2lba Freiherr von Minnigerode macht zunächst der Linken den Vorwurf, hoß sie durch den versuchten Lärm während der Rede des Regierungs-Commissärs den R-iv.ct vor bim Vertreter der Regierung außer Augen gesetzt habe. (Rufe links: Zur Ordnung!) Ein derartiger Ton fei bis dahin unerhört gew'sen; die Debatten seien bisher mit Anstand geführt worden. Ich hoffe, daß sie das künftig vermeiden werden. lAba Richter ruft: Schade, daß Sie nicht Schulmeister g-wo,den sind (Rufe rechts: stur Ordnung.) Für ihn sei die Frage des finanziellen Bedürfnisses entscheidend. Die finanziellen Bedürfnisse des Reiches und der Einzelstaaten seien nach wie vor sehr große. Eine weitere Erhöhung der Tabaksteuer Halle auch er für sehr schwer durchführbar. Weder der Tabakbauer noch der kleine Fabrikant würden e,nr solche ertragen können. Das Monopol biete nach seiner Meinung gerade für den Tabakbau größere Garantien als die Privattndustrie Das Wort Monopol erschrecke ihn nicht, und wenn Herr Hodreeht heute gerufen: Niemals! Niemals! so bezweifle er, daß diese Worte aus dem Munde eines Polifikers gekommen. Redner erklärt sich für comnrissarische Berathung und glaubt, daß auch die Gegner des Entwurss alle Veranlassung hätten, in der Commission eine eingehende Kritik der Vorlage vorzunehmen.
Das Haus vertagt sich hierauf.
Persönlich beklagt sich Abg. Richter über die unzulässige Kritik des Abg. v. Minnigerode über das Verhalten der linken Sette des Hauses und glaubt nicht, daß er se nerseits die Grenzen des parlamentarischen Anstandes überschritten habe. Er habe Herrn v. Minnigerode nur zugerusen: „Sie sind kein Schulmeister!"
Der Präsident bemerkt, baß er die Aeußerung des Abg. Richter anders auf- gefaßt habe, weist aber jede Kritik seines eigenen Verhaltens entschieden zurück. Als Präsident müsse er sich die Entscheidung darüber Vorbehalten., was er als parlamentarisch zulässig erachte, was Nicht.
Nächste Sitzung zur Fortsetzung der Monopoldebatte Freitag 11 Uhr. Schluß 3-/« Uhr._____________________
Telegraphische Depesche«.
Wolff'» telegr. Eorrespondenz-Bureau.
Karlsruhe, 10. Mai. Die Großherzogin, welche mit der von Amsterdam nach Stockholm zurückretsenden Königin von Schweden am Sonntag in Köln zusammengetroffen war, kehrte heute früh nach Baden zurück.
Wien, 10. Mai. Im Abgeordnetenhause wurde eine Interpellation einaebracht, in welcher die Ansrage an die Regierung gerichtet wird, ob dieselbe anläßlich der an der österreichisch-russischen Grenze an Juden verübten Greuel- thaten, sowie der durch zahlreiche Flüchtlinge dem Staate erwachsenen Schwierigkeiten ihren Einfluß im Sinne der Gerechtigkeit und der Menschlichkeit geltens zu machen gedenke.
— Ringtheater-Proceß. Am Schluffe der gestrigen Verhandlung zog der Staatsanwalt auf Grund der bisher erfolgten Zeugenaussagen die Anklage gegen den Bürgernieister v. Rewald zurück. Der Präsident verkündigte sofort oas freisprechende Urtheil gegen denselben.
Paris, 10. Mai. Die „Agence Havas" meldet aus Kairo vom 9. ds. Der Khedive versammelte heute die Consuln der Großmächte um sich und con- ferirte später nochmals mit den Consuln von England und Frankreich, deren energischem Drängen er nachgab, indem er sich entschloß, die Antwort der Pforte nicht abzuwarten und verschiedene Strafumwandlungen auszusprechen. Die Consuln von England und Frankreich sollen in vollkommenem Einverneh- men handeln.
London, 10. Mai. Die gestrige Aufführung von Wagner's „Götterdämmerung" wurde mit größtem Beifall ausgenommen, am Schluffe der Vorstellung wurden die Hauptdarsteller wiederholt gerufen. Vom Hofe wohnten der Prinz und die Prinzessin von Wales, der Herzog von Edinburgh, die Prinzessinnen Louise und Beatrice, der Großherzog von Hessen und seine Tochter und der Kronprinz von Dänemark der Vorstellung bei.
Dublin, 10. Mai. Der Amerikaner Moore und mehrere andere Personen, die als der Thellnahme am Morde Lord Cavendish' und Bourke's verhaftet worden waren, sind wieder auf freien Fuß gesetzt worden.
Kairo, 10. Mai. (Meldung des „Reuter'schen Bureaus"). Dem Vernehmen nach sollen Mahmud Pascha und Mustapha Pascha ihre Entlassung nehmen und roerbe der Versuch gemacht werden, dem Khedive Arabi Bey als Consell-Präsidenten aufzunöthigen. Das Cabinet beabsichtige, die Rotabeln zu berufen, um die Absetzung öes Khedive aussprechen zu lassen. Mehrere General- consuln hätten bei ihren Regierungen telegraphisch die Hersenvung von Panzerschiffen nachgesucht.
Lokale-.
Gieße«, 11. Mai. Gestern Abend conftituirte sich im „Frankfurter Hof" die neue Feuerwehr. Bis jetzt zählt dieselbe schon 84 Mitglieder, welche alle hier seßhafte Einwohner sind. In der von ea. 60 Personen besuchten Versammlung wurde einstimmig der Fundamentalsatz angenommen, daß zur Ausnahme in die Feuerwehr ersorderlich ist' 1. unbescholtener Ruf, 2. Gesundheit und körperliche Befähigung 3. ständiger W o h n s i tz i n Gießen und 4. zurückgelegtes 18. Lebensjahr. Die Versammlung legte der neuen Feuerwehr die Bezeichnung „Gießener freiwillige Feuerwehr" bei. Als 1. Hauptmann wurde Stadtverordneter Louts Petri II. einstimmig gewählt. Die Versammlung beschloß ferner, einen Aufruf an die Einwohnerschaft unserer Stadt zu erlassen, worin zum Beitritt in die neue Feuerwehr ausgefordert wird Neben jüngeren Elementen, welche in erster Linie hochwillkommen sind, wird jedoch auch auf altere Herren gesehen, welche als außerordentliche Mitglieder mit einem jährlichen Beitrag der Feuerwehr zur Seite stehen und dadurch die finanziellen Schwierigkeiten erleichtern helfen. Bezüglich der Unisormsfrage war man der Ansicht, daß die seitherige blaue Blouse nicht zu acceptiren sei und wurde der Vorstand beauftragt, demnächst geeignete Vorschläge zu machen. Auch wurde der Vorstand ermächtigt, Fühlung mit der frei». Gatl'schen Feuerwehr zu nehmen behufs Verschmelzung in eine Feuerwehr. — Heute Abend wird von Seiten der Stadt der neuen Feuerwehr das Inventar überwiesen, so daß die Stadt im gegebenen Falle nicht ohne Schutz ist. — Mögen die Wünsche, welche in der Versammlung ausgesprochen, sich zum Wohle unserer Vaterstadt in reichstem Maße erfüllen. Möge die junge Wehr durch allseittgen Zutritt an Ansehen und Größe gewinnen. Es wird dies ein Sporn sein, welcher jederzeit anregend und fördernd wirkt.
Handel und Verkehr.
Limburg, 10. Mat. (Fruchtmarkt.) Rother Weizen JL 2105, Weißer Weizen M. 0000. Korn M. 14.70, Gerste M 11,00, Saatgerste at 00, Hafer M 8,40 Erbsen je 00.00, Kartoffeln M. 00,00.
Frankfurt, 10. Mai. Auf dem heutigen Markte kostete der Centner Heu je nach Qualität JL 4.00—4 60, Stroh JL 2.90—3 20, Eier das Hundert „K 4 50—5.50 Ochsenfleisch das Psund 65—70 H, Kuh- und Rindfleisch 45-55 Kalbfleisch 40 bis 60 H, Hammelfleisch 40—65 H, Schweinefleisch 70—80 H, 1 Hahn JL 1.70—2.20 1 Huhn M. 1.80—2.30, 1 Taube 45—50 H, 1 Poularde M. 0.00—3.00, 1 Gans JL 6 bis M 8, Welsche M. 8—12, 1 Ente M 3.00,' Butter 1. Qualität JL 130—0.00, 2. Qualität M. 0 90—0.00, Handkäs 45—50 H das Pfund, Kartoffeln das Malter M 5.00—6.00, Kopfsalat 10—00 H, gelbe Rüben das Gebund 7—12, Romainsalat 80—00 H, Rettig das Stück 6—8 Sellerie der Kops 12—20 H, Blumenkohl 30 bis 50Wirsing 10-15 Weißkraut 18—25 H das Stück, Rothkraut 25—35 ^>, Kohlkraut 00 4, Kohlrabi 0—0 H, Endivien 15—20 Spargel 50—60 L das Pfund. Zwiebel 10—12 M der Centner.
Frankfurt, 10. Mai. (Fruchtpreise.) Weizen, effektiv hiesiger und Wetterauer ^24.00—2600, fremder M. 00.00—00.00. Roggen effektiv hiesiger „Ä16.25—19.50, fremder 00.00 -00.00. Gerste effektiv hiesige und Wetterauer JL 14.50 —20.00, fremde M 00 bis 00.00. Hafer effektiv hiesiger und Wetterauer JL 15.00—17.50, fremdere 00.00 -00 00 per 100 Kilo.
Frankfurt a. M., 11. Mai, Nachmittags 2 Uhr — Min. (Telegraphischer Coursbericht. Mitgetheilt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen.) Creditactien 292%, Staatsbahnactien 285%, Galizier 265, Oesterr. Silberrente 65*%6, 4"/0 Ungar. Goldrente 75,3/16, 4% 1880er Russen 70*3/16, 2. Orient-Anleihe 57‘3/)6, 5% Rumänische Rente —, Lombarden 127%. Tendenz —.
Waffcrwarme der Lahn.
Am 11. Mai, Mittags zwischen 11 und 12 Uhr: + 10%° R., Lustwärme + 11%°R.
L. Ehr. Rübfamen.
Allgemeiner Anzeiger.
Gießener §ienen)ülhter-Bercin.
Sonntag den 14. Mai, Nachmittags 3 Uhr, Versammln«« im „Gasthaus zur Post" in Steinbach. 8
Abfahrt von Gießen präcis 2 Uhr bei Fel sing, Neuenweg.
Tagesordnung: Vortrag Über die künstliche Vermehrung der Bienen- -> tf X cn EAr, event. auch praktische Ausführung derselben. >ingel Jim Tei<^e sehr erwünscht und sind Bienenfreunde höflichst
Deutsche Lebens-, PenswnS- und Rentcn- Verflchcr.-Gesellschast auf Gegenseitigkeit ZU Potsdam.
Versicherungsbestand Ende April 1882: Im Jahre 1881
M 56856671,40.
Der
Ende 1881
„ Zinsen-Einnahme
„ Gesammt-Einnahme das Gesammt-Vermogen
stieg die Prämien-Einnahme auf M 169491010
—155953'81'
1887086,18,
5661550,51.
■* 55587479 iUgctolieBcn' s° b°tz dieselbe
Sa6ren5MirÄ.Ä9,f6.51133°'79 - Ganzen in den
im Vor^ahr^^-b für 1881 erreicht dic Höhe von 90754,41 gegen ^87625,13
7as Vermögen der Anstalt ist theils in Hypotheken mit buhin^.ir*..
'm ^rÄ^a‘6Pa,,iCrtn an9Ek8t Wertere Sei gelangen"' Rechenschaftsbericht für 1881 wird in den nächsten Tagen zur Ausgabe w»,,™.?'®1*!-?“"11' erhalten Cautions-Darlehne unter den coulantesien Re- dingungen. Versicherung gegen die Gefahren des Kriegs- und ©eebienftea Kt
®arIe6nc auT H^-b-ke« mit pupillarischer Sicherheit wlrden jkderzett geaebm' Potsdam, im Mai 1882. Oie ntrection.
sch°ft der Gesell
en d-ns-lben, sowie von der unt-rzeiL-n
Cassel, den 8. Mai 1882. Di- S U b - D i r - - t i 0 N '
3387 H. Strack.
Kri-g-r-Verein Gießen.
Montag den 15. d. Mts., Abends 8 Uhr:
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