ausrecht, seine Flotte nach Egypten ebenso wie nach allen Punkten zu entsenden, wo die nationalen Interessen Frankreichs bedroht seien. Das Circular werde die Situation und Vie bereits gesüßten Entschließungen in keiner Weise alteriren.
Paris, 20. Mai. Die Zeitungen veröffentlichen einen Ausruf des Hlllfs- Comitös französischer Israeliten zur Unterstützung der Israeliten in Rußland.
Schweiz.
Luzern, 20. Mai. Die Stadt ist aus Anlaß der morgen stattfindenden Eröffnungsseier der St. Gotthardt-Bahn bereits festlich geschmückt und mit deutschen , italienischen und Schweizer Fahnen beflaggt. Am Quai ist eine mächtige Statue der Helvetia errichtet. Das Wetter ist herrlich, viele Fremde sind bereits eingetroffen.
Italien.
Genua, 20. Mai. An dein von der hiesigen Municipalität den hier eingetroffenen Gästen für die Feier der Einweihung der St. Gotthardt-Bahn heute gegebenen Festmahle nahmen die Minister Baccarini, Berti und Acton, der deutsche Botschafter v. Keudell, sowie viele Senatoren und Deputirte Theil. Der Deputirte Podesta toastirte bei dieser Gelegenheit auf Deutschland, die Schweiz, Italien und das große Werk der St. Gotthardt-Bahn. Der deutsche Botschafter dankte der Stadt Genua und toastirte unter dem Hinweis darauf, daß die moralische, die intellectuelle, sowie die materielle Initiative für die St. Gotthardt-Bahn von Italien ausgegangen war, auf Italien und das Haus Savoyen. Der Minister der öffentlichen Arbeiten, Baccarini, begrüßte im Flamen der italienischen Regierung den deutschen Kaiser, das deutsche Volk, die Schwerz und Italien, und gab dem Wunsche Ausdruck, daß die Regierung des Königs Humbert eine Regierung voll von großen Werken und Erfolgen des Friedens sein möge.
Vogbera, 20. Mai. Das Ossarium in Montebello auf dem Schlachtfelde von 1859 ist heute feierlich eingeweiht worden. Gegen 20,000 Personen nahmen an der Feier Theil. In Vertretung des Königs wohnte der Herzog von Genua der Feier bei, Frankreich und Oesterreich-Ungarn waren durch die Mllitär-Attachös, Escadronschef Brunet und Oberstlieutenant Baron Ripp, vertreten , von denen aus das Beifälligste aufgenommene Reden im Sinne des Friedens und der Eintracht gehalten wurden.
Türkei.
Konstantinopel, 20. Mai. Der Minister des Aeußern hatte gestern Besprechungen mit Lord Dufferin und dem Marquis de Noailles. Nach gewissen Anzeichen zu schließen, ist in den Dispositionen der Pforte bezüglich der fran- zöfifch-englischen Action betreffs Egyptens eine gewisse Remission eingetreten. Man glaubt, Said Pascha habe den genannten beiden Botschaftern versöhnliche Vorschläge gemacht. — Die Pforte unterhandelt wegen Miethung des österreichischen Lloyddampfers „Calypso", welcher 1500 Mann nach Jemen transportiren soll. — Eine Depesche aus Kanea meldet, daß Hussein Pascha gestern mit einer Corvette in der Suda-Bai angelangt ist.
Afrika.
Alexandrien, 19. Mai. Das englische Kanonenboot „Bittern" ist heute Nachmittag hier eingetroffen; das Panzerschiff „Jnvincible" mit dem Admiral Saymour und das französische Geschwader werden morgen früh erwartet.
Alexandrien, 20. Mai. Das französische und das englische Geschwader sind hier eingetroffen und haben mit den Forts die üblichen Salutschüsse ausgetauscht. Die hauptsächlichsten Punkte des Kanals werden von französischen Kanonenbooten bewacht. Die tscherkessischen Officiere sind in ausländischen Schiffen außer Landes geschafft worden.
Telegraphische Depeschen.
Wolffs telegr. Correspondenz-Bnreau.
Wi<n, 21. Mai. Officiell. Eine Abtheilung des 11. Infanterie- Regiments unter der Führung eines Lieutenants wurde gestern auf einer Kuppe nördlich von Klenac uno südöstlich von Nevesinje von einer stärkeren Jnsurgenten- bande angegriffen. Letztere wurde mit einem Verlust von etwa 30 Todten zurückgeworfen. Die Truppenabthellung hatte einen Verlust vou einem Todten und 3 Verwundeten.
Lemberg, 21. Mai. In Ostgalizien sind in Folge starker Regengüsse Ueberschwemmungen eingetreten. In Zalesczyk wurde eine Brücke weggerissen, im klebrigen kein erheblicher Schaden angerichtet. — Den 11 verhafteten Ruthe- nen wurde gestern die Anklageschrift auf Hochverrath eingehändigt. Bis jetzt ist eine Berufung dagegen nicht angemeldet.
Paris, 21. Mai. Die „Agence Havas" meldet aus Kairo: Gutem Vernehmen nach sind die Bedingungen, welche die Consuln besonders betonen werden, der Rücktritt des Ministeriums, sowie die Verbannung Arabi Bey's unb aller Häupter der Bewegung.
London, 21. Mai. Nach einem Telegramm des „Reuter'schen Bureaus" aus Alexandrien von heute ist von den französischen Kanonenbooten die Mel- d'.mg eingegangen, daß sie den Suezkanal durchfahren werden; es seien anscheinend bisher keinerlei Vorsichtsmaßregeln getroffen.
Petersburg, 21. Mai. In Erwiderung auf den Artikel des „Temps", daß Frankreich das Recht habe, seine Flotte dorthin zu entsenden, wo die Interessen Frankreichs bedroht erschienen, schreibt das „Journal de St. Pöters- bourg", Die Entsendung einer Flotte gehöre offenbar zu den Rechten eines jeden Staates; das europäische Einverständuiß in den orientalischen Angelegenheiten würde aber ganz besondere Gefahren lausen, wenn die Cabinete durch ähnliche Argumente die Fragen des internationalen Rechts lösen wollten. Glücklicher Weise seien die Auslassungen von Journalen für Die Regierungen unverbindlich und könnten daher auch nicht als sichere Richtschnur für die richtige Würdigung Der Lage ober die Beurtheilung der Haltung der Regierungen dienen.
New-Uork, 21. Mai. Das englische Schiff „Western Belle", von Greenock, ist in Folge Collision mit einem Eisberge gesunken. Der Capitän und 13 Mann sind umgekommen, 6 Mann gerettet.
Lokale-
Gietzen, 22. Mal. jDünsberg-Verein.j Vom denkbar günstigsten Wetter unterstützt, konnte gestern der Ausflug nach dem Dünsberg abgebalten werden. Wir schützen die Zahl der Theilnebmer aus der Stadt aus zum Mindesten 5 bis 6 Hundert ohne den erheblichen Zuwachs, den die Partie von den umliegenden Ortschaften erhalten
hatte. Namentlich war es ein Trupp Hessenlander Mädchen, welche in dem Menschengewühl durch ihre schöne Tracht eine ang.nehme Abwechslung boten. An Fuhrwerken Chaisen und Leiterwagen mögir. wohl ca. 50 bei der Partie gewesen sein. Nach 2 Uhr Mittags eröffnete Herr F. (Safi, nachdem die Anwesenden ein Volkslied gesungen mit kurzen Worten die improvisiite Volksseicr und erlheilte darauf Herrn Ph. Uhl das Wort zur Begrüßungsrede Dieser Redner begrüßte die Erschienenen und erläutert, die Ziele des Dünsderg-Vereins, nämlich die Erbauung eines AusstchlsthurmS aus der Sp tze des Beiges und sorderte die Anwesenden auf, durch Beitritt zum Verein dem Interesse desselben förderlich zu sein. Stürmisches Hoch begrüßte hierauf die Red, und nun ging es an den allgemcimn Theil des Festes. Es wird wohl manchem der Theilnchmer aus der Jugendzeit erinnerlich h in. wie herrlich ein Ausflug in den schönen Wald zur Maienzeit im Verein m t werthen Freunden sich dem daran Theilnebmenden gestaltete, wie liebe Erinnerungen er an die dort froh vei lebten Stunden noch lang, in sich trug. Grade diese Erinnerungen mußten bei dem gestrigen Ausflug sich geltend machen. Aus dem Körbchen der Imbiß, ein frisches Glas Bier dazu, wobei mir baä oben verzapfte Frankfurter Gebräu nicht in erste Linie stellen wollen, sondern ei« ineognito ocrabreichtcs Glas Texter-Export-, ein Glas Actien- oder auch ein rech! gutes Glas Lony-B ier ersterem vorzogen, dies machte d>e Stimmung animtrend Und nun die herrliche Aussicht vom Berge obm. Was ist das für ein Ort, mie heiß der Berg, was ist das für ein Thurm u. s. w, so lauteten die Fragen. Wie schad« daß die Aussicht nach unserem früheren Hinterlande nicht frei ist. daß die hohen Bäum die Aussicht hemmen! Ja wenn einmal ein Thurm erbaut ist. bann wird sich eii Ausflug nach dem Dünsberg noch mehr lohnen. Dies ist das Gespräch vieler d« Anwesenden. Und sie habeuRecht. Wenn der Dünsberg-Verein sein Ziel erreich und ein Aussichlsihurm die Spitze des Berges krönt, dann ist das Panorama doe oben ein unbegrenztes Rundum schweift dann das Auge Über unsere herrliche Gegend, Über Berge und stille Thäler, dem Naturfreund und Touristen einen Anblick gewährens wie ihn nicht Diele Gegenden unseres Vaterlandes aufzuweisen haben.
Es möge deßhalb auch der Dünsberg-Verein recht rege Unterstützung von Seiten unserer Bewohner finden. Ein selbst zu bestimmender Jahresbeitrag be sähigt zur Mitgliedschaft. Damit eine leichtere Communication hergestellt und die Thellnahme nicht erschwert werde, erklärte sich die Expedition unseres Blattes auf ergangenes Auffordern recht gerne bereit, dessallsigi Anerbietungen entgegenzunehmen und an die richtige Stelle zu befördern. — Nach Verlauf mehrerer Stunden auf dem Plateau oder in dem dasselbe begrenzenden Walde und nachdem die verschiedenen Gesangvereine herrliche Sieber gesungen, wurdi zum Heimmarsch gerüstet. Der Serpentine herunter, einen großartigen Ausblick naj Königsberg u. s w genießend, gelangten die Teilnehmer durch das herrliche Bieber thal nach der Zwischenstation, so da heißt „Die Rehmühle". Daß es dort auch noi sehr schön war, wollen wir nicht verhehlen, müssen es uns aber der Knappheit H Raumes halber versagen, näher darauf einzugeheii. Hoffentlich nehmen wir noch mch Gelegenheit, uns nut einem Ausflug nach dem Dünsberg zu beschäftigen und dürfen wohl erwarten, daß dann die Betheiligung eine ebenso zahlreiche werden möge, wie dii gestrige.
— Bei einem Fechtbruder ist eine noch gute Hose vorgefunden worden, Übe deren Erwerb er sich nicht ausweisen kann. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist die Hosi in hiesiger Stadt gestohlen worden.
— In vergangener Nacht fand auf dem Kirchenplatz eine Seilerei statt. Di! Betheiligten wurden notirt.
Vermischtes.
Darmstadt, 20. Mai. sMisitärdienstuachrichten.j Machenhauer, Bayer, Unteroffiziere vom 1. Großh. Jnf -(Leibgarde-)Regiment Nr. 115, Hoos, Unteroffizier vom 2. Großh. Jnf.-Reg. (Großherzog) Nr. 116, Kritzler, Unteroffizier vom 1. Großh. Drug.- Reg. (Garde-Drag.-Reg.) Nr. 23, Douglas, Unteroffizier vom 2. Großh. Drag.-Reg. (Leid-Drug Reg.) Nr, 24 zu Portepeesähniichs befördert; o Bismarck, Sec.-LieM. vom 1. Großh. Ins.- (Leibgarde-) Reg. Nr. 115 a la suite des Regiments gestellt; Frhr. Röder o. Diersburg, Oberstlieutena t z. D., zum Bezirkseommanbeur des 1. Batt (Gießen) 2. Großh Landw -Regts. Nr. 116 ernannt; Buff, Major, aggregirt dem 2. Großh. Jnf.-Reg (Großherzog) Nr. 116, m das Magdeb. FÜs -Reg. Nr. 36 ein- rangirt; v L-chönfetdt, Hauptmann und Compagmechef vom Magdeb. Füs.-Reg. Nr. 38, unter Verleihung des Chararters als Major, als aggregirt zum 4. Großh Jnf.-Reo (Prinz Karl) Nr. 118 versetzt; Frhr. v. Rotsmann, Petersen, Unteroffiziere vom Groß! Feld-Art.-Reg Nr. 25 (Großh. Artilleriecorps), zuPortepeesähnrichs befördert; Krausgrill, Vieewachimeister vom 1. Bat. (Gießen) Großh Landw.-Regts. Nr. 116, zim Sec.-Lieut. der Reserve des 1. Brandend. Feld-Art.-Regts. Nr. 3 (Geueral-Feldzeug- meister) befördert; Franck, Oberstlieutenani z. D., von der Stellung als Bezlrls- Commandeur des 1. Bals. (Gießen) 2. Großh Landw -Reg. Nr. 116. mit der Erlaubnis zum Tragen der Uniform des 2. Großh. Jns.-Reg. iGroßherzog) Nr. 116, entbunden: Roll Tasche. Sec-Lls. von der Landw.-Jas. des 1. Bals. (Darmstadt I.) 1. Gross Landw.-Regts. Nr. 115. Zimmermann 1., S-e.-Lieut von der Landw.-Jnf. des 1. Batt (Mamz) 4. Großh. Landw.-Regts. Nr. 118, der Abschied bewilligt.
Darmstadt. jLandwuthschaftl. Landesausstellung j In liberalster Weise Hai dii Direclion der Hessischen Ludwigs-Eisenbahn für die Ausstellungsgegenstände freien Rück transport und für die Besuch-r der Ausstellung Hin- und Rückbeförderung auf 'du einfaches Bittet gestattet, wenn 1) bezüglich der Ausstellungsgegenstände Aufgabe ütei die Route des Rücktransportes innerhalb 14 Tagen nach dem Schluffe der Ausstellmi stattfindet, habet der Originalfrachtbrief für die Hintour Dorgelegi und durch eilte Bescheinigung des Aasstellungsausschusses nachgewiesen wird, daß die Gegenstände al! der Ausstellung unverkauft gebtieben sind, 2) im Personenverkehr die Btllets be» Eintritt in die ^tusstellung abgestempelt werden. Aehnliche Vergünstigungen stehiti auch noch von Seiten anderer Bahnen zu erwarten.
Berlin. jZum Brande der Hygietne-Ausstellung.) Die von der hiesig!« Criminalpolizei in Bezug auf die Entstehung des Brandes angestellten Recherchi haben zur Verhaftung eines Arbeiters Namens Ernst Wagenknecht, wecher als Wächiii auf dem Terrain der Hygieine-Ausstellung beschäftigt wurde, unter dem bringenin Verdachte der fahrlässigen Brandstiftung geführt. Wagenknecht wollte unmittelbar vd dem Ausbruch des Feuers in einem der Bauer'schen Restauration gegenflberliegenDr Raume des Hauptgebäudes eine der dort ausbewahrten Wächterlaternen zu fern tu Georauche anzünden und halte zu diesem Zwecke mehrere der in der Restauration alt wesenden Kellner um Streichhölzer ersucht. Da aber, der Instruktion gemäß, inttc halb des Gebäudes Streichhölzer nicht angezündet werden durften, so sind dem Wag ol knecht solche von den Kellnern versagt worden. Schließlich hat Wagenknecht von eliitl bisher noch nicht ermittelten Person aber doch ein Streichholz bekommen, sich Mit beit' selben in den erwähnten Raum begeben unb dort in seiner Laterne Licht angemaät Hierbei hat er bas bis auf seine Finger herabgebrannte Streichholz aus den Fußbodai geworfen, zwischen dessen Dielen sich ziemlich weite, mit Hobelfpähnen ungefüllte Spaliti befanden. Wahrscheinlich fingen die Hobelspähne von dem noch brennenden Sireichhop Feuer, unb da unter dem Fußboden sich ein hohler, Mit leicht brennbaren Stoffen <f> fülltet Raum befand, erhielt die Flamme rusch Nahrung unb verbreitete sich bei d« herrschenden starken Luftzug mit rasender Schnelligkeit über das ganze @ebäuu- Wagenknecht hat diesen Thatbestand zugegeben, behauptet aber, daß bas StreichW- endchen, als er dasselbe wegwars, vollständig erloschen gewesen sei, auch versichert <- daß er das Verbot, innerhalb des Gebäudes L'cht anzuzünden, nicht gekannt habe. ' Glas unb Eisen, das dürste das Losungswort für den Wiederausbau der Hygiene-M fteUung in der großen Versammlung des Comites Im Bürgersaale des Rathhauses fe» An zuständiger Stelle ist d-m Ausschüsse die Versicherung gegeben worden, daß m® bei der Genehmigung für einen Wiederaufbau vor Allem auf die unbedingte Fb sicherheit Rücksicht nehmen werde, daß man jedoch bei einem Neubau von SZßeifebW und tmprägnirtem Holze diese Garant^ nicht finden zu können glaube. Anfragen unseren hervorragendsten Eisen-Industriellen Huden ergeben, duß nothwendiges W«“ wie z. B. die I-Träger, Bolzen. Bogentheile u. s w. größteniheils nuf Sager fit# ’ finden ober doch in kürzester Zeit hergestellt werden können. Telegraphische Erkuntft ungen bei den bedeutendsten Glashütten haben die Benachrichtigung zur Folge ge#oj daß gegossenes Glas in genügender Menge nuf Lager ist, um das Dach und fanw liche Wände decken ,u können, und ein berühmter hiesiger Sachverständiger im wesen ist Gewährsmann für die Versicherung, daß in weniger als vier (?) Wochen r Prachtbau ans Glas und Eisen sich vollkommen fertigstellen ließe. Für den Gurai" fonds der neuen Ausstellung sind bereits 80,000 M. gezeichnet. .. v,
— Bei dem 11. Armeecorps wird in diesem Jahre ein Cavallerie-Mannover Friedberg, Gießen, Marburg ftattfinben. An demselben werden sich die 6 Reiter-Re!


