Ausgabe 
23.2.1882
 
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rotrb durch die Debatte, die am Montag ihre Fortsetzung findet, nicht, denn natürlich hat ein icber ber Rebner Recht behalten. Das Abgeordnetenhaus nurb jetzt übrigens, nachbem bie Commissionen ein gutes Stück Arbeit geschafft haben, ziemlich regelmäßig Tag für Tag eine Sitzung abhalten, unb hofft man den Schluß ber Session ungefähr am 1. April herbeiführen zu können.

Die Proteste gegen bie Verordnungen des Handelsministers bezüglich der Handelskammern mehren sich. Auch die Handelskammer in Hirschberq hat befchlossen, sich gegen das Verlangen zu verwahren, daß die Jahresberichte vor deren Veröffentlichung deni Handelsminister eingesandt werden.

DerNorddeutsche Lloyd" in Bremen feierte am 20. Februar sein Lojahriges Bestehen. Als eine der großartigsten Schöpfungen geschäftlichen Unternehmungsgeistes, nicht blos Deutschlands, sondern der Welt, steht er h7ute mit seiner Riesen-Flotte von Ocean-Dampsern da; aber es ist ihm sauer genug geworden, sich auf diesen hohen und festen Stand zu erheben. Drei Jahre nach der Begründung hatte er nicht allein noch keine Dividende zahlen können, sou- dern stand hart vor der Nothwendigkeit, sich ohne einen einzigen ber erstrebten Erfolge rühmlos roieber auszulösen, unb nur ber unermübeten Thatkraft bes Vorstandes, unb besonbers bes hochverbienten Herrn Mdier-Bremen gelang es bie vorhanbenen Schwierigkeiten zu übenuinben und das Unternehmen auf den Standpunkt zu führen, den es jetzt entnimmt.

Kesterreich.

Wien, 19. Februar. Das Civilgericht in Rom hat, rote derNeuen or. Presse' von dort gemeldet wird, am 13. ds. die Nichte des verstorbenen Papstes Pius IX., Guiseppina Mastai-Ferretti, welche Die Giltigkeit des Testa- ments ihres Onkels angefochten hatte, als dessen einzige uitd rechtmäßige Erbin erklärt und uie drei Kardinale Märtel, Simeoni und Lavaletta, welche mit der Vollstreckung dieses Testaments betraut waren, zur Herausgabe des Privatver- "iHragen Erstorbenen aufgefordert. Dieselben haben auch die Gerichtsspesen

England.

London, 19. Februar. In zwei verschiedenen Stadtvierteln von Edin­burgh haben am Dienstag Explosionen von Höllenmaschinen stattgefunden, bereit jede mehreren Personen ziemlich schwere Verletzungen zufügte. Die Höllen­maschinen waren, in kleine Kisten verpackt, von Unbekannten in ben betreffenden Haulern abgegeben worben unb verursachten bei ihrer Eröffnung bie Explosion. Mau vermuthet, baß es sich bei dem Verbrechen um Privatrache hanbelt.

Darm st a b t, 20. Februar. sMilitärbienstnachrichten.j v. Grundberr- Altenthann, Port.Fahnr. vom 1. Gioßh. In-.-Regt. Nr. 115, S chu mann Porti Fahnr. vom 2_ Großh. Jns.-Regt. 9Zr. 116, v. Busse, Port -Fähur. vom 2 Kroüd ©raa^eat. 92(. 24 zu L-econde-Lieuienants; Frhr. v. Preuschen, Port.-Fäbn^ vom Großh. F-IdMrt^Neg^ment Nr. 25 zum außeretaismäßigen See-Lieutenant befördert Koster Port.-Fahnr. von der Gioßh. Tram-Comp., unter Beförderung zum Sec- Lieutenant,n das Hess Tram-Bat. Nr. 11 versetzti Grünewald, Vicefeldw vom

ab;f w Landw -Regts. Nr. 115, zum Sec.-Lieut. der Reserve

Jur-Reats. Nr. 117, Biel, Vue-Feldw. vom 1. Bat «Darmstadt II i

« ßiain« ^C0!!' 117> n Sec. Lieut der Reserve des 2. Großh. Jnf -

,nSm 9se,A^6si>®S,eJben6adh Vice-Feldw. vom 1. Bat (Darmstadt I.) 1 Großh

L^ndw -Regis. Nr. No. zum Sec.-Lt. der Reserve des Großh. Feld.-Art-Rcats Nr 25 befördert: Tholuck, Pürt-Fähnr. vom 3. Großh. Jnf.-Rkgt. 117, wegen zeitiger Dienstunbrauchbarkeir zur Disposit on der Ersatzbehörden entlassen; Heim See Z! von der Landw.-Inf. des 1- Bats. (Darmstadt I) 1. Großh. Landw.-Regts. Nr. 115 Pistor. Emmelius, Pr-Lts. von der Landw Inf. des 1. Bat. «Gießen) 2 Gr' Landw.-Regts. Nr. 116 der Abschied bewilligt.

, 20. Februar. Bald wird nur noch das Hauptgebäude und die

große Sandsleinlaule, welche größer ist als die Riesensäule im Odenwald, an die Herrlichkeiten der Patent- und Musterschutz-Ausstellung erinnern. Die schönen Trink- hallen ftnd bis auf die Bmding'sche ntedergelegt. Straßen und Wege sind üeraus- gebrochen und w nn der Säst in die Bäume treibt, werden auch die gärtnerischen Anlagen gänzlich entfernt sein. Dem Eigenthümer der Sandsieinsäule wurden 2500 für dieselbe geboten; er will sie jedoch unter 3000 JL nicht ablassen. Die Wandelbabn haben die Herren Gebrüder Holzmann nach Köln verkauft.

. , Kassel, 19. Februar. Die frohe Stimmung, in welche die Bewohner Kassels

durch den bevorfteh uden vielversprechenden Carnevals Festzug versetzt waren, ist durch eine arge, m vergärgener Nacht verübte Gräuelthat getrübt worden. In der Nähe der Post wurde zwischen 1 und 2 Uhr ein junger Mann Zuschneider Wilhelm Rech aus Eschwege angefallen unb durch einen Schuß in den Kovf getödtet. Die in dem Spritzenhause, nahe dem Sckauplatze des Mordanfalles befindliche Wache burdb ken Schuß allarmirt, verfolgte den Mörder, und soll ihm, wie es heißt, auch aus ben gerfen gewesen sein, ohne ihn festhalten zu können- Ueber das Motiv dieser Greuel- that kann man nur Vermuthungen anstellen, denn der Angegriffene ist tobt der Mörder noch nicht ermittelt. Doch verlautet, letzterer hübe sich mit seinem Opfer ch Folae von Liebeshandeln entzweit, fei dann nach Hause geeilt, um eine Mordwaffe zu holen und habe feinem Gegner in der Mauerstraße aufgelauert. Die mit Eifer betriebene Unter­suchung unserer tüchtigen Criminalpolizei wird über diese dunkle That bald L cht ver­breiten. Eben höre ich, daß die Mordthat von dem Schneider Schmidt verübt und daß dreser verhaftet wurde

~ sEigenthümlicher Wechselproceß.) Bet der Kammer für Handelssachen in Königsberg kam dieser Tage, nach Mtttheilung derKönigsb. Hart, Htg." folgender zur Vorsicht mahnender Fall zur Entscheidung. Jemand klagte auf Zahlung von

Telegraphische Depeschen.

Wolffs telegr. Correspondenz-Bureau.

Berlin, 21. Februar. Das Abgeordnetenhaus setzte die Etatsberathung fort. Beim Etat der Staatsarchive klagen Heereman und v. Fürth über eine erschwerte Benutzung der Archive, Regier.-Coinmissür Sybel weist den Vorwurf rdre Verwaltung benehme sich auf das Entgegenkommendste, eine freie Emflcht in die geheimen Materialien sei indeß nicht zu gewähren. Beim Etat des Kriegsministeriums erklärt, der Kriegsminister, die Untersuchung gegen die Schur, wache, welche bei der hiesigen Jnvalidensäule kürzlich einen Knaben erschoß und emen andern verwundete, sei noch nicht abgeschlossen. Von dem Verlauf derselben werde es abhängen, ob weitere Maßnahmen zum Schutze des Publi- kums zu treffen seien. Festgestellt sei ein thätlicher Angriff auf den Posten.

erwägen, ob die Schildwachen in frequenten Geaenden nicht durch Polizeiposten zu ersetzen seien. Majunke tadelt die Praxis de^r Behörden bei Inseraten in öffentlichen Blättern. Minister Puttkamer erklärt, er könne im Interesse ihrer Würde und Stellung einzelnen Blättern keine Inserate zuwenden.

Das Herrenhaus genehmigte das Gesetz über die Fürsorge für die Wittwen und Waisen unmittelbarer Staatsbeamten und ebenso die Abänderung des Penfionsgesetzes vom 27. März 1872. Fortsetzung morgen.

. . ~ Dw Fortschrittspartei beantragt, den Gesetzentwurf bezüglich des Wel- fenfonds dahin abzuändern, daß nur die Kosten der Beschlagnahme und Ver- ivaltung bestritten, die stch ergebenden Überschüsse aber dem Vermögensbestande zugefuhrt werden.

M r 21. Februar. Das Reichsgericht hat den Revisionsantrag des

Verlegers derBerl. Oftend-Ztg.", Ruppel, welcher wegen Beleidigung der Berliner Stadtverwaltung zu 500 Geldstrafe verurtheilt war, verworfen.

wur >?« -^visionsantrag des initangeklagten Literaten Weber, ivelcher zu 100 Geldjtrafe verurtheilt war, zurückgewiesen.

21- Februar. Die Rettungsstation Cuxhaven der deutschen Gefellfchaft zur Rettung Schiffbrüchiger meldet: Am 21. Februar von der eua- lstchen Vark9iorthern Queen", gestrandet auf Vogelsand, 12 Personen aereEt durch das Rettungsboot des zweiten Elbleuchtschiffes. Sturm aus NW. hoher Seegang. ' } J

- r , 21. Februar. Der Herzog von Albany und die Prinzessin

-OZe^von Waldeck find heute Nachmittag in Windsor eingetroffen.

^uch einem Delegramni derTünes" aus Konstantinopel vorn heuti- ßßpjtän Selby in Folge der bei dem Angriff durch albane- stlche Hirten erlittenen schweren Verwundung gestorben.

Marseille, 21. Februar. Ain verflossenen Sommbend ist vor dem Hafen von Genua das russische SchiffHelena", ivelches mit einer Haferladung von Odeßa nach Marseille bestimmt war, in Folge eines heftigen Anstoßes un­tergegangen. Die Schiffsmannschaft wurde gerettet bis auf einen N!atrosen welcher ertrank. '

Kattaro, 21. Februar. Die Orts-Altesten von Ledenice, Orahovaz und den übrigen von Truppen besetzten Ortschaften in der Crivoscie beschlossen nach Zuze in Montenegro auszuwandern. Wie aus Risano gemeldet wird' rücken die Truppen unailfhaltbar gegen Ubli vor, wo in den nächsten Tagen ein entscheidender Schlag erwartet ivird. 'Rach dem Falle von Ubli dürfte die Unterwerfung der Crivoscianer erfolgen.

Petersburg, 21. Februar. DerRegierungsbote" schreibt: In Folge der von dem General-Adjutanten Skobeleff in Paris an ihn besuchende Studenten ge­haltenen Rede werden beumuhigende Gerüchte verbreitet, welche jeder Begründung ent- behren. Dergleichen private Aeußerungen von Personen^ welche Seitens der Negierung nicht dazu ermächtigt sind, können natürlich keinen Ernfluß auf den allgemeinen Gang unserer äußeren Pol'tilj haben, noch unsere guten Beziehungen zu den Nachbarstaaten andern, welche sowohl auf^den freundschastlichen Banden der gekrönten Häupter unter sich und dem klaren Berständniß der Interessen der Völker als auch auf gegenseitiger strenger Erfüllung der bestehenden Verträge begründet sind.

Lokale-.

.e ~ Gieße«, 22. Februar. (Sterblichkeit in Gießen.) In der Woche oom 12 ms

'Sf/S'*"""1'"

unserem geftrigen Blatte "die untenftebenbe1"^Beueniffe folge« Taffen welL^b^^ in Rechenkünnler erhalten hat: 5 °n nc ,018en laen- welche ber junge

manten _>n Auhochst ihrer Sommerresibenz Sinaia produztten .u bürgen

M"jor Romulus Maghieru, Diensthabender Flügel-Adjutant.

. Leipz ig, Universitäts-Sternwarte, den 8. Dezember 1R7Q

Der sechsmhnge Knabe Moritz Frankl aus Fünfkirchen^hm sick mir ns« Rechner vorgc ellt und Aufgaben aus dem Gebiete btr 4 Spc^es und des Mi ausziehens gelost, welche mein Erstaunen um so mehr 61"^^ Baben al§ her

kennt und sich daher von denselben kein Bild machen kann Er multi- plicnt und btDibirt 3, 4 und Ostell'ge Zahlen mit einer Schnelligkeit und^ßeidifTnfpit' rote ich es nur bet Safe gesehen und gehört habe. Jch^in dnem feilen & aber noch nie ein ähnliches Rechentalent gesunden, ja hätte die Auflösung folcber Ans- Ä 'bn?a,n2titCr «^°lten, wenn hier nicht der Beweis norläa!'

sdE"dernsward'g noch, daß der Knabe ganz Kind ist unb burchau7 nicht em

8hns 8 hunb "U^cde nur, baß das Talent erhalten werde und sich später auf das Gebltt der ganzen Mathematik ausdehnen möge. lpater

Prof. Dr. C. Bruhns, Direktor der Sternwarte.

^^och bbute nicht unterlassen, die Musikfreunde etwas ausführlicher auf ein in Auffahrung kommendes Jnstrumentalwerk aufmerksam zu machen welches unstreitig das großartigste und auch einzigste ist, was je auf dem Gebiete der Instrumentalmusik geleistet wurde und was nur ein Beethoven im Stande war zu vollenden. Wir meinen seineneunte Sinfonie". Dieie

^bdanken, die der große Meister dem besagten Werke beiqab und flck Überall zu einem farbenieichen Bilde vereinigen, das endlich in dem Schlunfake mit Chor (Ode an die Freude) fernen Höhepunkt erreicht konnten nur elnkm Herzkn butsprinsen, welches mit warmen Schlägen die Ideale des Tondichters zum ßeben ner- ?"thoven schwärmte besonders für Göthe und Schicer und war

s .^^bene Dichtungen, wie beide sie dem Volk geschenkt Nicht durch Musik allein, sondern nur durch dies elbe im Verein mit der men chlichen Stimme, wahr und ergreifend w^ederaeaeben Begeisterung für Schillers Obe an die Freude schrieb er seine neunte Sinfonie mit dem einen nnh Schlußchor, ein Werk, auf welches nicht nur jeder seinfümende8fleftrbmkenbe Mm» reunb fonbern auch die besten und größten' Meister der^Neuzeit^mit^^inmge^Ver ehrung für den genialen Compomsten herabblicken. Niels W. Gäbe emer®unterer nm % bftC" ontroortcte °inst auf bie Frage, ob er nicht bald eine neue - SeIet1>onDent!e"6mOnie componlren würbe:Eine neunte Sinfonie schrieb nur

ließen, 22. Februar. Gestern Mittag würbe am Neuenweg ein Junge non 9971 *farrfn überfahren; der unachtsame Lenker des Karrens wurde von einem Schutzmanne notirt. Ebenso gcrteih ein Junge am Kirchenplatz unter einen tm (Sdtritt fahrenden Postwagen, wurde^aber glücklicher Weise nur von den Rädern gestreift

-3« verschiedenen Straßen setzte es am Fastnacht-Mittag schoi? Prügel ab Unter Anderm schlug eine erwachsene maskirte Person einem Jungen mit einem gebracht! M ba§ ®'Ut Der Thäter wurde demas/irt und zu?AnKe

- Gestern Abend mußte ein betrunkener Handwerksbursche, welcher mit offenem Messer auf der Straße herumstel, oerhaftet werden. 1 °r'encm

Nacht wurde ein hiesiger junger Mann von einem Soldaten mit dem Seitengewehr bedeutend am Kopfe verletzt. m

bm vorgenannten Fällen kamen heute Nacht noch circa ein halbes ^fACrKien ber StrQ6e vor, wobei es bei mehreren blutige Köpfe hk War- e§r augenscheinlich unangenehm, daß sich

di^i Schutzmannschaft m jeden einzelnen Fall mischte und die Contravenienten

Am 16. d. Mts. wurde auf dem Felde bei Allerts Baus en h?r Polizeidiener Kasper Hilgärtner todt aufgefunden borhde