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und zahlreiche Vertreter aus allen Kreisen der Bevölkerung beiwohnten. In der Kirche des Preobraschenskisch'N Gaideregiments waren vor dem Altar ein zum Gedächnisse der Errettung d>s verewigten Kaisers gelegentlich des Attentats in Paris gefristetes Heiligenbild, darunter cm aus gleichem Anlasse von den Osficieren der Garde ge­widmetes Evangelium, ferner vor dem Bild- eine Stiftung des regierenden Kaisers, bestehend aus Leuchtern mit 63, der Zahl der Lebensjahre des verstorbenen Kaisers entsprechenden Kerzen, ein Bild des heiligen Alexander Newsky und der Säbel aus­gestellt, welchen Kaiser Alexander II. im Augenblicke des Attentals getragen hatte. Die Gräber dis Kaisers und der Kaiserin waren mit Blumen und Kränzen, welche daraus niedergelegt wurden, vollständig bedeckt, am Kopfende der Sarkophage lagen die Kaiser­kronen , das Innere der Kirche war erleuchtet. Sowohl in der Fcstungskirche, wie in der Sühnekapelle wurden die Messen bis zum späten Abend fortgesetzt, die Sühnekapelle war dis in die Nacht hinein von großen Bolksmassen umstanden.

Petersburg, 14. März. DasJournal de St. PÄersbourg" sagt unter Bezugnahme auf den gestrigen Jahrestag des Todes des Kaisers Alexan­der II. und den heutigen Jahrestag der Thronbesteigung des Kaisers Alexan­der III.: Die Daten großer historischer Erinnerungen sind Stunden, wo man wenig geneigt ist, sich mit fremden Dingen zu beschäftigen, noch weniger aber denselben eine übertriebene Wichtigkeit beizulegen^oder gar in dieselben sich ein­zumischen. Rußland denkt in dieser Stunde der Sammlung an die große Mission, welche die Vorsehung ihm unter der Aegide seiner erhabenen Souveräne zuge- theilt hat, an die Mission des Fortschritts, der Civllisation, der sriedlichen Ent­wickelung, der Eintracht und des Zusammenwirkens so zahlreicher unter den Scepter des Monarchen gestellter Völker. Jedes Friedensjahr muß den Wohl­stand vermehren und damit das Ansehen und die Achtung, welche ruhige unö selbstbewußte Kraft verleihen. Darin liegt die wahre, eines großen Reiches würdige Größe, welche Rußlands Herrscher stets zu wahren wußten und auch die einzige, welche es in unseren Tagen erstrebt.

Lokales.

Gießen, 15. März. jDeutscher Schulverein.) Der in der Versammlung am 2. März gutgeheißene Piotest des Berliner Centralvereins gegen den ungarischen Minister Tisza ist in die Siebenbürgischen Blätter übergegangen und so zur Kenntniß der doitigen Deutschen gelangt. Ein vollständiger Abdruck mit sämmltichen Unter­schriften in Nr. 2500 desSiebendürgencr Deutschen Tagblattes" vom 8. März d. I. ist am 12. d hier emgelaufen. H.

^Sterblichkeit in Gießen.) Während der 10. Jahreswoche, vom 5. bis 11. März ereigneten sich in G eßen 12 Todesfälle, davon 5 bei Kindern) 7 bei erwachsenen Per­sonen. Bei diesen lenteien wurde als Todesursache bezeichnet: Lungenschwindsucht 2mal, Lungenemphysem, Bronchienerweiterung, Harnruhr, Nierenentzündung, Schlagfluß je einmal. 2 Kinder konnten wegen angeborener Schwäche ihr Leben nicht fortsetzcn und starben bald nach der Geburt. Bei 3 Kindern, welche sich im 2. Lebensjahre befanden oder noch darüber, erfolgte der Tod je einmal durch Diphtherie, Nieienentzünduilg, Bronchienentzündung. G.

Bei der heutigen Maturitätsprüfung im hiesigen Gymnasium haben fämmt- liche 13 Kandidaten ihr Examen bestanden.

Unsere Leser, welche einen guten, reinen, natürlichen Bordeauxwein lieben, seien ausmerkfam gemacht auf die heutige Ankündigung des Herrn Th. Bellemer in Bordeaux, Eigenthümer großer Weingüter, Mitglied der Acker- und Gartcnvau- gcsellschaft der Gironde, Bürgermeister von Bruges. Diese wohlbekannte Firma besitzt in Deutschland schon seit vielen Jahren zahlreiche Kundin und Freunde.

öetmifcbte».

Lollar, 14. März. In gewohnter liberaler Weise hat die Direction der Aachen- Münchener Feuerverstchcrungs-Gesellschast gleichwie so vielen anderen Gemeinden und Feuerwehren, auch der hiesigen frei«. Feuerwehr die Summe von 300 M zu Aus- rüstungsgeräthschasten zugcwiesen. Wir wollen nicht unterlassen, aus diesen nach- ahmenswerthen Fall aufmerksam zu machen.

Darmstadt, 10. März. Bekanntlich sucht man in manchen Landgemeinden seiner Armen dadurch ledig zu werden, daß man ihnen zur Erwerbung des Unter­stützungswohnsitzes in einer größeren Stadt behilflich ist. Wir Darmstädter haben schon mancherici Erfahrungen in dieser Richtung machen dürfen, und cs dürfte nach­gerade selbst einem recht geriebenen Dorspascba mit seinen Räthen schwer fallen, die lästige Uebersracht mit Hülse der bekannten Miltll Her unterzubringen. Ein ergötzlicher, aber, sehlgeschlagener Versuch der Art wird nun in demD. Volksfr." m solgender Weise mitgetheiit: Vor eiwa drei Wochen erschien hier in der Langgasse em Wagen, der außer dem in seine» Mantel gehüllten Kutscher noch zehn Insassen, nämlich Vater, Mutter und 8 Kinder in elendem, frierendem und hungerndem Zustande enthielt, vor einem Hause, IN welchem eine Wohnung zu oermiethen war. Der Familienvater er­klärte, die Wohnung miethen und gleich einziehen zu wollen. Darauf erst Abweisung von Seiten des Hausherrn, Volksversammlung um den Wagen, Mitleid mit den armen Würmern von Kindern, sodann eifrige Unterbandlung des zugeknöpften Kutschers mit dem Hausherrn, die damit endigt, daß Ersterer Letzterem die M'ethe für ein Vierteljahr baar vorausbezahlt, die Familie in der Wohnung absetzt, ihr noch einen Laib Brod übergibt und wie das Mädchen aus der Fremde wieder von dannen fährt. Bald nach dem Einzug begaben sich auch die biederen Eltern, welchen die Einrichtung ihres nicht mitgebrachten Hausraths keine Mübe machte, in die Stadt, wohl um sich mit deren Sehenswürdigkeiten bekannt zu machen. Die meisten Kinder bleiben in der Wohnung unter der Obhut des älteren Mädchens zurück. Diese Zeit aber benutzt ein kluger Nachbar, dem noch ein warmes Herz für unseren Stadtsäckcl und die Communal- steuerzahler im Busen schlägt; er füllt einen groß-n Henkelkorb mit Kartoffeln, nimmt ein schönes Weißbrod und begibt sich m die Wohnung der neuen Ankömmlinge, seine Gaben spendend und sich theilnehmend nach Herkunft und Verhältnissen erkundigend. Und wirklich erfährt er von der genannten Tochter, daß die Familie aus Griesheim bei Höchst ist, daß st- dort der Gemeinde zur Last gefallen, aber nur schlecht unterstützt worden sei. Da habe endlich der Gememderath in seinem Edelmuth beschlossen, sie koftensrei nach Darmstadt abzulüfern und dort auch noch ein Vierteljahr Mieth- vornus- zub-zahlen. Der B-igcordnete habe sie dann es war eine ziemlich weite Reise Hergebracht und das Weitere, wie erzählt, geordnei. Unser Biedermann gibt alsbald dem Oberbürgermeister N »bricht von seinen Ermittelungen und die Folge ist di- Vor­führung unseres neuen Mitbürgris vor den gestrengen Herrn. Dieser empfängt, so weit ihm das möglich ist, den vor Angst bebenden armen Teufel sehr gnädig. Zwischen Beiden emspinnt sich nun nach den Einleitungsfragen etwa folgender kurzer Dialog. Oberbürgermeister:N. N., wovon gedenkt Ihr denn jetzt hier zu leben?" Neuer Mitbürger (in großer Angst):Ich weiß es nicht.- Oberbürgermeister:Wenn Ihr also keine Unterstützung bekommt, so könnt Ihr verhungern." Neuer Mitbürger seuszt. Oberbürgermeister:Aber hier in Darmstadt soll Niemand hungern; es sollen Euch vorläusig wöchentlich 15 M. ausbezahlt werden, glaubt Ihr damit durchzukommen? Für diese Woche könnt Ihr sie gleich mitnehmen." D-r neue Mitbürger, der mindestens auf's Gehängtwerden gefaßt war, ist wie ans den Wolken gefallen und hat natürlich gegen die 15 JL nichts einzuwenden. Inzwischen ist die Bürgermeisterei von G. benach­richtigt und ihr anheimgegeben worden, die betreffende Familie wieder h-imzuholen, zumal der Kostenansatz von wöchentlich 15 M. erhöht werden müsse, da einige der Kinder krank geworden seien. Die Heimholung hat bis zur Stund- noch nicht statt­gefunden und zwar darum nicht, weil inzwischen die Gemeinde G. den Versuch gemacht hat, die in Rede stehende Familie in einem Landorte des Kreises unterzubringen, ein Versuch, d-r auch Mißlungen ist. Nun werden wir dieser Tage unsere neuen Mit­bürger wohl wieder quitt werden, nachdem sie Heer, nach eigenem Bekenntniß, eine der sorgenfreiesten Zeiten ihres Lebens zugebracht haben; der Gemeinderath in M. aber wird die Fürsorge der Stadt Darmstadt für ihre freundlich zugeführlen Landarmen in Zukunft zu schätzen wissen.

Mainz, 10. März lieber eine seltsame Zeitung wird demBerl. Fremdenbl." von hier geschrieben:D-r letzte hiesige Weinfälscherprocetz hat viel unnöthigen Staub aufgewirbelt. Das Clafsischste aber ist, daß ein Herr Rau daraus Anlaß genommen, ein eigenes Journal zu gründen, das als Zweck angibt, die Weinpantscher zu ver­folgen und an k n Pranger zu stellen. Das Blatt heißtReinen Wein einschenken", bat als Beilage den »Menschenfreund". Nr. 3 liegt vor uns und machen wir Jeden

aus diesesCuriosum" der Tagesliteratur aufmerksam. Zuerst kommt der Wcinfälscher Kahn an die Reihe, der aus 1 Stück 3 Stück fobrtcirt, sie daun nach Rüdesheim an den Kaufmann Levita, einen Schwager von Kahn, adressirt habe, sie seien dort in die Kellerei von C> I. Sturm durch die Leut- des L-tzteren eingelagert worden. H-rr Rau verlangt für den Angeklagten sechs Monat, sechsmal so viel wie der Staats­anwalt! Dann folgt der Weinschmiereiproceß Homburger; auch für ihn verlangt der Redacteur zum Mindesten 6 Monat- und so geht es fort in einem Tone. Bei der Angabe reeller Weinfirmen (und dies ist das Uneihörteste!) übergeht das Blatt unser Mainz vollständig (!!!) Mainz, die erste Wemhandelsstadt des deutschen Reiches, weil Herr Rau hier angeblich feine einzige reelle Adresse kennt!" Hat man jemals so etwas gewagt öffentlich zu behaupten? Wir sind sehr begierig, was unsere Wein- händler dem Auftreten Rau's gegenüber thun werden. Herr Rau schreibt wörtlich: Wir haben den Mainzer Platz als den bingestellt, was er in den Augen von Mainzer Localblättern und in den Augen der Behörde, die es für nöthig erachtet, eine Unter­suchungsstation dort aufzustellen, auch wirklich ist."

F r anksur t a. M. Am 31. d. M. findet nun definitiv die Ziehung der 2. Serie der Ausstellungs Lott-I ie statt, welche mit den herrlichsten Gewinnen so reich dotirt ist wie keine andere Lotterie in Deutschland. Ein kurzer Besuch der Ausstellung im Saalbau wiid Jedem diese Ueberzeugung aufdrängen. Als em großer Vorzug der 2. Serie darf es betrachtet werden, daß die Gewinn-Ankaufs Commifston, welche ihr schwieriges Amt, rote man aneifinnen muß, mit großem Geschick geführt hat, diesmal nicht auf die Ausstellung ausschließlich angewiesen war, sondern die Ankäufe giößten- th-ils durch Auswahl in den großen reichen Magazinen Frankfurts, theils durch Be­stellung bei den rcnommirten Handwerkern und Fabrikanten der Kunst-Gewerbe-Branche vollzogen hat. Dadurch ist der Umstand, der zu vielen Klagen Anlaß gab, vermieden, daß entweder Gegenstände erworben wurden, die Monate lang ausgestellt waren und während d eser Zeit vom Staub und Licht sehr zu leiden hatten, ober Objecte aus gewählt wurden, die bei den Gewinnern Unzufriedenheit hervorrtefen. Derartige Klagen müssen jetzt verstummen, denn in der That bietet die Ausstellung der Ge-Vinn- nur eine Auswahl gediegener und practischer Gegenstände aus allen Zweigen des Gewerbes und der Kunst, die den glücklichen Gewinner unbedingt hoch erfreuen werden.

[@me i'Ictien Gesellschaft zur Förderung der Geselligkeit ] Vor einigen Mo­naten wurde in Heidelberg, so schreibt man demD. M.-Bl.", da« CorpsRhenania" aus mehr als hinreichenden Gründen durch den engeren academischen Senat IN dessen Eigenschaft als Disciplinarbehördc für aufgelöst erklärt. Da brachte jüngst di-Heidel­berger Zeitung" als amtliches Verkündigungsblatt die Anzeige, daß in Heidelberg eine neue Actien-Gesellschast unter der FirmaRheinländische Gesellschaft" gegründet worden. Zweck der Gesellschast: Förderung der Geselligkeit. Natilrl ch ist dies nichts Anderes als dieRhenania", nur heißt jetzt der erste Chargirte Präsident, der Kneipwart ist Director und die Corpsburschen sind die Actionäre. Auch ein Zeichen der Zeit!

sAlt, älter, am ältesten.)Sieh einmal Mama", meinte klein Lieschen,

diese Modenbilder im Bazar sind doch nicht richtig. Hier steht unter dem Bilde einer

Dame mit grauem Haar:Hut für eine alte Dame", und hier, unter dem Bilde einer

Dame, die viel jünger aussieht,Mantel für eine ältere Dame".Das ist schon

richtig, Du kleines Dümmchen," erklärte die Mama-Di- Großmama zum Beispiel ist eine alte Dame, mich nennt maneine ältere Dame"".Aba", unterbrach die kluge Kleine die Mama,deßhald nennt wohl auch Papa mich immer seine Aelteste?"

Einem alten armen Mütterchen in Solingen war es durch Einschränkungen der mannichfachsten Art gelungen, sich ein Capital von 300 Thaler» zusammenzusparen und trotz aller Noth, welche sie vor Augen sah, hatte sie es über sich gebracht, während mehrerer Jahrzehnte ihren Schatz unberührt zu erhalten. Da wird vor Kurzem das Mütterchen aus's Krankenlager geworfen; der Tod scheint nicht allzu ferne zu fein. In ihrer Furcht, das Geld möge verloren gehen, macht sie ihren Kindern Mittheilung von dessen Vorhandensein. Man geht hin und hebt den Schatz; aber o web! Di- Alte hat nichts von unserer Münzieform gewußt, sie hat keine Zeitungen gelesen und so ist ihrer Aufmerksamkeit entgangen, daß alle die Geldsorten, aus welchen ihr Capital besteht, vor Jahren schon eingezogen worden sind und zu ihrem nicht geringen Schrecken erfährt sie jetzt von dieser Thatsache. Ein Menschenfreuiid hat sich inzwischen der Leutchen angenommen. Er hat das Geld an die zuständige Behörde nach Berlin ge­schickt und gebeten, in Berücksichtigung der obwaltenden Verhältnisse eine nachträgliche Vergütung des Werthes statrhaben zu lassen. Ein Bescheid aus dieses Gesuch ist noch nicht erfolgt.

sWi-der ein Zoll-Curiosum j Anilinfarben, die in Blechbüchsen verpackt bis jetzt stetszollfrei" abgelassen wurden, werden nach neuerer Entscheidung alsBlech- waaren", und zwar, weil auf den Blechbüchsen noch eine Etiguette geklebt Ist, als Blcchwaaren in Verbindung mit Papi-r" zu 24 für 100 Kg. verzollt. Als Blech- roaare allein würde der Zoll nur 10 für 100 Kg. betragen, aber der Papierstreisen muß auch bezahlen und so wird die Steuer mit 24 (Blechwaare in Verbindung mit Papier) für 100 Kg vom Ganzen erhoben.

sVon der Königin Luise.) König Friedrich Wilhelm in. pflegte jeden Morgen nach gehaltenem Vortrage im Cadinet, wenn auch nur auf Augenblicke, im Wohnzimmer der Königin sich aufzuhalten und mit ihr, am liebsten frisches Obst, zu frühstücken. Bei dem Hereintreten bemerkt er einmal wie derBär" in seiner jüngsten Nummer erzählt auf ihrem Nähtisch eine hübsche Haube, die ihm neu erschien. Lächelnd fragt er nach dem Preise.Es ist nicht immer gut", erwidert scherzend die Königin,wenn die Männer wissen wollen, was der Putz der Frauen kostet; sie verstehen das nicht und finden dann Alles zu theuer."Aber Du kannst mir doch wohl sagen, was diese Haube kostet; möchte es gern wissen!"O ja! ich habe eine wohlseile gewählt; sie kostet nur vier Thaler."Nur? Erschrecklich viel Geld für so em Ding!" und indem der König, am Fenster stehend, sortsährt zu spötteln, bemerkt er einen vorübergehenden Garde-Invaliden, welchen er heraufruft. Kaum ist derselbe efngetreten, so spricht zu ihm der König:Die Dame, welche da auf dem Sopha sitzt, hat viel Geld; was meinst Du wohl, alter Kamerad, was sie für die Mütze gegeben, die da auf dem Tische liegt? Darfst Dich aber nicht blenden lassen von dem schönen Rosabande." Der alte Kriegsmann, unerfahren in solchen Dingen, zuckt mit den Achseln und spricht endlich kurz und rund:Na, die wird wohl eenige Jroschen kosten!"Da hörst Du's!" fährt der König fort.Ja, was Groschen! Vier Thaler hat sie dafür bezahlt. Nun geh' mal hi» find laß Dir von der schönen Frau ebenso Diel geben." Lächelnd den König ansehend, öffnet sie flugs ihre Börse und legt dem sachte herangetretenen Soldaten in die vorgehaltene Hand vier blanke Thaler.Aber", fügt sie bann mit einem schalkhaften Blicke hinzu,sieh' mal, der hohe Herr, der bi am Fenster steht, hat viel mehr Geld, als ich; Alles, was ich habe, habe ich nur allein von ihm und er giebt gern. Nun geh' auch zu ihm hin und laß Dir das Doppelte, acht Thaler, geben." Mit fröhlichem Auflachen sieht die Königin auch diese Spende aus den zum Geben immer offenen Händen des jetzt freilich achselzuckend lächelnden, langsam zahlenden Königs erfolgen und wünscht dem vergnügten Veteran Glück. Dieser hat das glückliche Ehepaar gesehen und hort noch, wie er schon das fürstliche Zimmer verlassen, da drinnen den lauten fröhlichen Scherz. Der Invalide hieß Christian Brandes und wurde sehr alt. Der König hatte die Gesichtszüge und den Namen dcs Manncs, aber auch diese Scene behalten. Wenn er seiner späterhin, nach dem Tode der Königin, zu Potsdam ansichtig wurde, beschenkte er ihn und hat dabei wohl ine Schmerzenstotie gefragt:Brandes, weißt Du noch?"

Mainz. 13. März. (Von Handwerksburschen ermordet.) Aus dem benach­barten Nackenheim wird uns ein schändlicher Vorfall berichtet. Vorgestern kamen in ein dortiges Haus zwei Landstreicher, dem Anscheine nach Handwerksburschen und per« langten von dem Einwohner eine Gabe, welche ihnen indessen verweigert worden ist. Daraufhin packten die beiden Burschen den Mann, der ihnen das Geld verweigerte, einen gewissen Johann Lenz I., und erschlugen denselben in seinem Zimmer mittelst eines schweren Gegenstandes, worauf die Burschen in der Richtung nach Lörzweiler entflohen Wie uns mitgetheiit wird, sollen die Mörder nach der That eine Geldbörse mit 7 Mark aus der Wohnung des Erschlagenen entwendet haben. Bis jetzt ist man denselben noch nicht aus der Spur. (Fr. Journ.)

Alte Korkpfropsen reinigt man nach denI. Bl.": Man Übergießt die Propsen in einem Topfe mit Wasser und setzt, nachdem alle gehörig benetzt sind, eng­lische Schwefelsäure zu, auf 10 Kg. Wasser etwa 1/z Kg. Säure und rührt mit einem hölzernen Spatel um. Die Flüssigkeit wird nach 24 Stunden abgegossen und die Pfropfen mehrmals mit reinem Wasser gut nachgespült, bis ein auf irgend einen groß- löcherigen Propsen angedrücktes Lackmuspapier nicht mehr geröthet wird, bann trocknet man die Pfropfen schnell und scharf. Die Säure mit Alkali abzustumpfen, ist nicht thunlich, weil dadurch die frische Farbe des Korkes leidet.