Parlamentarische Nachlese.
In Folg- kaiserlicher Genehmigung und Zustimmung des R-ichst°g-s ist der leidere Dom 19 ^uni bis 30. November oder richtiger vom 16. Ium bis zu der Zeit vertaat worden wo seine Einberufung dem Kaiser wieder nolhwendig.erscheint; denn am 16 Juni war die letzte Plenarsitzung des Reichstags vor seiner Vertagung, schon am rv. >;uni r v gna§ die Wiederausnahme der
»eränbgt werten fann^ zg-rathung-n des Reichstags in den »erfloss-nen
ZZWM8SMHM Berathung . wiamnrrf erstrebt wirtbschaftliche und sociaipolitlsche Reformen, deren^Endzielen ^man^m^r^ße^und Ganzen wohl sympalhtich enlgegenkommt, aber ^it deren^Mittelnbie flX aReMelt des Reichstages sich Nicht befreunden kann. Stfiifuna der frinunzen desReiches, Erleichterung der Einzelftaaten von den drückenden L^AWKBBM-'LGZ errichteten deutschen Reiches noch einen festen Thurm aufsetzen würden, der ebenso sehr für die Klugheit und Fürsorge des Reichskanzlers Zeugn.ß ablegen würde wie für seinen beismellosen Schaffensetfer, den die bisher errungenen Lorbeeren nicht entfernt ruhen und rasten* lassen. Und'nun ist aber eine der geplanten Insi » wnen das Tabakmonopol, welches der Reichskanzler selbst als einen Grundpfeiler seiner Deform nolitik bereicknete bedingungslos und mit einer erdrückenden Mehrheit abgelehnt worden mit 276 gegen 43 Stimmen gab der Reichstag kund, daß er der Einführung des Tabakmonopols nicht beipflichten könne. Niemand wird angesichts e.ner solch Abstimmung behaupten wollen, daß sie das Resultat erner Parteipolitik sei, denn un den^Gegnern des Monopols befanden sich eigentlich alle Parteien, da die wenigen Treunde des Monopols sich aus keiner selbstständigen Fraktion zusammensetzten. Die Verwerfung der Tabakmonopol-Vorlage entsprang daher der den RElchslagsabgeordneten »cher der Ueberzeugung, daß die große Mehrheit des deutschen Volkes m der Einführung be* EabafmonopoIS eine gröb-i- B-n°chih°iligung ihrer Jn.-ressen erblick, als das Monopol Vortb-il- bietet. Liegt di- Entfch-idung nun einmal io, bann dürfen wir ^merhin noch recht klar und haffnungsooll in die Zukunft schauen und nicht der m.Stuna leben bafe die Gegensätze unseres politi ch-n Ledens sich zu einem unb-ll- nnura Gonf(icte au§bilben, denn das Tabakmonopol war doch nur Mittel und kem Selbstzweck und wenn eg'aud) nicht leicht isst passende Mittel für eine weitere Ver- solauna der Bismarck'schen Reformpolitik zu suchen, so werden sich diese wohl Wiefr fÄod» no* S Uffe«, wenn Reichsregierung und Reichstag einander emen stritt entaeaenkommen. Im Uebrigen ist im Reiche der Status quo auch durchaus 2 nichts verzweifelt, daß nichts auch aus den Verhältnissen, wie ste sind, die Mittel zu Reformzwecken zu beschaffen wären. __________
Verwischte».
Wiesbaden, 13. Juni. Das hiesige Lebensmittel-Untersuchungsamt, Ab- tbeiluna für Gesundheitspflege, erläßt die folgende Bekanntmachung, deren allgemeine Verbreitung sicherlich im Interesse des Publikums liegt. „Für . . . kündigt der bekannte aus Nossen in Sachsen an, daß er . . . hier für Band- mnmtMbenbe ru sprechen sei. Richard Mohrman aus Nossen m Sachsen ist seines Handwerks Uhrmacher und war unmittelbar vor Ausübung seines jetzigen Berufs Gehülfe bei emem Photographen. Das von demselben verordnete Mittel ist in semen nihoftnnhtheiIen Extractum filicis maris aethereum und extractum radtcis granati.
Nossen zubereitet. Früher wurde das Mittel von ÄLJ imh feinem Eomvaanon dem Eisenbahnbeamten Richard Lohmann, im Nmberiieben verkauftdaM dm re Mohrmann vom Polizeipräsidium zu Berlin ^^^r0XTi^n ßaXuMn/n^^^t aber der Verkauf derselben „gestattet war, so wurden beide, Mohrmann und Lohmann, im.Jahre 1881 vom°Scho^n^richt zu Wesel resp. dem Landgericht zu Dmsburg zu 96 Mark Geldbuße event. 16 Tage Haft verurthetlt wegen Uebertretung des Gesetzes vom 3- Juli ^76. Jetzt öttchreht v und Versandt der Mittel nur durch die Apotheke tn Nossen und wird dafür ^7- Nnchnghrn^- Ion 8-lä Mark erhaben^ Da der wahre Werlh ber Arzneimittel.
Literarisches.
Van ber iUuftrirten Pracht-Ausgabe non „S<S'ILerlL?B‘t*L'”,/ «7JnrbV-all" erften beutfeben Künstlern (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt, vormals Eduard SM beraer) erscheint gegenwärtig -ine zweite Auflage. Es fehlte nicht an theuren und billigen Editionen !oe§ Lieblingsdichters unserer Nation aber erne ähnliche w - di- erwähnt-, halten wir in Deutschland noch nicht. Das berote§ auch der rapid- Absatz, welcher derart stieg, daß noch während des Erscheinens ein Neudruck v-rans a t-t werden muß -, und das beweist ferner der Umstand, daß gegenwärtig b-re ts eine zweite Au I«ae im Erscheinen beariffen ist. Was nun die Vorzüge dieser Ausgabe stnd k Kun zusammengesaßt sind es die folgenden: 1) gründlichste Texirevision durch den bewahrte Schillerkenner G ihifcher 2i -in- Fülle von Illustrationen nach Zeichnungen unferer heften Künstlerin trefflicher Reprobuckion, 3) elegante und 8'Wma?»oUe schönes, für das Auge besonders angenehmes S-lbS-tont-s Papier und deutlich» Druck unb endlich 4) — Billigkeit, eine Billigkeit, die gerabezu erstaunlich ist w Ausgabe erscheint in 65 Lieferungen, von denen jebe 3-4reich hält unb dennoch nur 50 H kostet, fann man bet bem ibeft« leisten. Das Werk hat denn auch wenig seinesgleichen unter unseren buchhandlerim Unternehmungen. Der Wunsch der Herausgeber, daß ihr Werk „eine unentbehr Zierde jeder Haus^ und Familienbibliothek" werde, dürfte deßhalb gewiß in Erfüllung gehen, um fo mehr, als wer etwas schenken will, immer am liebsten zu einem W greifen wird, an dem nicht blos die glänzende Ausstattung und b.e5p^l^trUi5en^e^n- rühmenswerth sind, wo vielmehr das prächtige Gewand auch einem würdigen G a stände zu Theil wurde. Und wer ist würdiger, sich in solchem Schmuck Bücherschränken und auf unseren Salonttschen emzubürgern, als eben uns
die übrigens nicht zu den Hausmitteln zu rechnen sind, sondern wirkliche Arzneiformen repräfenttren, nur 1,20 Mark beträgt, so warnt obige Stelle vor diesem Schwindel."
Worms, 19. Juni. In dem Personenzuge zwischen Frankenthal und Bebenheim gerieth heute ein Personenwagen 3 Klasse in Brand. Durch die Umsicht des Zugpersonals wu-de weiteres Unglück verhütet, indem der Zug noch vor der Station Bebenheim zum Stehen gebracht und der brennende Wogen ausgestoßen wurde. Die in demselben befindlichen Passagiere kamen mit dem bloßen Schrecken davon
- Heber den plötzlichen Tod eines Mädchens an Bord eines nach Amerika absegelnden Schiffes wird aus Hamburg mitgetbeilt: Die junge Dame, aus Posen gebürtig sollte mit Verwandten nach Amerika auswandern, bekam aber plötzlich so starkes Heimweh, daß sie erklärte, nicht mitreifen, sondern zu ihren Eltern zurückke^ren zu wollen Die Verwandten redeten ihr jedoch zu, den einmal gefaßten Entschluß nicht aufzugeben. Das Mädchen willigte endlich ein; als dasselbe jedoch kaum einige Minuten an Bord des Schiffes war, griff es plötzlich mit beiden Händen nach der Herzgegend und brach leblos zusammen. Ein Herzschlag hatte dem jungen Leben ein Ende gemacht. ,. , . , , r . , .. r
Mainz 14 Juni, hu einer hier wohnenden Kartenlegerin kam dieser Tage ein Mädchen, um sich die Zukunft Vorhersagen zu lassen. Dame Wahrsagerin hat nun dem Mädchen mit so viel Unsinn den Kopf derart verwirrt und demselben solches Zeug vorgeschwatzt, daß das dumme Ding, wenn auch mit schw rem Herzen den Entschluß faßte sich von seinem seitherigen Geliebten, mit dem es demnächst in den Stand der Ehe cimutrcten gedachte, vollständig zu trennen. Als nun der Geliebte, em hiesiger Arbeiter das sonderbare Benehmen des Mädchens wahrnahm ,w drang er in dasselbe; dieses machte schließlich das Geständniß. daß ihr die Kaitenschlagerm allerhand D'nge über ihn gesagt habe und sie sich deshalb entschlossen habe, ibn nicht zu he'rathen Hierüber wurde nun der Bräutigam Feuer und Flan'me. er sMrzte nach Hause lud b-er eine alte Reiterpistole und drang mit dieser Waffe m die Wohnung der Kartenschlägerin, um sie auf dem Fleck todtzuschießen. Die F^u schrie um Hülfe es Een Leute herbei, Polizei wurde geholt und der aufgeregte Mordscandidat in Untersuchung genommen die Pistole aber confiscirt. Durch diesen Umstand ist nunmehr auch gegen die Kcntenscksiäg-rin als Betrügerin Untersuchung eingebettet.
— „Schützt die Augen Eurer Kinder!" Dieser t^atz kann nicht oft genug unfern Müttern zugerufen werden, aber leider beachten diese denselben sehr wenig. Sieht man nicht täglich Kinderwagen herumfahren, in denen die Kmder mit weißen Decken zugedeckt sind. ®-en>obt nun jede Mutter selbst einsehen sollte, daß diese^ weißen Decken die Kinder blenden, Augenentzündung. Kurzsichtigkeit und wohl gar Blindhest nn Gefolge haben können, so wird doch täglich und selbst beim süiarfsten Sonnen^schein auf diese Weise gegen die Gesundheit der Augen der Kinder gesündigt- Wahrend die auf den Straßen promenirenden Frauen aller Stände ihre Augen gegen zede Einwirkung der Sonnenstrahlen und selbst im Winter gegen den blendenden Schnee auf iede Weise und M't größter Sorgfalt zu schützen suchem bedeckt man diearmen Klemen mit Decken, deren grelle Farbe für die Augen am schädlichsten ist. Darum die weißen Decken abgeschafft — und an deren Stelle grüne ober blaue.
- Wie unb wo man in Deutschlanb billig leben kann darüber gibt das Cornhill Magazine" in seiner letzten Nummer einige Äufschlüsse. ®erlm ist sehr iHeuer geworden, heißt es in dem betreffenden Artikel, und billig ist es in Deutschland nur noch in den Hauptstädten der Kleinstaaten: Braunschweig, Cassel, Darmstadt, Weimar und Cobutzg- Alle diese Städte haben gute Theater mit billigem Abonnement. Die Hotels in den kleineren Landstädten sind für Touristen d e rk o st spie l ^Aufe nth alt, denn die Wirthe haben sich daran gewöhnt, Engländern horrende Rechnungen zu machen, aber die Restaurants sind sehr mäßig in ihren Preisen ZMlubstanttelles Mittagsmahl mit Bier kann für 50 H genommen werden, und in dm Brauereien, welche von Officieren frequentirt werden (!), kann man ein gutes Abendbrot), au einer Portion Kalbskotelette mit Bratkartoffeln od^ Bratwurst Mit Sauerkraut und einem Glase Bier bestehend, für 25 $ haben (?!). Die Schulen sind ebenso billig, als sn B-lgi-n! b-nn ble beutw Zug-Fist eifrig unb ftrebfam unb dadurch »erben ta L-br-r ongeregt. Kein -uglsicher Junge, der m, einer d utfch-n Schule -rzogen ist, wird als Dummkopf nach Hause gehen, wohl möglich aber daß er den Kopf neoen seinem Wissen auch voll Dünkel haben wird, denn nirgends wird man bem Aus- länber dessen Eltern von guter Familie und reich sind, mehr Unterwürfigkeit zeige , als in'Deutschland. Was die Mädchen anbetrifft, so werden sie auf den deutschen Schulen wohl eine solide Basis ber Gelehrsamkeit erwerben, aber auch ^if und Mg- matisch oder thöricht sentimental werden. Eme Engländerin , die in Deutschland erzopell ist, muß notbwendig, um in die englische ^sellschnft pasten zu können, noch
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in Reserve stets greifbar gehalten werden. Man fertigt heute so billige und vraci sch S-äÄSSM s “i—5« S •ÄHÄ SÄ'?
-“ÄÄSSHä Menschenleben können erhalten werden mit solchen zur Reserve oereu g u freuen ©tonen unb V-rbandsg-g-nständ-n, wobei es -in L-itos war-, Blihnp-rfonm Feuer wehr Solbm-v. Dienstwänner zur richtigen Hondbabunk. -rw° > « uruMe^^und «« Hülfsrnannschaft für all- möglichen Fäll- d-r Roth durch(.b- Daß man
wodurch auch die Aerzte Kenntniß erhielten, rasch zur Hand z tz
Vieles mtt dergleichen organisirien Einrichtungen erreichen kann, wtrv ,-o-r Arzt. i° jeder einsichtige Mensch zugeben." __
mau die Mannschaft unter der Fahne ans 8000 Mann Infanterie, 1000 Mann Serie und ebenso viel Artilleristen berechnet. Wir haben hierbei nur ine TEven im Auge, welche im eigentlichen ober Unter-Egypten stehen. Wie viel 5en rnr Feit in Ober-Egypten, bkzw. in bem Sudan verfügbar sind, ent- ftelst sich einer zuverlässigen Schätzung, zumal dieselben nicht vom SnegSmim« f eriun sondern auf Kosten ber betr. Provinzen erhalten werden; immerhin kann diese Zahl auf 8- bis 9000 Mann, ausschließlich 2- und 3000 irreguläre ^^BeNechuW^srÜstung und Bewaffnung sind nach europäischem Diusttr aereaett- die Infanterie fuhrt Remington-Gewehre, die gelbartUIerie Krupp sche 7 Em Hinterlader. Die Infanterie exereiit nach sranzostscher Kavallme und Artiller^ nach preußischer Vorschrift, welch' letztere durch den Prinzen Hasfan, der länaere Zeit in der preußischen Garde-Kavallerie gedient hat, emgefuht roor- b n ist Das Ofsteier-Corps setzt sich aus sehr gemischten Elementen 5u|ammen: Estiaeborenen, Türken, Tscherkessen unb früheren Angehörigen anderer Armeen DstO Ausländer vertreten die Intelligenz im Heere und stehen außhidienstlich mit ben eingeborenen Officieren in gar feinem Verkehr. In letzter Zeit ist die sog. Nationalpartei bemüht, die fremden Osficiere gänzlich zu verdrängen, was bem Ge üae und bem Werthe ber Armee nur schaden kann Unter der Regierung des Mheren Khedives geschah Vieles zur Hebung der Osficier- und Un erofsteier- Corps namentlich in Bezug auf miütärifche Bildungsanstalten. So bestand in Kairo'eine Solbatenkinderschule für etwa Taufend Sohne von Officieren und anderen Brililärs; ferner eine Kriegs- und Generalstabsfchule. ^n den beiden letztgenannten Anstalten wurden 400 Schüler unterrichtet, die mindestens 18 Jahre alt seüi mußten. Man sieht, es ist in Egypten ferner Zeit für onentalisch Verhältniffe viel geschehen, um einen tüchtigen Rahmen für eine yoßere Armee m «taffen Aber gerade hierin lag unb liegt auch bie Grundursache der fetzigen Minen insofern eine große Menge Osficiere und Unterosstciere, welche lediglich Mrufss'olbäten waren, durch die Verminderung des Heeresbestandes beruss- und eriverblos wurden. Es befindet sich in Egypten eine solche Menge auß'er Dienst gestellter Osficiere und Unterossiciere, daß man ohne Anstand ein H^r von 50- bis 60,000 Mann mit den nöthigen Cadres versehen konnte ; eine -vhat- sache welche von Wichtigkeit fein würde, wenn es das Land wirklich o weit bringen sollte, sich gegen fremde Einmischung, komme sie, woher sie wolle, zur Wehr zu setzen. Ein abschließendes Urthest über den Werth des egyptischeu Heeres hat seine Schwierigkeiten. Das Hilfscorps, welches wahrend deo rusfijch- türkischen Krieges der Khedive stellte, zeichnete sich durch sehr gute Ausrüstung gus und hat sich leidlich geschlagen; es verlor bei einer Starke von 18,000 Mann über 1200 Mann, worunter freilich zwei Drittel durch Krankheiten, da die Fellabs das rauhe Klima des Balkans nicht vertragen konnten und deshalb nach Eintritt des Winters für den Bewegungskrieg unbrauchbar wurden, t^hne Zweifel hat aber die Armee feit ihrer Verminderung viel eingefaßt an innerem Halt und äußerlicher Zucht; hierfür sprechen unter Anderem schon die häufigen Meutereien, die eine bedenkliche Lockerung der Ncanneszucht verrathen.
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