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Fvitaq den 16. Juni

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Erscheint mit Ausnühtne des RlontagS.

Bureau: Schulstraße B. 18.

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Deutschland.

Darmstadt, 14. Juni. Se. Königl. Hoheit der Großherzog nahmen heute mllitärische Meldungen entgegen und empfingen den Oberstlieutenant z. D. Francks bisher Bezirkscommandeur in Gießen, den Landstallmeister v. Willich, den Oberbaurath Horst, den Baumeister Harres, den Rechtsanwalt Krug; zum Vortrag den Geh. Staatsrath Knorr, den Ordenskanzler Generallieutenant v. Grolman, dell Hofcerenlonienlneister v. Werner.

Ernannt wurden: Am 10. Juni der Hofgerichts-Canzlist i. P. Julius Roth in Gießen zum Registrator bei dein Landgerichte der Provinz Oberhessen; ferner: der Schreibgehülfe Franz Wolf in Mainz zum Registrator bei dem Landgerichte der Provinz Rheinhessen.

Berlin, 14. Juni. Beim Reichskanzler waren gestern die Führer des Centrums, der Conservativen, der Reichs- und der nationalliberalen Partei, Franckenstein, Minnigerode, Kardorff und Bennigsen zum Diner geladen, um über die Geschäftslage zu berathen. Man einigte sich darüber, den Reichstag durch ein Gesetz auf unbestimmte Zeit zu vertagen. Fürst Bismarck äußerte, er beab­sichtige, den Reichstag im December einzuberufen. Die Vertagung soll Sonn­abend erfolgen. Der Reichskanzler wird ein Schreiben an den Reichstag richten zur Entscheidung über diese Vertagung und nachdem der Reichstag für dieselbe sich ausgesprochen hat, wird das betr. Gesetz an den Reichstag gelangen. In diplomatischen Kreisen ist hier von einer Nachricht über die Ermordung Tewfik Pascha's nichts bekannt.

Politische Ueberficht.

Gießen, 15. Juni.

Im Reichstage hat am Montag die entscheidende zweite Lesung der Tabakmonopol-Vorlage begonnen. Schon die äußere Physiognomie des Sitzungssaales bewies, daß etwas Ungewöhnliches vor sich gehen müsse, denn Saal und Tribünen waren stark besetzt, während in den Corridoren sich Hun­derte drängten, die vergeblich Einlaß begehrten. Nachdeiu zunächst der Nach­tragsetat für 1882/83 in zweiter Berathung angenommen worden war, ergriff der gleich vom Beginn der Sitzung an anwesende Reichskanzler Fürst Bismarck das Wort zum eigentlichen Gegenstand der Tagesordnung, zur Monopvlvorlage. Fürst Bismarck gab allerdings zu, daß das Tabakmonopol ein Nebel sei, aber er warf zugleich die Frage auf, wo man sonst die Mittel hernehmen wolle, um Die von den Bundesregierungen für nothwendig erachteten Reformen durchzu- sühren. Der Kanzler wies dann daraus hin, daß die Reichsregierung bei Vor­legung des Monopol-Entwurfes von dem Gedanken geleitet worden sei, die Steuerzahler zu entlasten; die Klassensteuer müßte beseitigt werden, denn die Veranlagung derselben in den untersten Stufen führe zu zahlreichen, meist frucht­losen, Pfändungen und im Zusammenhänge hiermit zu schweren socialen Noth- ständen. Im weiteren Verlaufe seiner Rede führte Fürst Bismarck aus, daß das Monopol im Reichstage namentlich aus Fraktiouspolitik bekämpft werde, wenn er trotzdem an seinem Platze bleibe, so geschehe dies nur auf Wunsch seines kaiserlichen Herrn, er für seinen Theil würde viel lieber draußen auf Dem Lande sein. Der Kanzler kam dann ausführlicher auf deu nationalen Ge­danken zu sprechen, wobei er namentlich hervorhob, daß jetzt, im Gegensatz zu früher, die Dynastien national seien, während im Reichstage der Fraktions- PartikularismuS herrsche, den er nicht brechen könne. Mit dem Ausruf: Lassen Sie endlich das Nationalgefühl in den Vordergrund und das Fraktions- Zriteresse in den Hintergrund treten", schloß Fürst Bismarck seine mehr als zweistündige Rede, welche von der liechten mit lautem Beifall, von der Linken mit demonstrativem Zischen aufgenommen wurde. Den Ausführungen des Kanz­lers gegenüber boten bie der übrigen Redner wenig Interesse dar, von denen sich Dr. Treitschke für, Dr. Barth und Dr. Bamberger gegen das Monopol erklärten. Zum Schluß sprach noch Slaatssecretar Scholz, welcher den Kanzler gegen den vom Abg. Bamberger gemachten Vorwurf, Bismarck habe in seiner Rede zu viel preußische Politik getrieben, vertheidigte und darauf hinwies, der Kanzler habe wegen des Zusammenhanges mit den Reichssteuer-Angelegenheiten die preußischen Verhältnisse beleuchten müssen. Am Dienstag setzte der Reichstag die Debatte über die Monopolvorlage fort und lehnte am Mittwoch den § i der Vorlage mit 276 gegen 43 Stimmen ab.

Das Schicksal der bekannten Resolution Lingen's, welche in ihrem ersten Theile sich gegen jede weitere Erhöhung der Tabaksteuer und im zweiten Theile gegen alle eventuellen anderweiten Steuererhöhungs-Anträge erklärt, ist noch immer nicht gewiß, doch scheint unter den Reichstagsparteien, mit Ausnahme der Fortschrittspartei, wenig Neigung zur Annahme des zweiten Theiles dieser Resolution vorhanden zu jein. In der letzten Fraktionssitzung des Centrums bezüglich der Resolution Lingen's soll es zu sehr stürmischen Aus­einandersetzungen gekommen sein; die größere Hälfte der Partei nahm schließlich den Antrag Windthorst an, wonach beide Theile der Resolution Lingen's abzu­lehnen seien.

Der Beschluß der französischen Deputirtenkammer, wodurch die Unabsetzbarkeit der Richter in Frankreich für aufgehoben und deren Wähl­barkeit erklärt wird, i)t trotz des Widerspruches des Justizministers Humbert erfolgt. Derselbe reichte deshalb seine Entlassung ein, doch ließ er sich vom Präsidenten der Republik, Grevy, schließlich befummelt, seine Demission zurück­zuziehen und dafür einen einmonatlichen Urlaub zu nehmen. In der Sitzung der Deputirtenkammer vom 12. Juni richtete der Deputirte Tenot eine Anfrage an die Regierung bezüglich der blutigen Vorgänge in Alexandrien. Der Mini- sterpräsident Freycinet konnte nur eine mangelhafte Auskunft ertheilen, doch ver­sicherte er, daß die Regierung _ unverzüglich alle Maßregeln ergreifen werde, welche für die Sicherheit der französischen Staatsangehörigen und der Ehre Frankreichs in Egypten nothwendig seien.

Der Leichnam Garibaldi's ruhet nun bis auf Weiteres in der für ihn in aller Eile bereiteten Gruft auf dem einsamen, sturm- und wogenumbrausten Friedhöfe von Caprera. Darüber, ob der Leichnam schließlich doch noch ver­brannt oder aber nach Rom überführt werden soll, wie es die Mehrheit der italienischen Nation wünscht, um dort auf dem Janiculus, einem der 7 Hügel öerewigen" Stadt feine definitive Ruhestätte zu finden, ist noch immer nichts befannt. Am vergangenen Sonntag hat in Rom die feierliche Uebertragung der Hüfte Garibaldi's nach dem Capitol stattgefunden. Gegen 170 politische, sowie Arbeiter* und Humanitäts-Vereine nahmen an der Ueberfiihrung Theil. Ein achtspänniger Wagen führte die Colosfalbüste, welche von den Veranstaltern der Demonstration dem Syndicus der Stadt Rom übergeben wurde. Das italie­nische PanzerschiffCastelsidardo" ist von Port Said am Suez-Canal nach Allexandrien abgegangen.

In Rußland ist zur Stunde der Rücktritt des Ministers des Innern, Grafen Jgnatieff, das hervorragendste Ereigniß. Der kaiserliche Ukas, welcher bi e Annahme des mit den üblichen Gesundheitsrücksichten motivirten Demissions- Giesuches Jgnatieff's ausspricht, ist, ebenso wie die Ernennung Tolstoy's, des Präsidenten der Petersburger Akademie, zu seinem Nachfolger, in einem am 12. Juni ausgegebenen Supplementblatte desRegierungs-Anzeigers" veröffent­

licht worden. Graf Jgnatieff bleibt allerdings Mitglied des Neichsrathes und Generaladjutant des Kaisers, doch kann er in dieser Stellung nicht mehr den geringsten Einfluß auf den Gang der politischen Angelegenheiten ausüben. Mit Graf Jgnatieff ist aus dem Nathe des Czaren ein Element beseitigt, das ent­schieden deutschfeindlich auftrat und dessen Wirksamkeit nachgerade drohte, die traditionellen guten Beziehungen zwischen Rußland und Deutschland zu trüben und deshalb begrüßen gerade wir Deutsche den Sturz Jgnatieff's mit besonderer Genugthuung.

Der norwegische Storthing, welcher sich schon seit langer Zeit zur schwedisch-norwegischen Regierung in einem tiefen Gegensätze befindet, hat jüngst wiederum einen Beweis seiner republikanischen Halsstarrigkeit gegeben. Er lehnte nämlich den von der Regierung eingebrachten Antrag auf Erhöhung der Apanage des Kronprinzen anläßlich feiner Vermählung mit der Prinzessin Victoria wiederum ab, hierdurch allerdings nur wenig Tactgefühl an den Tag legend.

Die blutigen Ereignisse in Alexandrien sind ein leider nur zu trauriger Beweis dafür, wohin die falsche Behandlung der egyptischen Frage Seitens der Westmächte geführt hat. In den Zusammenstößen zwischen den Europäern und den Eingeborenen sind fast sämmtliche Consuln mehr oder weni­ger schwer verwundet worden. Soweit bis jetzt bekannt, soll die Anzahl der Todten auf europäischer Seite 49, auf derjenigen der Eingeborenen 5, die Zahl der Verwundeten europäischerseits 80, bei den Eingeborenen 28 betragen. Es ist begreiflich, daß in Folge dieser Vorfälle in Alexandrien große Erregung herrscht und daß die europäischen Colonieen und die fremden Consuln große Be­unruhigung zeigen. Der türkische Commissär Derwisch Pascha hat sich auf die erste Kunde von diesen Ereignissen von Kairo nach Alexandrien begeben, ob es ihm aber gelingen wird, die entfesselten fanatischen Massen der Araber zu be­ruhigen, ist noch sehr fraglich.

Gießener Anzeiger

Amts- nnd Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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London, 14. Juni. Die Consuln haben allen irgend abkömmlichen Europäern gerathen, Egypten zu verlassen. Sämmtliche Generalconsuln werden dem Khedive nach Alexandrien folgen. Unter den Gemordeten in Alexandrien befindet sich auch ein deutscher Commis, W. Biedermann.

Englische Blätter melden: Die Europäer verlassen nach der Abreise des Khedive in großer Zahl Kairo. Der italienische Consul notificirte die ita­lienischen Unterthanen, abzureisen. Malet äußerte den Wunsch, die Engländer möchten gleichfalls abreisen, jedoch nicht in osficieller Weise, um die Panik zu vermeiden. Arabi Bey ist Herr von Kairo. Die Alexandrien verlassenden Schiffe sind mit Flüchtlingen überfüllt. Die Fahrgelegenheit ist ungenügend Malet bleibt noch einige Tage in Kairo. Die Consuln gehen heute nach Alexandrien. Arabi ist erbittert gegen England.____

Deutscher Reichstag.

18. Sitzung. Mittwoch, 14. Juni.

Präsident v. Levetzow eröffnet die Sitzung um 11 Vr Uhr. g«

Am Tische des Bundesrath is: o. Bötticher, Bitter, Scholz, Dr. o. Mayr, v. Fortsetzung der zweiten Berathung über das Tabakmonopol.

Ab? A ck e r m a n n (Sachsen) erklärt sich gegen bie Vorlage tft " bereit, der Regierung diejenigen Mittel zu bewilligen welche Mr die Durch ührung ihrer Steuerreformpläne unerläßlich sind. Em r so ties m alle Privatoerhaltn sie n- icbneidenden Maüreael wie ne in der Borlage uns entgegentritt, könne er n cht zu- Nmmen nam°n°Iich°n°chd°m L bie öffentlidje Meinung faft. «u8na»miilo8 jrt

Monopol erklärt hat- Auf solche Kundgebungen müsse auch die Volksvertretung Rück­sicht nehmen. Bei dieser Sachlage habe es ihn überrascht, daß dem Reichstage über; bauet e ne solche Vorlaae gemacht worden sei. Es wäre nicht mehr noth'g gewezen, etti"Verbiet des Reichstags^ einzuholen, da bereits eine mit großer Majorität gefaßte Resolution de/ Reichstags und ein Beschluß des Volkswirthschaftsraths gegen das Monopol vorltegt Die Monopolvorlage ser wenig geeignet, die socialpolitischen Plane des Kanzlers zu unterstützen. Die finanziellen Bedenken treten bei dem Monopol mehr