Ausgabe 
23.4.1882 Zweites Blatt
 
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EineneueLadenernrichtung abzugeben. Wo? sagt die Exped. ds. Bl. 2649

sein Ehrgeiz veranlasse ihn. als Führer der nationalen oder Militärpartei gegen die Ausländer Stellung zu nehmen; welche Nachricht Wahl hell nt, wird sich erft in Zu­kunft Herausstellen. ..... ö

Inzwischen ist die Meldung von einer in Milllarkreiien ausgebrochenen Ver­schwörung gegen Arabl cingelaufrn, der eine ernste Unzufriedenheit zu Grunde zu liegen scheint. Diese letztere Annahme wird auch schon dadurch bestätigt, daß der^ sonst so gefällige Telegraph plötzlich >n ganz überraschender Weise schweigt und kein Sterbens­wort über das, was in Aegypten vorgeht, verlauten läßt. Die Situation ist also mit Recht eine unklare, dunkle zu nennen; aug-nscheinllch machen sich d e widerstrebendsten Fntrlguen geltend, um mißliebige Gegner zu beseitigen Von wem sie ausgegangen und wer ihncn zum Opfer fällt, das wird sich bald Herausstellen, denn der jetzige Zu­stand ist wenig haltbar. Mögen nur, wenn die Catastrophe einlritt, die Mächte einig sein. _____________________________________________________________

^Lynchjustiz in der Thierwelt s Der Generalarzt Dr. Orestem aus Athen erzählt folgende merkwürdige Affaire:Im nordöstlichen Winkel des maliemschen Meerbusens liegt Stylida, der Hafenplatz Lamia's. Als ich zum Erstenmale in den freundlichen, nur als Gainison angewiesenen Ort einzog, frappirte mich die Menge von Storchnestern, welche mit ihren klappei nden Bewohnern von den Dächern der Häuser und Kirchen, aus Cedern und Platanen auf mich hernieder blickten. Eines Tages sah ich nun, vor einem Casö sitzend, Schwärme von fortwährend und sehr laut klappernden Störchen in allen Richtungen den Luftkreis durchfurchen. Von Zeit zu Zell trafen sie tnsgesammt auf einem Punkt zusammen, von wo sie sich nach einer Pause von ungefähr fünf Minuten wieder von einander trennten, um ihre früheren Flugbahnen aufs Neue zu durchschneiden. Begreiflicherweise erregte dieses auffällige Gebühren meine Neug>eide. Ich theilte meine Verwunderung meinem Tischnachbar mit und eifuhr dann zu meinem Erstaunen, daß es sich um nichts Geringeres, als um einen storchisch n Ehebruchsfall handle.Geben Sie nur Acht." sagte man mir,die Sache wird ohne Zweifel mit dem Tode des schuldigen Storchweibchms enden, das da oben Einsam und verlassen im Neste sitzt." Da ich die monogamische Ehe der Störche, Schwalben rc. kenne, dagegen den oft gehören Erzählunaen von der strengen Wahrung der Treue unter den ersteren niemals Glauben geschenkt hatte, so verfolgte ich jetzt das Schauspiel mit gespanntem Interesse. Mein Tlschnachbar hatte ganz richtig geweifsagt. Nach einer neuen, etwas länger dauernden und von einem ganz auffallend verstäikten Geklapper begleiteten Vereinigung der Störche vor dem obigen Neste fiel die zerpickte, zerzauste und blutende Störchin vor meinen Augen auf die Straße herab und verschied alsbald unter heftigen convulsivischen Zuckungen. Das war der tragische Schlußakt des merkwürdigen ornithologischen Dramas; die Schwärme lösten sich nun wieder in einzelne Paare auf und alsbald herrschte vollkommene Ruhe unter dem sonnigen blauen Himmelsgewölbe. Nach der Meinung aller Zuschauer war es klar, daß die der Exemtion vorausgegangenen Vereinigungen der einzelnen Storchschwärme als ebensoviele Sitzungen eines Gerichtshofes anzusehen waren, in denen die Schuld­frage bezüglich der in Anklagezustand versetzten Siörchin entschieoen wurde. Während meines fünfjährigen Aufenthalts in Lamin habe ich dreimal Gelegenheit gehabt, Augen­zeuge dieser Storch-Justizpflege zu sein, die jedesmal mit dem oben beschriebenen Akte der Lynchjustiz endete.

Von Coblenz aus wollte ein Schäfer in Gesellschaft seines Hundes eine Reise per Eisenbahn machen. Der Schaffner wies ihm zur Unterbringung seines treuen Gefährten ein Hunderoupö an. Einige Minuten nachher waren beide verschwunden. Man fand schließlich beide im Hundecoupö vor und nur mit großer Mühe gelang es schließlich dem Bahnpersonal, den Schäfer standesgemäß unterzubringen.

Eine Episode aus dem Leben des Generals v. Goeben ist durch den Prinzen Heinrich _pou Hessen mitgetheilt worden, dem sie der General selbst erzählt hat. Es mar im Sommer des Jahres 1840, als der damals 23jährige Oberlieutenant v. Goeben nach Beendigung dis Krieges in Spanien, den er in den Reihen der Karlisten mit­gemacht hatte, in seine Heimath zurückkehrte. Ein fast ununterbrochener Fußmarsch führte ihn von der spanischen Festung Teonell bis nach Frankfurt a. M Ganz ohne Mittel hatte v. (Soeben schon in den letzten Wochen nur von unreifem Obst gelebt und die Nächte auf freiem Felde zugebracht. In der Nähe von Darmstadt ^schloß er sich einem wandernden Bäckergesellen an und sagte ihm, daß er des ewigen L>chlafens auf freiem Felde satt sei und um endlich einmal unter Dach und Fach zu kommen, sich in Darmstadt arretieren lassen wolle. Er meldet sich auch wirklich beim Magistrat als Vagabond, wird aber, da seine Papiere in vollkommener Ordnung sind, wieder frei- gelassen. Ganz trostlos, müde und ausgehungert will er die Stadt verlassen, als ihm der Bäckergeselle auf die Schulter klopft und ihm 12 Kreuzer in die Hand drückt, dir ihm ein Unterkommen in der Herberge ermöglichen. Das war mein erster Besuch in Darmstadt, schloß v. (Soeben feine Erzählung. Das zweite Mal im Jahre 1849 wurde ich in Begleitung Sr. Königl. Hoheit des Prinzen von Preußen in einer Hofequipage vom Bahnhof abgeholt und das dritte Mal rückte ich als General an der Spitze meiner Truppen in dieselbe Stadt ein. So wechselooll kann das Schicksal sein.

fFlohwasser j Der Thierarzt Koch in Wien, Hernals Nr. 98, verkauft ein Flohwasser, welches aus Branntwein, mit einer Mischung van Benzin mit Seife versetzt, besteht; ca. 7 Theile Branntwein, 1 Theil Benzin und 1 Theil schwarze Seife oder eine andere Oelseife. Schmiert man einen Hund damit ein, so ist er auf wenigsten? eine Woche von der Plage frei. Ein anderes Flohmittel besteht aus einer Mischung von 1 Theil Nelkenöl, 10 The le Eau de Cologne und ca. 15 Theilen Spiritus. Damit werden die Betttücher, Hemden und Kleider bespritzt.

Darmstadt, 21. April Für Milstäranwäiter ist im Bezstk der Großherzogi. Scss. (25.) D'v sion die Stelle eines Pevells beim Großherzoglichen Gymnasium in ießen ausgeschrieben. Gehalt nebst freier Wohnung und Brand 700 J£. Näheres bet den Bettrksfeldmebeln.

Mainz, 20. April. Gestern Abend hat eine in der Rhein-Allee dienende Person ihr 2 Monate altes Kind mit den Händen so lange am Hals gewürgt, bis das arme Geschöpf feinen Geist aufgab. Das Verbrechen wurde aber sofort bekannt und der Polizeibehörde die Anzeige gemacht. Die unnatürliche Mutter wurde noch in der Nacht verhaftet.

Heute Vormittag hat sich hier ein Soldat ei schossen. Nähere Mittheilungen fehlen noch.

Neu-Isenburg, 17. April. Viel des Glücks hatte ein hiesiger Einwohner am gestrigen sog. weißen Sonntag. Es wurden ihm an diesem Tage nämlich zwei Kinder confirmirt, die im Alter 11 Monate auseinander sind, ein Kind ließ er taufen und er selbst beging seine Hochzeit mit der zweiten Frau.

Athen, 12. Aprll. Von einem entsetzlichen Unglücksfall wird derTribüne" von hier geschrieben, ist am vergangenen Charfreitag unsere Stadt heimgesucht woi den. Die Catastrophe, welche sich gegen Mitternacht in der Madonnenktrche des Quartier Neapolis zuttug, erinnert lebhaft an diejenige in Wai schau. Es war gegen elf Uhr. In dem engen Schiff und auf dem Chor drängte sich eine ungeduldige Menge, als sich plötzlich ein Plafondiheil loslöste und mit großem Geräusch auf den Boden stürzte. Gleichzeitig erscholl der verhängnißvolle RufFeuers welcher eine wahre Pan k her- oorrtef. Alles stürzte zum Ausgang Leider war beileibe völlig unpassirbar, da sich die Thür nach innen öffnet. Im Gedränge wurden sofort mehrere junge Damen und Kinder zu Bodcn gerissen und buchstäblich zertreten. Erst nach einigen Minuten allge­meinen Entsetzens gelang es, die Menge insoweit zu beruhigen, daß sie ein wenig von dem Ausgange zurückwich. Man konstatirte sofort mehrere Todesfälle und schwere Verletzungen. Die Betroffenen, welche meistens besseren Familien angehören, wurden in em benachbartes Hospital transportirt, wo bis zum nächsten Morgen schon fünf verstürben. Bis jetzt find elf Todesfälle bekannt geworden. Die Aufregung unter der Bevölkerung läßt sich nicht beschreiben. Damit sich dergleichen Unglücksfälle nicht wiederholen, hat die Polizei sofort einen Umbau sämmtlicher hiesigen Kirchenthüren verfügt.

Mainz, 17. April. Zu einem hiesigen Pfarrer kam Ende der verflossenen Woche ein sauber gekleideter Mann mit der Bitte, der Herr Pfarrer möge doch im Laufe des Nach rittags fein Kind taufen. Der angebliche Vater erzählte hierauf dem Geistlichen, daß er sehr arm sei und bat den Pfarrer zur Unterstützung für seine Familie um einen Beitrag von 3 Mark. Der Pfarrer glaubte den Worten des Mannes, erfuhr aber am Nachmittag, daß er das Opfer eines Betrügers geworden. Am Nachmittag desselben Tages kam zu einem anderen hiesigen Geistlichen derselbe Schwindler und erzählte diesem im größten Schmerz, daß feine Frau gestorben; er bat den Pfarrer, die Leiche zur letzten Ruhestätte zu gleiten. Ehe er von dem Geistlichen schied, bat er diesen um eine Geldunterstützung, die ihm, in Anbetracht der von ihm geschilderten traurigen Lage, auch gewährt wurde. Später erfuhr auch dieser Geistliche, daß er es mit einem Schwindler zu thun hatte. Ein anderer Geistlicher einer andern Pfarrei wurde ebenfalls von dersel Xi Persönlichkeit in ähnlicher Weise um eine Summe Geldes betrogen. Hoffentlich gelingt es, den frechen Patron zu ermitteln und für ferne große Unverschämtheit gebührend bestrafen.

Iagö Verpachtung.

Montag den 24. ds. Mts.,

Nachmittag 2 Uhr, soll auf dem Gemeindehaus zu Groß­linden die der Gemeinde gehörige Waldjagd sogen. Lindener Mark auf 9 Jahre verpachtet werden.

Groß-Linden, den 20. April 1882. Großh. Bürgermeisterei Großlinden.

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Mittwoch den 26. d. M., von Vormittags 9 Uhr an, sollen im alten Rathhaus versteigert werden:

Maurerarbeit, veranschl. zu JL 2340.50

Steinhauerarbeit, 1558.48

Zimmerarbeit, 92.70

Dachdeckerarbeit, 23.

Schreinerarbeit, 388.40

Schlosserarbeit, 80.70

Weißbinderarbeit, 186.50

Straßen-Handarb.,. 281.60

Erdauffüllung, 562.69

Gießen, den 2l. April 1882.

Großh. Bürgermeisterei Gießen.

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