemlichkeit vom Hofe bis an die Blechbekleidung der Fensterbretter heran reichte. Mit sichtlicher Ruhe borte er die Aussagen der im Keller wohnenden Schuhmachersfrau Wolff mit an, die an gab, gehört zu haben, daß Jemand in der fraglichen Nacht vom 11. zum 12. August aus dem Fenster der Conrad'schen Wohnung gestiegen und an ihr gerade darunter gelegenes Fenster gestoßen sei; als aber eine her anwesenden im Hause wohnenden F^um äußerte, man mußte dem C. die Zunge herausreißen, nahm er eine drohende Stellung ein, drehte sich herum und musterte die Hausbewohner mit einem herausfordernden Bl ck. Nachdem die Untersuchung hier ca. eine Stunde gedauert, würbe C ohne Fesseln nach dem gegenüberliegenden 52. Polizeirevier geführt. Inzwischen hatte die Kunde- von der Anwesenheit des muthmaßlichen Familienmorders Tausende von Neugierigen herbei- gelockt Der Damm und beike Straßenseiten, sowie die Fenster der Häuser waren Kop an Kovf besetzt und nur mit größter Mühe war es den Executwbeamten möglich, so wttt Platz u machen daß C in einer engen Gasse passirenkonnte. C., der eine au - fallende Blässe zur Schau trug, aber mit festem Schritt einherging, war bekleidet mit demselben dunkelgrauen Anzug, in dem er verhaftet wurde, dem sehr beschmutzten Oberhemd, schwarzer Cravatte und hellgrauem Calabreserhut, den er fich tief m die Augen gezogen hatte. Obwohl er nicht gefesselt, so wäre ein Entweichen dennoch nicht möglich gewesen, das Publikum hätte entschieden einen Act der Lynchjustiz aus- aeübt. Nachdem Conrad noch ungefähr Vz Stunde in der Revierwache verblieben, erfolgte sein Rücktransport mit derselben Droschke nach Moabit. Vernehmungen von Hausbewohnern haben heute mit Ausnahme der bereits genannten Frau Wolff nicht stattgesunden.
- sAuf der Bärenjagd.^ In der „Revaler Zeitung" wird nach den Mittheilungen eines alten Gutsbesitzers folgende Episode aus dem Leben des Fürsttn Bismarck erzählt: „Ich war", so berichtet der Jnspector, „Verwalter des schonen Waldgutes Gabe, dusch tn Jngermannland, bas ber freihcrrlich Uexküll'schen Familie infle^orte, unb durch seinen Reichthum an jagdbaren Thieren jeder Art ein Eldorado für Jager und Jagbltebhaber war. Vor Allem waren es die zahlreichen Bären in den aus- gedehnten Wäldern des Gutes, welche die Kampflust der Jager reizten und mir häufige Besuche aus St- Petersburg verschafften. Zu^jener Zeit weilte am kaiserlichen Hofe als Gesandter Preußens Herr o. Bismarck-Schonhausen, der jetzige berühmte Kanzler des deutschen Reiches. Auch ihn zog die Jagd auf den gemüthlichen Petz mächtig an und ich erhielt den Auftrag vom Baron Uexküll-Neuenhof, den Gesandten m Gadebusch so oft er dort jagen wollte, so gut aufzunehmen und zu bewirken, wie es die Verhältnisse auf einem nicht von der Herrschaft bewohnten Gute nur irgend gestatteten. Eines Tages theilte mir ein Waldwächter mit, daß er einen mächtigen Baren eingekeilt habe, welch aufregendes Ereianiß ich Herrn v. Bismarck umgehend brieflich mittheilte und sofort von ihm die Zusage seines baldigen
braunen Herrn des Waldes erhielt. Es war am Morgen des Himmelfahrttages, ich lag noch im Bette, als plötzlich Herr v. Bismarck vor mir stand und mich aufforderte mit ihm dem Bären auf den Leib zu rücken. An dem Tage paßte mir die Geschichte gar nicht in meinen Kram, da ich mich in ber nächsten lutherischen Kirche gemelbet batte, um am selbigen Tage nach ber deutschen Predigt der Commumvn anzuwohnen. Offen sprach ich mich hierüber gegen Herrn v. Bismarck ans, der mir aber entgegnete: „Ach was, seien Sie nicht so scrupulös, lieber D , ich werbe es verantworten! Es ist auch ein gottgefälliges Werk, wenn man bie Walder von solchen Beestern säubert . Was blieb mir anderes übrig, als mich dem liebenswürdigen Herrn zur Verfügung zu stellen. Rasch traf ich die Vorkehrungen zur Jagd, auf der uns noch der altere Buchhalter des Gutes und einige Waldhüter, die den Stand des Bären kannten, be- aleiten sollten Allein Herr v. Bismarck liebte es nicht, auf seinen Jagden viele Menschen um* sich zu haben, daher schickte ich die Waldhüter zurück, nachdem sie mir das Lager des Bären genau beschrieben hatten. Nach einem frugalen Frühstück brachen wir auf, begleitet von dem Buchhalter mit einem kleinen ruppigen Hunde und zwei Hasenhunden, die aber, als wir bie Spur bes Bären gefunben hatten, feiger Weise mit gesträubten Haaren nicht von unserer Seite weichen wollten. Herr v. S^marcf drang mit raschen Schritten, so baß mir ihm kaum zu folaen vermochten, in bas Dickicht ein unb nicht lange, so tauchte Meister Braun zwischen ben Gebüschen auf unb erhielt einen Schuß ans ber Flinte bes Herrn o- Bismarck, ber ihn veranlaßte, sich in bas Dunkel des Waldes zurückzuziehen. Jetzt war ber Jagbeifer in uns zur hellen Lohe entflammt; wir folgten ber Schweißspur bes Thieres, so schnell es bas bichte Unterholz uns gestattete. Plötzlich hörte bie Blutspur auf. „Er hat sich bie Wunbe selbst mit Moos verstopft, wie es bie Bären zu thun pflegen", erklärte ber Buchhalter, ein alter erfahrener Bärentödtcr. Da ertönte jedoch bas Gekläff betz kleinen Hundes in einiger Entfernung und wir eilten der Gegend zu, aus welcher das Gebell kam. Her, v. Bismarck war mir bald aus den Augen gekommen, wie sehr ich mich auch beeilte an seiner Seite zu bleiben. Nach wenigen Minuten hörte ich einen Schuß aus Bis- marck's Flinte — es war sicher, er war auf ben Bären gestoßen. Ich rannte, was ich konnte, unb kam in dem Augenblick bei Bismarck an, als der Bär sich aufgerichtet hatte und mit einer Tatze wüthend nach feiner Schulter faßte, durch welche die Kugel gedrungen war Dann schlug er mit der einen Tatze nach dem kleinen Hunde, ber ,hm nicht von den Fersen mich, stürzte aber mit großer Schnelligkeit auf Herrn v. Bismarck los, der sich, da seine Büchse entladen war, in einer kritischen Lage befand. Ich batte noch eben Zeit, dem Gesandten mein Gewehr zu überreichen. Mit der größten Kaltblütigkeit ergriff Herr v. Bismarck dasselbe, zielte und zerschmetterte dem Bären den Schädel, so daß er sofort zusammenbrach. Ich athmete auf, denn der Schuß war
auf höchstens 7 Schritte abgegeben, und wäre er nicht töbtlich gewesen, so hätte ein Unglück passiren können. Jetzt wandte sich Herr v. Bismarck zu mir und fragte lächelnd: „Warum schossen Sie nicht selbst?" „Ich wollte Ihnen das Vergnügen, den Bären zu fällen, überlassen," erwiderte ich. „Sie sind ein ganzer Mann," sprach Bismarck, indem er mir auf die Schulter klopfte, „unter solchen Verhältnissen hätte sonst doch Jeder selbst geschossen ober hätte schleunigst das Weite gesucht!" Dem Buchhalter, dessen Hund den Bären gestellt hatte, überreichte Bismarck zum Andenken sein eigenes Pulverhorn unb seinen Schrotbeutel unb außerdem ein ansehnliches Geldgeschenk. Nun traten wir an ben verendeten Bären heran und fanden ein ungewöhnlich großes Thier." Der ganze Jagdzug war so rasch zu glücklichem Ende gekommen, daß Herr D. noch Zeit hatte, seinen beabsichtigten Kirchgang auszuführen, und er verabschiedete sich von Herrn v. Bismarck, nachdem derselbe ihm noch seinen besten Dank für die Hülfe zu rechter Zeit ausgedrückt hatte.
Bonn, 15. August. Die Bonner Fahnen-Fabrik hat laut der „Köln. Ztg." in jüngster Zeit unb zu voller Zufriebenheit des Hofmarschallamtes für das Berliner Palais des Kaisers eine Anzahl Fahnen geliefert, darunter eine äußerst werthvolle purpurne Königsstandarte, deren Malerei in echtem Golbe ausgeführt war.
— Die von ber französischen Regierung eingesetzte „Commission saperieure du Phylloxera“ gibt in ihrem letzten Berichte eine wahrhaft erschreckenbe Darstellung ber Verwüstungen, welche die Reblaus in den Weinbergen ber „Charente", dem Producttvns- lanbe des Cognac, angerichtet hat. Fast die Hälfte des früheren Bestandes ist vernichtet. Wenn trotzdem eine noch ebenso große Ausfuhr von Cognac wie früher besteht, so läßt sich dies nur dahin erklären, daß ein großer Theil der ausgeführten Waare mit Hülfe fremden Sprits fabricirt ist. Und in der That ist die Einfuhr deutschen Sprits nach Frankreich ungemein gestiegen, abgesehen davon, daß in Frankreich selbst eine große Anzahl von Spritfabriken in den letzten Jahren entstanden sind. Es wäre thöricht, zu glauben, daß aller Cognac, ber ans Frankreich kommt, Naturprobuct se>. Vielmehr gelangt oft beutscher Sprit in Cognac vermischt in seine Heimath zurück, nachbem basür bie Hin- unb Rückfracht, sowie ber beutsche Eingangszoll von 48 Mark für 100 Kilo bezahlt ist. Dieser Thatsache gegenüber muß es mit Freube begrüßt werben, baß bie Cognacfabrikation in Deutsch lanb auf einer gewissen Höhe steht unb sich immer mehr vervollkommnet. So lesen wir in ber von bem Vorstände ber beutschen Spritausstellung herausgegebenen Zeitung, baß der von ber Export-Compagnie für beutschen Cognac in Köln a. Rhein fabricirte Cognac nach wissenschaftlichen Urtheilen ein gutem französischen Cognac gleichftehenbes Probuct sei. Es ist erfreulich, daß Deutschland sich auch auf diesem Gebiete zum Theil von unfern Nachbarn jenseits des Rheines emancipiren kann.
Handel und Verkehr.
Gießen, 22. August. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter per Pfd. X 0.92—1.05, Hühnereier per Stück 5—6 , Enteneier per Stück 6—7 H, Käse per St. 5—8 X Käsematte per Stück 3 X Erbsen 1 Liter 24 H, Linsen 1 Liter 30 H, Tauben das Paar 70—90 H, Hühner per Stück X 1.00—1.20, Hahnen per Stück X 0.55—0.90, Enten per ©tücf X 1.30—1.60, Ochsenfleisch per Pfund 66—70H, Kuh- und Rindfleisch 54—60 X Kalbfleisch 50 bis 54 X Schweinefleisch 62—64 H, Hammelfleisch 60—6o H, Kartoffeln per 100 Kilo X 5.00—6.00, Zwiebeln per Centner X 6—8, Milch per Liter 14—18,$.
Herborn (an der Köln-Gietzener Eisenbahn), 21. August. Auf den heutigen hiesigen Markt wurden gebracht: 468'Ochsen, 497 Kühe und Rinder, 1206 Schweine- Der nächste Markt ist Montag den 9. Oktober.
Frankfurt, 21. August- Fettvieh war sehr wenig am Platz, weshalb für dasselbe ein bedeutender Preisaufschlag stattfand. Es wurde bezahlt bei Antrieb von circa 360 Ochsen für feine Waare X 72, 2. Qual. X 64—66, Kühe 1. Qual. X 60—62, 2. Qual. X 50—54, Kälber je nach Qualität X 40—62, Hämmel 1. Qual X 62—64, 2. Qual. X 40—50. t _
Frankfurt, 21. August. (Getreide-Preise.) Weizen eff. hiesiger und Wetterauer X 21—22, fremder X —, Roggen eff. hiesiger X I6V2—17, fremder X —, Gerste eff. hies. u. Wetterauer X 18—19, fremde X 18—20Vz, Hafer eff. hiesiger X 15—17, fremder X —. Rüböl effectiv ohne Faß hiesiges tu Parthien von 50 Ctr. X 331/2. Branntwein eff. ohne Faß X 45.
— Die kleinen goldenen Fünfmarkstücke (halbe Kronen) dürften demnächst gänzlich aus dem Verkehr verschwinden. Die Reichsbankanstalten sind angewiesen worben, die eingehenden halben Kronen anzuhalten und nicht von Neuem in Umlauf zu setzen. Es scheint demnach, daß sich die kleinen Goldstückchen für den Verkehr ungeeignet erwiesen haben.
— Seitens der Postverwaltung wird auf den Mißbrauch hingewiesen, Briefe mit frei zu bezeichnen, ohne sie mit Marken zu versehen, dafür aber den Portobetrag in den Briefkasten zu werfen! Solche Beträge werden als „gefunden" behandelt unb ber Polizeibehörde übergeben, währenb für ben unfranfirten Brief bas hoppelte Porto erhoben wirb.
Zürich, 16. August. Laut „OltnerWochenblatt" wächst ber Verkehr burch ben Gottharb sowohl der Personen wie auch namentlich ber Güter sehr rasch. Bereits werden zum Gütertransport von Olten birccte Extrazüge nothwenbig, oft mehrere an einem Tage. Aus Italien gehen fast täglich mehrere Wagenlabungen mit wohl- gemäfteten Schlachtochsen durch Olten; vor drei Tagen zählte man zwölf solcher Wagen, den Tag darauf zehn in einem einzigen Zuge, zumeist für Frankfurt unb andere größere deutsche Städte bestimmt. Bereits denkt man an eine Vergrößerung des Bahnhofsgebäudes in Göschenen.
Allgemeiner Anzeiger.
Landwirthseh. Verein Wetzlar.
Der landw. Verein für Rheinpreußen wird seine 50. Generalversammlung in der Zeit vom Sonntag den 10. bis inel. Mittwoch den 13. September 1882 in Wetzlar abhalten.
Mit derselben sind folgende Ausstellungen verbunden:
1) Eine Provinzial-Thierschau auf der großen Promenade.
2) Ausstellung landw. Maschinen und Geräthe auf dem SchÄerplatz.
3) Ausstellung von Producten des Acker-, Obst- und Gartenbaues sowie der Bienen- und Seidenzucht und Geflügel in der Franziskaner- Schule und
4) Eine Ausstellung von Waldproducten in der Turnhalle und auf dem . Hofe des Königl. Gymnasiums.
Die Sitzungen der einzelnen Sectionen 2c. sowie die stattfindenden Vergnügungen sind in dem bereits ausgegebenen Programm speciell aufgeführt. Indem wir daher hiermit auf dasselbe verweisen, bemerken wir nur noch, daß an Prämien 7940 Mark und 38 filberne und 73 bronz. Medaillen zur Verthellung kommen und daß am Sonntag den 17. Septbr. e. Seitens der Lokal-Abtheilung Wetzlar eine Derloosung landw. Thiere und Geräthe abgehalten wird.
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