Ausgabe 
15.10.1882 Erstes Blatt
 
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Deutschland.

Darmstadt, 12. October. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben AllergMdlgst^geruht^r ^angelischen Pfarrer zu Altenstadt, im Dekanate Rodheim, Franz Hoffmann, das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienst-Ordens Philipps des Großmüthigen zu verleihen.

V Berlin, 12. Octbr. DieBert. Polit. Nachr." schreiben: In Be- stätiauna unserer bisherigen Meldungen können wir mittheilen, daß die Zusam­menstellung des Reichshaushalts-Etats pro 1883/84 ein günstiges Verhältnis der Einnahmen und Ausgaben ausmeist. Schon aus den monatlichen Publikationen über die Reichs-Einnahmen aus Zöllen u. s. w. ergiebt sich eine erfreuliche Steigerung der Reichs-Einnahmen und dürfte sich daher entgegen anderwei­tigen , wohl nicht ohne Grund und Ursache von gewisser Seite in Umlauf ge­setzten Gerüchten die uns zugehende Nachricht bestätigen, daß für das Etats- ,ahr 1883/84 eine Verminderung der Matrikular-Beiträge um einige Millionen emtretm wir^ Oktober. Der hiesige katholische Geistliche hat aus die Be­schuldigung, daß er evangelisch getaufte-Kinder abermals getaust habe, eine sonderbare ätotroort gegeben. Er anerkennt darin die Gültigkeit der evangelischen Taus- auch für feine Kirche, ist aber im Zweisel, ob ein Protestantenveretns-Psarrer eine solche Tause gültig vollziehen könne. In diesem Falle habe er sich befunden und detzhalb die be- treff enben Kinder nochmals getauft. Doch habe er seiner Taufformel die Worte vor- nefefet Wenn Du nicht getauft bist". Set nun die Tauf- des evangelischen Getst- uchen eine richtige gewesen, so verliere die nachträgliche katholisch- Taufe ihren Werth, umgekehrt fei die Taufe erst jetzt eine sacramentale. (F. 3)

Hesterreich.

Prag, 12. Oktober. In Folge der Rede, welch- der neue Bürgermeister Czernv bei seiner Jnstallirung hielt und in der er Prag als rein slavtsche Stadt bezeichnete, legten heute Nachmittag sämmtliche fünf deutsche Stadtverordneten ihr Mandat weder.

Türkei.

Konstantinopel, 12. Octbr. Zu Ehren des hier eingetroffenen Prinzen Friedrich Wilhelm von Hessen und des deutschen Geschäftsträgers, Legationsraths v. Hirjchseld, sand heute beim Sultan ein Diner statt, dem sämmtliche Minister beiwohnten.

Konstantinopel, 12. Oktober. Ein aus zwei Panzerschiffen und drei Cor- üeiten bestehendes türkisches Geschwader soll, wie verlautet, unverzüglich auslaufen, um an der syrischen Küste zu kreuzen. Dasselbe wird sich nid): in das Rothe Meer be­geben. Man glaubt, die Pforte werde die letzte Note des englischen Botschafters Lord Dufferin bezüglich der Räumung Egyptens alsbald in entgegenkommender Weise beantworten.

Aegypten.

Alexandrien, 12. Octbr. Mit einem österreichischen Dampfer sind heute 32 Europäer hier eingetroffen, um sich in die egyptische Gensd'armerie einreihen zu lassen; die Zahl der in letztere bereits eingestellten Personen be­trägt 381. - Heute wurden 3 Obersten von der Truppengattung derMusta- phasius" hier eingebracht, die der Theilnahme an den Vorgängen vom 11. Juni beschuldigt werden und im Innern des Landes verhaftet wurden.

Telegraphische Depeschen.

Wolst'S telegr. Correspondenr-Bureau.

Wiesbaden, 13. Octbr. Der Chef der Admiralität, General v. Stojch, wird am 17. ds. von Oestrich im Rheingau in Berlin wieder eintreffen.

Köln, 13. Oktober. In Folge eines vom Bimetalliften - Eongretz erlassenen Aufrufs hat sich ein Zweigverem desselben für Rheinland und Westfalen conftituirt. Von den am Congresse theilnehmenden Reichstagsabgeordneten wurde beschlossen, einen Gesetzentwurf über Abänderung des Münzgesetzes vom Jahre 1873 dahin einzubringen, daß vollwichtige Zweimarkstücke ausgeprägt und die vorhandenen Thalerstücke beibehalten werden, auch bet allen Zahlungen als vollgültig anzunehmen sind. Das Inkrafttreten des Gesetzes soll vom Bundesrathe bestimmt werden.

Prag, 13. Octbr. Sämmtliche deutsche Stadtverordnete haben ihre Mandate niedergelegt.

Bern, 13. Octbr. Die im Gang befindlichen Werbungen für Egypten sind üont Bundesrathe verboten worden. Sämmtliche Cantons-Regierungen wur­den eingeladen, dieser Verfügung sofort mit allen gesetzlichen Mitteln Vollzug zu verschaffen.

Kopenhagen, 13. Octbr. Sämmtliche Gruppen der Linken, sowie die gemäßigte Rechte haben in der heutigen Sitzung des Folkethings eine Reso­lution beantragt, in welcher der Negierung die Befugniß abgejprochen wird, das Verbot der Einfuhr von Hornvieh aus Schweden ausrecht zu erhalten.

London, 13. Oktober. Der Earl of Northbrook, erster Lord der Admiralität und der Generalpostmeister Fawceti nahmen gestern als Ehrengäste des Reformclubs in Liverpool an einem Festmahle desselben Thetl. Northbrook sprach in seiner Tisch­rede über die Politik Englands bezüglich Egyptens und sagte, der Sieg der britischen Waffen habe die vorher zum Ausdruck gebrachte Politik der Regierung nicht verändert. England habe mit seinem Einschreiten in Egypten keine selbstsüchtigen Zwecke verfügt und sei nur durch das Umsichgreifen der Anarchie dazu veranlaßt worden. Die Re­gierung wolle Egypten nicht annekttren oder regieren; wolle es aber auch nicht in die Anarchie zurückfallen oder unter die Controle einer andern fremden Macht gelangen Iaff-tt. England beanspruche keine exclusive Gewalt über den Suezkanal, aber die freie Einfahrt britischer Kriegsschiffe dürfe weder im Kriege noch in Friedenszeiten gefährdet werden. An diesen Principien werde die Regierung festhalten, ungeachtet ihrer großen Erfolge und der dadurch gewonnenen Stellung. Zur Erreichung ihrer Ziele handle dt: Regierung im Einvernehmen mit allen europäischen Mächten, welche sie üver- z-ugt habe, daß sie sich mit keinen anderen Absichten, als den hier ausgedrückten, trage. Die Großmächte hätten vollkommenes Vertrauen in die künftige Haltung Englands. «

Alexandrien, 13. Octbr. Ein Transport von gegen 150 Kranken und Verwundeten ist heute früh hier angekommen. Die Räumung von Damiette dürste in der nächsten Woche erfolgen.

Lokales.

Gießen, 14. Oktober. Schwurgerichtsverhandlung am 11., 12. und 13. Oktober l. I. gegen Gemeindeeinnehmer Hermann Gehringer von Laubach wegen Verbrechen im Amte, Unterschlagung und Untreue.

Derselbe war angeklagt: rn .

1. daß er als Beamter, nämlich als Gemeinderechner für Ober-Bessingen, im Jahre 1881 zu zwei verschiedenen Malen Gelder, die er m amtlicher Eigen­schaft empfangen oder in Gewahrsam hatte, sich rechtswidrig zugeeignet und daß er in Beziehung auf diese Unterschlagungen die zur Eintragung der Einnahmen und Ausgaben bestimmten Bücher der Gemeinde Ober-Bessingen unrichtig geführt habe;

2. daß er in der Zeit von Ende August 1877 bis Ende Januar 1882 in feiner Eigenschaft als Rechner des Spar- und Creditvereins zu Laubach zu wieder­

holten Malen Gelder, welche er für den genannten Verein vereinnahmt hatte, sich rechtswidrig zugeeignet habe;

3. daß er im Laufe der Jahre 1880 und 1881 als Bevollmächtigter des Peter Zimmer zu Nonnenroth wiederholt über Vermögensstücke seines Vollmacht­gebers absichtlich zu dessen Nachtheil verfügt habe, indem er sich Gelder, welche er für Peter Zimmer vereinnahmt hatte, rechtswidrig zueignete.

Gehringer wurde wegen Verbrechens im Amte und Unterschlagung schuldig erkannt und in eine Gesammtzuchthausstrafe von 5 Jahren 9 Monaten und 2 Wochen, abzüglich 6 Monaten Untersuchungshaft verurtheilt und ihm gleichzeitig die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren aberkannt; megen\ Untreue wurde Ange- schuldigter freigesprochen.

Eine gute Tinte ist in unserer vielschreibenden Zeit sicherlich ein wichtiges Erforderniß. Unter den Legionen Tinten, mit welchen der Markt überschwemmt wird und mit deren Ankauf wohl schon mancher im eigentlichen Sinne des Wortes in die Tinte gekommen sein wird, zeichnen sich die Fabrikate von Paul Strebel in Gera vortheilhaft aus; insbesondere leistet feine Schreib-, Copir- und Archiotinte alles, was man von einer guten Tinte verlangen kann; sie fließt leicht aus der Feder, schimmelt nicht, wird rasch völlig schwarz, copirt rein und widersteht dem Auswischen beim Naßwerden im hohen Grad, Eigenschaften, die sie nur allgemein empfehlen können. Wir haben obige Tinte schon längere Zeit auf unserem Bureau in Gebrauch und können aus eigener Erfahrung dieselbe nur bestens empfehlen, zumal dieselbe im Preise nicht höher steht als die von anderen Fabriken empfohlenen.

Von betheiligter Seite wurde uns die Nachricht, daß der hiesige Frauen- Verein für den 29. d. Mts. ein Wohlthätigkeits Concert in Aussicht genommen hat. Dasselbe soll im Clubsaale stattfinden und der Ertrag ausschließlich den hiesigen Armen zu Gute kommen- Das Programm des Concerts wird nächster Tage bekannt gegeben werden; doch verlautet schon jetzt, daß dasselbe gut gewählt ist und höchst interessante Nummern enthält.

Dies gewiß mühevolle und nicht ohne Schwierigkeiten zu bewerkstelligende Unter­nehmen des Frauen-Vereins muß um so dankbarer begrüßt werden, als leider nicht ohne Sorgen um unsere Armen dem kommenden Winter entgegenzusehen ist.

Möge der Erfolg ein lohnender werden.

BermiscdteL.

Aus Baiern, 12. Oktober. Gestern früh wurde der Vorstand der Bahnstation Schalding bei Passau, Herr Krieninger, als er im letzten Augenblicke das fälschlich Halt"' anzeigende Stationssemaphor umstellen wollte und zu diesem Behufe über daS Geleise sprang, von der Locomotive des um 3 Uhr 45 Minuten in Passau eintreffenden Schnellzuges erfaßt, unter die Näder geschleudert und sofort gelobtet. Arme und Beine sind vom Rumpfe getrennt und die Schädeldecke vom Kopfe weggerissen. Ein eigenthümliches Spiel des Zufalls ist es, daß gerade vor einem Jahre in derselben Nacht der Sohn des Verunglückten von einem Eisenbahnzuge zwischen Schalding und Sandbach überfahren wurde und feinen Tod fand.

Seit einigen Tagen herrscht in Untergriesbach in Niederbayern Schar­lach und Diphtheritis. Von den erkrankten Kindern wurden bereits 6 ein Opfer der Epidemie.

In Weiden hat man an die Generaldirection das Ersuchen gestellt, den Bau der ptojectirten Oelgassabrtk aufzuschieben, was auch genehmigt wurde. Man geht ernsthaft mit dem Gedanken um, die Stadt electrisch zu beleuchten.

Nach einem Unheil des Reichsgerichts, I. Strafsenats, vorn 10. Juli d. I, fallen die mit geschliffenen Schlägern ausgefochtenen Studenten-Mensuren, wenn die Schutzvorrichtungen keine genügende Abwehr gegen lebensgefährliche Verletzungen bieten, unter den Zweikampf mit tödtUchen Waffen.

Wilfersdingen (Baden), 11. Oktober. Am Siegener Bahnübergänge er­eignete sich gestern Nacht, demB. L>" zufolge, ein Unfall, der leicht große Dimensionen hätte annehmen können- Ein um selbe Zeit mit einem leeren Heuwagen heimkehrender Bauer öffnete gewaltsam die am gedachten Uebergange befindliche Barriere, um noch vor dem heranbrausenden Güterzuge hinüberzukommen. Der Wagen wurde aber von der Maschine erfaßt, zertrümmert und ca. 150 Meier (?) weit seitwärts geschleudert das eine Pferd auf der Stelle getödtet, das andere noch eine Strecke weit mitgeschleift- Der leichtsinnige Urheber des Unglücks blieb unversehrt und wird hoffentlich seiner Strafe nicht entgehen. Das Bahnpersonal trägt an dem Unfall keine Schuld.

(Was ist eine Eisenbahn?! Das deutsche Reichsgericht beantwortet diese Frage dahin, daß die Eisenbahn ein Unternehmen sei, gerichtet auf wiederholte Fort­bewegung von Personen ober Sachen über nicht unbedeutende Raumstrecken auf metallener Grundlage, welche durch ihre Consistenz, Conftruction und Glätte den Transport großer Gewichtsmassen, bezw. die Erzielung einer verhältnißmäßig be. deutenden Schnelligkeit der Transportbewegung zu ermöglichen bestimmt ist und durch diese Eigenart -n Verbindung mit den außerdem zur Erzeugung der Transportbewegung benutzten Naturkrästen (Dampf, Electricität, thierische ober menschliche Kraft, bei ge­neigter Ed-me der Bahn auch der eigenen Schwere der Wagen unb deren Ladung u. s. w.) bei dem Betriebe des Unternehmers auf derselben eine verhältnißmäßig gewaltige je nach den Umständen nur in bezweckter Weise nützliche ober auch Menschenleben vernichtende unb die menschliche Gesundheit verletzende Wirkung zu erzeugen fähig ist.

Auszug aus bett Staudesauttsregisteru des Standesamts Gießen.

Oktober. 6. Schuhmacher Bernhard Adolf Stücker von Darfeld mit Eva Gimbel, Tochter des verstorbenen Mühlenbesitzers Adam Gimbel von Achenbach. 11. Hand­schuhmacher Gustav Jmmermann von Halle mit Katharine Jacobine Lang, geb. Buddig, von Wetzlar. 13- Handelsmann Wilhelm Johann Maaßen von Aachen mit Helene Charlotte Mannebach, Tochter des Schuhmachers Nicolaus Mannebach von Schiffweiler.

c Eheschließungen.

Oktober. 11. Bureaugehilfe Wilhelm Hermann Haubach mit Anna Caroline Margarethe Kaufmann zu Gießen. 11- Kaufmann Gerhard Botz mit Luise Emilie Unverzagt, Tochter des verstorbenen Gärtners Heinrich Ludwig Unverzagt zu Gießen. 11. Kaufmann Samuel Falk von Beckum mit Elnma Mayer, Tochter des Kaufmanns Alexander Mayer von Gießen. 11. Kaufmann Alexander Goldschmidt von Eslohe mit Emma Buch, Tochter des Rentners Jonas Buch zu Gießen. 13. Handelsmann Isaac Walldorf von AltBuseck mit Elisadethe Krischer, Tochter des Mühlarztes Nicolaus Krischer von Alsfeld.

t Geborene. _

Oktober. 4. Eine Tochter von hier. 5- Dem Kupferschmied Louis Vollmete ein Sohn, Emil. 6. Dem Schuhmachermeister Ernst Koch eine Tochter, Luise Adolfine. 9- Dem Schreiner Hermann Kröcker ein Sohn, Karl. 10. Eine Tochter von auswärts. 13. Dem Bahnarbeiter Martin Kohlermann ein Sohn, Eduard.

r Gestorbene.

Oktober. 7. Schneiderlehrling Christian Steuber, 15 Jahre alt, von Merlau. 7. Gartner Karl Claus, 19 Jahre alt, von Offenbach a. M. 7. Elisadethe Katharine Bertha Wilhelmine, 4 Monate alt, Tochter des Fabrikarbeiters Friedrich Paul.

Handel und Berkehr.

Gießen, 14. October. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter per Pfund «X 1.101.18, Hühnereier per Stück 7 Käse per Stück 49 Käsematte per Stück 3 4, Erbsen 1 Liter 22 H, Linsen 1 Liter 28 H, Tauben das Paar 5060 Hühner per Stück «A 0.901.00, Hahnen per Stück JL 0.50 bis 0.90, Enten per Stück X 1.502.00, Ochsenfleisch per Pfund 6670 H, Kuh- und Rindfleisch 5660 H, Kalbfleisch 50 bis 54 Schweinefleisch 6264 H, Hammelfleisch 6066 4, Kartoffeln per 100 Kilo «X 6.0011.00, Zwiebeln per Centner X 4-5.00, Milch per Liter 14-18 Gänse per Psd. 40-54

731) Ueber die Höhe der Kosten, welche die Einrückung einer Anzeige in eine oder mehre Zeitungen verursacht, wird man sich niemals enttäuscht sehen, wenn man von der Annoncen - Expedition von «4? VOGLEH in

Frankfurt a. M. (Karlsruhe, Stuttgart oder München) zuvor Auskunft einfordert, die auch hinsichte der liir den jeweiligen Zweck geeigneten Blätter auf Grund reicher Erfahrungen und gründlicher Beobachtungen zuverlässigen Rath ertheilt