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1S6» Samstag den 12. August 1882

Gießener Anzeiger

x~^ Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Erscheint täglich mit Ausnahme des MsrrtagS.

9MH**** x Schulstraße v. 18.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Vringerlshn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Torpedos, von der man gegenüber der Geschwindigkeit eines durch Pulver geschleuderten Geschosses sprechen muß, das Treffen, vom Schiffe in Fahrt aus, eines ebenfalls m Fahrt befindlichen Schiffes ganz bedeutend und es kann daher leicht selbst die vor­sichtigste der auf Hypothesen beruhenden Berechnungen des Gegners durch eine andere als die vorausgesetzte Fahrgeschwindigkeit und die geringste Cursänderung hinfällig werden Hieraus leitet sich nun der taktische Grundsatz her, dotz, sobald die eigene taktische Formation des Geschwaders und der feindliche Sporn, die Ramme, es ge­statten, recht häufiges Aendern des Kurses und der Fahrgeschwindigkeit vorgenommen werden muß. Die Ausbildung dieses Grundsatzes bildet einen wesentlichen Inhalt der Exercitten des Panzer - Uebungsgeschwaders zur Abwehr der Angriffe mit Fisch- Torpedos.

Deutschland.

Berlin, 8. August. DieBerl. Polit. Rachr." schreiben: Endlich ist ein Ministerium für die französische Republik gesunden worden. Der Senator Duclerc wird dasselbe leiten und da dieser Herr ein alter und erfahrener Mann und dabei ein seif made man im vollen Umfange des Wortes ist, so steht zu hoffen, daß er die Einsicht besitzen wird, die Geschäfte seiner Heimath in geeig­neter Weise zu führen. Herr Duclerc war ursprünglich Corrector bei einer Zeitung, sodann wurde er Mitarbeiter des.Journals du Progrös" und trat im Jahre 1840 in die Redaction desNational", wo er volkswirthschaftliche, Finanz- und Eisenbahn-Fragen bearbeitete. Im Februar 1848 zum Adjunkt des Maires von Paris ernannt, wurde er bald daraus Unterstaatssecretär im Finanzministerium und am 10. Mai desselben Jahres Finanzminister. 1871 wurde Duclerc zum Deputirten gewählt. Er präsidrrte der republuamschen Linken und nahm Theil an den Berathungen der Budget-Commissionen. Seit 1875 Senator auf Lebenszeit, wurde er später zum Bice-Präsidenten des Senats gewählt. , ,

Die türkische Regierung hat sich entschlossen, Arabi Pascha m Acht und Bann zu erklären; eine Jrade des Sultans ermächtigt die türkischen Conserenz- Delegirten, Said Pascha und Assym Pascha , der Herstellung eines internatio­nalen Ueberwachungsdienstes auf dem Suezkanal zuzustimmen und die Politik des Sultans in Egypten durch eine Proklamation kund zu thun. Bom Minister- rathe wurden für Serwer Pascha, als den für Egypten bestimmten türkischen Commissar, Instructionen erlassen.

Arabi Pascha aber scheint nunmehr den Krieg auf eigene Faust fortsetzen zu wollen. Seine Truppen sind mit der Errichtung von Verschanzungen zwi­lchen Abukir und Ramleh und an den: westlichen User des Kanals beschäftigt, einer Cooperation der Türkei und Englands wird Arabi aber ernstlich sich doch nicht widersetzen können. . m

Berlin, 9. August. Der Minister des Innern hat bezüglich der Ver- loosung der Sparscheine der Rabatt-Sparanstalt verfügt, daß solche als Ver­anstaltung einer Lotterie anzusehen sei, daß er aber nicht Anstand genommen habe, die von dem Anstaltsvorstand nachgesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung dieser Lotterie zu ertheilen, weil das Bestreben der Rabatt-Sparanstalt durch Beförderung des Baarzahlungs-Systems und durch Kräftigung des Sparsinnes in der Bevölkerung dem Gemeinwohl zu dienen, als ein der Unterstützung würdiges anzuerkennen sei.

In Schloß Rumpenheim wird in etwa drei Wochen wie den Berl. Polit. Rachr." zuverlässig berichtet wird ein Zusammentreffen der Prinzen und der Prinzessin von Wales, des Königs und der Königin von Däne­mark und des Königs und der Königin von Griechenland stattfinden.

Kiel, 8. August. Die Hebungen mit Ftschtorpedos stehen tm Vordergrund auf Dem Programm des Panzergeschwaders. Sie beschränken sich nicht nur aus Schieß­übungen, sondern bestehen auch, und zwar nicht zum geringeren Theile, aus Exercitien zur Abwehr der Angriffe mit denselben. Die Fischtorpedos werden im Geschwader aus Torpedokanonen geschossen, Apparaten, welche den äußeren Habitus von Geschützen haben und daher zu dieser Benennung gekommen sind. Das Manöver des Angriffs erfolgt von Bord der einzelnen Schiffe selbst aus, sodann auch von Barkassen, die in's Wasser gelassen werden und ihren Angriff unter dem Schutze jener ausführen. Die Hebungen der Abwehr eines Torpedoangriffes beziehen sich auf die Verwendung der Revolverkanonen, welcher der diesjährige Geschwaderverband zuerst in größerem Hm- fange zeigt und ferner auf die taktischen Evolutionen der einzelnen Schiffe. Das ur­sprüngliche Gebiet, auf dem man die Mittel zur Abwehr eines Angriffs mit Fisch- Torpedos suchte, war die Hnterwasserpanzerung des Schiffes man wollte die Schiffsböden mit Panzer bekleiden und sie so der zerstörenden Gewalt der ingeniösen submarinen Kriegswerkzeuge gegenüber schadlos halten. Lange beschäftigte man sich mit diesem System des Panzerschutzes, bis der Fortschritt der Fischtorpedo-Construction dessen allgemeine Hnausführbarkeit ergab. Man construtrte dann ein Geschütz, welches, seinen Geschossen nach den Kanonen, seinem Wesen nach der Mitrailleuse gleichend, und daher auch eine Mittelstellung zwischen jenen und dieser einnehmend, einfach, solid und leicht zu handhaben, von großer Schußpräcision seiner kleinen durchdringenden Pro­jektile, die Aufgabe übernehmen sollte, dem Angriff eines feindlichen Torpedobootes oder auch nur eines abgehenden Torpedos allein durch Zerstörung desselben schon in der Ferne wirksam entgegenzutreten; ferner suchte man in der Manövrirfähigkeit der Schiffe ein zweites Mittel. Es klingt zwar merkwürdig, die Manövrirfähigkeit der aroßen Panzerkolosse bei Abwehr eines Angriffes von Torpedos zu benutzen, die doch stets mit rapider Geschwindigkeit ihr Ziel verfolgen, einem Geschosse also mit einem aroßen Schiffe aus dem Wege zu fahren. Indessen, ebensogut wie man in Belagerungs­batterien Posten ausstellt, welche die Mannschaften von dem Ankommen der Bomben avertiren damit sie schnell hinter die Blendungen springen, so ist es auch möglich, in vielen Fällen mit Erfolg auf den Schiffen Personen auszuftellen, die lediglich nach dem Lause des viel langsameren Fischtorpedos ausspähen. Allerdings ist es höchst schwierig, bei kurzen Distanzen auszuweichen oder überhaupt mit dem Schiffe ein Manöver aus- zuführen, namentlich dann, wenn nach einem mißglückten Rammversuche die Torpedos aus nächster Nähe abgeschossen werden; engagirte Schiffe haben sich indessen immer die Aufgabe zu stellen, vorsätzlich das einmal auf sie abgesandte Geschoß, den Torpedo, am Erreichen des Zieles zu hindern oder ihn in unschädlicher Entfernung zur Explosion zu bringen, und dies ist durch das taktische Manöver wohl erreichbar. Ein Umgeben oder Umspinnen der Schlachtschiffe mit Netzen oder Matten von Ketten ober Draht- Tauwerk, welche von abstrebenden Balken getragen werden, ist im Geschwader absolut unzweckmäßig, denn Fahrgeschwindigkeit und Manövrirfähigkeit, Eigenschaften, welche auch schon im Hinblick auf die Namen ganz besonders aufrecht erhalten werden müssen, würden dadurch zu große Einbuße erleiden. Außerdem könnten derartige Arrangements leicht in Unordnung gerathen und dann bedenkliche Verwickelungen herbeiführen. Es ist daher nur möglich, durch ein entsprechendes Manöver mit dem Schiffe selbst das Treffen des Torpedos zu verhindern oder wenigstens zu erschweren und es wird dies immer um so leichter fein, je größer die Distanz ist. Die Trefffähigkeit der Torpedos ist immer noch eine sehr geringe; ist sie an und für sich betrachtet immerhin bewunder­ungswürdig, so erschweren doch entweder die Lanzirapparate oder die Langsamkeit des

England.

London, 9. August. Irischen Blättern zufolge greift die Bewegung unter den Mannschaften des irischen Constabler-Corps zu Gunsten einer Sold­erhöhung in bedenklicher Weise um sich. Der Generalinspector des Corps, Oberst Bruce, besuchte am Samstag Limerick, wo die Bewegung entstanden, um deren Natur zu ermitteln. Der Oberst hielt eine Ansprache au etwa 100 Cou- stabler, in welche er ihr Verhalten streng mißbilligte. Er sagte, dasselbe sei beispiellos in der inilitärischen Geschichte und stelle sich seinem Ermessen nach einer unloyalen Vereinigung gleich. Sie hatten nicht ein anonymes Rund­schreiben aussenden sollen, wodurch die ganze Polizeimacht Irlands veranlaßt wurde, ihrem anstößigen Beispiel zu folgen. Warum Hütten sie sich der Regie­rung nicht in soldatischer Weise genähert und ihr in einer Denkschrift ihre Be­schwerden unterbreitet? Dann würden dieselben schleunigst Abhülfe gefunden haben Statt dessen hätten sie ein durchaus unloyales Verfahren eingeschlagen. Der Generalinspector empfahl schließlich den Mannschaften, das Rundschreiben zurückzuziehen, die Umtriebe auszugeben und es der Regierung zu überlassen, ihren Beschwerden abzuhelfen. Die Mannschaften räumten em, daß die Form ihrer Agitation ungewöhnlich fei, allein fie wiesen die Beschuldigung, daß ste sich der Untreue schuldig geinacht, mit Entrüstung zurück. Das wäre eine Beleidi­gung der schlimmsten Art, die hoffentlich nicht wiederholt werden wurde und für die sie eine Entschuldigung von dem Obersten erwarteten. Sie lehnten es schließlich ab, die Agitation auszugeben, und erklärten, daß sie dieselbe fortsetzeu würden, bis sie ihren Zweck erreicht. Der Oberst bezeichnete später die Haltung der Mannschaften als meuterisch.

Asten.

Bombay, 9. August. Gestern sind 5 Transportschiffe mit indischen Truppen nach Egypten abgegangen, 7 weitere Transportschiffe folgen heute nach auf einem der letzteren befindet sich der Commanöirende des indischen Truppen-Contingents, General Macpherson mit seinem Generalstabe. Zur Ver­stärkung des indischen Truppen-Contingents sind noch ein weiteres Regiment Infanterie mit 3 Batterien Artillerie bestimmt, denen die entsprechenden Be­fehle bereits zugegangen sind.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'S telegr. Correspondenz-Birreair.

Hamburg, 10. August. Zu Ehren des hier stattfindenden dritten deut­schen Sängerbundfestes ist die Stadt auf das Festlichste geschmückt, bis Mittags sind mit den fahrplanmäßigen Zügen und mit 23 Extrazügen bereits über 4000 Sänger hier angelangt. Die Sänger wurden auf den Bahnhöfen mit Musik begrüßt, auf dem Wege nach der Marienthaler Bierhalle, wo auf städtische Kosten eine Erfrischung gereicht wurde, von der die Straßen füllenden Bevöl­kerung mit sympathischen Zurufen empfangen und hierauf durch Schulknaben nach den für sie bestimmten Quartieren geleitet. Unter den Fahnen erregte die­jenige des Leipziger Zöllnerbundes, die von 3 Sängern getragen und von 8 Herolden begleitet wurde, besondere Aufmerksamkeit. Unter den hier emge- troffenen Festgästen befinden sich auch sehr viele Ausländer.

Wien, 10. August. Die Blätter heben übereinstimmend hervor daß die alljährliche Begegnung des Kaisers Wllhelm mit dein Kaiser Franz Josef M Ischl die beste Kundgebung der zwischen Oesterreich und Deutjchland unverän­dert fortbestehenden Freundschaft und daß der Sunbber beiden Machte der * WÜÄ xsfrk fflSÄfewaw SSWÄÄWgÄÖÄti demselben ergriff Gladstone das Wort und f ö0te 7m-r er e §9? eicbe§ zu wahren, ja, das Egypten gesandt worden, um d,e großen Interestroel^e mir an diesem

tage ich feierlich der civ>l,sirt-nW-lt -sstn° Staaten mit uns th-il-n. Egypten ist Thor- haben und welche nicht alle -uropail-Y-n Hemisphären; dieses Thor soll das unentbehrliche Thor firn den H°?del d,er de d n 0 P« egyptische Volk, offen und das Land friedl ch s°'n, « fiJun' "wünschen nicht,' die fort- wir wollen bafielbe befreien aus der um ^ünfd)en vielmehr ein freies und schreitende Freiheit Egyptens rurückzudrang ,^w ^änbzn# nicht mit geheimen glückliches Egypten. England geht do h n ml verheimlichen. Wir haben ein »S, »'

1nlBffeneh^eOtb?e*et ermähne sodann di/sr-undlichen Beziehungen der Türkei als Rebellen und V-'b"ch-r. -rway , t $f0Tte> bie Autorität des

Su gn0lanb und rklare '^^inist-rpräsid-nt Said Pascha theilte Lord Dufferin Kh°dwe zu unterstütz in. ell' bicsie Abtheilung türkischer Truppen in der

I "°ch Egypten abgehen zu lassen.