Grstes Blatt
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags
Gießen, den 21. Juni 1882.
Strack, Dekan.
Bremen
Ph. Hofmann
Hermann
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Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlvhit. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
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Deutschland.
Darmstadt, 20. Juni. Durch Entschließungen Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz vom 16. Juni l. Js. wurden der Hülfs-Gerichts- schreiber Bötticher, dermalen zu Büdingen, zum Hülfs-Gerichtsschreiber bei Großh. Landgerichte der Provinz Starkenburg und der Gerichts - Accesstst Dr. Eduard Löwe zum Hülfs-Gerichtsschreiber am Großh. Landgerichte der Provinz Oberhessen bestellt.
Darmstadt, 19. Juni. Das Großherzogliche Regierungsblatt (Beilage Nr. 14) enthält: .
1. Bekanntmachung Großh. Kreisamts Dieburg, die Umlagen der israelitischen Religions-Gemeinde zu Schaafheim für 1881/82 betreffend.
2. Bekanntmachung Großh. Kreisamts Groß-Gerau, die Niederschlagung des Kopfgeldes der israelitischen Religions-Gemeinde Wolfskehlen-Goddelau pro 2. Semester 1881 und die Nichterhebung einer Umlage in der genannten Gemeinde pro 1.'Quartal 1882 betreffend.
3. Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz sür das Jahr 1882/83 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Communal- Bedürsnisse in den Gemeinden des Kreises Erbach.
4. Verlegung des Wohnsitzes eines Rechtsanwalts:
Am 5. Juni wurde dem Rechtsanwalt Wilhelm Curt man zu Friedberg die Genehmigung ertheilt, seinen Wohnsitz von Friedberg nach Gießen zu verlegen.
5. Namensveränderungen.
6. Dienstnachrichten.
7. Ruhestandsversetzungen.
8. Concurrenzeröffnungen:
Erledigt sind: Eine mit einer evang. Lehrerin zu besetzende Lehrerinnenstelle an der Gemeindeschule zu Eberstadt, im Kreise Darmstadt, mit einem Anfangsgehalte von 1000 <X Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Lorsch mit einem nach dem Dienstalter des betr. Lehrers sich bemessenden Gehalt von 1000 bis 1600 «X
Berlin, 19. Juni. Daß die Conferenz in Konstantinopel auch ohne Betheiligung der Pforte zusammentreten wird, ist bereits bekannt. Neu dürfte sein, daß gewissermaßen in letzter Stunde Spanien den Anspruch erhoben hat, an der Conferenz Theil zu nehmen. Von welchem Erfolge dieses Auftreten Spaniens sein wird, ist mit Sicherheit noch nicht abzusehen. Interessant ist es vielleicht, daran zu erinnern, daß als zur Zeit der griechisch-türkischen Schwierigkeiten der italienische Botschafter in Konstantinopel eine nicht ganz klare Haltung einnahm, von einer Seite, welche den friedlichen Ausgleich der Schwierigkeiten vertrat, die Frage aufgeworfen wurde, ob nicht auch Spanien als Mittelmeermacht ebenso wie Italien gehört werden müßte. Ob Spanien diesmal aus eigenem Antriebe sich gemeldet hat, mag zum Mindesten zweifelhaft erscheinen. Uebrigens verlautet, daß die Pforte eine Conferenz ohne ihre Betheiligung vorzieht, weil es ihr willkommener erscheint, sich Europa gegenüber zu sehen, und daher dessen Wünsche in Betracht ziehen zu können, als an einer Conferenz Theil zu nehmen, die möglicher Weise ein Vorgehen beschließen könnte, zu welchem sich die Pforte ohnehin kraft ihres Souveränetätsrechts befugt glaubt.
Hesterreich.
Wien, 19. Juni. Die türkische Mission, bestehend aus dem Adjutanten des Sultans, Drigalsky Pascha, und dem Secretär des Sultans, Kiazim Bey, welche Sr. Maj. dem Kaiser Wilhelm 5 Araber-Hengste als Geschenk des Sultans überbringt, ist heute Nachmittag hier eingetroffen, und wird morgen die Reise nach Berlin fortsetzen.
Pesth, 18. Juni. In Agram stehen die Unruhen aus der Tagesordnung. Seit einigen Tagen kommen jeden Abend zwischen Studenten und Polizei blutige Schlägereien vor. Vorgestern wurde ein Polizist togtgeschlagen, 7 Studenten wurden schwer verwundet und 16 verhaftet. Anlaß dazu gab eine Ovation der Studenten zu Ehren des Führers der kroatischen Opposition, Starcsevics, gelegentliich seiner Namensfeier. Die Studenten sangen ein ungarn- feindliches Lied, das ihnen die Polizei verboten hatte, und daraus entstand der Zusammenstoß. Die Sache wäre nur dann von Bedeutung, wenn der Banus nicht bei Zeiten kraftvoll gegen die Unruhen einschritte, da ihm dann die Beilegung über den Kops wachsen könnte.
Betreffend: Das Landgestüt, insbesondere die Bedeckung der Stuten durch die Landgestütsbeschäler.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises
Wir erinnern Sie an Einsendung der Verzeichnisse der von Ihnen ausgestellten Bedeckscheine.
Dr. Boekmann. _____
England.
London, 19. Juni. Dem Lordmayor ist ein Telegramm des englischen Consulatsarztes in Alexandrien zugegangen, worin mitgetheilt wird, daß Tausende von christlichen Familien unter Zurücklassung ihrer gesammten Habe aus Egypten flüchteten und worin dem Lordmayor die Organisirung eines Hilfsfonds zur Unterstützung der Nothleidenden aller Nationen vorgeschlagen wird. Das Telegramm ist vom Lordmayor mit dem Bemerken veröffentlicht worden, daß es Sache der englischen Bevölkerung sei, sich über die zu ergreifenden Maßnahmen auszusprechen. — Die gerichtliche Verhandlung gegen den wegen der beschlagnahmten Waffenvorräthe verhafteten Irländer Thomas Walsh i|t heute aus 8 Tage vertagt worden. Der Antrag auf Freilassung desselben gegen Caution wurde vom Richter abgelehnt.
Türkei.
Konstantinopel, 20. Juni. In einer der Pforte zugegangenen Depesche Derwisch Paschas wird die Situation in Egypten als sehr befriedigend bezeichner Arabr gehorche pünktlich den Anordnungen des Khedives. - Der deutsche Oberst Kahler ist unter Verleihung des Osmanteordens zweiter Classe zum Bngade-Gmeral ernannt worden die drei übrigen deutschen Osfictere wurden zu Obersten ernannt und erhielten den Osmanteorden dritter Classe. - Said Pascha soll den Botschaftern gestern mitgetheilt haben, daß die Pforte ihre Bedenken gegen die Conferenz noch mcht ausgeben könn?.
Aegypten.
Alexandrien, 19. Juni. Meldung des Reuter'schen Bureaus.) Gerüchtweise verlautet der Polizeipräfect, welcher im Verdacht stand, der Urheber des jüngsten Blutbades zu sein, sei plötzlich gestorben. Ragheb Pascha Rashid Pascha und Arabi Bey sind heute von Kairo eingetroffen und haben dem Khedive und Derwisch Pascha die Mttthellung von der erfolgten Neubildung des Ministeriums gemacht. Die Namen der Minister sind bis jetzt noch nicht bekannt gegeben. Die franzostscken und griechischen Kriegsschiffe nehmen Flüchtige aller Nationalitäten an Bord^ Der englische Consul Cookson hat allen englischen Staatsangehörigen den Rath ertheilt, das Land zu verlassen, die Zahl derselben wird von dem Consulat auf dreihundert geschätzt. ______________________________________________,
Telegraphische Depeschen.
Wolff'S telegr. Correspondenz-Birrearr.
Ems, 20. Juni. Nach der Mckkehr von der Promenade nahm Se. Maj. der Kaifer die Vorträge des Hostnarschalls Grafen Perponcher und ves Chefs des Militär-Cabinets v. Albedyll entgegen. — An dem gestrigen Dmer bei Sr. Majestät nahmen Theil Prinz Nicolaus von Nassau, Graf Dohna- Schlobitten, Generallieutenant v. Werder, Generalmajor v. Minkwitz und Kammerherr v. Lepel. ,
Berlin, 20. Juni. Der „Reichs-Anz." schreibt: Der König mterefstrt sich lebhaft für die nothwendigen gesetzlichen Vorarbeiten zur Minderung des Steuerdrucks. Um das Maß des Drucks und die Bedürfnißfrage klarzustellen und für die eventuelle Abhllse neues authentisches Material zu beschaffen, ordnet ein Erlaß des Königs an das Ministerium an, daß dem Komge von letzt ad in jedem Monat eine Uebersicht der Zahl und der Vertherlung der Z g ' streckungen vorgelegt werde, welche auf dem Gebiete der Staatss - ff *' munalen Zuschläge zu denselben und der Beitreibung des ) g J 9 ' tUnben^re$ben, 20. Juni. Der König ist heute Abend nach Darmstadt und ktrage, Jut u6ertru6en, n ^'s Meer geworfenen Leichen übersteige
ÄS?» z»«i,>««->- ---»«>-» i »» &>—®«| » d»m. einen Cwilcodex auszuarbeiten.
P-YORiU
Mr 142 (Krstes Biatt. Donnerstag den 22. Juni 1882
Gießener Anzeiger


