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,j|r 94. Grstes Blatt. Sonntag den 23. April 1882.
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblaü für den Kreis Gießen.
- ■ —— - Preis viertelsührlich 2 Dlark 20 Pf. mit Bringerlohn
Schulstraße B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme Des Montag«. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Amtlicher Hßeil.
Betreffend: Die Hebungen der Pflichtfeuerwehr zu Watzenborn-Steinberg.
Polizei Reglement.
Nach Anliörunq des Geineinderaths und der Localpolizeibehörde, sowie nach erfolgter Zustimmung des Kreisausschusses wird mit Genehmigung Großh. Dlmistermms des Jnnem und der Justiz vom 15. April 1882 zu Nr. M. d. I. 8217 für die Gemeinde Watzenborn-Steinberg nachstehendes Polizei-Reglement
Um die den Mitgliedern der Pflichtfeuerwehr auferlegten Dienste und Verrichtungen (Bedienung der Spritzen, Handhabung der Rettungsgeräthe, der Signale u s w > denselben gehörig bekannt zu machen, hat die Gr. Bürgermeisterei die Befugniß, jährlich zweimal Jnspection der gesammten zur Pflichtfeuerwehr gehörigen Mannschaft mit allen Gerüchen, Spritzen u. s. w. abzuhalten und mit derselben eine Generalprobe zu verbinden.
Wer bei der Generalprobe ohne Entschuldigung fehlt, sich auch nicht durch einen gehörig befähigten und im Voraus seitens der Gr^ Bürgermeisterei angenommenen Ersatzmann vertreten läßt, oder den die Hebungen betreffenden Anordnungen der Großh. Bürgermeffterei zuwiderhandelt, hat Strafe von 1 bis 10 Mark zu gewärtigen. , y r
Gießen, den 25. April 1882. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. Boekmann. _______________
Betr.: Beschädigung der Böschung des Bruchgrabens.
Bekanntmachung.
In der neuesten Zeit werden die Böschungen des Bruchgrabens, welche eingesät sind, öfters, insbesondere von Kindern beschädigt. Wir machen darauf außnerkfam daß das Betreten dieser Böschungen verboten ist und nach § 368 pos. 9 des R.-St.-G. mit sechzig Mark bezw. Haft bis zu 14 <agen bestraft wird Wir haben das Feldschutzpersonal und die Schutzmannschaft angewiesen, Hebertretungen der fraglichen Art unnachstchtlich zur Anzeige zu bringen.
Gießen, am 22. April 1882. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
_______Fresenius.__________________
Gefundene Gegenstände:
1 Manne, 2 wollene Hemden, 3 Taschentücher, 1 Shlips, 1 Wagenkapsel, 1 Manschette, 1 Hundeblechmarke, mehrere Schlüssel. Gießen, am 22. April 1882. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
■ - - ' Fresenius.
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Deutschland.
Berlin, 20. April. Die „Berl. Polit. Nachr." schreiben: Die Ausschüsse des Bundesraths setzten heute in fünfstündiger Sitzung unter Theilnahme zahlreicher Bundesraths-Mitglieder die Berathung der Tabakmonopol-Vorlage [ort. Wie verlautet, wurde die Diskussion der Strasbestimmungen, von welchen noch hervorzuheben wäre, daß in demselben gesagt ist: „Die Behörden und Beamten der Bundesstaaten sollen sich gegenseitig thätig und ohne Verzögerung den verlangten Beistand in allen gesetzlichen Maßnahmen leisten, welche zur Entdeckung oder Bestrafung der Zuwiderhandlungen gegen dieses Gesetz dienlich sind" — ausgesetzt und in die Besprechung der finanziellen Fragen, insbesondere der Entschädigungsfrage, eingetreten. Die Beratungen wurden auch heute nicht jii Ende geführt, dürften aber morgen abgeschlossen werden. In den Ausschüssen iindet bekanntlich eine Abstimmung nicht statt; nichtsdestoweniger zeigt es sich Hon bestimmt, daß die Vorlage im Bundesrathe eine Majorität von mindestens 6—8 Stimmen finden wird, ein Stimmenverhältniß, welches wenig von dem in den „Berl. Polit. Nachr." am 1. April ausgerechneten abweichen dürfte. Zemerken wollen wir hier noch, daß Hessen zur Stunde noch keine Erklärung über seine Stellung zum Tabakmonopol abgegeben hat.
Berlin, 21- April. Die Ausschüsse des Bundesraihs haben heule die Tabak- mnopol-Vorlage zu Ende beralhen und beschlossen, von einem schriftlichen Referat «bzusehen, vielmehr mündlich dem Plenum des Bundesraths über das Resultat der Äerathungen Bericht erstatten zu lassen. Wie schon aus diesem Beschlüsse hervorgehen dürste, hat die Vorlage der Reichsregierung wesentliche Abänderungen durch die Ausschüsse nicht erfahren, wenngleich einzelne Bestimmungen präciser gefaßt und bei andern cn Steile des Wortes „Reichskanzler" „der Bundesrath" acceptirt wurde. Die wichtigste Abänderung der Vorlage der Reichsregierung soll die Frage der Befreiung dir Faoriken der Monopolverwaltung von der Comwunaldesteuerung betreffen, in Bema auf welche die Bestimmung der ursprünglichen Vorlage lautete:
„Der Betrieb der Tabakfabriken ist von der Besteuerung durch Staat oder Commune ausgeschlossen".
Am Montag den 24. April findet die Plenarsitzung des Bundesraths statt, in welcher über das Tabakmonopol entschieden werden soll; außerdem wird noch die Novelle zur Gewerbeordnung berathen werden.
Am Dienstag sollen die zuständigen Ausschüsse zur Vorberathung des Arbeiter- Unfall-Versicherungsgesetzes zusammentreten, welches heute zur Vertheilung gelangt. Dem Plenum des Bundesraths hat dasselbe am Montag bikanntlich noch nicht Vorgelegen und wurde an diesem Tage nur über die geschäftliche Behandlung Beschluß gefaßt. Wie wir schon neulich erwähnten, hat die Unfallversicherungs-Vorlage zahl- reicte Abänderungen erfahren, bei denen die Beschlüsse des Volkswirthschaftsraths Scrücksichtigung gefunden haben. So soll z. B. der Beitrag des Reichs nicht 331/3% betragen, sondern nach einem andern niedrigeren Procentsatze berechnet sein- die einzelnen Bestimmungen sind jetzt natürlich präciser gefaßt, da die Vorlage in Paragraphen eingekeilt ist, während die dem Volkswirthschaftsrath zur Begutachtung vorgelegene nur als „G-ündzüge" der Unfallversicherung sich darstellte. U B
— Dem Reichstage sind bereits einzelne Petitionen gegen das Tabakmonopol jiigxgangen.
— Gegen den Regierungssecretär und Rendant bei der kaiserlichen Tabak- Mamufactur in Straßburg, Georg Strecker, welcher bekanntlich wegen Amtsunter- schlivgung seit einiger Zeit in Untersuchungshaft sich befindet, fand gestern Verhandlung M der Strafkammer in Straßburg statt. Auf Antrag des Angeschuldigten wurde beschlossen, zunächst Sachverständige — einen Kassenbeamten und einen Kaufmann — ju erwählen, welche unter Leitung eines Richter-Commissars die von Strecker bei der taiserlichen Tabakmanufactur geführten Bücher einer P-üfüng unterziehen sollen.
Oesterreich.
Wien, 20. April. Die „Deutsche Zeitung" läßt sich aus Ragusa melden, der Ausstand, welcher in Folge der für die Halbinsel Lustina angeordneten Rekrutirung in Probori und Maina ausgebrochen sei, wurde in Ragusa als ernst betrachtet. Die aus der Crivoscie zurückgezogenen Truppentheile hätten Befehl erhalten, theils nach der Crivoscie zurückzukehren, theils nach dem Schauplatz auf das neue mfurgirten Gebiete abzugehen. Die Reservisten des dalmatinischen Regiments Weber, welche hätten entlassen werden sollen, verblieben in Folge der neuen Sachlage unter der Fahne.
Telegraphische Depeschen.
Wolffs telegr. Correspondenz-Bureau.
Wiesbaden, 21. April. Se. Majestät der Kaiser erschien gestern Abend im Theater und wurde mit enthusiastischen Kundgebungen empfangen; um 9 Hhr begab sich Se. Majestät nach dem Bahnhofe zum Empfange Ihrer Majestät der Kaiserin. Heute Vormittag 10 Hhr 20 Min. traf der Großfürst Wladimir vou Rußland hier ein, wurde vom Kaiser am Bahnhof begrüßt und von demselben im offenen Wagen nach dem Hotel geleitet. Zum Empfange des Großfürsten waren die Spitzen der Behörden und die Notabllitäten der hiesigen russischen Kolonie am Bahnhofe anwesend.
— Se. 9Jtaj. der Kaiser ließ sich heute Vormittag vom Chef des Civil- Cabinets, Wirkl. Geh. Rath v. Wilmowski, Vortrag halten. Zum Diner sind an die Generale v. Woyna und v. Loos in Mainz, sowie an den Generalarzt Dr. v. Langenbeck, Einladungen ergangen.
— Der Großfürst Wladimir stattete Sr. Maj. dem Kaiser heut Mittag 12 Hhr einen Besuch im königl. Schlosse ab, Se. Maj. der Kaiser und der Großfürst Wladimir unternahmen dann gemeinsam bei prachtvollem Wetter einen Spaziergang. Das Diner nahm der Großfürst um 4 Hhr bei dem Kaper ein, mit welchem er später auch das Hoftheater besuchte. Die Abrepe des Großfürsten Wladimir ist auf morgen früh 6% Hhr festgesetzt. aencbm;at,
Berlin, 21. April. Die Kirchen-Commission des H^r°nham'es genehm unter Ablehnung aller Amendements mit IO gegen 3 Stimm n . zu Artikel 3 Fassung des Abgeordnetenhauses und beschloß mit 12 ßeöeU aei?6anbibaten
folgende Fassung: Von ber oorgeidjriebenen^^®ta“tjpb^f@nn0tIJf)-ing§Jrüfßung auf einem befreit, welche durch Zeugnisse nachwei sirr, daß sie- die C 1 0 @tubiu^ auf einer
deutschen Gymnasium abgelegt, sowie ein^dre'iahnges tbeolog^^^ Seminar, hindeutschen Universität oder auf einem in Preußen des henv n UniDetfität§ftubjum§ sichtlich dessen die gesetzlichen Voraussetzungennur biefe§ Studiums Vorauf diesem Seminar erfüllt sind, zurückgeleg un^^^y^ gehört haben,
lesungen über Philoiophre, Geschiße und den sch> Reform der Ausbildung der
— Die vom Arbeitsmmisler May W ^ntralblattes d-r Bauverwaliung Staatsbaubeamten soll sich nach Mitth "9Ieitenbe Ausbildung der Bauführer unter erstrecken auf eine systematisches eine zeitgemäße Reorganisirung ber
Fortfall der diatarpchen V^faldung unterließt gegenwärtig den behördlichen Be- Baumeisterstaatsprüfung. Der Plan unleruegr g rathungen. , „,„-bmiate den Rest der Secundärbahnoorlage durch-
— Das Abgeordnetenhaus gench^ y^^g Büchtemann ab, in einem
weg nach den Commissionsant g^^ bm^ bll§ Gesetz bewilligten Credite für den Ab- Zusatzparagrapben das Crioicy na$ b„ BetriebSeröffnung auszusprechen. Morgen lauf des zweiten KalenderiWestfalen. Minister Puttkamer erklärt, er halte sist an"d?rErlÄgung de! hannnoverschen Kreis- und Provinzialordnung noch in dieser Session.'


