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23.7.1882 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

Sonntag den 23. Juli

Str. 169

1882

: Schulstraße B. 18.

Erscheint täglich mit Aufnahme des Montags.

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Unterhaus. Der Premier Gladstone theilt dem Hause mit, es sei ein Telegramm eingegangen, welches einen Auszug aus einer Proklamation Arabi Pascha's enthalte. Darin heiße es, Arabi Pascha agire gegen die unversöhn­lichen Feinde, die Engländer, mit denen der Khedive im Bunde stehe, welcher die Nacht an Bord britischer Schiffe zubringe und bei Tage bei dem Tödten egyptischer Truppen und unbewaffneter Egypter in Alexandrien helfe. Er, Arabi Pascha, fahre daher fort, das gesammte Land wie bisher unter dem Kriegsgesetze zu halten und bestimme, daß nur seinen Befehlen zu gehorchen sei. Die militärischen Vorbereitungen würden lebhaft fortgesetzt, jeder Ungehorsam gegen seine Befehle werde summarisch bestraft werden.

Konstantinopel, 21. Juli. (Telegramm der Agentur des Reuter'- schen Bureaus"). Wie verlautet, Hütte die Pforte beschlossen, ihre Absicht, Truppen nach Egypten abzusenden, der Conferenz mitzutheilen, dabei jedoch eine Modification der in der identischen Note der Mächte enthaltenen Interventions- Bedingungen vorzuschlagen.

London, 21. Juli. Die von dem Unterstaatssecretär Dilke im Unterhause ver­lesene Depesche des Botschafters Elliot vom 10. ds. besagt, Graf Kalnoky habe auf die Mittheilüng Elltot's betreffs des Bombardements ohne Zögern in der kordialsten Weise erklärt, dieses Vorgehen sei vollkommen legitim, da England unmöglich bedroh­liche Vorbereitungen gestatten könne. Nach einer weiteren Depesche Elliots vom 11. ds. Mts. hat Graf Kalnoky an diesem Tage seine frühere Erklärung wiederholt. In der Depesche Lord Granville's an den Botschafter Elliot vom 14 ds. heißt es: Narben Mittheilungen des Botschafters Grafen Karolyi soll Graf Kalnoky Elliot gegenüber erklärt haben, daß die österreichische Regierung geneigt sei, das Born- bardement als einen Akt der Selbstvertheidigung anzusehen, hervorgerufen durch die Provokationen der egyptischen Behörden und als einen Zwischenfall, der keinen prä- judicirenden Einfluß auf die diplomatische Lage habe, vorausgesetzt, daß England seine Action auf die Entwaffnung der Forts beschränkte.

Daily News" vernimmt, daß die britische Regierung die Erklärung der Pforte, daß sie jetzt bereit sei, an der Conferenz theilzunehmen, als Ablehnung der von der Conferenz an dieselbe gerichteten Einladung, Truppen nach Egypten zu senden, ansehe. Deßhalb werde englischerseits ohne Verzug ein Expedittonscorps nach Egypten gesandt werden mit der Aufgabe, die Autorität des Khedive herzustellen und die inter- nationalen Rechte zu schützen.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Telegraphische Depeschen.

Wolffs telegr. Correspondenz-Birrearr.

Berlin, 21. Juli. Wie derReichs-Anzeiger" schreibt, sind nach dem Finalabfchluß der Reichshauptkasse im Etatsjahr 1881/1882 im Ganzen bei den ordentlichen Einnahmen 25,902,517 dl. mehr eingenommen. Unter Berücksich­tigung von 825,402 dl Mehrausgaben stellte sich ein Ueberschuß von 25,077,114 dl. heraus, worin allerdings die nicht wiederkehrende Mehreinnahme von 9,065,000 dl. der der Rübenzuckersteuer enthalten. Nach Abrechnung der­selben bleibt ein Ueberschuß von rund 16 Mill. dl.

Gastein, 21. Juli. Se. Maj. der Kaiser stattete gestern Vormittag der Gräfin von Meran, Wittwe des Erzherzogs Johann, in der Villa Meran einen Besuch ab und unternahm Nachmittags einen Ausflug zu Wagen in das Böcksteinthal. Heute Morgen machte der Kaiser nach dem Bade einen Spazier­gang auf der Kaiserpromenade.

London, 21. Juli. Die Königin hat den General Wolseley zum Oberstcommandirenden der Expedition nach Egygten und den Generallieutenant Ady zum Generalstabschef derselben ernannt.

L DasReuter'sche Bureau" läßt sich aus Konstantinopel von heute melden, Said Pascha sei in Folge eines gestern von der Conferenz gefaßten Be­schlusses benachrichtigt worden, daß die Conferenz von der Entschließung der Pforte, an den Conferenz-Verhandlungen theilzunehmen, Act nehme. Zugleich sei an Said Pascha die Anfrage gerichtet worden, ob er den Sitzungen der Conferenz bei dein italienischen Botschafter, Grafen Corti, beiwohnen wolle oder vorziehe, daß die Conferenz bei dem türkischen Minister des Auswärtigen tage. Dasselbe Bureau empfängt aus Konstantinopel ein weiteres Telegramm, es heiße, die Pforte beabsichtige einen Gegenvorschlag zu machen, entweder dahin gehend, daß sie militärische Commiffarien zur Begleitung der englischen und französischen Truppen nach Egypten absende oder dahin, daß der Suezkanal von europäischen Truppen besetzt werde, während die Besetzung von Alexandrien und Kairo durch türkische Truppen erfolge.

Wie eine Depesche derTimes" aus Alexandrien meldet, hat Arabi Pascha in einer Proklaination an die Gouverneue der Provinzen Krieg bis auf's Aeußerste gegen die Engländer erklärt und denjenigen, welche das Vaterland verriethen, indem sie den Engländern Hilfe leisteten, strenge Bestrafung ange­droht. DerselbenTimes"-Depesche zufolge haben Ermordungen und Plünde­rungen in Kairo im Judenviertel, ebenso in Damiette, Tookh, Benta und Caliub stattgefunden.

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Gefundene Gegenstände:

1 Hundehalsband, 1 Metermaß, 1 Kinderschuh, 2 Pincenez, 1 Sonnenschirm, 1 Messer, 1 Atlas, mehrere Schlüssel und Hundeblechmarken. Gießen, am 22. Juni 1882. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fresenius.

Aegypten.

Alexandrien, 20. Juli. Omar Lufti Pascha ist von Kairo hierher zurück- gekehit und berichtete dem Khedive, Arabi Pascha habe alle Paschas, Ulemas und andere Notabilitäten zu einer Versammlung berufen, um die Frage zu entscheiden, ob man im Hinblick auf die intimen Beziehungen des Khedive zu den englischen mili­tärischen Behörden dem Befehle, die militärischen Rüstungen einzuftellen, nachkommen könne, die Versammlung habe eine Commission eingesetzt, welche die Richtigkeit der gegen den Khedive gerichteten Beschuldigungen feststellen solle.

Der Canal, welcher Alexandrien mit Wasser versorgt, ist nicht abgegraben, der Zufluß des Wassers ist nur durch mehrere in der Nähe desselben vorgenommene Erdarbeiten behindert.

i Wirth- arate n.

zreutschkand.

Berlin, 20. Juli. Officiös wird geschrieben:Bei Erörterung des Uebelstandes, daß die Postwerthzeichen des Reiches in Bayern und Württemberg zur Frankirung von Postsendungen nach dem Reichspostgebiet nicht benutzt wer­den können, ist von verschiedenen Zeitungen auf die bayerischen und württember- gischen Reservatrechte hingewiesen worden und auf die voraussichtliche Scheu, dieselben anzutasten. Demgegenüber möchten wir daran erinnern, daß diese Reservatrechte mit der vorliegenden Frage überhaupt gar nichts zu schaffen baben. Die Hauptübelstände, deren Beseitigung erstrebt wird, zeigen sich im Verkehr zwischen Bayern und Württemberg einerseits und den übrigen Theilen des Reiches andererseits. In Betreff dieses Verkehrs aber (im Gegensatz zum inneren Verkehr der beiden süddeutschen Staaten) hat das Reich nach Art. 52 der Verfassung die Gesetzgebung über das Posttaxwesen. Zum Posttaxwesen ge­hören nun nicht allein die Bestimmungen über die Höhe der Portosätze, sondern auch die Anordnungen darüber, in welcher Form diese Portosätze zu entrichten sind. Es ist dies bereits reichsgesetzlich anerkannt, indem der § 9 des Posttax­gesetzes die Vorschriften über den Verkauf der Postfreimarken enthält, mithin ausgesprochen wird, daß das Freimarkenwesen zu dem Posttaxwesen gehört. Die Reichspostverwaltung würde daher zweifellos ermächtigt sein, eine gemein­same Freimarke für den bezeichneten Wechselverkehr auszugeben, ohne daß es hierzu einer reichsgesetzlichen Einschränkung der bayerischen und württembergi- schen Reservatrechte oder auch nur eine Abänderung bestehender Bestimmungen bedürfte."

Der Grabfund von Ulfa.

Aus Schotten wird derDarmst. Ztg." über einen höchst interessanten Grab­fund das Folgende berichtet:

In der Nähe von Schotten, im Schottener Walde, im Heillup, am Bilstein bei Stornfels, Ulfa, Rainrod und Eichelsdorf liegen verschiedene Gruppen von Hügel- oder Hünengräbern. Auch in dem zu Ulfa gehörigen, dicht bei Stornfels gelegenen Domanial- wald, DistriktBecker's Eck", befinden sich einige kleinere Gruppen derselben, die bereits von Dieffenbach im Archiv für Hess. Geschichte, Bd. 5, erwähnt werden. Eines dieser Gräber war schon vor etwa 30 Jahren auf eine wenig rationelle Weise ausgegraben worden, ein anderes sollte von einigen Herren aus Schotten wissenschaftlich untersucht werden und es wurde Herr Friedrich Kofler aus Darmstadt mit der Leitung der Aus­grabung betraut.

Herr Oberamtsrichter Fresenius in Schotten hatte den größten Grabhügel zur Untersuchung ausgewählt. Er lag auf einem sanft nach Südwest abfallenden Hange, seine positive Höhe betrug nach Osten hin 1,57 Mtr., nach Westen hin 1,85 Mtr., der Umfang 45,8 Mtr. Der Hügel schien nur aus schweren Steinen aufgebaut, auf der Spitze bemerkt man ein etwa 1012 Ctm. über die Oberfläche ragendes, von aufrecht stehenden Steinen gebildetes Oval von 2,50 Mtr Länge und 1,50 Mtr. Breite. An dem südwestlichen Rande desselben lag eine mächtige dreieckige Platte von 1,10 Mtr. Länge und 45 Ctm. untere Breite.

Der Hügel war mit jungen Bäumen dicht bestanden. Um denselben regelrecht zu untersuchen, hätte man etwa 100 derselben umhauen müssen. Man beschränkte sich daher bei der Ausgrabung auf den allernothwendigsten Raum, eine Kreisfläche von 25 Mtr. Umfang, wodurch etwa 85 Bäumchen von der Axt verschont blieben.

Wir werden uns hier nicht dabei aufhalten, einen Bericht über die ganze Aus­grabung zu erstatten, sondern wollen nur ein Gesammtbild des interessanten Grabhügels geben und demgemäß mit dem Ende der Arbeit beginnen.

Auf der Grundfläche des Hügels, dicht über dem gewachsenen Boden, zwischen 1,60 und 1,80 Mtr. Tiefe und etwas südlich von der Mitte befanden sich die Uarlichen lleberrefte zweier Leichen, die anscheinend von Nord nach Süd und gegen 2 Mtr. von einander entfernt gelegen haben mochten; bei der westlich liegenden Leiche fanden sich, mitten zwischen Kohlen und Asche, die Bruchstücke eines primitiven Gefäßes.

Ungefähr 50 Ctm. höher, doch beinahe in der Mitte des Hügels, traf man ein anderes Grad, das, von aufgekanteten Steinen umkränzt, mit gewaltigen Felsbrocken überdeckt war und in seinem Umfang so ziemlich dem Oval auf der Spitze entsprach. Die Knochen der Oberbeine, die einzigen Neste des Sceletts, ließen auf die Lage der Leiche von Nord nach Süd schließen. Als der erste Stein über der Leiche, ein Basalt­block von 64 Ctm. Länge, 30 Ctm. Breite und Dicke, weggewalzt wurde, en fiel dem Boden eine schön verzierte Gewandnadel aus Bronce und eine dünne, nicht ganz 1 Ctm. im Durchmesser haltende goldene Spirale.

dieselbe einem Halsschmuck angehört haben konnte, so wurde der Boden wied^holt, doch ohne Erfolg, nach anderen Theilen desselben durchsucht, ^"^halb»der^Brust, non her freilitü fein® (Sour mehr zu sehen war, stak ein Broncedolch, dem dao Heft fehlt und dicht dabei lag ein schöner Schaft-Kelt, an dessen oberem Ende noch größere Stücke Holz hafteten Bu ben Füßen stand ein Thon-Gefäß mit charakteristischen Äunflen,TAurOe schweren Steine, welche darauf ruhten, zerdrückt wordmwa^ Tiefe traf man an drei verschiedenen Stellen des Grabhügels Ueberrestebvon Le^ichem öon ber Mtte entfernt im westlichen Theile des

Hügels, der Körper von Nordwest nach Südost gestreckt auf der linken Seite liegend

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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