Sehr rasch scheint diese Angelegenheit nicht vorwärts zu rücken; doch wird das auch kaum erwartet. Sollen die neuen Beamten willig und mit Zutrauen nach Konstantinopel gehen, so werden sie vorher den Nachweis erwarten, daß denen, die schon am Bosporus anwesend sind, die Gelegenheit zu durchgreifender, nützlicher Thätigkeit geboten sei.
Es ist bis jetzt aber nur Herrn Wettendorf und etwa Herrn Gescher vergönnt gewesen, in ihrem Fach etwas Thatsächliches zu leisten; den deutschen Zollbeamten ist noch keine Amtsvollstreckung zugewiesen, ihre Berichte sind deshalb bis jetzt in der Theorie geblieben; sie muffen oft genug den gröbsten Unordnungen machtlos zusehen, und doch würde ihre Thätigkeit sofort eine greifbare Erhöhung der Staats-Einnahmen im Gefolge haben. Der deutsche Jntendanturbeamte arbeitet unter dem besonders erschwerenden Umstande, daß seine unmittelbare Oberbehörde, das Kriegsministerium, sich in den Händen des größten Gegners aller geordneten Wirthschaft, Osman Pascha's, befindet. Auf solche Berhältnisie muß auch Rücksicht genommen werden, wenn man sich eine Vorstellung von dem, was die deutschen Beamten in Konstantinopel zu thun und zu erfahren haben, bilden niilt Und man sieht, daß die Anbahnung der Reformen eine langwierige Sache ist. Man darf zu dem Willen des Sultans das Zutrauen hegen, daß er, der mit der Schuldenregelung den Weg des Fortschritts betreten hat, nun auch die Hindernisse wegzuräumen wisse, welche sich gegen die Anwendung gesunder Grundsätze auf die innere Staatsniaschine sperren.
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Gießen, 17. März. Gulachlen der Handelskammer Gießen über den Gesetz- Entwurf, betreffend die Einführung des Tabaksmonopols im Deutschen Reiche:
„Der dem Königlich Preußischen Voltswinhschaftsrathe zur Begutachtung übergebene Gesetzentwurf, betreffend die Einführung des Tabaksmonopols im Deutschen Reiche, ist keine neue Erscheinung. Derselbe wurde bekanntlich Ichon seit Jahren in Aussicht gestellt und der Grundgedanke desselben unterlag bereits im Reichstage, im deutschen Handelstage, in den Handelskammern und anderen kaufmännischen Corporationen eingehenden Discusston-n.
Auch wir haben über diese Frage schon früher eine Eingabe an hohes Ministerium des Innern gerichtet und zwar unterm 23. März 1878. Unsere Jahresberichte von 1878, 1879 und 1880 enthalten cü gehende Erörterungen der Monopolsrage.
Die Bedenken, welche wir in diesen Darlegungen erhoben haben, sind durch den nun in allen Einzelheiten vorliegenden Entwurf nicht zerstreut worden, lm Gegenlheil, sic wurden dadurch gerechtfertigt.
Wir wollen bei einer Begutachtung des Entwurfs von denjenigen Bestimmungen absehen, welche sich ausschließlich auf den Tabaksbau für die Monopolverwaltuvg beziehen. Die Beschränkungen und Belästigungen, welche diese Seite des Monopols der hessischen Landwirthschast auserlegen würde, sind gewiß schwerwiegend: Im Groß- herzogthum H ssen waren in den letzten Jahren zwischen 900 und 1000 Hectaren mit Tabak bepflanzt, d h. der 24. Theil des ganzen Tabaksareals im Deutschen Reiche. Allein weder in unserem Bezirke, noch in der Provinz Oberhessen befinden sich Tabaks i Pflanzungen. Nur in den beiden südlicher gelegenen Provinzen des Staates beschästigt sich die Landwirthschast mit dieser Cultur.
Auch der Handel mit Rohtabaken inleressirt den hiesigen Bezirk weniger. Da- ?egen treffen diejenigen Bestimmungen des Gesetzentwurfs, welche sich auf die eigent- iche Tabaksindustrie, d. h. die Fabrikation von Cigarren, von Rauchtabak, Kau- und Schnupftabak beziehen, keinen anderen deutschen Staat so hart wie das Großherzog- thum Hessen, und m dem Großherzogthum selbst ist wieder unser Bezirk derjenige, in welchem die Tabaksindustrie den hervorragendsten Erwerbszweig des gewerblichen Theils der Bevölkerung bildet.
Wir sagen nicht zu viel, wenn wir behaupten, daß durch die Einführung des Tabaksmonopols dem wirihschaftlichen Gedeihen und dem Wohlstände unseres Bezirks fast unheilbare Wunden geschlagen würden. Die Abnahme der Steuerkrast beifilben und zwar sowohl hinsichtlich der directen Steuern, wie hinsichtlich der Communaj- und Gewerbesteuer wäre unabwendbar. In demselben Verhällniß würde die Aimenlast in vielen Gemeinden steigen.
Wir erlauben uns, zur Rechtfertigung' dieses Ausspruchs auf folgende That- sachen hinzuweisen: Hier in Gießen besteh n zur Zeit 19 Cigarren- und Rauchtabaks- fabriken, welche in den umliegenden Dörfern 27 Filialen unterhalten. Die Production nur von C>garren beläuft sich auf 100,000 Mille pio Jahr, also den fünfzigsten Theil der Gesammtproduction Deutschlands. Die Zahj der in obigen 46 Arbeitsstellen beschäftigten Arbeiter erhebt sich auf ca. 2500 Personen, von denen weitaus die meisten aus dem Lande wohnen. Ein Theil dieser Filialen befindet sich allerdings in den naheliegenden Grenzdörf.-rn des Kreises Wetzlar und des ehemaligen hessischen Hinterlandes, allein auch diese Ortschaften gravitiren mit allen wirthschaftlichen Verhältnissen nach Gießen. Der IM l'aufe eines Jahres an sämmtliche Arbeiter ausbezahlte Lohn beträgt ca. 1 Million X- Die meisten der rings um Gießen gelegenen Dörfern verdanken der Tabaksindustrie ihr Gedeihen und einen gewissen Wohlstand. Eine Zerstörung dieses Industriezweiges vernichtet nothwendig auch diesen Wohlstand und schafft an Stelle Tausender friedlicher und fleißiger Arbeiter ein unruhiges Proletariat. Wir wenden uns jetzt zum Großherzogthum.
Nach dem Bericht der von der Reichsregierung im Jahre 1878—79 berufenen Tabaks-Enquete-Commission bestände» im Jahre 1877 im deutschen Reiche 15028 selbstständige Betriebe für Tabaksfabrikativn. Beschäftigt wurden darin 140,775 Arbeiter. Das Großherzogthum Hessen war darunter vertreten mit 301 Betrieben und 6210 Arbeitern. Der Werth der im ganzen deutschen Reiche jährlich hergestellten Tabaks- sabrikate betrug nach diesem Bericht 248 Millionen X- Hessen participirte daran mit 121/a Millionen X, also dem zwanzigsten Theile. Aus jeden Einwohner des Reichs wurden durchschnittlich hergestellt Tabaksfabrikate im Werthe von ca. 6 X, in Westfalen erhob sich das Verhältniß auf 11 X, in Baden auf 13 X, im Großherzogthum tessen auf 14 X, genau 13,96 isiehe Bericht der Tabaks-Enquete-Commission S. 46). iese Zahlen beweisen unwiderleglich, daß Hessen bei Einführung des Monopols von allen deutschen Staaten am härtesten getroffen, am schwersten geschädigt werden würde.
Der Monopolgesetzentwurf verspricht zwar, die meisten der jetzt in den Fabriken beschäftigten Arbeiter in den Monopolwerkstätten unterzubringen. Allein das ist voraussichtlich nicht ausführbar. Wenn man bedenkt, daß in dem reichen Frankreich unter der Herrschaft des Monopols der Bestand von 16 großen Staatsmanufaciuren mit 16,000 Arbeitern genügt, um den Bedars an Tabaksfabrikaten für das Land zu decken, so erscheint die Annahme des Gesetzentwurfs in Deutschland würde» unter der Mono- polvcrwaltung 28 bis 30 große Fabriken und 120—130 Filialen mit 80.000 Arbeitern bestehen können, höchst unwahrscheinlich. Die Erfahrungen in Frankreich und in Oesterreich lehren, daß die Verihenerung der Tabaksfadrikate, ohne welche ein großer Ertrag des Monopols nicht denkbar ist, vor Allem zu einer Verringerung des Cigarren- Consums gegenüber dem Consum von Rauchtabak führt. In Frankreich b-Iden z. B. die Cigarren nur 12 Procent der Gesammtproduction gegenüber 42 Procent in Deutschland. Da nun die Fabrikation von Rauchtabak viel nrniger Arbeitskräfte bedarf, als die Fabrikation von Cigarren, so würde auch das Versprechen, unter der Herrschaft des Monopols in Deutschland künftighin 5mal so viel Arbeiter zu beschäftigen, wie die französifche Verwaltung benöthigt, uneinlösbar bleiben.
Auch andere Gründe sprechen dafür, daß der Consum unter der Herrschaft des Monopols nicht auf derselben Höhe bleiben würde wie jetzt, ober sich gar steigern, wie der Gesetzentwurf voraussetzt. Schon unter dem Druck der jetzigen höheren Zölle und Steuern aus den Tabak ist eine Abnahme des Consums sowohl von Cigarren als Rauchtabak zu bemerken; die geschäftlichen Erfahrungen an unserem Platze lassen darüber gar keinen Zweifel.
Auch die Hoffnung, daß es der Monopolverwaltung gelingen werde, ihre Fabrikate nicht theuerer, sondern eher billiger herzustellen, als die Privatindustrie, und dabei doch die verschiedenartigen Geschmacksrichtungen der Consumenten szu befriedigen erscheint trügerisch Kaum in irgend e nem anderen Geschäfte kommt es so auf die, persönliche Thätigkeit und das Geschick der Geschäftsleiter an, um die Abnehmer zufrieden zu stellen, als in der Tabaksindustrie. Nach Schablonen läßt sich hier nicht arbeiten Beispielsweise fei bemerkt, daß die hiesige» Cigarrenfabrikanten durchaus verschiedene Fabrikate zum Versandt bringen müssen, je nachdem die Waare nach Nord
deutschland oder nach Süddeutschland geht. Weil in der Tabaksindustrte alles auf die persönliche Leitung ankommt, hat im Tabaksgeschäste auch noch keine Aciiengesellschaft prosperiren können. Auch mit Monopolbeamten läßt sich voraussichtlich weder der Einkauf der Rohtabake, noch die Fabrikation so zweckentsprechend bewerkstelligen, wie dieses der Prwatindustrie möglich ist. Beweise für diese Annahme lie|ern alle Monopol-Länder. In Frankreich wurde im Jahre 1875 ebenfalls eine Tabaks-Enquete veranstaltet.
Jo dem Bericht über die qaalitS des produits heißt es nach eingehender Untersuchung Seite 76: Tel eet le r4sum6 fidele des opinions, exprimeea dans Jenquete. Le plaintes, on le voit, tiennent une plus grande place que les eloges.
Noch näher liegt uns die Geschäftsführung der unter staatlicher Leitung stehenden Straßburger Tabaksmanufaciur. Die geringen E>folge derselb-n beweisen, daß sie nicht im Stande ist, der Privatindustrie n ichhaltige Concurrenz zu machen. Bekanntlich mußte ein großer Theil ihrer Verkaufsstellen nach kurzer steil wieder geschloffen werden.
Aus diesen Gründen werden wohl diejenigen Recht behalten, welche für ben Fall der Einführung des Monopols in Deutschland einen ähnlichen Rückgang des Tadaksconsums und eine ähnliche Verschiebung in dem Verbrauch von Cigarren und Rauchtabaken voraussehen, wie ihn Frankreich und Oesterreich ausweisen, dann aber verringert sich nothwendig auch die Zahl der erforderlichen Arbeitskräfte.
Aber selbst angenommen, dies würde nicht der Fall, so würde das Großherzogthum Hessen auch bann die Erwerdsverhältnisfc seiner Arbeitsbevölkerung wesentlich verschlechtert sehen. Auf Hessen kämen nach dem Verhältnisfe der Bevölkerungszahl von. ben 80000 in Aussicht genommenen Arbeitern ca. 1600, also noch nicht % der heute hier in Gießen beschäftigte» Personen Eine stärkere Quote für Heffen zu erlangen, bürste bei dem unvermeidlichen Wettbewerb der preußischen Provinzen und der übrigen Staaten schwer halten.
Noch eine allgemeine Betrachtung möchten wir hier anfügen. Der preußische Unterstaatssecretär Herr v. Mayr hat kürzlich in dem preußischen Volkswirthschafts- rathe die Aeußerung gethan, die Tadaksinbustrie würde ja gor nicht umgestaltet, blos die Unternehmer wechselten. Diese Aeußerung, aus dem Munde eines Staatsmannes kommend, erregt Erstaunen. So lange Staaten existiren, haben die kleinen und mittleren selbstständigen Betriebe auf allen Gebieten bes wirihschaftlichen Lebens bic sicherste Orunblage einer gesunden Entw ckiung gebildet. Seit Jahrzehnten beklagen Volks- wirthe und einsichtige Staatsmänner den Rückgang des Handwerks und des Kleinbetriebs in Folge der Übermächtigen Concurrenz der großen Fabriken und der Actien- Eiablissemenis und sinnen auf Mittel und Wege, wie dieser die Wurzeln unseres Bürgerslandes zerstörende Aussougungsprozetz gehemmt werden kann. Und in derselben Zeit wird eine selbstständige blühende Industrie mit lo 000 Einzelbetrieben mit Vernichtung bedroht und der amtliche Vertheidiger dieses Projectes steht darin blos eine Verschiebung der Unternehmer! Wir glauben, es sei heute eher die Ausgabe bet Staatsregierungen, einem solchen verderblichen Bestreben entgegen zu arbeiten und Alles aufzubieten, um die Zahl der ohnedies genug bedrohten ielbstsiändigen kleinen und mittleren wirthschaftlichen Existenzen nicht noch mehr zu verringern.
Dabei;ft zu bedenken, baß der durch die Einführung des Monopols angerichtete Schaden sich nicht blos auf die Zerstörung der 15 000 eigentlichen Tabaksbeiriebe beschränkt. Jndirect hängen von dem Bestände dieser Betriebe noch Hunderte von Hitssgewerben ab. Wir führen beispielsweise an die Fabrikanten »on Cigarren- und Packkisten, welch letztere bei Einführung des Monopols fast ganz entbehrlich würden, ferner Lithographen und Druckereien, welche mit der Fertigung von Etiquetten, Deckelbildern, Eiiveloppen, die heule mmtonenrneifc verbraucht werden, beschäftigt sind, ferner die Fabrikanten von Cigarrcn-Wickelfoimen, die Bandsabrikanten, Maschinenfabriken, Nägel- und Stiftfabrikanten rc. In diesen Hilfsgewerben werden allein in Gießen jährlich ca. 100000 Mark Arbeitslohn ausgezahlt. Außer den technischen Arbeitern würden noch Tausende von Handlungsgehilfen im Reiche brodlos werden, für welche eine Enttchädigung gar nicht vorgesehen ist.
Und welches Aequivalent wird dem Staate Hessen dafür geboten, daß eine seiner gesundesten und blühendsten Industrien vernichtet und damit der Wohlstand des Landes und die Sleuerkraft seiner Bewohner aufs empfindlichste geschädigt werden soll? Versprochen wird die Vertheilung des Ueberschusfes an die Einzelstaaten behufs der Minderung der directen Steuern. Zunächst ist die Größe dieses llederschusses selbst noch sebr zweifelhaft.
Aber wenn auch der Ertrag des Monopols sich weit über den der jetz'gen Zölle und Steuern aus Tabak fleigern sollte, würde Hessen eine Quote beziehen, die auch nur annähernd im Verhältniß stünde zu dem, was es verlöie?
Wir haben gesehen, daß die Werthe, welche die Tabaksindustrie in Hessen erzeugt, saft dreimal soviel per Kops bet Bevölkerung betragen, als burchschniitlich im deutschen Reiche auf den Kopf kommt. Gerechterweise dürste Hessen folglich auch als seinen Antheil an dem Monovolerirag nahezu das Dreifache per Kops beanspruchen, was durchschnittlich aus den Kops im Reiche kommt.
Es wäre dies eine Art Präcipuum ähnlich wie es feiner Zeit dem Steuerverein bei seinem Eintritt in bm Zollverein gewährt würbe.
Steht eine solche Ausgleichung auch nur zu hoffen?
Auch die Entschädigungen, welche der Gesetzentwurf in Aussicht stellt, lassen hunderterlei gerechte Einwendungen zu. Nützen würden namentlich diejenigen Summen, welche den nicht übernommenen Arbeitent ausbezahli werden sollen, weder der Mehrzahl dieser Arbeiter noch dem Lande. Ern guter Theil der so Abgefunbenen würbe, in unserem Bezirke ist das zweisellos, sofort auswandern, ein anderer würde jedenfalls den nrigeschicktesten Gebrauch von dem (Selbe mache», ähnlich wie bas bet Lotteriegewinnen zu geschehen pflegt und in Kurzem von dem Gelb wie von jeber Beschäftigung entblößt bastehen.
Enblich aber läßt sich mit Sicherheit aussprechen, daß die großen Hoffnungen, welche auf den finanziellen Erfolg des Tabaksmonopols gesetzt werden, wenigstens für die nächsten Jahrzehnte nicht in Erfüllung gehen werden.
Wir unterlaßen es hier, auf eine Kritik der Details der in dem Gesetzentwurf enthaltenen Calculationen einzugehen, weil diese Kritik gleich jener Calculation in der Lust schwebt, so lange man nicht die in Aussicht genommenen Qualitäten nebst dem »erarbeiteten Rohtabak vor Augen hat und diese mit den angesetzte» Verkaufspreisen vergleichen kamt. Nur dos wollen wir bemerken, daß die Beamten der Straßburger Tabaksmanufactur bis jetzt beim Einkauf von ausländischen Rohtabaken offenbar nicht glücklich gewesen sind.und dies auf die Grundlage der Calculation über die Erträge des Monopols von vorn herein ein bedenkliches Licht wirft.
Ueberzeugender aber wirkt e n Vergleich des für Deutschland herausgerechneten Ertrags mit dem was das Monopol und hohe Zölle auf Tabak anderwärts abwerfen. Der vorliegende Gesetzentwurf setzt voraus, daß in Deutschland künftig jährlich 388 Millionen Mark für Tabakfabrikate von den Sonfumenten ausgegeben werben würden, b. h. per Kopf 8Vs Mark, per Haushaltung ca. 40 Mark.
Nun giebt bas französische Volk, welches 2>/-mal so viel Steuer aufbringt, als wir, jährlich 270 Mill. Mark für Tabakssabrikate aus, bas unendlich reiche England, wo der dnrchfchnitlliche Arbeitslohn ca. 1700 X jährlich beträgt, gegen 700 X in Deutschland, verwendet 384 Millionen dafür.
Ist es denkbar, daß bas gegenüber biefen beiden Staaten notorisch arme Deutsch- la»b künftig mehr für Tabak und Cigarren ausgeben wird unb kann, als die erwähnten beiben Länber?
Wir bezweifeln bas unb gewiß mit Recht.
Aus vorstehenben Gründen halten wir die Einführung des Tobaksmonopols im deutschen Reiche weder in wirthschaftlicher noch in finanzieller Beziehung für gerechtfertigt. Für unseren Bezirk aber, wie für das ganze Großherzogthum Hessen würde die Monopolisirung der TabakS'nbusttie die Zerstörung eines seines bedeutendsten Erwerbszweiges und den Ruin von Tausenden von Existenzen bedeuten.
Verwischte*.
Frankfurt, 16. März. Gestern erhängte sich hier eine stadtbekannte Persönlichkeit, Hirsch aus Heddernheim- Derselbe hat vor seinem Ende einen in seiner Einfachheit rührenden Brief an Herrn Müller-Renz fern geschrieben, den uns derselbe zur Verfügung stellt und den wir im Interesse der Hinterbliebenen veröffentlichen wollen. Der alte Hausirer schreibt: „Ich Hirsch Flörsheim von Heddernheim, so gerne ich lebe, so lustig ich war, erwählte ben Tod. Ich habe mich von 1848 bis 1882 mit Looseverkaus ernährt, in allen Wirthschaft-» gesungen, um meine Familie von sieben Persoiieii zu ernähren. Ich brauchte alle Woche 24 X für Lebensmittel und die Woche 8 X für mich. Dabei habe ich 1150 Gulden abbezahtt an Herrn Z......für das


