Ausgabe 
19.3.1882 Zweites Blatt
 
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k . ®*' Troßher oglrchen Burg-rmE.r oder Beigeordneten haben m.t den Militärpflichtigen ihrer Gemeinden anwesend zu sein und sich darum zu bemühe» daß di- Letzteren -/» Stunde vor der b-stemmten Zeit zur Stelle sind, nüchtern und reinlich gekleidet erscheinen und m W

geschäftes ein anständiges und ruhiges Verhalten beobachten. ; " ,a?emen ltnD wahrend des MusterungS.

Wenn ein Militärpflichtiger wegen Gebrechen oder Krankheit persönlich zu erscheinen nicht im Stande ist, oder wenn er sich in gerichtlicher fsnft fo ist darüber em auf persönlicher Anschauung beruhendes Zeugniß des Arztes und der Bürgermeisterei, bezw. eine Bescheinigung d-s G^chts vAuleq«

Den Großherzoglichen Burgermetstereten liegt es ob, darauf aufmerksam zu machen, daß ein Militärpflichtiger wegen gerichtlicher Besir-kuna des Mllltäe dienstes unwürdig ist, und sind deßhalb die erforderlichen Nachweise amtlich zu erwirken und vorzuleqen. ' 9 8 Bestrafung de- Militär

Im Anschluß an das Ersatz-Geschäft findet

Dienstag den IS. April im Gasthaus zum Rappen zu Griinbera, Samstag den 22. April im Saale des alten Rathhauses zu Gießen und Frertag den 28. Aprrl im Rathhaussaale zu Lieh

die Klasstficirung der Mannschaften der Reserve, der Landwehr und der Ersatz - Reserve 1 «lasse

häuslichen und gewerblichen Verhältniffe statt.9 VtCcrDC 11 ^lac rucksichtlich ihrer

Es haben daher diejenigen Reservisten und Landwehrmänner, sowie die Ersatz-Reservisten 1. Elaste, welche im Falle einer Einberuiuna b'-gnindm"^'^^ a3e^dItniffe einen machen zu können glauben, an den bezeichneten Tagen, Morgens 11 Uhr, zu erscheinen und ihr? Gesuche W

Gießen, den 16. März 1882.

Der Civil-Vorsitzende der Ersatz-Commission des Kreises Gießen. ______________________________________________________Dr- Hoff mann, Regierungsrath.

Prag, 14. März. Heber die Streiks der Kohlenarbeiter un nördlichen Böhmen schreibt man derSocial-Corresp.": Seit dem 25. Februar d. Js. ruht die Förderung in den Pilsener Kohlengruben In einer Anzahl großer Kohlenwerke nördlich und östlich von Pilsen an der Pilsen-Priesener und der böhmischen Westbahn feiern ungefähr 45000 Arbeiter, weil die Arbeitgeber gewisse Forderungen, auf welche die Bergleute ein Recht zu haben glaubten, nicht erfüllten. Obschon eigentliche Ausschreitungen in den Hauptorten der Streiks, deren Diittelpunkt Nürschau ist, nicht vorkamen vielleicht in Folge der Entsendung von Truppen-Abtheilungen so ist es dennoch den verschiede­nen Vermittelungsversuchen, auch denjenigen der Regierungsbehörden, nicht ge­lungen, die Zwistigkeiten beizulegen. Abgesandte der streikenden Arbeiter hoffen nun in Wien durch Vermittelung von Abgeordneten bei dem Minister eine Art von Intervention zu ihren Gunsten zu erlangen und es hat ihnen der Minister auch bereits die wohlwollende Untersuchung ihrer Forderungen zugesagt, falls sie sich zur sofortigen Wiederaufnahme der Arbeit bereit erklärten. Dieser Be­dingung fügten sich die Streikenden und sie sind seit 10. März d. Js. wieder in Thätigkeit. In der Wiener Tagespresse findet man viele tendenziöse und irrige Darstellungen der Sachlage. Ganz falsch ist es, wenn die Wiener Tagespresse sich bemüht, die Streiks auf ezechische, antideutsche Agitationen zu­rückzuführen. Auch in Böhmen halten die Arbeiter wie allerwärts zu­sammen und lassen sich von nationalen Sympathien und Antipathien so gut wie gar nicht beeinflussen. Dagegen ist es richtig, daß der Streike von langer Hand vorbereitet worden ist doch von wem? Ganz einfach von den un­glaublichen Mißbräuchen und Uebelständen, unter denen die armen Leute zu leiden haben. Es ist dabei zunächst keineswegs an Lohnverhältnisse zu denken, obwohl auch diese klägliche sind. Vor dem Dtinister haben die Arbeiter darge­legt, daß unter je Tausende von ihnen nur etwa 50 mehr als 1/a ft- 2,60 M. täglich verdienen. Manche Arbeiter erwerben, trotz angestrengter Thiitigkeit, nur 55, 60 und 70 H pro Tag und müssen noch Licht und Werkzeuge davon bezahlen. Bedenklicher als diese Lohnverhältnisse sind andere Mißstände, vor Allem die Desorganisation der Hilfskassen (Bruderladen") auf Grund des Ge­setzes von 1854, in welche jeder Arbeiter einzahlen niuß, ohne die Sicherheit zu haben, im Falle der Roth auch wirklich unterstützt zu werden. Einmal sind alle diese Kassen leistungsunfähig, weil dem Bankerott nahe, und sodann kann jeder Arbeitgeber einfach durch Entlassungen sich seiner Verpflichtungen gegen den Arbeiter leicht entledigen. Letzterer ist absolut rechtlos und hat nicht einmal Anspruch auf seine Einlagen. Eine praktische Fabrikgesetzgebung kennt Oester­reich nicht; Kinder, jugendliche und weibliche Arbeiter werden ungehindert aus- gebentet. Ein Hastpflichtgesetz besteht nicht, die Unfallversicherung ist eine ganz unbekannte Einrichtung. Dagegen trifft man noch vielfach das sog. Trucksystem in bedenklichen Ausschreitungen. Hoffentlich erkannt man in Oesterreich noch rechtzeitig die ungeheuren Versäumnisse, welche sich Verwaltung und Gesetzgebung der Industrie gegenüber in Böhmen haben zu Schulden kommen ° lassen. Schlimmere Vorkommnisse als bloße Arbeitseinstellungen könnten sonst nicht aus­bleiben. Dian vergleiche hiermit die auf Grund eigener Anschauungen verfaßte SchriftNordböhmische Arbeiterverhältnisse" (Prag 1882) von A. Braf, Prof, an der Universität Prag. Auch in der Staatsbahn-Colonie Anina ist, wie aus Temesvar gemeldet wird, unter den Bergarbeitern vor einigen Tagen ein Streik ausgebrochen. In Folge dessen traf ein Berginspector aus Wien an Ort und Stelle ein, welcher eine Lohnerhöhung bewilligte, worauf die Arbeiten wieder aufgenonimen wurden. Socialistische Agitatoren sollen den Streik ver­anlaßt haben.

Lokales.

Gießen, 18. März. (Sitzung der Stadtverordneten vom 17. März.) Awesend: Herr Bürgermeister Bramm, die Herren Beigeordneten Keller und Heß, von Seiten der Stadtverordneten die Herren: Grüneberg, Han st ein, Hoch, Horn­berger, Kauf, Lüdeking, Ad. Noll, Aug. Noll, Pfannmüller, Scheel, Schopbach, Vogt, Wenzel und Wortmann. Nach Eröffnung der Sitzung wurden zunächst zwei Einladungsschreiben verlesen, von welchen das eine die in diesem Jahre stattfindcnde zweite hessische Vereins Regatta, das andere die Prüfungen der Schüler an der Fortbildungsschule betrifft. Die Rechnung der Realschule für 1880/81 ist geprüft und für richtig befunden worden. Dem Gesuch des Herrn L. Kauf um Ent­bindung von den Functionen eines Mitgliedes des Wiesenvorstandes wird stattgegeben und an dessen Stelle Herr Conrad Simon gewählt. Der Entwurf einer In­struction für den städtischen Wiesenwärler wurde gutgeheißen. Dem Antrag des Schulvorstandes, die 1. Klasse der Stadt-Mädchenschule, weil dieselbe überfüllt Ist, zu theilcn und eine neue Lehrerstelle zu errichten, tritt die Versammlung bei, desgl dem Anträge auf Herstellung von Reparaturen und verschiedene Anschaffungen für die städtischen Schulen während der Ferien vom 1.17. April; die diesbezüglichen Repa­raturarbeiten sollen aus der Hand vergeben werden. Betreffs des Gesuches um Eröffnung der Löberstraße wird unter Berücksichtigung der Bauordnung beschlossen, die Eröffnung derselben demnächst in Angriff zu nehmen, während betr. der Eröffnung der Schottstraße beschlossen wird, nach Einführung der Bauordnung auf diesen Gegen­stand zurückzukommen. Dem von mehreren Einwohnern gestellten Ersuchen um Ver­besserung des Eichwegs soll entsprochen werden, sofern das zur Anlegung eines Grabens von den Eichgärten nach der Wieseck erforderliche Gelände von den betr. Eigenthümern zum Preise von 2,50 M pr. Qu-Mtr. abgetreten wird. Dem Gesuche der Firma E. W- Fernie um Erlaubniß zur Verlegung eines Weges wird Genehmigung ertheilt unter der Voraussetzurg, daß nach Veröffentlichung desselben keine Einsprache von Seiten der anliegenden Grundbesitzer erhoben wird. Dem Gesuche des Fabrikanten Throm um Erlaubniß zur theilweiscn Ticserlegun» des Wetzlarer Wegs wird ent­sprochen; desgl. dem Gesuche des Geschirrhändlers PH. Pfeiffer um käufliche Ueber-

Zur Geradelegung der Baulinie an seinem Haufe im Tiefenweg erforderliche» Geländes. Die ferneren Gesuche von Louis Senner (Erlaubniß zur UeberfabN ^'s tadtffchen Trottoirs) Joh. Deibel V. zu Wieseck (Abtragung eches Raines? Oeconom Kennel lVornahmc von Bauoeränderungen), Louis Lenz sErrjchtun- OnH tbiusikhalle), Bäckermeister Louis Keil (Erbauung einer Remise), GastwiM mr» iBauveranderung), A. Katz (Errichtung eines Lagerraums), W siurbuch'i Wi twe (Errichtung -,n-s 3. Stockwerks), werden genehmigt, dasjenige des Heinrich h?rtlmi»Cl um Erbauung eines Wohnhauses IN der Wolsstraße wegen Unvollständigkeil veraltwrnden" nnd° btteb^c^^ bir städtischen Gicßfässer ist in Submiffio« Ä^Ä^ben Aschlag.^ &,m°n m,t U5°* pro Tag Mindestsor-

_ ,n vermischtes.

, , Eupen, 10 Marz. Hier feierte am 18. Februar ein Ebevaar seine aoldem Brautführer und Brautführerinnen waren dieselben Personen welche v°!

fünfzig Jahren das nunmehrige Jubelpaar zur Kirche führten. '

Homburg v. d. H., 15. März. Am Sonntag Nachmittag hatte der lauer D°n auf dem Gebirge amSandplacken" (Eschbacher Wald, Jagdgebiet d-s Langer in Frankiurt a. M.) einen harten Kampf mit zwei Wilderer» über den Folgendes berichtet wird: Nachdem Hoos mit zwei andere" Spur dieserWiloerer fast den ganzen Tag verfolgte, gelang cs ihm endlich gnn'h,^.60 M*nC!betl dieselben heranzukommen. Auf sein Rufen feuerten die beide« O berer gleichzeitig auf Hoos, trafen denselben aber glücklicherweise nicht. Hoos unb '"blchc inzwischen wieder zusammen kamen, feuerten nun auf di! Wilderer und soll einer derselben verwundet worden sein. Blutipuren wurden mit gefunden; ob dieselben jedoch von den Wilderern herrühren, ist noch zweifelhaft Der Hrtf*n»®Cn§*arA' .von 6*' h" vorgestern den ganzen Tag aus den umliegend-, Äf b!§ t-St noch ohne Erfolg. Die Untersuchung wird fort-

Ibcrm11!? tunge Burschen und cs war der eine derselbe»

mit einem schwarzen Rock und schwarzer Kappe bekleidet.

~ Serr Justus Hildebrandt in Pfungstadt, der Begründer der renommirtm Hildebrand sehen Brauerei, ist, 80 Jahre alt, gestorben. Mit berechtigtem Stol, wird von den Besitzern des Geschäftes der kleine Braukessel vorgezeigt, mittelst dessen der Verewigte s. Z. ein Braugeschäst begann, das durch Fleiß und Intelligenz zu einem 8L°i?i?r?tfCn' t.be» ^he der Zeit stehendem Etablissement emporgeschwungen wurde welches feine Fabrikate nach allen Weltlhetlen versendet. ® '

lKa-s-rl'ch- Passionen) Der letzte Jagdausflug der Kaiserin von Oesterreich jjaäi Schottland soll nicht weniger als 47,000 Gulden Kosten verursacht haben. Ibn Mittel erlaube» ihr das.

(Sonderbares Commando) In dem portugiesischen Heere gab es früher und gibt es vielleicht heute noch ein sonderbares Commando, welches lautet- Kanus Regiment, macht dem Feinde - ein grimmiges Gesicht!" Es wurde gegeben "und be­folgt, ohne daß sich irgend Einer mehr dabei gedacht hätte, als der preußische S°ld°i bei dem BefehlAugen rechts" oderAugen links". Doch hat nie jemand aebört daß das den portugiesischen Kriegern anbefohlene grimmige' Gesicht sie m groß?» Kriegshelden und Siegern gemacht hatte, im Gegentheil. " 6 B "

- Die Hasen spielen ^in Charloitendurg eine seltsame Rolle. Am vorig-» Mittwoch wurde der Arbeiter -prillhase von dem Schutzmann Schellhase verhaftet und dem Gefangenwarter Mehlhase überantwortet. v

- Am Sonntag Abend entstand in einer Wirihschaft in Hechtsheim zwischen emem Maurer aus Hechisheim und dem Schweizer eines Oeconomen ein Wortwechsel wobei der Maurer dem Schweizer erklärte, daß er es ihm seit Jahren nachtraae aber heute solle er seinen Theil haben. Als bald darauf der Schweizer bas Wirthsloc ve, ieß wurde er von dem Maurer verfolgt und mit Hülse eines Freundes des Letz er ru Boden gerisi-n. Es folgte nun em ganz bestialischer Auftritt, indem der Maur-" den am Boden liegenden Schweizer mit dem Stiesel so fürchterlich bearbeitete, daß du auf diele Art schwer verletzte Mann gestern Nachmittag in Folge dieser Mißhandlum verstarb. Der Bürgermeister von Hechtsheim, dem dieser Fall alsbald gemeldet wmd- l,eß sofor die Verhaftung des Mannes und seines Helfershelfers vornehmen und noch gestern Abend wurden die beiden Thaier - der eine derselben ist verbeiratbet nm Vater dreier Kinder - in das hiesige Gefängniß abgeliefert. °°rheirathet um

Aus der bayr. Pfalz (Ein Verkannter!) Am vorigen Samstag war's, d° Ub»bri,r Oberpfalz wo , sagt die Expedition ein biederer Landbewohner ei» Cr München erworben und Heimbringen wollte, zu denväicr- Uäien Ochsen" -der auf die Schlachtbank des Metzgers, aus dem Zug Nr. 359 m ien 3U0 420 der k. b. Staatsbahn. Nachdem er diese humane That gethan und das Kalb auSrubte bei den andern Kalbern des Viehwagens, suchte der biedere Eigenthümer des schonen Kalbes zu einem Platze zu kommen.Hierher, hierher!' schrie der Conductem der den Mann für einen Viehhändler hielt und ihm ein Coupee 3. Klasse anroeifeii n,oUte;.^ jlmy ^.!e J^roer hotte er sich da geirrt.Himmel--1" brüllte der ver-

me ntliche Viehhändlerallweil g'schieht mir jetzt dös, seit i von München herfabr' Mir g hort a Coupee erster Klass', verstanden? denn i bin a Landtagsabgeordneter Der Führer und Gebieter des Kalbes, dem einCoupee erster Klasse gehörte" wat der bravePatriot" Witzelsberger aus Cham. Am Ende bringen wir's mit der Seif und mit Hilfe derPatrioten" auch noch dazu, daß auch die Kälbererster Klais" mitfahren dürfen, wenn sie einem reisenden Landiagsabgeordneten gehören!

. ~ ®in äußerst merkwürdiger Zwischensall ereignete sich vor einigen Tagen bei

der Eröffnung der Schwurgerichts-Verhandlungen des französischen Departements der Sarihe. Es hatte nämlich soeben dte Ausloosung der Geschworenen ftattaefnnhem Die zwölf Ausgeloosten hatten aus den für sie beftimmten Sitz-n Platz genommen und d-r Präsident rief die einzelnen Jury-Mitglieder bei ihren Namen auf, um ihnen dm vorgeschriebenen Eid abzunehmen. Bei einem der Geschworenen ereignete es sicb nun daß er auf die Frage des Präsidenten nicht erwiderte, fo daß derselbe sich gezwungen sah, die Frage zu wiederholen. Wieder blieb der Jnterpelliric die Antwort schuldig Da auch ein dritter Versuch keinen Erfolg erzielte und der Gefragte keine Miene veno» so begann der Gerichtshof zu vermnihen daß der betreffende Geschworene plötzlicb mit Taubheit geschlagen fein könnte (und die Richttgkeit seiner Vermuthung bestätigte fiii vollkommen. Es blieb nichts weiter übrig, als die Verhandlung zu vertagen und dm tauben Geschworenen aus der Liste der Jury-Mitglieder zu streichen. °

Seit 1858 hat der Norddeutsche Lloyd in Bremen nicht weniger als 967 582 Passagiere nach Amerika befördert. In diesem Jahre bringt er es zur Million und über Pari.

Wir machen im allgemeinen Interesse die Leser unseres Blattes auf das beutiae Inserat des Herrn Rud. Schleicher, München, betr.:Unentbehrlich für Blumen freunde , hiermit aufinerksam.