Vermischtes.
Budenheim, 6. Juli. Die Schauergeschichte, die man von hier erzählt, reducirt sich bei genauer Untersuchung bedeutend. Die Schwester des betreffenden Burschen wurde mcht, wie es heißt, in einem engsten Holzverschlag aufgefunden, sondern in eine Dachstube, wie man diese auf dem Lande häufig bewohnt findet- Die Schwester ift allerdings geistesschwach und ging selten aus, hat auch auf Reinlichkeit wenrg geachtet, was aber zumeist in dem Zustande dieser Personen seinen Grund hatte. Die Staatsbehörde hatte sich am Montag Vormittag an Ort und Stelle überzeugt und die Untersuchung wird den wahren Sachverhalt wohl bald klarstellen.
Von der Kinzig. Ein drolliges Vorkommniß, welches sich in einem größeren Orte des Kinzigthales ereignete, verdient auch in weiteren Kreisen bekannt zu werden. Ein alter Händler von K., dessen Nahrungszweig der Handel von Knochen, Lumpen, Metallen rc. bildet, kam bet seiner Suche in dem Orte mit dem Sacke auf dem Rücken auch in das Haus des Bürgermeisters, woselbst ihm auf Nachfrage die Frau des Hauses den Bescheid gab, er möge später wiederkommen, da die Lumpen erst zusammengesucht werden müßten- Nach einiger Zeit wollte unser guter Händler der Einladung Folge leisten und rief, im Hause angekommen, zur ersten besten Thüre, welche er ein wenig öffnete, hinein: „Nun, sind die Lumpen schon beisammen?" nicht ahnend, daß in diesem Zimmer Ortsgemeinderathsfitzung statlfand- — Tableau. Entrüstung über diese freche Frage und allgemeine Verfolgung, bis die Aufklärung erfolgte.
Eingesandt.
Der Zttherverein „Alpenröschen" arrangirte gestern einen kleinen Ausflug in den Philosophenwald, welcher in jeder Hinsicht als ein gelungener zu bezeichnen ist und manchem der Thetlnehmer noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben wird Die sämmtlichen Piecen wurden sehr exart zum Vortrage gebracht, wobei besonders das schöne Spiel dreier mitwirkenden Damen zu erwähnen ist. Zum Schlüsse wurde bei den Klängen einer guten von den Mitgliedern des Vereins selbst ausgeführten Streichmusik getanzt.
Handel und Verkehr.
Gießen, 11. Juli. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter per Pfd. OL 0.80—0.85, Hühnereier 5—6 und 2 Stück 0 4, Enteneier per Stück 6—7 X Käse per St. 5—8 Käsematte per Stück 3 Erbsen 1 Liter 20 H, Linsen 1 Liter 30 H, Tauben das Paar 80 Hühner per Stück JL 0.90—1.00, Hahnen per Stück JL 0.70—1.00, Enten per Stück JL 1.50—1.80, Ochsenfleisch per Pfund 64—66^, Kuh- und Rindfleisch 54—56 Kalbfleisch 44 bis 50 H, Schweinefleisch 62—64 Hammelfleisch 60—70 H, Kartoffeln per 100 Kilo X 5.00-6.00, Zwiebeln per Gentner X 12, Milch per Liter 14—18 H, Kirschen per Pfund 30—40
"^Fra^kfurt, 10. Juli. (Getreide-Preise.) Weizen eff. hiesiger und Wetterauer JL 27^/4—28, fremder X 23Vr—25^2, Roggen eff. hies. X 19. fremder XI6V2—183/4, Gerste eff. hies. und Wetterauer X 17—18, fremde X 18—19, Hafer eff. hies.
16'/«—17, fremder X 15—17. Rüböl eff. ohne Faß hiesiges in Parthien von 50 Ctr. X 43. Branntwein eff. ohne Faß X 42.
Frankfurt, 10. Juli. Der heutige Viehmarkt war ziemlich befahren. Angetrieben waren ca. 380 Ochsen u. Stiere, 300 Kühe u. Rinder, 200 Kälber u. 200 Hämmel. Die Preise stellten sich per 100 Pfund Fleischgewicht: Ochsen 1. Qual. X 66—68, 2. Qual. X 58—60, Kühe 1. Qual. X 58—60, 2. Qual. X 45—50, Kälber je nach Qualität X 45—65, Hämmel 1. Qual. X 60—62, 2 Qual. X 40—45.
Frankfurt a. M., 11. Juli, Nachmittags 2 Uhr — Min. (Telegraphischer Coursbericht. Mitgetheilt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen.) Creditactien 2733/4, Staatsbahnactien 2813/4, Galizier 270%, Lombarden 1143/4, Nord- weftbahnactien —, Darmstädter-Bankacffen 1583/4, Oberschlesische E.-B.-Act. 248V», Oefterr. Silberrente 66, 4o/o Ungar. Goldrente 751/2, 4% 1880er Russen 68"/ig, 50 0 1877r Russen 853/4, 2. Orient-Anleihe 56, Spanier 289/iß, 5% Rumänische Rente —, 4% Unific. Egypter 553/4. Tendenz schwankend.
Wafferwärme der Lahn.
Am 11. Juli, Mittags zwischen 11 und 12 Uhr: + 13Vr« R., Luftwärme +141/2° R.
L. Chr. Rübsamen.
Allgemeiner Anzeiger.
Bekanntmachung.
Die rückständige Communalsteuer pro 1. und 2. Ziel 1882/83 kann innerhalb 8 Tagen an den Zähltagen Dienstag, Donnerstag und Samstag noch ohne Kosten zur Stadtkasse bezahlt werden.
Gießen, den 8. Juli 1882.
Der Stadtrentmeister:
Enders. 4609
Ladung.
Konrad Wentzel von Lang- Göns, der am 9. Februar 1812 geb. Sohn von Kaspar Wentzel II. und 'Elisabetha geb. Heß, seit etwa 45 Jahren verschollen, wird ausgefordert, dis zum 1. November 1882 über sein dahier curatorisch verwaltetes Vermögen zu verfügen, widrigenfalls sein Tod angenommen und sein Vermögen an seine Erben ausgeliefert werden wird.
Binnen gleicher Frist sind bei Meidung der Unterstellung des Verzichts etwaige moch nicht angezeigte Erbansprüche auf den Nachlaß des Vorgenannten dahier anzumelden, insbesondere Seitens der folgenden, an unbekannten Orten weilenden gesetzlichen Erben:
1) Der Kinder des Bruders Johannes Wentzel V. von Lang-Gons:
a. Johannes Wentzel (zuletzt angeblich in London),
b. Anton Wentzel,
c. Anna Elisabetha Wentzel (zuletzt angeblich als William Louis Frau in Columbia, Staat Ohio),
d. Katharina Wentzel,
e. Konrad Wentzel V.;
2) des Sohnes der Schwester Anna Elise, Heinrich Waldschmidt's Frau in Wetzlar, Friedrich Waldschmidt.
Gießen, den 7. Juli 1882.
Großh. Amtsgericht Gießen. 4679 Dr. Gilmer.
Mittwoch den 12. Inti,
Nachmittags 2 Uhr, werben in der Flett'schen Hosraithe dahier mehrere Sophas, runde Tische, Kleiderschränke, Kommoden, Oeldruckbilder, sowie verschiedene Maschinen, als: Aobel-, Bohr- u. Schleudermaschinen, Drehbänke,Brückenwaagen, Kassenschränke rc. öffentlich meistbietend versteigert.
Theilweise findet die Versteigerung in der Behausung des betr. Schuldners statt. Zusammenkunft jedoch in der Flett'schen Hosraithe.
Gießen, den 10. Juli 1882.
Bauer,
■1660 Großh. Gerichtsvollzieher. ^iu^W^sser-Trinkhalle mit 2lbfüllsLule von Messing nebst Kühl- avparat soll
Mittwoch den 12. Juli L I,
Nachmittags 2 Uhr, in der Hosraithe des Laikirers Euler aus dem Hamm meistbietend versteigert werden.
Die Versteigerung findet bestimmt statt.
Gießen, den 8. Juli 1882.
Bauer, 46o0 . Gr. Gerichtsvollzieher.
Die Lieferung von 10000 Cbmtr. Lahnkies soll in Quantitäten nicht unter 2000 Cbmtr. in öffentlicher Submission vergeben werden. Als Lieferplätze sind angenommen die Haltestelle Cölbe, die Bahnhöfe Marburg und Lollar.
Die Lieferungsbedingungen sind auf meinem Bureau einzusehen und die bezüglichen Offerten, zu denen die Formulare daselbst abgegeben werden, bis zum 18. Juli 1882, Vormittags 11 Uhr, verschlossen und franko einzureichen. Später eingehende Offerten haben auf Berücksichtigung keinen Anspruch.
Die Auswahl unter den drei Mindestfordernden bleibt vorbehalten.
Marburg, den 3. Juli 1882.
Königl. Eisenbahn-Bauinspection. 4582 Philippi.
Ernte-Verfteigerung.
Samstag den 13. ds. Mts.,
Nachmittags 2 Uhr, sollen nachverzeichnete Früchte des land- wirthschaftlichen Versuchsfeldes, nämlich:
3 Morgen Wickhafer,
2 „ Gerste,
2 „ Roggen,
2 „ Kartoffeln,
in Abtheilungen von je einem Morgen an Ort und Stelle meistbietend versteigert werden.
Der Flurschütze Volker dahier wird aus Verlangen nähere Auskunft er- theilen.
Gießen, den 11. Juli 1882. Großherzogliches Universitäts-Rentamt. 4680 SchmN t.
Donnerstag den 13. d M,
Nachmittags 2 Uhr, sollen in der Flett'schen Hofraithe dahier 1 runder Tisch, 1 Kommode, 1 Nähmaschine, 1 Kleiderschrank, 3 Grabdenkmäler aus Sandstein, 2 Grabsteine mit Marmorplatten, 3 Grabfteinsockel, 2 Grabkreuze
meistbietend versteigert werden.
Gießen, den 11. Juli 1882.
Geißler,
4683 Gerichtsvollzieher.
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