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21/05/1882 Erstes Blatt
 
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Sonntag den 21. Mai

Erstes Blatt.

1882.

srr. 117.

Meßmer Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Wdm».a« » Schul straße B. 18.

Preis vierteljährlich 2 Mar! 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Marl 50 Pf.

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Bekannimach u n g.

Gr. Ministerium des Innern und der Justiz hat dem Ceiltral-Ausschuß der im September 1882* zu Darmstadt stattfindenden landwirthschastlichen Landesausstellung gestattet, in Verbindung mit dieser Ausstellung eine Verloosung von Maschinen, Geräthen und sonstigen Gegenständen, welche der Viehzucht, Land-, Forst- und Hauswirthschaft, Gärtnerei, Fischerei, Bienenzucht -c. dienlich sind, abzuhalten und die betreffenden Loose im Großherzogthum abzusetzen.

Es dürfen nicht inehr als 120,000 Loose ü 1 Mark zur Ausgabe gelangen und es müssen einschließlich der Reichsstempelabgaben wenigstens SO pCt. der Brutto-Einnahmen aus dem Loosverkauf zur Anschaffung von Gewinngegenständen verwendet werden.

Gießen, den 17. Mai 1882. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Bookman n.

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Betreffend: Die Aufficht über die Ausführung neuer Bauten, sowie Feuerungs-Anlagen. Gießen, am 17. Mai 1882.

Das GrMerZogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzberzoglichen Bürgermeistereien, beziehungsweise die Ortspolizeibeamten mit Ausnahme von Gießen.

Wie wir bereits in unterem Ausschreiben vom 13. April l. I. (Anzeiger Nr. 88) angegeben haben, sind die Bauenden nach Art. 77 der neuen Bauordnung vom 30. April 1881 verpflichtet, Ihnen von der Beendigung des RauhbaueS vor dem Beginn der Verputzarbeiten Anzeige zu machen (bei Meidung der in Art. 80 angedrohten Strafe), damit zur Prüfung der plan- und vorschriftsgemäßen Ausführung des Bauwesens eine Besichtigung desselben rorgenommen und je nach dem Ergebniß weitere Verfügung getroffen werden kann. Diese Bestlhtigung ist von den neu ernannten Bezirks­bauauffebern vorzunehmen, lvelche dafür nach § 102 der Verordnung vom 1. Februar 1882 dieselben Gebühren, wie die Feuervisitatoren, zu blichen haben (am Wohnort 3 außerhalb 5 Jl. für den ganzen Tag, eventuell die Hälfte für den halben Tag).

Ebenso haben die neu angestellten Bezirköbauaufseher in ihren Bezirken auch die Untersuchung der neu ange­legten oder wesentlich veränderten Kamine, Feuerungsanlagen re. (s. Art. 138 des Polizeistrafgesetzbuchs) gemeinschaftlich mit dem zustän­digen Kaminfeger gegen Bezug der für diese Geschäfte festgesetzten Gebühren vorzunehmen.

In beiden Fällen sind auch die Gebühren der Bezirksbauaufseher auf die Gemeindekasse anzuweisen und von den betreffenden Hanseigenthümern wieder zu erheben.

Die regelmäßig alljährlich vorzunehmenden Feuer Bisttationen und Nachrevifionen haben durch die hierzu besonders be­stellten Experten, an deren Dienstbezirken eine Aendernng nicht eintritt, wie seither stattzufinden.

Wir weisen Sie an, hiernach zu verfahren und bei Abgabe der Baupläne an die Bauenden, diese noch besonders auf die Eingangs erwähnte Vorschrift der neuen Bauordnung aufmerksam zu machen.

Die Bezirke der Bauaufseher wollen Sie aus Nr. 85 dieses Blattes entnehmen.

______Dr. Boekman -i.____ Betreffend: Die Herstellung des Straßenpflasters in der Neustadt.

B e k a n n L m a ch u n g.

Wegen Veränderung des Straßenpflasters bleibt die Straßenstrecke der Neustadt von der Bahnhofsstraße bis zur Mühlgasse für Fuhrwerke und Reiter von Montag den 22. l. Mts. an bis auf Weiteres gesperrt.

Gießen, am 20. Mai 1882. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

________Fres enius._________________________________________________

Gefundene Gegenstände:

1 Notenheft, 1 Handschuh, 1 Brille, 1 Päckchen Surrogat, 30 Mark, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Spindelnhr, mehrere Schlüssel.

Gießen, am 20. Mai 1882. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fresenius.

Deutschland.

Berlin, 17. Mai. Ein wichtiger Beschluß des Reichstags aus voriger Session, bett. die Wahlagitation, hat jetzt seine Erledigung gefunden. Bekannt­lich hatten die Wahlen der Abgg. Dr. Löwe und Virchow zu einer Debatte Veranlassung gegeben, well die liberalen Parteien sich beschwert hatten daß die Polizeibehörde Berlins dem conservativen Central-Com eine Abschrift der WAR1*-, welcher gleichzeitig Bemerkungen Über die acttve Wahlbetheiligung der einzelnen Wähler enthalten waren. Der Reichstag beschloß m Folge dessen , den Re.chÄanzler zu ersuchen, in Bezug auf diese Vorgänge amfllche Ermittelungen anzustellen. Jetzt ist nun ein Antwortschreiben

Reichskanzlers auf diesen Beschluß eingegangen, in welchem mitgetheilt wird, daß der Reichskanzler das Verfahren der Berliner Polizeibehörde nicht billigen könne und daß auch der preußische Minister des Innern sich in gleicher Weise ausgesprochen und das Verfahren der Berliner Polizeibehörde rectificirt habe

_ Ts Der Kaiser hat wie hiesige Blätter melden, dem Vorsitzenden des Kinderheilstatten an den deutschen Seelüften", Geh. Medicinalrath Prof Beneke m Marburg, zur Errichtung eines mustergültigen Nationalhospizes auf Norderney 250,000 Jl. zu Gebot gestellt, falls die sonstigen Sammlungen und Spenden bis zum Ende des Jahres 1883 den Rest der auf 500 000 veranschlagten Baukosten und die Kosten der Verwaltung des Hospizes decken W,rfm^ethtt' 2,ia'- DieB. P. N." schreiben: Zu den charak reichsten ^kmalen einer an diplomatischen Winkelzügen so überaus reichen Politik wieste S-rr Wmdthvrst d-lr-ibt, gehört ohne Zweifel sein am Schluß der vvraestr-en R-icks Knmmnr9 s Licht getretener Vorschlag, auch das Tabakmonoool durch eüie ßwischen- mL^Aui^rso^r" U1b f° d'-.B-schlußnahme über oosselbe bis sum HLst aus- Sx». "r'ot9 konnte er mit dieser Anregung schwerlich relbnen kenn kem Kelchskanzler liegt offenbar daran, ein dezisives Volum der Reichsoertretuna in er-

UtXk die Angelegenheit nicht bis nach den Landtagswahlen schweben zu lassen dmnit, neben der vorauszusehenden Ablehnung des Monopols selbst nicht noch dm * 'N eben der Weise ungünstig beeinflußt werden, wie die lebten Reichstaos- toer "n-?*11 ,ef, doch non Interesse, den Motiven nachzu püren, welchen ihorst sche Vorschlag entspringt. Daß er die Möglichkeit offen halten sollte PN den Preis weitgehender kirchenpolitischer Concessionen für das Monovol °rsch-'nt uns nicht wahrscheinlich. Dagegen &tnebenber 1

Zentrum auf dieser Grundlage zu einer einheitlichen Aktion zu vereinigen d.- entschieden persönliche Gegnerschaft des Herrn Windihorst'sgegeneinen Plam

welcher in erster Linie die Befestigung des mit 1866 begonnenen Werkes der deutschen Einheit bezweckt. Aber es paßt dem M-tster der Politik der freien Hand offenbar nicht, durch eine Ablehnung die Fäden zur Regierung zu zerreißen, bis nicht neue Anknüpfungspunkte gesunden sind. Für die planmäßige Sorgfalt, welche von den Herren im Centruin darauf verwandt wird, einen Bruch zu vermeiden, ist es bezeichnend, daß fiert Schröder-Lippstadt, indem er Herrn Windihorst sekundirte, zugleich selbst für das Monopol sich aussprach. Solche neue Anknüpsungspunkte würde der Ersatz des Monopols durch eine andere Form der Tabakssteucr bieten, durch welche die gegen­wärtigen Einnahmen aus diesem Steuerobjecte erheblich gesteigert werden könnten. Die Möglichkeit der Vereinbarung eines solchen Gesetzesvorschlages würde natürlich davon abgehangen haben, daß die Commission ausreichende Zeit für sich und die un­erläßliche Mitwirkung der Regierung erhielt. Für einen Vermittelungsvorschlag dieser Art würde das Centrum, ausreichende kirchenpolitische Compensationen vorausgesetzt, geschlossen eintreten können, kurz, es würde so die Perspektive aus eine Politik des do ut des eröffnet, roie man sie sich nicht weiter denken kann. Daß hierbei der von der Linken ausgehende, jede weitere Besteuerung des Tabaks ausschließende Antrag wiederum Wasser auf Herrn Windthorst's Mühle geliefert hat, ist klar. Inzwischen bat dieser, soweit zu übersehen, doch die Rechnung ohne den Wirth gemacht, indem die Reichsregierung nach wie vor entschieden Werth auf die Beschlußfassung über das Monopol noch in dieser Session legte.

In Bezug auf die gemeinsame Aktion der Westmachte in der ägyptischen Frage schreibt man denB P. N." von unterrichteter Seite, daß dieselbe weniger den Charakter einer Intervention, als die einer Demonstration habe, weil das englisch- französische Geschwader, das in die Gewässer von Alexandrien beordert ist, keine Landungstruppen an Bord habe, wie mehrsach irriger Weise behauptet worben ist. Es sei demnach sehr unwahrscheinlich, daß Arabi Bey mit fernem Anhänge ftm ben Jtaps schlagen, bezw. Befehlen Tefik Paschas, zu dessen Unterstützung das westmachtliche Ge­schwader abgeschickt ist, auf die Dauer fügen werd- und werde deßhalb eine Inter­vention des Sultans fchwerlich ausbleiben. Diese letztere, welche sich des moralischen Beistandes der deutschen wie der österreichisch-ungarischen Regierung zu erfreuen habe, wurde in der Absendung einer starken türkischen Gensdarmerie-Abtheilung bestehen, welcher die C-vil- und Militärbehörde Egyptens den Gehorsam nicht verwergern wurde. Auch se> es keinem Zweifel unterworfen, daß die Westmächte die Intervention der Pforte acceptiren würden, da der Sultan nicht entfernt daran denke, die Autonomie Egyptens irgendwie zu beschränken, vielmehr nur den Zweck verfolge, als oberster Souverän Egyptens dort die Ruhe und Ordnung neu herzustellen und zu verhindern, daß das revolutionäre Auftreten Arabi Beys England oder Frankreich oder beiden zugleich zum Ausgangspunkte von Unternehmungen diene, welche den Hoheitsrechten des Sultans und den Interessen der übrigen Mächte nicht entsprechen können.

Berlin, 18. Mat. Die®erl. Pol. Nachr.» schreiben angesichts der Ablehnung des Tabak-Monopols Seitens der Commission: Die Nachrichten, daß nachdem die Mehrheit im Reichstage sich gegen das Tabak-Monopol erklärt und die Commission