in den Hintergrund, vorzugsweise sind es die wirthschastlichen Bedenken, welche die Annahme des Monopols unmöglich machen. Redner bespricht sodann die bezüglichen Verhältnisse in Sachsen; die Tabakindustrie sei boit eine aufblühende, Sachsen könne dieselbe gar nicht mehr entbehren und detzhnlb erkläre er sich entschieden gegen das Monopol.
Reichskanzler Fürst Bismarck: Er sei gestern Geschäfte wegen behindert gewesen, den Reichstagsverhandlungen beizuwohnen. Schon vorgestern habe der Abgeordnete Bamberger sich in scharfer Weife gegen seine (des Kanzlers) Politik erklärt, aber er habe in dessen Rede nichts gefunden, was die vorliegende Frage überhaupt berührt. Herr Bamberger habe nur seine Politik im Allgemeinen angegriffen, daran sei er aber schon gewöhnt und habe darauf nichts zu erwidern. Dagegen habe er beute Kenntniß von der Rede des Abg. Richter erhalten, die eingehender die Frage selbst behandelt, die uns heute beschäftigt- Er vermeide in der Regel, mit Richter selbst in Diskussion zu treten, denn er finde in der Art, in welcher dieser spricht, eine Art Selbsteinschätzung. In Bezug auf diese Selbsteinschätzung treffe seine Meinung mit der des Abg. Richter nicht vollständig zusammen und doch sei es schwer, auf Vorwürfe gewisser Art anders als in demselben Tone zu antworten. Er werde indeß versuchen, in den Grenzen seiner Erziehung und seiner Gewohnheit zu antworten. Richter habe ihm zunächst vorgeworfen, daß seine vorgestrige Rede nur eine neue Auflage der früheren Rede gewesen. Richter sollte doch, wenn er selbst in einem Glashaus sitzt, nicht mit Steinen werfen. Er (Redner) komme mit viel weniger Wiederholungen aus, wie der Abg Richter, denn er halte sich stets an die Sache. Richter habe ferner auf die Steuerexekulionen bingewiesen und behauptet, daß dies die Folge der neuen Wirlh- schaftspolitik sei. Er (Redner) habe aber in der Hauptsache von den Exekutionen dir Jahre 1876 und 1877 gesprochen, auch von 1880, wie sollte da die Wirkung der Zölle 2C. auf die Exekutionen damals schon bemerkbar gewesen sein! Er könne das, was er behauptet habe, nur wiederholen, und wenn er im Amte bleibe, werde er noch recht oft den Exekutor vorführen, so lange, bis entweder er oder der Steuerexecutor tobt ist. Rebner bespricht ausführlich bie Wirkungen bes Getreibezolles mit Bezug auf ben Consum und führt aus, daß dieser vollständig zurücktrete vor der Thatsache, daß die deutsche Getreideproductton mit einer vollen Mark pro Centner directer Steuer belastet sei; dieser Betrag müsse aufgebracht werden, wenn die Landwirthschaft nicht zu Grunde gehen solle.
Es sei nicht wahr, was der Abg. Richter behauptet, daß diejenigen, welche weniger als 140 Thaler jährliche Einnahme haben, von der Classensteucr befreit sind; es existtrt gar kein Hausstand, der weniger als 140 Thaler Einnahmen hat. Die Argumentationen Richter's für die Classensteuer sprächen gerade gegen dieselbe. Was die Auswanderung anlange, so sei diese am stärksten gerade in den dünner bevölkerten Provinzen. Eine Ausnahme hiervon mache nur Ostpreußen, wo die Fortschrittspartei eine heilsame Verwaltung führt. (Heiterkeit.) Die wahre Ursache aber sei, daß die Ostpreußen ein stark ausgeprägtes Heimathsgefühl hätten- Der bisherige Mangel an Schutzzöllen und ebenso der Druck der directen Steuern gebe auch noch heute den Grund dafür ab, daß gerade die am wenigsten bevölkerten Provinzen das Hauptkontingent für die Auswanderung stellen. Was ferner die behaupteten Versprechungen anlange, so könne er doch nichts versprechen, was er nicht habe; er habe niemals einen Pfennig verspiochen, er habe nur Wünsche geäußert- Wolle also Richter ihn unterstützen, so sei er bereit, die in Aussicht gestellten Erleichterungen eintreten zu lassen. Aber er glaube nicht, daß diese Art der Opposition zur Consvlckirung des Reiches beitragen kann. Auch er halte die Gebäudesteuer für ungerecht, denn sie treffe das Vermögen ebenso wenig wie die Grundsteuer; auch habe er früher wiederholt hervorgehoben, daß für die großen Städte mit Bewilligung des Landtags ein Ausgleich geschaffen werden müsse. Wo beabsichtigt denn Richter Ersparnisse zn machen? Glaubt er denn, daß es mir Vergnügen macht, eine so große Armee zu halten? Ich weiß nicht, ob es unseren Nachbarn, Frankreich und Rußland, Vergnügen macht, eine so große Armee zu unterhalten, auch habe ich das nicht zu untersuchen, sondern einfach mit der Thatsache zu rechnen. Als Centralpunkt in Europa gelegen, ist Deutschland mehr als jeder andere Siaat der Koalition anderer Mächte ausgesetzt, und wenn .ch mir in der auswärtigen Politik em Verdienst anrechne, so ist es die Verhinderung einer übermächtigen Coalition gegen Deutschland (Zustimmung.) Das wäre mir aber ohne die deutsche Heeresorganisation nicht gelungen und ohne den Respect, den wir mit unserer wohlgeschulten Armee einflößen. Also an d-er Armee rühren Sie nicht, das ist die Meinung der Majorität der Nation; bei diesem Punkt hört die Gemüthlichkeit auf. — Richter sagt ferner, die Resolution Lingens wolle nicht für ewige Zeiten die Steuern ablehnen; es erinnert dies an das Wort: Diesem Ministerium bewilligen wir keine Steuern. Wenn ich Souverän wäre, hätte ich schon vor Jahren Richter und seine Freunde zu Ministern berufen, um nur zu sehen, wie sie wirthschaften und um sie zu kuriren. Der Reichskanzler wendet sich sodann gegen die Ausführung Richters, daß es nicht mehr möglich gewesen für den preußischen Landtag, das Verwendungsgesetz gründlich zu berathen; wenn nicht andere Gründe mitgewirkt hätten, die $eit habe dies ja erlaubt, denn in früheren Jahren habe der Landtag nicht blos über den Monat März und Mai hinaus, sondern auch im August und September getagt. Wenn Richter über mein Regiment klagt, so möge er doch nach England sehen, wo mein College Gladstone noch mit ganz anderen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Auf die Verhältnisse in Frankreich h.nzuweism, will ick nur in Rücksicht auf die Empfindlichkeit daselbst versagen; in Bezug auf England kann ich das eher, dort kennt man meine Gesinnung für England. Ich will Sie auf Oesterreich, Cisleithanien verweisen, wo in Folge der maßlosen Forderungen der deutschliberalen Partei die Dynastie, deren Bestreben es gewesen, sich auf die deutsche Partei zu stützen, sich schließlich gezwungen sah, die anderen Parteien als Stütze zu benutzen. Ich habe schon im Jahre 1847 auf die Schwierigkeiten der sogen, parlamentarischen Regierung hingewiesen, wo der regiert, der die Majorität hat und die schließlich zu Coalitionsministerien führen muß.
Bei uns ist eine Parteiregierung schlechterdings unmöglich, weil die Fortentwickelung der Parteien nach links ihr das Regieren unendlich erschweren wurde. Der Abg. Bamberger hat fein Recht, im Namen der deutschen Nation hier zu sprechen und Richter hat nicht mehr Recht als ich, sich als Vertreter des deutschen Volkes zu geriren. Wenn ich hier als Vertrauensmann des Kaisers stehe, so glaube ich ebenso sehr auf die Sympathien des deutschen Volkes Anspruch zu haben, als ein Abgeordneter, der nur vielleicht mit knapper Majorität gewählt ist. Wenn ich nicht die Nation verträte, so hätte mich ein Sturm längst von dieser Stelle weggefegt.
Herr Richter hat aus meiner Rede bie Sprache bes Absolutismus herausgehört. Ich finde das Neichsrnteresse gegenwärtig besser durch die Dynastie als durch das Parlament gewahrt und namentlich durch meinen Herrn, den König von Preußen. Wenn ich in die Lage käme, daß ich zwischen dem Parlament und meinem'Vaterland wählen müßte, dann wäre meine Wahl nicht zweifelhaft. Was endlich meine deutsche nationale Gesinnung anbetrifft, die Herr Richter in Zweifel zieht und meine Arbeit für die nationale Einheit betreffend, so muß ich widersprechen, da kann Herr Richter doch nicht mitkommen. (Lebhafter Beifall rechts, Zischeii links.)
Abg. Dr. Bamberger: Der Reichskanzler habe kein Recht, sich darüber zu beklagen, daß man sich von der Sache entfernt. Fürst Bismarck habe weder vorgestern noch heute von der Sache gesprochen. Er (Redner) könne nicht einmal von sich sagen, daß er sich allzu weit von dem vorliegenden Gegenstände entfernt habe. Er halte nun einmal das gegenwärtige Wirthschaftssystem des Reichskanzlers für falsch und für Deutfchland schädlich und zwar in dem Maße, daß er, falls er bie Wahl hätte, er bent Monopol für ihn als bem kleinen Nebel den Vorzug geben würde. Er kämpfe gegen dieses System, weil er in demselben nichts weiter als eine schablonenhafte Nachahmung des Auslandes erblicke. Der Kanzler habe gar kein Recht, ihm vorzuwerfen, daß er französische Ideen in sich ausgenommen. Die Schutzzollpolitik sei von Frankreich im-' portirt; für die französische Volkswirthschaft habe sich allein der Reichskanzler begeistert und das Monopol selbst sei eine französische Jnstntion. Wie also habe Fürst Bismarck die Beweise, daß er (Redner) sich in französischen Jdeenkreisen bewege, wahrend der Kanzler die teutonischen Ideen vertritt. Das deutsche Tabaksmonopol sei ebenso eine Chimäre, wie die gemischten Gedanken, die man mir unterschiebt. Er könne verlangen, daß man seine Gesinnungen nicht herabzieht im Gegensatz zu meinem ganzen Leben. Er habe auch im Auslände niemals vergessen, daß er deutscher Patriot ist. Er sei unter seinen politischen Freunden der erste gewesen, der für die Politik des Reichskanzlers im Jahre 1866 eingetreten ist; er habe sich damit den Spott und Hohn aller seiner früheren Gesinnungsgenossen ausgesetzt. Was würde Fürst Bismarck sagen, wenn ch sein Leben ebenso interpretiren würde. Ich habe ein vorwurfsfreies und bekanntes Leben hinter mir und er hat kein Recht, mit Bezug auf mich einen verächtlichen Ausdruck anzuwenden. Ich habe aüein dazu fein Recht, in dem Sinne des
Herrn Reichskanzlers zu sprechen, aber ich glaube die Ansichten der Motive zu kennen während der Kanzler sich mit einer Corona umgeben, die es nicht mehr wagt, offen etwas Unangenehmes zu sagen. Der Kanzler kennt aber die Meinungen des Volkes nicht mehr.
Reichskanzler Fürst Bismarck: Er stehe hier nicht als Vertreter in seiner eigenen Sache, sondern im Namen der verbündeten Regierungen. Er habe ein Recht eine wesentliche sachliche Diskussion zu fordern, und doch fange jede Ausführung der Opposition damit an: Der Herr Reichskanzler hat das oder das gesagt, man greife fortwährend feine Person und seine Tendenz an, seine Person werde künstlich in die Debatte hineingezogen, weit über das nothwendige Maß hinaus. Herr Bamberger hält mein System für schädlich; er wird mir erlauben, sein System von Grund aus für falsch zu halten. Sollte ich mich etwa deshalb auf den Standpunkt des Abg Bamberger stellen, weil Frankreich dies Monopol hat. Vergessen wir doch nicht, daß Frankreich trotz seiner ungeheuren Verpflichtungen noch immerhin eine reiche Nation ist. Wenn Herr Bamberger behauptet, ich hätte ihn persönlich zu verdächtigen gesucht, so irrt er, ich habe auch nicht mit einem Worte ihn in der persönlichen Achtung herabzusetzen gesucht. Sie sprechen immer von der Majorität, zeigen Sie sie mir, und ich werde bie Geschäfte in ihre Hänbe legen; aber ich sehe keine, als verschobene Parteien. Herr Bamberger hat auf eine Aeußerung bes früheren Abgeorbneten v. Blankenburg Bezug genommen. Ich bin fein Pommer, ich bin ein Altmärfer, aber ich theile bie Ansicht nicht, baß n.an doppelt grob werden müsse, wenn man grob behandelt werbe Auch erfenne ich an, daß Herr Bamberger den gesellschaftlichen Ton eines gebildeten Mannes als gewandter Dialeftifer niemals außer Augen läßt, aber im klebrigen vermisse ich ein gewisses Wohlwollen gegen mich. Unverständlich ist es, wenn in dem Momente, wo ich die Minorität auffordere, etwas für bie Masse der Bevölkerung zu thun, mich als Gegner der Volksmasse darstellen zu wollen. Wenn Sie die Resolution Lingens mit noch so großer Majorität annehmen, so werden Sie uns doch nicht von dem abbriitgen, was wir als recht und nothwenbig halten (Beifall rechts).
Abg. Richter: Der Herr Reichskanzler hat gegen mich, den einfachen Abgeordneten, seine persönliche Autorität und sein persönliches Verdienst ins Feld geführt. Ich erkenne vollkommen bie Verbienste bes Fürsten Bismarck an unb bin weit entfernt davon, meine Person mit ihm vergleichen zu wollen. Der Hinweis auf feine Verdienste war gar nicht nöthig, denn wenn die Ansichten des Reichskanzlers die allein richtigen sein sollen, wozu ist dann überhaupt noch ein Parlament nöthig? — Der Kanzler wirft uns vor, daß wir allein Fraktionsintereffen vertreten, daß er aber bie salus publica vertrete. Die Fraktionen im Parlament bebeuten aber immer nur so viel, als das Volk sie gelten lassen will, und von ihnen muß man auf die Stimmung im Volke zurückfchließen. Er beruft sich auf ben künstlichen Mechanismus ber Wahlkreise, aber warum schwenken denn die Konservativen vom Monopol ab? Das Wahlresultat beweist nur, daß künstliche Mittel nicht mehr verfangen und bas beste Kennzeichen ber öeränberten Stimmung ist, daß das platte Land sich am meisten von der Politik des Kanzlers abwenbet. Die Nation erkennt bie Verbienste des Kanzlers um Deutschland vollkommen an, aber darum sollte er doch auch die Verdienste Anderer um die Entwickelung des deutschen Gedankens anerkennen. Nicht Jeder kann Minister sein, nicht Jeder konnte wie er vor 1866 sein Vermögen als bonus pater familias bei Zeiten in Sicherheit bringen, aber viele seiner Zeitgenossen haben im Kerker zubringen müssen, weil sie ein einiges Deutschland unter der Herrschaft der Hohenzollern erstrebt. Es ist unrecht, wenn der Kanzler bie Armee im Gegensätze zum Volke hinstellt; aerobe bei uns ist die Armee das Volk in Waffen unb nicht die Berufsoffiziere allein, sondern bas Volk in Waffen hat die Siege in bem letzten Kriege erftritten. Eine Nation, bie so Großes gethan, hat also auch ein Recht, über ihre Geschicke mitzusprechen. Wir ücrmeiben es gewöhnlich, auf die Geschichte des preußischen Ver- fassuugskonfliktes im deutschen Reichstage zurückzukommen, um nicht alte Gegensätze zu erwecken, wenn aber der' Kanzler diese Geschichte hier vorführt, dann sollte er sich doch vor Entstellungen hüten. Mit Freuden haben wir den Steuererlaß begrüßt, unb werden stets, wenn er gleiche Ziele verfolgt, ihn unterstützen. Schließlich vindizirt es sich Redner als sein Verdienst, daß der Reichskanzler noch einmal im Reichstage erschienen und sich an ber Debatte betbeili^t hat. Dafür lasse er. sich zwar die kleinen Nabelstiche bes Kanzlers gefallen und würde er sich freuen, wenn derselbe nunmehr feine Sache öfter hier vertreten würde (Beifall links).
Abg. Hasen clever rechtfertigt den Standpunkt ber socialdemokratischen Partei in der Frage des Tabakmonopols, indem er sich im Wesentlichen den Ausführungen des Abg. v. Vollmar in der ersten Lesung anschließt.
Dann wirb bie Diskussion über § 1 geschlossen und nach einem Schlußwort des Referenten Abg. Dr. Barth, gegen den sich in sehr scharfer Weise Schatzsekretär Scholz wendet, in namentlicher Abstimmung § 1 mit 246 gegen 43 Stimmen ab gelehnt. 12 Abgeordnete (Polen) haben sich der Abstimmung enthalten.
Nächste Sitzung Donnerstag 11 Uhr 20 Min. Nachtragsetat, Interpellation Grillenberger und Fortsetzung der Monopoldebatte.
Schluß gegen 6 Uhr.
Telegraphische Depeschen.
Wolff's telegr. Correspondenz-Brrrearr.
Berlin, 14. Juni. Die „Prov.-Corresp." schreibt: Mag das Tabakmonopol vom Reichstage verworfen werden — die unumgängliche Roth Wendigkeit der Steuerreform bleibt. Die Feststellung dieses Bedürfnisses oder der Beweis, daß dasselbe nur eingebildet, ist das Feld, wo der Reichskanzler vorerst den nächsten Landtag erwarten werde. Der Kanzler und seine Collegen in der preußischen Negierung werden nicht ruhen, bis jenes Bedürfniß anerkannt ist oder bis der Beweis seiner Nichtigkeit erbracht. Wenn der Landtag, wie vorauszusehen, sich nicht länger einer Anerkennung entziehen kann, dann wird die Reichsregierung die Mittel besitzen, auch vom Reichstage die Angabe der.Wege zu erlangen, wie der Druck der unzweckmäßigen Steuern, welcher auf dem deutschen Volke lastet, zu beseitigen ist.
— Wie von bestunterrichteter Seite mitgetheilt wird, wird eine längere Vertagung des Reichstags ventilirt. Der Präsident des Reichstags ist um eine Aeußerung ersucht worden, ob zu erwarten sei, daß wenigstens das Hilfskassen- gesetz und die Gewerbeordnungs-Novelle bis zum Schluß des Monats an das Plenum gelangen können. Die Antwort darüber sieht noch aus, eine Entscheidung ist noch nicht getroffen.
Berlin, 14. Juni, 6 Uhr 20 Min. Abends. Der Reichstag lehnte heute die Tabak-Monopol-Vorlage mit 276 gegen 43 Stimmen ab. (Den Lesern in der Stadt zum Theil bereits gestern Abend durch Extrablatt mitgetheilt).
Petersburg, 14. Juni. Das gestrige Bulletin besagt: Der Zustand der neugeborenen Großfürstin ist befriedigend, mährend die Kaiserin angegriffener als sonst bei gleicher Veranlassung ist.
Marseille, 14. Juni. Das Mittelmeer-Evolutions-Geschwader, welches gegenwärtig im Hafen von Toulon liegt, sowie die Kreuzer „Dugnay", „Trouin" und die Transportschiffe „Sarthe" und „Mitho" erhielten den Befehl, sich nöthi- genfalls zur Abfahrt nach Alexandrien bereit zu halten.
Wien, 14. Juni. Wie hiesigen Blättern aus Agram gemeldet wird, hat gestern Nacht zwischen Studenten, welche singend von einem Commers zu Ehren Starcewics zurückkehrten und Polizisten ein Zusammenstoß stattgefunden, bei welchem 2 Wachmänner und 6 oder 7 Studenten schwer verwundet worden sind. 17 Studenten sind verhaftet worden.
Lokales.
Gießen, 15. Juni. Nach heute hier eingetroffener Nachricht beabsichtigt Se. Königl Hoheit ber Großherzog bas am nächsten Sonntag bahier ftattfiabenbe Kirch en- gesangsest mit feinem Besuche zu beehren.


