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drv. 117 Zweites Blatt. Sonntag den 21. Mai 1882.
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigedlatt für den Kreis Gießen.
Snrcan : Schulstraße R. 18.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark äO Pf.
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Amtlicher H 6 ei l.
Betreffend: Den Remonte-Ankauf im Großherzogthum Hessen pro 1882.
Bekanntmachung.
Berlin, den 1. März 1882.
Zum Ankauf von Remonten im Alter von vorzugsweise drei, und ausnahmsweise vier Jahren sind im Bereiche des Großherzogthums Hessen-Darmstadt für dieses Jahr nachstehende, Morgens 8 Nhr geginnende Märkte anberaumt worden und zwar:
den 5. Juli
7, ", 28. n 29. „ „21. August
in Alsfeld, „ Nidda, „ Butzbach, „ Nieder-Wöllstadt, „ Lanipertheim,
den 22. August in Groß-Bieberau,
„ 23. „ „ Bickenbach,
„ 24. „ „ Gernsheim,
„ 25. „ „ Groß-Gerau.
Die von der Remoute-Ankäufs-Commission erkauften Pferde werden zur Stelle abgenommen und sofort gegen Quittung baar bezahlt.
Pferde mit solchen Fehlern, welche nach den Landesgesetzen den Kauf rückgängig machen, sind voin Verkäufer gegen Erstattung des Kaufpreises und der Unkosten zurückzunehmen, auch sind Krippensetzer und Köpper vom Ankauf ausgeschlossen, und wird es sich empfehlen, hierauf besonders zu achten, damit die Zurückgabe derjenigen Pferde, welche sich innerhalb der ersten 8 Tage nach dem Eintreffen in den Depots mit diesem Fehler behaftet zeigen, verinieden wird.
Die Verkäufer sind ferner verpflichtet, jedein verkauften Pferde eine neue starke rindlederne Trense mit starkem Gebiß und einen Kopfhalter von Leder oder Hanf mit 2 mindestens zwei Meter langen, starken hänfenen Stricken ohne besondere Vergütigung mitzugeben.
Um die Abstammung der vorgeführten Pferde seststellen zu können, ist es erwünscht, daß die Deckscheine möglichst mitgebracht werden.
Königlich Preußisches Kriegs-Ministerium, Abtheilung für das Remontewesen. v. Rauch. Graf v. Klinckowstroem.
Wochenschau.
Gießen, 21. Mai.
In unserer inneren Politik ist, wenigstens was das parlamentarische Leben anbelangt, jetzt abermals eine größere Pause eingetreten, indem der Reichstag schon mit dem 16. Mai in die Pfingstferien gegangen ist. Dieselben werden bis Dienstag den 6. Juni dauern, an welchem Tage der Reichstag seine Verhandlungen mit der zweiten Verathung der Zolltarif-Novelle wieder aufnimmt. Diese etwas frühe Vertagung erklärt sich theils aus dem Umstand, daß mit der am Dienstag beendeten ersten Berathung des Arbeiterunfall- und Krankenversicherungs-Entwurfes der Reichstag die ersten Lesungen der wichtigeren, ihm in dieser Session vorgelegten Gesetzentwürfe, erledigt hat, theils dadurch, daß der Gesammtvorstand des Reichstages in dieser Woche nach der Schweiz und Mailand abreiste, um auf Einladung des schweizerischen Bundes- rathes den Feierlichkeiten anläßlich der Eröffnung der gejammten Gotthardt- Bahnstrecke beizuwohnen. — Was nun die Berathungen über den Arbeiter- unfallverncherungs-Entwurf anbelangt, mit welchem sich der Reichstag am Montag und Dienstag beschäftigte, so ließen dieselben erkennen, daß trotz des Scheiterns des früheren Entwurfes das Bedürfniß nach einer definitiven Regelung dieser Frage von allen Parteien des Reichstages anerkannt wird.
. Die Reichstags-Commissionen, welche für die großen Gesedent- würfe dieser Session bestellt sind, also diejenigen für das Tabakmonopol, die Gewerbe-Novelle und das Unfallversicherungs-Gesetz, werden auch während der Ferien des Plenums m Thätigkeit bleiben. Die Commission zur Berathung des Tabakmonopols hat in ihrer Sitzung am 17. ds. den § 1 des Entwurfs mit 20 gegen 4 Stimmen abgelehnt. Desgleichen allch die übrigen «S bis 32 — In der Freitag-Sitzung der Commission wurde der ganze Geseßentwuri' mit 21 gegen 3 Stimmen abgelehnt und ein Antrag des Centrumsmitgliedes «ingens angenommen (siehe unter Berlin). Hoffen wir, daß das Monopol mit dieser Annahme begraben bleiben möge. f 1
Die elsässischen Reichstags-Abgeordneten haben zwei Anträge einqebracht von denen der eine den jogenannten „Diktatur-Paragraphen' für öS Lothringen aufgehoben wissen will, während der zweite Antrag bezweckt^denjenigen Mitgliedern des elsaß-lothringischen Landesausschusses welche desDem- Ichen nicht mächtig sind, zu gestatten, sich im Ausschüsse der französischen Sprache zu bedienen. Beide Anträge sind alte Forderungen der Elsässer aber da jene offenbar ein deutschseindliches Ziel verfolgen, so ist nicht anmnebmen daß der Reichstag je diese Forderungen bewilligen werde. $ zunehmen,
In Wien ist am vergangenen Dienstag das mit fn grober Spannung erwartete Urtheil im Ringtheater-Proceß gesprochen worden 9®as- letbe lautet für die Mehrzahl der Angeklagten auf Nichtschuldig nur drei Ver- sonen muffen die Consequenzen der furchtbaren Katastrophe voin8 Decbr o tragen, Theaterdirector Jauner, Hansinfpector Geringer und Maschinist Nstschke' Zauner ist zu viermonatlichem einfachen Arrest, Gerinaer -i, niprmLntriAo.n ™9en Arrest und Mschkezu strengen. Arrest
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Die gesammte französische Politik wird noch immer in erster Linie durch die Dinge in Egypten beeinflußt, wo sich die französische Regierung rm Verein mit dem englischen Cabinet so tief engagirt hat daß ein Ruriid- 04en kaum mehr möglich erscheint. Indessen hat sich die öffentttche Meinung !^-I^ankreich bis jetzt von der egyptischen Frage noch nicht allmsebr ausreaen k-ssen, hauptsächlich wohl, weil sie der Regierung des Herrn de är ncffiet ke n n vnfm, ähnlich der tunesischen Expedition zutraut Mit Aus
nahme der Gambettisten wünscht Niemand ,n Frankreich'ei^besönderk schneidi
ges Vorgehen in den egyptischen Angelegenheiten, und da der Ex-Dictator und seine Freunde gegenwärtig nicht mehr maßgebend in Frankreich sind, so ist auch zu hoffen, daß das französische Cabinet feine Rolle in Egypten mit Klugheit und Mäßigung durchführen werde. Dafür spricht der Umstand, daß Frankreich entschieden das Verbleiben Tewfik Paschas auf dein egyptischen Throne wünscht und dieses ist unter den gegenwärtigen Verhältnissen in der That noch das Beste.
In England beherrscht die irische Wetterwolke noch immer den politischen Horizont. Niemand weiß zu sagen, welchen Ausgang die irischen Angelegenheiten nehmen werden und das Cabinet Gladstone selbst schwankt unschlüssig hinüber und herüber. Der Erlaß des neuen Ausnahmegesetzes gegen Irland schien daraus hinzudeuten, daß die englische Regierung in Irland nun« mehr den Weg der äußersten Strenge einschlagen werde, aber die Einbringung der Bill, betr. die irischen Pachtrückstände, im Unterhaus!- — wonach der Staat einen Beitrag zu den rückständigen Pachtsummen leisten will — beweist wiederum, daß Herr Gladstone immer von Neuem versucht, die Iren mit England zu versöhnen; leider sind alle derartige Versuche bis jetzt nur Schläge in's Wasser gewesen.
Die durch die Demission des Ministeriums van Lynden in Holland eingetretene Ministerkrisis scheint vorläufig ihre Erledigung gesunden zu haben, da der König sich entschieden weigert, die Demission seiner Minister anzunehmen. Wie erinnerlich, bemiffwmrte das Ministerium in Folge des Umstandes, daß die Mehrheit der niederländischen Deputirtenkammer den mit Frankreich abgeschlossenen Handelsvertrag nicht genehmigte. Diese Mehrheit i|t aber aus verschiedenen Parteien zusammengesetzt, von denen keine für sich die Majorität besitzt, so daß es Schwierigkeiten bieten würde, für die gegenwärtigen Minister geeignete Nachfolger zu finden.
Die Äusfichten für einen friedlichen Ausgang der egyptischen Krisis sind fortdauernd die günstigsten. Arabi Bey, der Urheber der gegen Tewfik Pascha gerichteten Bewegung, scheint thatsächlich von seinem bisherigen Anhang verlassen worden zu fein und die übrigen Minister sind vollständig zu Kreuze gekrochen, indem sie dem Vicekönig ihre vollständige Unterwerfung zuge- sichert und ihn um Verzeihung gebeten haben. Der Vicekönig, welcher sich Angesichts der herannahenden Panzerschiffe der Westmächte vollkommen wieder als Herr der Situation fühlt, hat jene Erklärungen seiner „getreuen" Minister jedoch sehr kühl aufgenommen und letzteren zu verstehen gegeben, daß er nur deshalb die Differenzen mit ihnen für jetzt fallen lassen wolle, um das Land zu retten. Tewfik Pascha gedenkt also später noch Abrechnung mit seinem Cabinet zu halten. __
Zur Go tth ar dbahn-Eröffnung.
Entstehungsgeschichte der Bahn.
Der Gedanke, den Norden mit dem Süden Europas auf dem direktesten Wege durch einen Schienenweg zu verbinden, war schon früher als Bedürfmß erkannt. Dw Schwierigkeiten der Ausführung eines solchen Projects erschienen aber so unüberwindlich, datz die ernstliche Anhandnahme länger als e.n Menschenalter sich verzögerte Der erste Techniker, der den Bau einer Alpenbahn und zwar über den Sutoanter anregte, war Oberst La Ricca in Chur. Für den Bau dieser Linie bildete sich m Turm tm Jahre 1845 eine Gesellschaft, allein ihr Vorgehen erfreute sich keines günstigen, Orsolges. An Stelle dieser ersten Gesellschaft trat eine andere (1853), welche sich i"r Aufgabe gesetzt halte, zunächst die Lmien Rorschach-Chur-Weesen Rappersweil auszufuhren und dann Hond an den Lukmanier zu legen. Die erwähnten Strecken wurden tm Jahre 1862 vollendet, der angestrebte Alpenübergang aber verblieb auch jetzt nn Stadium der Untersuchung und kam nicht zu Stande. Als im Jahre 1862 und 1863 die Lukmaniei- freunde sich um Wiedererlangung der verlornen Concesstonen bemühten, verweigerte der Canton Tessin die scinige und behielt sich über die Wahl des geeignetsten Alpen-
Rach^ Erla^ eines Expropriationsgesetzes (Mai 1850), womit die ©inberniffe beseitigt wurden, welche bisanhin in der Schweiz dem Eisenbahnbau entgegenstanden, wurde der schweizerische Bundesrath beauftragt, ein Gutachten von Sachverständigen über die Entwicklung eines schweizerischen Eisenbahnnetzes einzuholen. Er beruf die Engländer Stefsenjon und Swinburne und stellte ihnen u. A. auch die Ausgabe, das


