6 K. Zweites
Dienstag den 21. Marz
1882.
Meßen er Anzeiger
Amts- und
für den Kreis Gießen.
Bure««: Schulstraße B. 18.
Erscheint täalich mit Ausnahme des Montags.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringcrlohn.
Durch die Pest bezvqen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Amtlicher Theit.
Betreffend: Die Frühjahrs-Control-Versammlungeu. Gießen, am 2. März 1882.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Groß herzoglich en Bürger m ei st ereien des Kreises.
Die nachstehende Bekanntmachllng wollen Sie in Ihren Gemeinden auf ortsübliche Weise veröffentlichen lassen.
Dr. Boekmann.
Gießen, den 28. Februar 1882.
Bekanntmachung.
Die diesjährigen Frühjahrs-Control-Versammlungen iverden im Kreise Gießen wie folgt abgehalten werden:
1. Im Bezirke der I. Compagnie (Gießen).
1. Zu Gießen am 3. April 1882, Vormittags, im Oswaldjchen Garten
und zwar um 7*/., Uhr für sämmtliche Reservisten der Infanterie, sowie sämmtliche zur Disposition der truppentheile und der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen, um 83/t Ubr für sämmtliche Wehrleute der Infanterie, um 10 Uhr für sämmtliche Reservisten und Wehrleute der übrigen Waffen.
Hierher gehören die Orte:
Annerod, Burkhardsfelden, Gießen mit Schiffenberg, Heuchelheim, Klein-Linden, Oppenrod.
2. Zu Lollar am 4. April 1882, Vormittags, neben dem neuen Bahnhofsgebäude
unb zwar um 9 Uhr für sämmtliche Reservisten sowie zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen, um 10'/, Uhr für sämmtliche Wehrleute aller Waffen.
Hierher gehören die Orte: _ , , . „ - m n m ■ < m..L
Allendorf a. d. Lda., Alt-Bufeck, Bersrod, Beuern, Climbach, Daubringen mit Hof Hebertshausen, Grotz-Buseck, Lollar, Mainzlar, Rodgen,
Ruttershausen mit Kirchberg, Staufenberg mit Friedelhausen, Treis a. d. Lda., Trohe, Wiesest.
3 Zu Grünberg am 5. April 1882, Vormittags, an dem Bahnhofe
und zwar um 8 Uhr für sämmtliche Reservisten sowie zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen, um 9 Uhr für sämmtliche Wehrleute aller Waffen.
föicrhßr cicbörcn bie Orte *. •
Allertshausen, Beltershain, Geilshausen, Göbelnrod, Grünberg, Hattenrod, Harbach, Kesselbach, Lauter, Liudenstruth, Londorf, Lumda, Oden- Hausen, Queckborn, Reinhardshain, Reiskirchen, Rüddingshaufen, Saas«', Stangenrov, Stockhausen, Weickartshain, Wertersham, Winnerod.
II. Im Bezirke der SB. Compagnie (Lieh).
1. Zu Huugrn am 17. April 1882, Mittags 12 Uhr, am Friedhöfe,
für fäinintliche Reservisten unb Wehrleute sowie zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen.
^Bellersheim, Bettenhausen, Hungen, Inheiden, Langd, Langsdorf, Muscheuheim, Nonnenroth, Obbornhofen, Rabertshausen mit Ringelshausen, Rodheini mit Hof Graß, Röthges, Steinheim, Trais-Horloff, Utphe, Villiugen.
2. Zu Lieh am 18. April 1882, Vormittags, am Bahnhose
und zwar um 9 Uhr für sämmtliche Reservisten, sowie zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften aller raffen, um 10 Uhr für sämmtliche Wehrleute aller Waffen.
Hierher gehorm^Orff. , Birklar, Dorf-Gill, Eberstadt mit Arnsburg, Ettingshausen, Garbenteich, Groß-Linden , Grüningen, Hausen,
Holzheim, Lang-Göns, Leihgestern, Sich mit Albacher-Hof, Kolnhausen und Mühlfachsen, Atünster, «of-Gill, Nieder-Beffingen, Ober-Befimgen, Ober-Hörgern, Steinbach, Watzenborn mit Steinberg. . , ,
Es haben aus den genannten Orten zur bestimmten Stunde sämmtliche im betreffenden Bezirke wohnenden Offtuere und Mannschaften des ^euilaubten- standes aller Waffen des deutschen Reiches zu erscheinen, welche zur Reserve und Landwehr gehören, zur Disposition der truppentheile beurlaubt, oder zur Disposition der Ersatz-Behörden entlassen sind. — Die Ersatz-Reservisten,haben mcht erscheinen. _ . ,
Dispensationen können nur in ganz dringenden Fällen eintreten und müssen darauf bezügliche Gesuche spätestens 8 Tage vor den betreffenden Eontrol- Versammlungen auf dem Dienstwege eingereicht werden.
Die ohne Entschuldigung fehlenden Mannschaften haben sich der gesetzlichen Strafe zu gewärtigen.
Es wird noch bemerkt, daß die Leute mit dem Militär-Paß und Führungs-Attest versehen in bürgerlicher Kleidung zu erscheinen haben, und vor dem Beginn der Control-Versammlung Schirme, Stöcke, Pfeifen rc. fortzulegen sind. . Franck, ,
s Oberstlieutenant z. D. und Bezirks-Commandeur.
Deutschland und die Türkei.
Die preußische Ordensgefandtschaft hat nun Konstantinopel verlassen, voll von den Eindrücken, die die ausgesuchte Gastfreundlichkeit in ihr erregt hat. Die Gründe einer solchen ehrenvollen Aufnahme liegen zum Theil sehr nahe; der Sultan hat bamit unserem Kaiser seinen Dank für den gleichfalls glänzenden Empfang ausdrücken wollen, welchen die türkische Ordensbotschaft in Berlin gefunden, und hat den besonderen Werth betonen wollen, den er auf die Freundschaft Deutschlands legt. Zum Theil stecken sie auch etwas tiefer, wie denn überhaupt der türkische Begriff von deutscher Freundschaft einige Elemente enthält, die eine nähere Auseinandersetzung nützlich machen könnten. Es besteht nämlich allem Anscheine nach in Konstantinopel das Bestreben, die deutsche Freundschaft Jo aufzufassen, als müsse sie zu einem baldigen Schutz- und Trutz- bündniß zwischen uns und der Pforte führen. „Wenn wir recht unterrichtet sind", fchreibt die „Köln. Ztg.", „fo hat man in Jildis Kiosk eigentlich erwartet, daß, die Ordensgesandtschaft Eröffnungen über ein solches mitbringen würde. Diese Erwartung hat sich begreiflicher Weise nicht erfüllt; im Gegentheil sind dein Sultan, und zwar zufällig gerade in den letzten Wochen, von Paris aus Nachrichten zugegangen, welche versicherten, daß Deutschland nicht auf ein „BUndniß" eingehen werde. Diese Mittheilungen haben ihre guten Gründe, und gerade weil wir ehrlich wünschen, daß die Anlehnung der Türkei an Deutschland dauernd und fruchtbar werde, nehmen wir keinen Anstand, dieselben bestätigend auszusprechen."
Für ein Schutz- und Trutzbündniß liegt zunächst kein concreter Fall vor, auf den dasselbe sich beziehen könnte. Ein solches aber ganz im Allgemeinen
abschließen zu wollen, ist ein Gedanke, auf den kein europäischer Staatsmann kommen würde. Denn ein Schutz- und Trutzbündniß abschließen hecht doch einander gegenseitig das ungestörte Dasein verbürgen. Nun besitzt d:e Türker nicht administrative Ordnung genug, um eine Kraft zu entwickeln, die uns eme bt- langreiche Bürgschaft bieten könnte, und außerdenr ist sie von viel zahlreicheren Störungen unmittelbar bedroht, als wir. Bei einem Bundnch mit ihr hatte also der europäische Staat ein unvergleichlich viel größeres Rlstco, als Wer osmanische, und auf ihn würde ein Uebergewicht von Lasten sollen, für welche die Gegenleistung keinen irgend annehmbaren Ersatz bote. Deswegen wird em europäischer Politiker nicht mit gutem Gewissen em Schutz- und Trutzbundmß mit der Pforte schließen können. .
Unsere Auffassung von dem freundschaftlichen Verhältmtz zur Türkei geht überhaupt dahin, daß Deutschland der Türkei wesenwch beim Ausbauihrer inner» Verhältnisse nützlich sein soll. In dieser Reform der Verwaltung; steckt die einzige wahre Kraftquelle der Türkei, und auf der Voraussetzung datz dus erkannt werde, beruht die willige Hilfeleistung Deutschlands- Wenn. das Land mit dem orientalisch reichen Boden die ,o naheliegenden Mittel ergre , um sich aus eigener Kraft emporzuarbeiten, bann wird seine militärische Bedeutung von Mer wachsen und bann kann es auch eiu begehrenswerther Bundesgenosse werden Der Sultan bat nur ndthig, energisch durchzugreffen unb bie Plane seiner beutschen Berather folgerecht in Th-tten zu übersetzen, so ist ber emzige Wea betreten ber feinem Reiche hilft unb der eben dadurch zur Befestigung der deutschen Freundschaft führt. Bekanntlich hat er die Berliner Regierung um eine neue Sendung von Beamten ersucht, die bei seinem Werke helfen sollen.


