1882
Freitag den 22 December
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Hurean: Schulstraße 7.
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Politische Uebersicht.
Gießen, 21. December.
Der Kaiser ist wiederum, wie das in den letzten Jahren öfters der Fall war, wenn plötzlicher Witterungswechsel eintrat, von einer Heiserkeit desallen worden, welche ihm das Sprechen sehr erschwert. Auf den Rath der Aerzte ist daher der Kaiser vermocht worden, für einige Tage das Zimmer zu hüten, doch hört er die regelmäßigen Vorträge weiter und ertheilt auch toieUQmmer dürftiger fließt der Quell der politifchen Neuigkeiten, die Nähe des Weihnachtsfestes macht sich eben auch nach dieser Nich- lung hin immer mehr bemerkbar. Allerwärts vertagen sich die Parlamente und auch bei uns ist das nur noch schwach flackernde parlamentarische Flämmlein mit der am Dienstag den 19. December eingetretenen Vertagung des preußischen Abgeordnetenhauses erloschen. Die letzten Sitzungen des Hauses boten nichts Hervorragendes dar, besonders nachdem sich das Interesse an dem Geschick der Licenzsteuer-Voilage, welche am Sonnabend einer Commission von 21 Mitgliedern überwiesen wurde, vorläufig wieder gelegt hat. Ein Theil der Montags- Sitzung war der Besprechung der Interpellation des fortschrittlichen Abg. Dirichlet bezüglich der körperlichen Züchtigung eines Mädchens in Buchwald bei Schmiedeberg in Schl, durch den dortigen Amts- und Schulvorstand, Freiherr v Nothenhan, gewidmet. Justizminister Dr. Friedberg erklärte, er hätte schon eine desinitive Entscheidung getroffen, wenn nicht noch einzelne Punkte auf- -uklären wären, über welche er Erhebungen angeordnet habe. Wenn diese die bisherigen Ergebnisse nicht wesentlich abänderten, glaube er, daß er die Ueber- aabe der Sache an die richterliche Entscheidung verfügen werde. Die Rede Friedberg's fand im Hause lebhaften Beifall und Hänel erklärte hieraus, auf eine weitere Besprechung der Interpellation Verzicht leisten zu wollen. Im Lause der sodann wieder ausgenommenen Berathung des Etats wurde der Specialetat des Justizministeriums erledigt, desgleichen am Dienstag noch die Specialetats der Staatsarchive, der Bauverwaltung und der directen Steuern.
Wiederum ist ein verdienter Officier aus der Zahl der alten Kamps- und Waffengenossen des Kaisers Ms dem activen Dienst geschieden. Das von dem General-Jnspecteur der Artillerie, Generallieutenant v. Bülow, ^gereichte Abschiedsgesuch hat die Allerhöchste Genehmigung gesunden. Zugleich hat der Kaiser, als Zeichen seiner besonderen Anerkennung, dem General- üeutenant v. Bülow den Charakter eines Generals der Jnsanterie verliehen und ihn ferner zum Chef des ersten Pommerschen Feldartillerie-Regiments Rr. 2 crnann^^ Tagesgespräch in Wien bildet die Anwesenheit des Legations- rathes Grasen Herbert Bismarck, welcher am vergangenen Freitag Abend in der österreichischen Hauptstadt eingetroffen ist und bereits am solgenden Tage 1)em Minister des Auswärtigen, Grasen Kalnoky, einen längeren Besuch ab- stattete. Die plötzliche Mission des ältesten Sohnes des deutschen Reichskanzlers
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nach Wien hat natürlich wieder eine Menge Commentare gefunden, namentlich bringt man aber dieselbe mit dem deutsch-österreichischen Bündnisse in Verbindung. In den Wiener diplomatischen Kreisen widerspricht man allerdings dieser Auffassung, aber man sieht nicht recht ein, warum gerade die Allianz zwischen Deutschland und Oesterreich in letzter Zeit Gegenstand eingehender Erörterungen gewesen ist und da in diese Zeit Ijinent auch die Reise des Herrn v. Giers fällt, so erscheint es doch nur natürlich, wenn man die Wiener Reffe des Grasen Bismarck mit diesen Dingen in Verbindung bringt, ohne sich weiter rni Felde der Conjecturalpolitik zu verlieren. Hoffentlich werden die Ofstciösen an der Donau und an der Spree hierüber bald einige ausklärende Winke geben.
Die sich endlos fort spinnenden Verhandln ii gen der französischen Deputirtenkammer über das außerordentliche Budget haben am vergangenen Sonnabend mit der Annahme desselben gegen zwei Stiminen geendet. Der ganze Verlauf dieser Debatteil hat eigenthümliche Widersprüche über dre französischen Finanzen zu Tage gefördert; auf der einen Seite wurde die gegenwärtige Finanzlage Frankreichs als glanzvoll geschildert, auf der andern.^eite wurde dieselbe in den schwärzesten Farben gemalt. Die Wahrheit scheint zwischen diesem ausgesprochenen Optiinisnius und diesem entschiedenen Pes simls- mus in der Mitte zu liegen, d. h. die Finanzlage Frankreichs ist nicht so verzweifelt, wie sie die Gegner der Republik darstellen, aber auch Nicht so glanzend, um mit Milliarden umherwerfen zu können. Jedenfalls wird tue vom Finanzminister Tirard selbst ausgegebene Parole der weisen Sparsamkeit für die französische Finanzverwaltung auf längere Zeit maßgebend bleiben muffen. — Die Verletzung, welche sich Herr Duclerc, der Ministerpräsident, durch eine Quetschung am Kniee zugefügt hat, ist zwar nicht bedenklich, wird aber immerhin den Minister auf einige Tage an's Zimmer fesseln - In parlamentarischen Kreisen versichert man, daß das Ministerium sich neuerdings mit der Frage wegen einer Expedition nach Tonking beschäftigen werde;, bisher Hatten nur Ministerverschiedenheiten bezüglich der Details für eine solche Expedition die Prüfung der Frage verzögert.
Die Bedeutung des im englischen Cabinet eingetretenen Personen- und Aemterwechsels entzieht sich vorläufig noch emer eingehenderen Be- urtheilung, da man erst abwarten muß, wie die Betreffenden ihre neuen Rollen auffassen werden. Von dem ursprünglichen Programm - Chllders, ^chatz- secretär, Hartington, Kriegsminister, und Lord Derby, ^taatssecretar für Nubien - ist insofern abgewichen worden, als Derby zum Minister der Colo- nieen ernannt worden ist und dafür Kimberley das Ministerium für Indien übernommen hat. Die Londoner Blätter besprechen den Eintritt Lord Deiby s in das Cabinet Gladstone mit großer Zuruckhaltung was wohl der neulichen Programmrede Derby's in Manchester zuzuschreiben ist, m welcher er sich bekanntlich als warmer Freund Frankreichs aufspielte wahrend doch fetzt der Wind aus England, gerade nicht freundlich nach Frankreich hmuberweht. Viel- leicht scheint aber Lord Derby berufen zu fein, um den sich immer mehr zu-
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Am 17 Auqust l. Js., Nachmittags, wurde in dem Großherzoglichen Orangeriegarten zu Bessnngen eine unbekamite Mannsperson erhängt en
Der Verlebte etwa 58 bis 60 Jahre alt, 1,65 Mir. groß, hat braunes dünnes Kopfhaar, etwas grau melM, Bart rasrrt, lekleidet A ' blauem, bis an die Knie gehenden Tuchrock, sogen. Kirchenrock, fchwarzer Tuchweste, graublauen Stosfholen, schwarzer Tuchmutzet mrt Lederschld, ube J sich am Aland an der Stirnseide ein' grauseidener Einsatz befindet, angeschuhten Schaftcnstieseln und Hemd von grobem Hausmacher-Lemen n 1 Brultetnsatz,^aNb^we^chem^de^Namen^ausg^eschmtt^^ ^Mittelungen nach dem Namen und Heimat des Verlebten und um Nachricht von einem Resultat.
Darmstadt, den 15. Dezember 1882. Großherzogliches Polizeiamt. —
Betreffend - Die Nnlage von Feldwegen und Entwässerungsgräben in der Gemarkung Gießen.
Bekanntmachung.
Tw die Nertülluna der in die neuen Grundstücke hinein fallenden größeren Gräben, wie sich erst neuerdings ergeben hat, vielen Grundbesitzern selbst nickt möalick war bat vie Commission nachträglich beschlossen, die Verfüllung der größeren alten Grüben baldmöglichst noch ausführen zu laßen. Der in ÄÄommene'um 332 Z. billiger vollziehen, als sie veranschlagt ist und soll der gesummte Kostenbetrag dadurch au- gebracht werden, daß das verfüllte Grabengelände den Besitzern der Aecker, in welche solches fallt, so hoch angelchlagen wird, als das angrenzende Acker- und dem Plane, in welchem die zu verfüllenden Gräben blau eingemalt sind, liegen vom 28. December l-J. bis 11. Januar k. E II7erungsgel aude dahier auf unserer Registratur zur Einsicht der Betheiligten offen. Reclamationen dagegen können be, uns wahrend der angegebenen Frist, müßen aber spätestens im Termine, Samstag den 13. Januar f. I., Vormittags von 10-12 Uhr, bei uns .m Reg.erungsgebaude dah er bei Meidung späterer Nichtberücksichtigung und der Annahme des Einverständnisses mit den Commisfionsbeschlussen vorgebracht werden, indem eine Wieder- einsetzunq in den vorigen Stand wegen Versäunmiß der oben angegebenen Frist gesetzlich nicht zulässig i)t.
Gießen, am 19. December 1882. Großherzogliches Kreisamt Giessen.
vr. Boek mann.____
Betreffend: Viehzählung im Deutschen Reich.
Bekanntmachung. . „ k
Die in dem Verzeichnis; der Mitglieder der Viehzählungs-Commissionen in Nr. 297 des Gießener Anzeigers enthaltene Commission für Berrrov funairt zugleich auch für Winnerod, was hiermit bekannt gegeben wird
Gießen, den 20. December 1882. Grossherzogliches Kreisamt Giessen.
Dr. Boekmann.


