oare meveMglen. 5Dte Regierung hat losort Dieuwahlen angeordnet und die Skupschtina bis zur Completirung vertagt.
Die egyptisch Frage hat durch die Abberufung des französischen Finanzcontroleurs Blignieres in Kairo die Aufmerksamkeit wieder auf sich gezogen. Blignidres trieb häufig auf eigene Faust Politik und zwar so ungeschickt, daß er die schon vorhandene Erbitterung der egyptischen Nationalpartei gegen die Fremden hierdurch nur noch steigerte. Die französische Regierung hat nun seinen Nachfolger Bredif ganz unter die Autorität ihres Generalconsuls gestellt, wodurch sie ähnlichen Uebergriffen vorzubeugen hofft.
Zur K e a l s ch u l f r u g e.
Die veränderte Organisation der Gymnasien und Reatichulen I. Ordnung in Preußen, die m t dem 1. April ds. Js. in’§ Leben tritt, und über die wir uns in diesen Blättern (siehe Nr. 58 ds. BI.) bereits beitäll'g geäußert haben, beschäftigt begreiflich.r Weise die Gemüiher in jenem größten deutschen Staate zur Zeit lebhafter als bei uns, wo aber, nach der ganzen Lage der Drnge aus dem Gebicl des öffentlichen Unterrichts seit der Ausrichtung des neuen Reichs, äbnliche Einrichtungen, und zwar in kürzester Frist, unausbleiblich sein weiden. Ganz besonders ist es die Frage nach den Bericht gungen, welche sich an das auf diesen neu organisirt-n Realschulen abgelegte Maturttäts-xamen knüpien sollen, die dabei mit besonderem Gewicht in den Vordergrund tritt, insbesondere die Zulassung der Realschul - Abiturienten zu den Unwersitätsstudicn Welche Stellung viele Städte des preußischen Rheinlondes und Westsalens, sowie die dortigen Vertreter des Realschulwesens zu der Angelegenheit nehmen, bezeugt am besten eine am 24. Februar d I. in den Räumen der städtischen Tonhalle zu Düsseldors abgehaltene Versammlung der Delegirien von Curaioiieu selbstständiger Realschulen I. O. und vollberechtigter höherer Bürgerschulen der ge- nannten Provinzen. Die Oberbürgermeister von Köln. Düsseldors, Barmen. Aachen, Duisburg halten dazu die Einladung ergehen lassen, auf welche hin 40 Personen, darunter 11 Bürgermeister und Oberbürgermeister und die Vertreter von 19 Anstalten (Directoren oder sonstige Mitglieder ihrer Curatorien) erichienen waren, um ih-e Ansichten über die vom Herrn Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medieinalangelegenheiten vorgeschlagenen Resormen der höheren Schulen Ausdruck zu geben. In dieser Versammlung hielt der Herr Realschuldirector Dr. Steinhart von Duisburg einen später auch im Druck erschienenen Vortrag („die Realschule I. O. und die beabsichtigte Reform ihres Lehrplanes. Duisburg, bei Mendelsohn"), non dessin Inhalt unsere Leser b.i der Wichtigkeit der Sache, um d e es sich bandelt, mchi ohne Interesse Kenntniß n hmen dürsten.
Nach kurzem Rückblick aus d e bisherigen Bemühungen der rheiniich-westfälischen Curatorien zur Förderung der Realschul n, gab Herr Steinbart zuerst das Wesentlichste der ministeriellen Erläuteiungin betreffs der beabsichtigten Reform der Lebipläne an. Das Wichtigste sei die bestimmte Erklärung d-r Regierung, daß eine Einheitsschule, d. h. eine solche, die Gymnasium und Realschule verbinde, zur Zeit nicht möglich fei; gerade der Gedanke der Einheitsschule habe von Selten auch sehr wohlwollender Universitätsproftssorkn den Bestrebungen der Realschulfreunde großen Widerstand gebracht Die jetzt vorg-schlagene Resorm des Gymi-asiums sei äußerst dürftig und crsülle keineswegs die Versprechungen, welche der juristische Vertreter des Unter« richtsmintsteriums der medieinischen Sachverständigen-Commission im August 1878 gemacht habe. Bezüglich der Veränderungen des Planes der Realschulen erster Ordnung fei die Angleichung der drei unteren Classen der beiden Lehranstalten dankbar zu begrüßen; es fei dies für die bethell gten Eltern ein entschiedener Vorthetl. Auch vom pädagogischen Standpunkte könne die Aenderung des Realschul-Lehrplanes in den unteren Classen eine Verbesserung genannt werden. Nicht Minder freudig sei die Verleihung des Namens Realgymnasium aufzunehmen; es werde damit ein ost ausgesprochener Wunsch der Realschulsreunde erfüllt. Redner beleuchtet sodann die Veränderung im Lehrplan der oberen Classen; er meint, daß in pädagogischen Kreisen über den Werth ober Unwerth der Vermehrung des Latein die Stimmen getbeilt seien,
da ja andere ebenfalls wichtige Gegenstände darunter leiden müßten. Das aber fei Unin^,cl^,t' die Negierung hiermit einer sehr Derbreiteten Ansicht entgegenkomme
ble Ieb,cn Verhanblungen Im Abgeordnetenhausc bewiesen. Welches waren und welches stud nun unsere Ansprüche? fragt Redner weiter. Zur BeaMwottuna
TO ®M.0 M ea CIkCr^erg eld,un8 bcr bilden höheren Lehranstalten; schon der ge= ?en^er?tinb ^'1?^ °in so geringer Unterschied in den Lehrplänen und hrinAOpOnn f«nn„ Z™yhn s° gl°8-n Unterschied in der Ausbildung h rvor-
bringen könne, rote er thatsachlich in den ungleichen Berechtigungen als vorhanden
‘n,r "h C’ - ®Ct ber $orb Ibun8 der beid-n Kategorien von Abiturienten e» a °bzuwagen. Soweit aber bie eingehendsten Ermittelungen es vermochten sei sestgestelli word-ii baß die Nealschul-Abiturtenten mindestens ebenso Gutes wie dieGymnasial -Abiturienten geleistet hätten. Nachdem 9t,'b"er a" dem bekannten Antrag der Kieler philosophischen Fakultät gezeigt mft ”c**.e*.1 Waffen die Gegner kämpften, führt er Techow und Wiese als Beweffe an, daß feder ernstdenkeiide, gewissenhafte Mann, wenn er sich bemühe, di- Sache zu prüfen, den Bestrebungen der Realschulfreunde sich zuneige. Das Interesse ber Com- inunen erhetzche ebenfalls Berücksicht gung, die Städte brächten bebrüt nbe Opfer für
Fea'schulen; es fei eine große Härte, wenn ber Vater sein Kind mit bem 13 Jahre in Pension geben ober w nn er es nach glücklich bestaubenem Realschul-Abiturienten- Examen nach l-l'/z Jahre arbeiten lassen müsse, banrt es in eine Laufbahn ein- treten tonne, für bte es in bcr Realschule ebenso tüchtig vorbereitet werbe. Darum seien unb biteben die Ansprüche der Vertreter ber Realschulen dieselben: Volle Gleichberechtigung ihrer Anstalten mit ben Gymnasien. Trage bie
B denken, hierauf sogleich einzugehen, so sei wenigstens bringend m wünschen, daß eine erleichterte Nachprüfung im Griechischen, und nicht an der Con- curreiizanstalt sondern an der Universität eintrete. Hieraus führt der Redner aus daß diese Ansprüche sofort zur Geltung zu bringen wären; es fei stets mit der Veränderung der L-hrpläne und der Prüfungsordnung eine beabsichtigte Mehrberechtigung sogleich gegeben worden, so 1832 und 1859 an die Realschulen, 1880 an die umge- roanbelten @en)erbefd)ulfn. Auch sei Gefahr im Verzüge, weil die Realschulen unter loldjem Hinhalten leiden; die Regierung werde gewiß nicht den Schein auf sich laben
LCI lb" Adftcht, die Realschulen erster Ordnung gleichsam auszuhungern. Endlich bittet der Redner, bestimmte Beschlüsse zu fass-n, die bann den MimNern einer[eit§ unb ben rheinisch-westfälischen Abgeordneten andererseits zuzusendeii wären. Er schließt mit einem warmen Appell an die gegenwärtigen Kuratoren, als die natürlichen Bundesgenossen ber Realschulen.
2ln ben mit lebhaftem, allseitigem Beifall aufgenommenen Vortrag schloß sich eine frische unb eingehende Besprechung, an ber sich mehrere Oberbürgermeister, ein Curatormmsmitglieb unb verschiedene Realschulbirectoren beteiligten. Wir erwähnen von einem der ersteren (£>enn Lindemann von Essen) nur die Aeußeiung, daß ■5/ felbft Jurist, doch das Griechische für das Studium ber Jurisprubenz als
überflüssig erachte, baß er selbst manche griechische Schriftsteller im Original, anbere nur aus Uebersetzungen kenne, baß er aber in ben auf biefen verschiedenen Wegen erworbenen Kenntnissen feinen Unterschied sehe.
Das Ergebniß der Versammlung waren folgende, einstimmig gefaßte Resolutionen, die dem Herrn Reichskanzler, dem Unterrichtsministerium, dem Adgeorbnetenhause. dem Herrenhause und bin beiden Provinzialcollegien, letzterem mit ber Bitte um Unters stüguiip norgelegt ro erben sollten. Es mürbe erklärt:
1) Dte Gleichstellung der drei unteren Classen ber Realschulen und Gymnasien ist ein wesentlicher Fortschritt, welcher bem Interesse der beteiligten Bürgerschaft entspricht;
2) auch mit der Aenderung des Lehrplanes in den oberen Klaffen der Realschulen I Ordnung ist die Versammlung in der Erwartung einverstanden, baß ihnen nunmehr auch die weiteren Berechtigungen nicht vorenthalten werden;
3) die Umwandlung des Namens Realschule l. Ordnung in Realgymnasium wird zur Klärung der Stellung dieser Anstalten wesentlich beitragen.
Auch bei uns werden bald ähnliche Kundgebungen hinsichtlich einer für Eltern Heranwachsender Söhne so höchst wichtigen Frage sich als nothwendig herausstell, n.
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