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und Verbreitung der Moft'schenFreiheit" und anderer verbotener Druck- , schriften zu 2J/2 Jahren Zuchthaus und zum Verlust der Ehrenrechte auf। drei Jahre.

Baden - Baden, 16. Novbr. Der Großherzog wird bereits morgen über Hamburg und Kopenhagen die Reise nach Stockholm antreten. Die Rück­reise von dort erfolgt voraussichtlich zu Anfang des Monats December gemein­sam mit der Frau Großherzogin.

Biebrich, 16. Novbr. Das Wasser des Rheins hat den bisherigen höchsten Stand dieses Jahres überschritten und ist noch int Steigen begriffen; die Schifffahrt ist eingestellt.

Wien, 16. Nov. Der Magistrat nahm zum Setzer-Strike Stellung. Er erklärte, daß die Setzer durch die Arbeitseinstellung ohne Kündigung das Ge­werbegesetz verletzt hätten, forderte jedoch gleichzeitig die Buchdruckereibesitzer auf, den Forderungen der Setzer möglichst Rechnung zu tragen. Die Zeitungs- Setzer verlangen, nachdem der Tarif angenommen worden, auch die Aufhebung der Sonntagsarbeit.

Pesth, 16. Novbr. Die ungarische Delegation hat das Budget des Ministeriums des Auswärtigen fast ohne alle Debatte genehmigt.

Tilsit, 16. Novbr. Der Eisgang der Memel hat begonnen; die Schiff­brücke ist abgefahren.

Riga, 16. Novbr. Der Pernau-Hasen und die Pernau-Bucht sind zuge­froren und für Segelschiffe unzugänglich, das Fahrwasser der Düna ist eben- falls mit Eis überzogen, die Schifffahrt auf derselben jedoch noch nicht behindert.

Madrid, 16. Novbr. Die Kortes sind auf den 4. December l. Js. einberusen.

Kairo, 16. Novbr. (Meldung des Reuter'schen Bureaus"). Die Ver­handlungen behufs Abschluß emer Convention wegen der Kosten für die eng­lische Occupations-Armee und die Verhandlungen bezüglich eines Arrangements über die zukünftige politische Verwaltung Egyptens haben bis jetzt noch nicht begonnen. Lord Dufferin ist gegenwärtig mit einer eingehenden Prüfung der politischen und finanziellen Situation Egyptens beschäftigt und conferirt zu dem Behufe täglich mit verschiedenen hohen Beamten.

Die Differenzen zwischen der Untersuchungs-Commission und dem Ver- theidiger Arabfis sind im Wesentlichen beigelegt. Broadley roirt) unverzüglich das Verhör der Belastungszeugen beginnen und heute Nachmittag den Schecks) Abdon und Achmed Bey Rifaat verhören.

Wetterleuchten in der mohamedanischen Welt.

Am letzten Montage sind die Mohamedaner in ein neues Jahrhundert ihrer Zeit­rechnung, in das dreizehnte der Hedschra, der Flucht des Propheten von Mekka nach Medina, eingetreten und wie ein Wetterleuchten, Hoffen und Sehnen zieht es seit diesem Tage durch chre fatalistischen Gcmüther, denn es existirt in der gesummten moha­medanischen Welt ein tief eingewurzelter alter Glaube, daß jedes Jahrhundert der Hedschra den Gläubigen einen neuen großen Helden oder Propheten bringen werde und da in den letzten neunundneunzig Jahren des gegenwärtigen Jahrhunderts der Hedschra sich kein Prophet zeigte, so rechnen die Muselmanen mit Bestimmtheit daraus, daß im letzten Jahre des Jahrhunderts der religiöse Held kommen müsse.

Seltsamer Weise ist nun auch im Süden, Oberegypten, welches stets eine Hoch­burg des arabischen Mohamedanismus, der sich reiner und besser als die anderen Arten hält, ein mohamedamscher Glaubensheld aufgetreten und bekämpft mit großer Kriegsmacht die egyptlsche Regierung, welche jenen Glaubenshelden, Mohamed Hamed, nach dem Gutachten der Ulemas, das sind die hohen mohamedanischen Geistlichen, für einen falschen Propheten erklärt hat, denn der wahre Glaubenserwecker müsse von Osten und nicht von Westen nach Mekka kommen, um dort das tausendjährige Reich der Herrlichkeit zu stiften.

Bis jetzt haben sich aber die Anhänger des neuen Propheten um diesen Aus­spruch der Korangelchrten gar nicht bekümmert, sondern schlugen zu wiederholten Malen mit ihren wilden Reiterschaaren die egyptischen Truppen tu die Flucht und da der Glaubenskrieg geradezu die mohamedantsche Heilbotschaft ist, so können durch den neuen Propheten Egypten ganz andere Gefahren drohen, als durch die lahme Revo­lution Arabl Pascha's, zumal wenn der gegenwärtig in der ganzen mohamedanischen Welt neu aufgelebte Glaube an das Erstehen eines Propheten dem oberegypttschen Glaubenskriege neue Streiter zuführen sollte.

An ein wirklich gefährliches Auflodern des mohamedanischen Fanatismus, wie es bis vor dreihundert Jabren noch vorkam, ist indessen wohl kaum zu denken, denn der Rückgang der Mohamedaner aller Rassen ist in den letzten Jahrhunderten zu be­deutend gewesen, als daß von ihnen aus auch nur den nachstgelegenen christlichen Culturen eme Gefahr drohen könnte. In Marrokko, Tunis, Tripolis und den andern mohamedanischen Staaten zweiten und dritten Ranges ist der Halbmond schon lange, lange erblichen und starr und tobt liegt die alte Cultur jener Länder da und auch in der Türkei, der man noch immer eine mohamedanische Kraftentfaltung zutraute, zeigt sich der Halbmond nur noch in trauriger Gestalt und ist seit dem letzten Türkenkrtege auch offenbar gebrochen. Ganz erschreckend ist auch die Abnahme der türkischen Bevölkerung in Europa und man hat schon dadurch einen traurigen Beweis, daß Türken und Mohamedaner zum Untergange verurtheilte Völker sind, von dem sie kein Prophet er­retten kann, denn der Mohamedanismus steht in seinen Tendenzen mit der wahren Menschenwürde und Sittlichkeit im Widerspruche und aus ihm können seine Bekenner niemals neue Kraft schöpfen. Starr und dumpf ertragen die Türken und Mohamedaner ibr Schicksal, denn nach ihrem Glauben will es die Gottheit so und sie verschmähen es, Hand anzulegen zu neuem Leben und Streben. Und die Menschenrechte, die allein Staaten bilden und Völker veredeln können, wie werden diese in den mohamedanischen Staaten, wo dieUnterthanen der Beamtenwillkür preisgegeben und die Frauen Sklaven sind, mit Füßen getreten. Hoffnungslos liegt der Mohamedanismus darnieder und das Leben, was er noch zeigt, ist nur das Ausflackern vor dem Sterben.

Lokales.

Gietzerr, 17. November. Für das 4. Quartal der Schwurgerichts-Sitzung der Provinz Oberhessen sind folgende Herren zu Geschworenen bestimmt:

1. Noos, Wilhelm, von Lauterbach. 2. Zorn, Hermann, in Hochweisel, 3. Schudt, Carl, Müller in Dorheim. 4. Gold ström, Wilhelm, in Bors­dorf. 5. Schmidt, Joh. Wilh., in Massenheim. 6. Weitzel, Joh. II in Renzendorf. 7. Schmidt, Kaspar, in Groß-Buseck. 8. Dem, Ludwig, Bürgermeister in Hausen. 9. Huber, Friedrich I., Müller in Wisselsheim.

10. Pommer, Anton III., m Pohl-Göns. 11. Möller, Friedrich, in Eichelsachsen. 12. Meyer, Emil, in Münzenberg. 13. Nteß, Friedrich, zu Bobenhausen bet Ortenberg. 14. Korell, Joh, Kammerrath in Schlitz. 15. Bender, Heinrich I., in Dorf Gill. 16. Sandner, Jean, Gastwirth in Gießen. 17. Geiß, Joh., von Windhausen. 18. Ritter, Jonas, Rentner in Grünberg. 19. Schmitt, Otto, Rentner in Gießen. 20. Bechstein, Wilhelm II., Färber tn Friedberg. 21. Koch, Friedrich, in Stockheim. 22. Jacobi, Wilh. III., von Rodheim v. d. H. 23. Neuhardt, Georg Philipp, Pächter in Bingenheim. 24. Wagner, Heinrich IL, in Gettenau. 25. Rasch, Bürgermeister in Freiensteinau. 26 Sehrt, Carl, in Engelrod.

27. Philipp, Georg Kaspar II., Landwirth in Watzenborn. 28. Schön, Johannes, Gastwirth in Lollar. 29. Rühl, Christian, Kaufmann in Gießen. 30. Kreutzer, Heinrich II, Landwirth in Frischborn.

Vermischtes.

Mainz, 12. November. Ende des verflossenen Jahres zog ein gewisser Seb. Schmitt aus Miehlen, der nebst seiner Frau und 5 Kindern 21/» Jahre lang in Caftel gewohnt hatte, nach Mainz. Es stellte sich aber bald heraus, daß Schmitt ein

arbeitsscheuer Mensch sei, der nur im Nothfalle arbeite, sonst aber durch das Betteln seiner Kinder sich ernähren läßt. Die Stadt Mainz wollte sich nun diese Familie vom Halse schaffen und forderte Herr Bürgermeister Du Mont die Gemeinde Castel auf. den Schmitt sammt Familie wieder zu Übernehmen. Castel weigerte sich aber dessen und stellte daher die hiesige Bürgermeisterei bet dem Provinzialausschuß den Antrag, die Gemeinde Castel zur Uebernahme dieses Schmitt zu verurtheilen. Dieser Antrag kam nun in der letzten Sitzung des Provinzialausschusses zur Verhandlung. Herr Oberbürgermeister Du Mont führte bei dieser Gelegenheit aus, daß Schmitt bis jetzt allerdings noch keine öffentliche Unterstützung erhalten habe, allein die Auslegung, welche der § 5 des Unterstüyungswohnsitzgesetzcs bei der Behörde gefunden habe, sei seiner Meinung nach eine irrige Angeführter Paragraph sei in den unteren Instanzen bislang dahin ausgelegt worden, daß Jemand, der den Unterstützungswohnsitz noch nicht erlangt habe, erst dann ausgewiesen werden könne, wenn er wirklich aus öffent­lichen Mitteln unterstützt worden sei. Hier handle es sich um eine notorische Bettler­familie, die sich nur so lange durchschlagen werde, ohne öffentliche Kontribution zu nehmen, bis sie den Unterstützungswohnsitz erworben habe. In solchen Fällen müsse den später unterstützungspflichtig werdenden Gemeinden das Recht zustehen, sich solcher Individuen rechtzeitig zu erwehren. Redner wünscht, da die höchste Instanz, das Bundesamt für Heimathwesen, sich mit dieser Materie noch nicht befaßt habe, dessen Entscheidung herbeizusühren. Die Stadt Mainz wurde nach einiger Berathung aus formellen Gründen abgewiesen und in die Kosten verurtheilt und wird nun Herr Ober - Bürgermeister Du Mont Recms an das Bundesamt für Heimathwesen ergreifen.

sNeunzigjährige Zwillinge) Die ältesten Zwillinge in den Vereinigten Staaten sind Bernhard und John Kepler, die, am 27. März 1792 geboren, noch heute ihr elterliches Haus in Plumstead, Bucks Co>, Pa., bewohnen, sich nie, auch nicht einen Tag lang, von einander getrennt und das County nur einmal und zwar im Jahre 1860, wo sie Philadelphia einen gemeinsamen Besuch abstatteten, verlassen haben.

Eingesandt.

Im Anschluß an die Notiz über das am nächsten Sonntage ftattfindende Con- cert des Concertoereins, der ich vollkommen beistimme, erlaube ich mir noch, einige Zeilen beizufügen:

In der That ist die junge Belgierin Frl. Dy na Beumer nach allen uns vor­liegenden Berichten eine der virtuosesten und anmuthigften Vertreterinnen des eigent­lichen Kunstgesanges. Sie vereinigt alles in sich, was zu einer vollkommenen Colo- ratursängerin erforderlich ist. Das wundervolle, klare, Helle und dabei weiche und zarte Organ ist bet seinem seltenen Umtange es umfaßt zwei und eine halbe Octaoe bis zum d-eigestrichenen F in allen Lagen vollkommen ausgeglichen, die Töne schlagen spielend an; die schwierigsten (Koloraturen werden mit einer Leichtigkeit aus- geführt, die beim Zuhörer das Gefühl füc die Schwierigkeit desselben gar nicht auf­kommen läßt. Ein glockenreineres Raccato, perlendere Läufe, einen vollendeteren Triller kann man sich nicht denken Dazu kommt ein unfehlbar sicherer Ansatz und eine wunderschöne Aussprache der Vocale.

Gehen wir und bewundern wir diesenStern".

Literarisches.

Goethe's Werke" in lUuftrirter Pracht-Ausgabe. Mit mehr als 800 Illu­strationen erster deutscher Künstler. Herausgegeben von Heinrich DÜntzer. (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt svormals Eduard Hallberger)).

Jede bis jetzt erschnnene Lieferung dieser schönsten aller Goethe-Ausgaben bekundet die Sorgfalt, die von Herausgeber, Künstlern und Verleger auf dieses Prachtwerk verwendet wird. Die Auswahl der aufzunehmenden Werke und die Redaction des Textes ist in den besten Händen, sie ist dem vielbewährten Goethekenner und Forscher Prof. DÜntzer übertragen, dessen umfassender Sachkenntniß mit Recht das größte Ver­trauen entgegengebracht wird. Für die Jllustrirung ist eine große Zahl vorzüglicher deutscher Künstler gewonnen, deren gefällige Zeichnungen von einer richtigen Auffassung der Stimmungen und Gedanken des Dichters ausgehen und daher nicht -feiten dem Leser einen Fingerzeig zum Verständniß des Textes geben. Die gefammte Ausstattung ist eine glänzende, der Preis für die reich illustrirte Lieferung nur 50 Pfennig ein im Hinblick auf das Gebotene erstaunlich billiger, und so vereinigt sich hier Alles: sorgfältige Textrevision, überraschend schöne Ausstattung, reiche und künstlerisch vollendete Illustration und wohlfeiler Preis, um dieser prächtigen Ausgabe allgemeinste Ver­breitung zu verschaffen- Alle Gebildeten, alle Freunde unserer klassischen Dichtung, die Familie sowohl wie der Einzelstehende, werden diese iHuftrirte Goethe-Ausgabe mit Freuden willkommen heißen, sie wird ein nationale^ Prachtwerk ersten Ranges werden, gleich der ihr poiangegangenen Schiller-Ausgabe, die so großen Erfolges sich rühmen darf. Mit dieser und der Shakespeare-Ausgabe zusammen bildet sie einen Schatz von unvergänglichem Werthe, der jedem deutschen Hause zur Zierde, dem Besitzer zur Ehre gereicht.

(Kirchenmusik) Im Verlage desevangelischen Kirchengesangvereins für Württemberg" ist soeben em .tjeft geistlicher Gesänge für dreistimmigen Schülerchor erschienen. Dasselbe enthält 36 Chöre, die thettweffe für 3 Kmderstimmen, theilwerse für 2 Kinderstimmen mit hinzutretender Männerstimme gesetzt sind. Der Satz der Gesänge ist einfach und schlicht und die Sammlung für die Schülerchöre unserer länd­lichen Gemeinden zur Verwendung ganz besonders geeignet. Der Preis ist auf 80 Pf. pro Heft (Partitur), für die Mitglieder der eoangelifchen Kirchengefangvereine auf nur 50 Pf. und in Partien von 25 Exemplaren auf 40 Pf. pro Heft festgesetzt. Zur Ent­gegennahme von Bestellungen ist der Vorstand des evangelischen Kirchengesangoereins für Hessen (Vorsitzender: Geheimerath Hallwachs; Schriftführer: Reallehrer Becker in Darmstadt) unter dem Anfügen bereit, daß die Mitgliedschaft desevangelischen Kirchen- gesangvereins für das Großherzogthum Hessen" für Kirchenchorfchulen durch die Erklärung des Beitritts und die Entrichtung eines jährlichen Beitrags von 50 Pf. erworben wird.

ftranlfurt a.M., 17. November, Nachmittags2Uhr -Min. (Telegraphischer Coursbertcht. Mttgetheilt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen.) Creditactten 250V<, Staatsbahnactien 297, Galizier 26472, Lombarden 117Vs, Nord- westbahnactien, Darmstädter - Bankactien, Oberschlesische E.-B.-Act. 256, Oesterr @Uberrente 653/4, 4% Ungar (Solbrente 73V4, 4% 1880er Russen 69%, 5°/o 1877r Russen 86V«, 2. Onent-Anlethe 543/s, Spanier 61%, 5% Rumänische Rente, 4% Uniftc. Egypter 69%«, Dtsconto Comm. 1997s, Gotthardbahnactten 110. Tendenz:.

Kirchliche Anzeigen der SLudt Gieften.

Evangelische Gemeinde.

GotteHdienA:

Sonntag den 19. November (24. nach Trinitatis).

Vormittags 97r Uhr: Pfarrer Schlosser.

Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.

Feier des heil. Abendmahls in Verbindung mit der Beichte.

Donner st ag den 23. November, Abends 8 Uhr, im Gymnasium: Bibel­stunde, Brief Pauli an die Galater, Kapitel 4,111. Pfarrer Dr. Naumann.

Sonntag, den 26. November, feiern wir das Todtenfest: Gottesdienst

Vormittags in der Stadtkirche, Nachmittags 2 Uhr in der Friedhofskapelle.

Die P f a r r g e s ch ä f t e in der Woche vom 19. bts 25. November besorgt

Pfarrer Schlosser.

Katholische Gemeinde.

.25. Sonntag nach Pfingsten.

Von 7 Uhr an Berchte. 8 Uhr: Frühmesse und Austheilung der hl. Communion. y310 Uhr: Hochamt und Predigt: Pfarrer Rady. 2 Uhr: Sacramentalische Andacht.

Gottesdienst in der Synagoge.

Freitag Abend 4 Uhr, Samstag Morgen 8 Uhr, Samstag Mittag 3 Uhr, Samstag Abend 5.