Gießen, 15. Juni. Montag den 19. und Dienstag den 20. d. Mts. finden öffentliche Sitzungen des Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen statt- Zur Verhandlung kommen:
am 19- Juni:
1. Beschwerde des Franz Birkenholz und Consorten zu Vilbel betr. die Erbauung eines Pfarrhauses zu Vilbel . .
2. Reclamation gegen den Voranschlag der Gemeinde Ober-Florstadt für das Jahr 1879 und 1880.
am 20. Juni:
1. Klage des Ortsarmenverbandes Lauterbach gegen den Landarmenoerband Lauterbach wegen Unterstützung des Nicolaus Götz.
2. Die Geschäftsführung des Gastwirths Schramm in Gießen.
3. Das Disciplinarverfahren gegen den Schutzmann Gemmecker zu Gießen.
Gießen, 15. Juni. sSchwurgerichts-Sitzungen vom 2. Quartal 1882.]
Montag den 19. Ium, Vormittags 9 Uhr: Anna Marie Stock von Angenrod wegen Kmdesmord und Sittlichkeitsverbrechen. Staatsanwalt Zimmermann, Ver- Iheldiger Rechtsanwalt Lauer- .. 1XTTTT £
Dienstag den 20. Juni, Vormittags 8 Uhr: Heinrich Schmidt VIII. Ehefrau von Queckborn wegen Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg Staatsanwalt Zimmermann, Vertheidiger Rechtsanwalt Dr. Schwarz.
Mittwoch den 21. Juni. Vormittags 8 Uhr: Konrad Kleinschmidt von Streifberg. Staatsanwalt Zimmermann, Vertheidiger Rechtsanwalt Weidig .
Donnerstag den 22. Juni, Vormittags 8 Uhr: Emanuel Rosenthal von Wenings weaen Meineids. Staatsanwalt Dr. Lahr, Vertheidiger Rechtsanwalt vr. Rosenberg.
Freitag den 23. Juni, Vormittags 8 Uhr: Wilhelm Hosmann's Ehefrau von -Grüningen wegen Meineids. Staatsanwalt Zimmermann, Vertheidiger Rechts- ann)aIt(5amftag den 24. Juni, Vormittags 8 Uhr: Kaspar Winter's Ehefrau von Effolderbach wegen Meineids. Staatsanwalt Zimmermann. . .
Montag den 26 und Dienstag den 27. Ium, Vormittags 8 Uhr: Heinrich Wilhelm Craß von Niederflorstadt wegen Brandstiftung. Staatsanwalt vr. Lahr.
Mittwoch den 28. Juni, Vormittags 8 Uhr: Samuel Wtndecker von Lich wegen Meineids. Staatsanwalt Zimmermann. _ .
Donnerstag den 29. Juni, Vormittags 8 Uhr: Carl Hepper's Ehesrau von Oberhörlen und Johann Philipp Rack II. von Dornassenhetm wegen betrüg. Bankerotts. Staatsanwalt Jöckel. ,
QU den letzte- Verhandlungen sind d'e Namen der Vertyeidiger noch nicht bekannt.
Gießen, 15. Juni. Im Anschluß an unsere frühere Notiz wird uns heute mrt- aetheilt, daß auf dem von der hiesigen Rudergesellfchaft in Frankfurt a. M. abgehaltenen Delegirtentag des Hess. Regatta-Verbands nunmehr Sonntag den 9. Juli endgültig als Tag der Hierselbst abzuhaltenden II. Hess. Vereins-Regatta bestimmt worden ist. Die Arbeiten zur Vorbereitung des Festes sind im besten Gange und dürfte im Laufe der nächsten Woche mit dem Aufschlagen der Tribünen rc. begonnen werden; die Mannschaften der hiesigen Gesellschaft sind bereits im strengsten Training und finden Mittags und Abends Uebungsfahrten statt, bei welchem der Jngstructor, sowie ältere erfahrene Mitglieder die Boote am Ufer begleiten und durch Zuruf ermuntern und instruiren. „ „ . f.. ..
Auch die Theilnahme der hiesigen Einwohner für die Regatta steigert sich mit jpbem Tage und hat die hiesige Schützengesellschaft in anerkennenster Weise bereits zwei Ehrenpreise im Werthe von über 400 «X gestiftet .
QU der nächsten Sonntag in Frankfurt a. M. stattfindenden Verems-Regatta hat sich unsere Gesellschaft mit ihren 4 riems outrigged Racrboot „Britania" für Juniors angemeldet, aber laut soeben eingetroffener Nachricht leider keine Concurrenz gefunden. Die Gesellschaft beabsichtigt nunmehr, sich bei der Emser Kaiserregatta mit ihrem 4rudrigen outrigged Gigg ebenfalls Juntor-Mannschaft, zu betheiligen und wünschen wir derselben heute schon besten Erfolg.
Verwischtes.
Marburg, 14. Juni. Der am 3. d. M. vom hiesigen Hessischen Geschichts- Derein zusammen mit dem Oberhessischen Vereine für Localgeschichte zu Gießen auf den Gleiberg gemachte kunsthistorische Ausflug war für die Theilnehmcr so lehrreich und interessant, daß es nur zu bedauern ist, daß von hier aus nicht noch eine größere Beiheiligung stattfand. Durch das liebenswürdige und werkthätige Entgegenkommen -eS Gießener Vereins und namentlich seines Vorsitzenden, des Herrn Professors Gare is wurde es ermöglicht, daß den hiesigen Vereinsgenossen alles, was Gießen für sie an Sehenswürdigkeit bot, gezeigt und zugänglich gemacht wurde. Nach freundlicher Begrüßung auf dem Bahnhofe wurde unter sachkundiger Führung zunächst ein Rundgang durch die Stadt gemacht und die architectonisch wichtigen Gebäude, Rathhaus, Hirsch- apotheke, das von Ludwig dem älteren erbaute Zeughaus (jetzt Caserne) in Augenschein genommen, um sodann die durch die Güte des Herrn Kanzlers v. Wass^rsch- leben zugänglich gemachten alten (früher Marburger) Unioersitätsbecher zu besichtige. Namentlich der größere, ein Geschenk Landgraf Philipps des Großmüthigen an die Universität Marburg, erregte die gerechte Bewunderung Aller; er ist ein Prachtstück ersten Ranges. Auch die kleine Kunstsammlung der Universität wurde hierauf unter Leitung des Herrn Geh Bauraths v. Ritgen besichtigt. Sie enthält namentlich einen Apparat von Photographien zu kunsthistorischen Hebungen, den wir leider auf unserer Universität in diesem Umfange vermissen. Als Hauptstück der Originale dieser Sammlung galt bisher ein Oelbild, welches das einzig erhaltene Portraii des berühmten Humanisten Reuchlm sein sollte. Neuere Forschungen haben jedoch nachgewiesen, daß dieses Bild nichts als eine schlechte Copie eines Rembraudt'schen Kupferstichs, die Zigeunerin, fei, welche durch Anmalen eines Bartes in einen Mann verwandelt ist. In dem neuen Universitätsgebäude nahmen vorzüglich die Bilder der älteren Marburger
Profefforen das Interesse in Anspruch; ein Vergleich mit unserer neuen Universität fiel, namentlich was die Zweckmäßigkeit der einzelnen Räume betrifft, zu Gunsten des Gießener Baues aus. Beneiden dürfen wir die Gießener Universität auch um die reichhaltige Sammlung von Gypsabgüssen antiker Meisterwerke. Sie sind im Untergeschoß der neuen Aula schön und zweckmäßig aufgestellt. Wir in Marburg müssen uns immer noch mit den traurigen Räumen begnügen, welche im Deutschenhause abfällig geworden sind und ist kaum die Zeit abzusehen, wann endlich einmal ein würdigerer Raum für unser archäologisches Museum geschaffen wird. Nachdem noch die bedeutenderen neuen Gebäude Gießens in Augenschein genommen waren, wurde der Weg auf den Gleiberg angetreten, wo schon eine große Anzahl der Gießener Vereinsmitglieder versammelt war. Vor dem Eingang zur Burg begrüßte Herr Professor Gareis die Gäste in poetischer Rede und brachte ihnen aus einem großen Humpen den Willkommen dar. In einem der durch den Gießener Geschichtsoeretn und die Gleibergsgesellschaft wieder- hergestellten Säle der Burg fand sodann die nochmalige Begrüßung der Gäste, der Vortrag des Herrn Professor Gareis Über die Geschichte der Burg Gleiberg statt. Es ist ein fast tausendjähriges Stück Geschichte, welches der Redner schilderte. Wenngleich wegen Mangels der Quellen man in karolingischer Zeit vielfach auf Comblnationen angewiesen ist, fo tritt man doch mit dem zehnten und elften Jahrhundert aus sicheren historischen Boden; der Vortragende verstand es, in fesselnder Form seinen hochinteressanten Stoff zu behandeln. Es ist aber auch ein denkwürdiges Stück deutscher Geschichte, an welcher der alte Gleiberg und seine Herren theilnahmen; es ist nicht hier der Ort, eine specielle Geschichte des Gleibergs an der Hand des Gareis'schen Vortrags zu geben, von der Zeit, wo Landgraf Otto, Bruder König Konrads I., die Lahngrafschaft inne hatte, bis zur Zeit, als die Hessenkasseler Truppen am 9. Juni 1646 die alte Best-' zerstörten. Erwähnt seien nur einige der hauptsächlichsten bekannten Namen und Geschlechter, die mit dem Gleiberg Zusammenhängen, als Graf Friedrich von Luxemburg, der Bruder der Kaiserin Kunigunde, Graf Hermann, der Gegenkönig Heinrichs IV., König Heinrich V., der die Burg eroberte, die Gräfin Clementia, die Meremberger, die Pfalzgrafen von Tübingen, die Nassauer Grafen. Heroorzuheben ist noch, daß auch die Gründung von Gießen von den Grafen von Gleiberg ausging. Nach Beendigung dieses Vortrages dankte der Vorsitzende des Marburger Vereins, Herr Dr. Könnecke, dem Herrn Vorredner für fein herzliches Willkommen, womit er feinen Vortrag eingeleitet hatte, führte aus, er hoffe, daß diese erste Vereinigung der beiden Oberhessischen historischen Vereine nicht die letzte sein möge und sprach den Wunsch aus, den Gießener Verein recht bald auch in Marburg begrüßen zu können. Herr Geh. Oberbaurath von Ritgen behandelte hierauf in seinem Vortrage die Bau- und Kunstgeschichte des Gleibergs. Fast fünfzigjährige Bekanntschaft mit der Burg, sowie die tiefgehendsten Studien desselben, die er fett Jahren zur Geschichte des deutschen Burgenhauses gemacht, kamen dem durch viele Abbildungen illustrirten Vortrage des berühmten Wiederherstellers der Wartburg'in reichstem Maße zu Gute. Wichtig waren hierbei auch die Excurse des Herrn Vortragenden über Zinnenbauten, Fenstereinrichtungen und andere Details. Diesem Vortrag schloß sich ein Rundgang durch die Burg unter Führung des Herrn Vortragenden an. Seit einigen Jahren ist unendlich viel für die Unterhaltung des Gleibergs durch den Gießener Verein gffchehen und kann man demselben für seine erfolgreiche Tätigkeit nicht dankbar genug sein. — Neben dem Kunstgenuß, welchen dieser Ausflug allen Theilnehmern bot, hatten dieselben sich auch noch des schönsten Naturgenusfes zu erfreuen, denn das Wetter war entzückend und die herrliche Rundsicht, welche sich namentlich von dem alten, noch aus dem zehnten Jahrhundert stammenden Schloßthurme darbietet, erschien bet dem prächtigen Wetter um so herrlicher. Nach der kunsthistorischen Besichtigung des Gleiberg legte der Vorsitzende des Marburger Vereins den Anwesenden noch die älteste erhaltene bis dahin unbekannte Abbildung Gießens und des Gleibergs aus dem Jahre 1591 vor und sprach über die aus dieser Ansicht abgeleiteten vorhandenen älteren Abbildungen Gießens und des Gleibergs. Nachdem noch Herr Prof. Gar eis ein begeistertes Hoch auf Se. Maj. unfern Kaiser, den jetzigen Territorialherrn des Gleibergs, ausgebracht und Herr Prof. v. Ritgen einen Toast auf I. Maj. die Kaiserin, durch deren Huld erst kürzlich eine bedeutende Summe zur Wiederherstellung des Gleibergs dem Verein bewilligt war, angeschlossen batten, schieden die Marburger Gäste von dem alten Gleiberg, nachdem noch Herr Geh. Ober-Juftiz- rath Schultheiß in einem Hoch dem Gießener Verein dem Alle beseelenden Danke Ausdruck gegeben hatte. (Oberhess. Zeitung.)
Handel und Verkehr.
Gießen, 14.Juni. Auf dem gestrigen Viehmarkt waren aufgetrieben 1126 Stück Rindvieh und 497 Stück Schweine. Die Preise gingen gegen die der vorhergehenden Märkte etwas zurück. — Nächster Markt Dienstag den 27. und Mittwoch den 28. d. M., am letzteren Tag auch Krämermarkt (Kirschenmarkt).
Limburg, 14. Juni. Rother Weizen -X 21.45, Weißer Weizen <X —.— Korn JL 14.40, Gerste X —.—, Hafer «X 8.80, Erbsen <X—.—, Kartoffeln <X
Frankfurt, 14. Juni. Auf dem heutigen Martt kostete der Centner Heu je nach Qualität .X 4.0' '—4.70, Stroh «X 3.00, Eier des Hundert -X 4.30—5.50, Butter 1. Qualität <X 1.20, 2. Qualität «X 1.10, Neue Kartoffeln das Gescheid 10—12 H, Kopfsalat und Spinat höchst billig, Erbsen 40—50 H, Bohnen <X 1.20 das Pfund, Spargel 00—00 das Pfund, Blumenkohl 30—50 das Stück. Ochsenfleisch per Pfund 70 Kuh- und Rindfleisch 45—bO Kalbfleisch 50—60 H, Schweinefleisch 70—75 H, Hammelfleisch 45—65 ^>, 1 Hahn .X 1.70—2.20, 1 Huhn JL 2.—2.50, 1 Poularde <X 3.00, 1 Ente <X 3.50, 1 Taube 45—50 H, 1 Welscher Jü 8—12, 1 Gans «X 4.00—6.
Wafferwärme der Lahn.
Am 15. Juni, Mittags zwischen 11 und 12 Uhr: 4- IOV20 R-, Luftwärme +12° R
L. Ehr. Rübsamen.
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IV. Kirchengesangfest
des Eoang. Kirchengesangvereins für Hessen.
Samstag den 11. Juni, Nachm. 6-/-Uhr: Generalversammlung in der Herberge zur Heimath.
Abends 8 Uhr: Gesellige Vereinigung im Saale des Lenz scheu Felsenkellers.
Sonntag den 18. Juni, 10 Uhr: Hauptprobe. Zutritt nur gegen bes. ausgegebene Mitgliedskarten.
2* 1/2 Uhr: Festseier in der Kirche. m .
4 Uhr: Mittagessen im Hotel zum Einhorn. Preis der Tisch- karte 2 Mk. _ „ _ ~ .
4006 Du* Wefii-Covnile*
OOOQOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOaOOOOOOg O Ich beehre mich hiermit anzuzeigen, daß der Ausverkauf in meinem Q 2 seitherigen Locale nur noch bis 1. Juli dauert und demgemäß die g O Preise meiner Maaren nochmals ermäßigt habe. Es bietet sich meinen Q O geehrten Abnehmern hierdurch Gelegenheit, die gediegensten Maaren 8 8 sehr vortheilhaft einzukaufen, wobei besonders auf Shirtings, Z ö Leinen und Handtücherzeuge rc. aufmerksam mache. 3786 g Moritz Heichelheim. 8 oöooDBaaöQODnDat2oancaöQaQcoöaQOQoacx2oo


