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K8 Samstag den 21. Januar 1882.
Giehener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
1,1 ” ' . ” " " Preis vierteljährlich 2 Mcirk 20 Pf. mit Bringerlcchn.
Bureau: Schulstraße B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Amtlicher Hheit.
Betreffend: Die Bestellung uoit Experten in Brandversicherungs- und Brandentschädigungs-Angelegenheiten, sowie von Feuervisitatoren.
Bekanntmachung.
Die Großherzogliche Brandversicherungs - Commission hat solgende Experten in Brandversicherungs- und Brandentschädigungs- Angelegenhetten^rnannt' Daniel Roth von Langsdorf für den verstorbenen Zimmermeister Georg Zell bezüglich der Orte:
Bellersheim, Bettenhausen, Birklar, Hungen, Inheiden, Langd, Langsdorf, Muschenheim, Nonneuroth, Obbornhofen, Rabertshausen, Rodhenu, Röthges, Steinheim, Trais-Horloff, Utphe und Villingen;
2) Den Rtaurermeister Heinrich Win» von Lich an Stelle seines verstorbenen Vaters Johannes Wmn für dre Orte,
Albach, Arnsburg, Dorf-Gill, Eberstadt, Ettingshausen, Grüningen, Hattenrod, Holzhenn, Kolnhaufen (Hof), Lich, Amhlfachsen ltzof), Munster, Rieder-Bessingen, Ober-Bessingen und Ober-Hörgern, ' .... . .
3) Daraufhin haben wir die Feuervifitat-on in den unter Nr. 1 genannten Orten ebenfalls dem D. Roth übertragen, welche derselbe »r Gemeinschaft mit dem anderen Experten Maurermeister Georg Dietrick in Langd zu versehen,hat, während H. Wiun die Feuerm,Nation m Mn Gemeinden Dorf-Gich Eberstadt mit Arnsburg und Ober-Hörgern gemeinschaftlich mit Bezirksbauaufseher ^>chön, in Lich nut dem Experten Zunmermerster Friedrich Eise m Och und in Garbenteich, Grüningen, Hausen, Holzheim und Watzenborn-Steinberg mit Bezirksbauaufseher Heuling zu versehen hat Letzterer erhalt außerdem. me Feuervisitation in den zu feinem Dienstbezirk als Bezirksbauaufseher gehörigen Orten Allendorf a. d. Lahn, Groß-Lmd^l, Heuchelheun, Klem-Lrnden, ^ang-(^on., "eibaestern Lollar Ruttershausen, Schiffenberg und Staufenberg gemeinschaftlich mit dem Experten Hahn von Groß-Buseck. .
~ 09 Unsere Anordnung vom 19. November v. I., Anzeiger Nr. 272, wegen provisorischer Versetzung der vorgenannten Stellen tritt hiermit außer Wirksamkeit.
Gienen, den 17. Januar 1882. Großherzogliches'Kreisamt Gießen.
Pr. Boekmann.
Betreffend: Wie oben. ' ' ' ' Gießen, am 17. Januar 1882.
Das Großherzoglichc Kreisamt Gießen
an die Grotzherzoglichen Büvgerrneiftereien des Kreises.
Sie wollen sich nach vorstehender Bekanntmachung bemessen.
Ur. Bookman u.
Cine Wendung in den socialpolitisehen Anstauungen.
Die interessanten Reichstagsverhandlungen, welche sich an die Interpellation Hertling anknüpften, haben den Beweis geliefert, wie rasch bei den größten Staatsmännern die Standpunkte in Betreff der socialen Fragen wechseln können, und wie dringend nothwendig es ist, alle Vorschläge zur Verbesserung der Arbeiterverhältnisse einer rein sachlichen und leidenschaftslosen Prüsung auf Grund wirklicher Thatsachen und statistischer Zahlen zu unterziehen. Der deutsche Reichskanzler hat am 9. Januar ebenso die Freunde wie die Gegner seiner Socialpolitik überrascht, indem er offen bekannte: „Ich habe über die Unfallversicherung erst seit der Vorlage des vorigen Jahres die Ueberzeugung gewonnen, daß ohne corporative Unterlagen die Sache faktisch nicht iiüs Leben zu führen sein wird . . ., daß also nothwendig eine Arbeitstheilung geboten ijt und zwar eine solche, die den Interessenten mit heranzieht und welche den schließlichen Ersatz des Schadens combinirt mit der Aufgabe, den Schaden durch Aufsicht zu verhindern und einzuschränken." Wie diese bedeutungsvollen Worte so scheinen noch viele andere Bemerkungen des Reichskanzlers einen Umschwung seiner socialpolitischen Grundanschauungen vorzubereiten. Während er die große Aufgabe einer Verbesserung der socialen Lage der Arbeiter fest im Auge behält, kritisirt er selbst auf's Schärfste die im vorigen Jahre vorgeschlagene Reichsanstalt als „eine bureaukratische Einrichtung", bei welcher „die Masse der Geschäftsnummern, die entstehen würden, für keine Centralbehörde zu bewältigen sein würde." In Betreff der weiblichen Arbeit warnt er vor einem schablonenhaften Vorgehen, wodurch man mehr schaden altz nützen könne. Die Frage der Arbeitszeit erklärt er als „untrennbar von der Frage des Arbeitslohnes." Ueberhaupt betont er die Schwierigkeit für die Gesetzgebung „die Grenzlinie zu finden, bis an welche man die Industrie belasten könne, ohne dem Arbeiter die Henne zu schlachten, die ihm die goldenen Eier legt."' Alle diese Aeußerungen verrathen bezüglich der Staatseinmischung größere Bedenken, als sogar entschiedene Freihändler zu hegen pflegen.
Obwohl die Aufgaben der „corporativen Bildungen", die der Reichskanzler dem bureaukratischen Staatssocialismus vorzieht, noch nicht genügend klargelegt sind, so wird die letzte Rede des Reichskanzlers doch von vielen Seiten als ein entschiedener Principienwechsel aufgefaßt und daraus die Hoffnung gegründet, daß die Reichsregierung mit der Forderung statistischer Unterlagen für ihre socialpolitischen Pläne eine Bahn beschreitet, auf ivelcher die Verbesserung der Arbeiterverhältnisse zwar vielleicht etwas langsamer, aber dafür auch mit größerer Sicherheit durchgeführt werden kann. Die jetzt verlangte Vorsicht und Berücksichtigung der individuellen, localen und principiellen Verhältnisse bei der Behandlung von Arbeiterfragen ist von dem Centralverein für das Wohl der arbeitenden Klassen schon seit Jahren im „Arbeiterfreund" und in der „Social-Corr." empfohlen worden. Es scheint jetzt wieder ein neuer Bodeu für eine allseitige Verständigung der verschiedenen Parteien gewonnen zu werden. Die Hauptsache bei allen weiteren Bestrebungen für das Arbeiterwohl ist und bleibt aber, daß sie nicht vom politischen, sondern vom allgemein menschlichen Standpunkte aus betrieben werden sollten, und daß sich eine Aenderung der Gesinnungen für die Arbeiter in den Klassen der Arbeitgeber und der ganzen bürgerlichen Gesellschaft vollziehen muß.
Deutschland.
m. Darmstadt, 19. Januar. Das Großh. Ministerium der Finanzen hat an die zweite Kammer eine Proposition gelangen lassen in Betreff der Uebertragung von aus der Finanzperiode 187 6/78 herrührenden Crediten in das Rechnungswesen der Finanzperiode 1879/82 — Der Abg. Wolz hat den Antrag eingebracht, die Kammer wolle die Regierung ersuchen, den Forstbehörden Anweisung zu ertheilen, im kommenden Frühjahre in den Staatswaldungen größere Mengen Wald st reu zum Verkauf aufarbeiten 311 lassen. -- Der Gesetzgebungsausschuß der zweiten Kammer, welcher am 16. und 17. d. Mts. täglich zwei Sitzungen abgehalten, hat seine Berathungen auf Dienstag den 24. d. Mts. vertagt. Gegenstand der letzteren bildet immer noch der Gesetzesentwurf in Betreff der Enteignung von Grundeigenthum.
Berlin, 18. Januar. Eine Anzahl Berliner Subalternbeamten hatte die Absicht, dem Kaiser am 18. Januar einen Fackelzug zu bringen. Wie das Comite in einer Versannnlung, welche gestern Abend abgehalten wurde, mit- theilte, sei auf eine Anfrage, zunächst bei dem Fürsten Bismarck, die Antwort eingegangen: „Ein für Se. Majestät den Kaiser bestimmter Fackelzug kann nicht gleichzeitig dem Fürsten Bismarck gebracht werden." Auf eine, Anfrage bei dem Kaiser habe das Hofmarschallamt geantwortet: „Se. Majestät der Kaiser erblickt in dem beschlossenen Fackelzug ein Zeichen der Treue und Anhänglichkeit an das Kaiserhaus; Se. Majestät wolle jedoch nicht die Beamten zu unnöthigen Geldausgaben veranlassen. Hochderselbe sehe die Ovation als geschehen an und lehne deshalb den Fackelzug 2c. ab."
— Gegenüber den günstigen Nachrichten, welche über das Befinden des Fürsten Bismarck in einigen Regierungsblättern verbreitet waren, verlautet nach den „Hamb. Nachrichten" im Reichstage, daß der Fürst an einer Gesichtsrose erkrankt sei. Es ist dies eine an sich bekanntlich nicht Besorgniß erregende, aber immerhin zeitraubende und belästigende Krankheit.
— Die „Prov.-Corresp." bespricht die Berathung des Windthorst jchen Antrags im Reichstage und die dabei zu Tage getretene Friedens,tunmung und sagt am Schlüsse: Diejenigen, denen es mit der Friedensstimmung wirtlich ernst sei, würden am besten thun, die Regierung auf dem Wege zu unter stutzen, welche dieselbe nach reiflicher lleberlegung in Anbetracht der ge amnüen Verhalt- nisse eingeschlagen habe. Dieser Weg vereinige in sich! dieJBmfcJ** das Interesse sür die katholischen Unterthanen, wie auch das^ aufrichtige Bestr^ ben, zu der Kirche solche ^e5ie^ungen >r3u|kUen, unbeschadet ihrer Grundsätze und An,prüche dis»Erfüllung der gemein,« hohen Aufgaben ermöglichen. „L t
ct> V-! cv ' rtr cKnIne des früher erwähnten Erlaßes des
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Handelsministers Fürsten Bismarck vom 30. i bie '^effentlicbteit ihrer delskammern nunmehr Beschluß fassen darube ob ße >^ff )
Verhandlungen einfuhren wollen. Bis M Uegen^n-y^
bungert Zweier Haudelskamme , ihre Sitzungen in Zukunft öffentlich haben nach der „Bojs,. Ztg. '\Unäc&ft beim Nlagistrat die Ueberweisung abzuhalten, mdeß> muß . Die Handelskammer in Solingen war der ABch^da"ß , die Oeffentlichkeit der Verhandlungen auf die Thatigkeit der Han-


